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Gottesdienst für den Sonntag Rogate

Gottesdienst für Sonntag Rogate den 09.05.2021 in schriftlicher Form

Schön, dass Sie auch an diesem Sonntag wieder unseren Gottesdienst mitfeiern. Es ist der Sonntag Rogate. Was auf Deutsch soviel heißt wie: „Betet!“ Der Sonntag ist also eine Bitte darum, Gott zu bitten, dass er uns das gibt, was wir wirklich brauchen und nötig haben.

Lied 449 Die güldne Sonne

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag ist Psalm 95 und es sind die Verse 1-7.
Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen!
Denn der Herr ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.
Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.
Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet. Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat. Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.
Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott. Voller Vertrauen wenden wir uns heute an Dich. Lass uns Deine große Freundlichkeit und Güte auch heute wieder spüren, wenn wir Gottesdienst feiern. Lass uns Deine Kraft erfahren. Lass uns erfahren, wie Deine Kraft unsere Hoffnung stark macht und unsere Liebe groß. Lass uns erfahren, wie Deine Kraft uns fest und gewiss macht im Glauben. So lass uns Dein Wort heute Morgen hören und erfahren. Schenke uns dazu Deinen Heiligen Geist. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Ersten Timotheus-Brief im 2ten Kapitel in den Versen 1 bis 7. So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat als Lösegeld für alle, als Zeugnis zur rechten Zeit.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort steht im Buch Jesus Sirach im 35ten Kapitel in den Versen 16 bis 22. Das ist ein Weisheitsbuch, das in den „evangelischen“ Bibeln fehlt. In der katholischen und orthodoxen Kirche aber gehört das Buch zum biblischen Kanon dazu. Also hören wir darauf, was dort über Gott gesagt und geschrieben wird:

Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt. Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt? Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken, doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost, und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält. Der Herr wird nicht säumen noch Langmut zeigen, bis er den Unbarmherzigen die Lenden zerschmettert.

Schon ein ungewohntes Wort. Die Sprache ist nicht so leicht. Die Gedanken sind zum Teil ganz fest im Denken des Alten Testaments verwurzelt. Umso bemerkenswerter ist es, dass aber Gott selbst in diesem Wort auf eine Art und Weise beschrieben wird, dass es uns leicht gemacht wird, etwas damit anzufangen. Gott ist der, der da ist für die Schwachen und für die, die sich nicht selbst helfen können. Gott tritt ein für die, die sonst keine Fürsprecher haben. Gottes Herz schlägt für die, die geschlagen sind. Die Tränen der Verletzten bleiben nicht ungesehen von Gott. Die Tränen der Traurigen bleiben nicht ohne eine Antwort. Keine Träne ist umsonst geweint. Und – und damit sind wir beim Thema des Sonntags – kein Gebet ist umsonst. Die an Gott glaubt und die auf Gott ihre Hoffnung setzt und in diesem Glauben und mit dieser Hoffnung zu Gott betet, die wird nicht erleben müssen, dass sie in ihrer Not unerhört bleibt von Gott.

Leider wird dabei nicht gesagt, wann Gott antwortet. Und es wird auch nicht gesagt, wie er antwortet. Sicher ist nur: er antwortet. Und er antwortet so, dass dem, der in Not ist, geholfen wird. Das ist eine wunderbare Botschaft. Aber dass das „wann“ und das „wie“ offenbleiben, das macht es für mache Christin und manchen Christen schwer. Und für manche ist es sogar eine Zumutung.

In unserer schnellen Zeit wollen wir Menschen gerne schnelle Antworten. Alles soll schnell gehen. Unsere Ungeduld wird schnell groß. Auch das ist ein Grund dafür, dass diese Pandemie so eine Zumutung für uns ist. Weil alles so lange dauert. Das Impfen, das Testen, die Quarantäne, der Lockdown. Alles dauert so lange. Und für uns moderne Menschen ist das eine unfassbare Zumutung. Wir machen doch sonst auch alles schneller. Die Züge müssen schneller fahren. Das Essen muss schneller fertig sein. Überall will man Zeit sparen und gleich Ergebnisse sehen. 10 Minuten Power-Work-Out, weil keine Zeit mehr da ist. Schnell einen Insant-Kaffee oder auf dem Weg einen Pappbecher. Mit der neuen Diät 16 Kilo in zwei Wochen abnehmen. Speeddating. Überall: Speed, Power, Instant, Schnell, fertig.

Aber bei Gott ist das so anders. Er ist der Herr der Ewigkeit, der Herr über die Zeit. Und die Bibel sagt an einer Stelle: 1000 Jahre sind für ihn wie in Tag. Was für eine Zumutung für uns, die wir, wenn wir gebetet haben, eben nicht tausend Jahre Zeit haben, denen dann manchmal ein Tag schon zu viel ist, wenn es um das Warten geht. Doch so ist das, wenn wir es mit Gott zu tun haben. Dass ich jetzt bete, und gleich danach geschieht das, was ich mir gewünscht habe, das ist in der Regel nicht Gottes Plan. Das Predigtwort macht das deutlich. Manches Gebetsanliegen begleitet die Betenden über viele Wochen. „Bleibt er ohne Trost, so lässt er nicht nach“, heißt es über den betenden Menschen im Predigtwort. Ausdauer und Geduld sind zwei wichtige Faktoren, wenn es um das Beten geht. Für uns moderne Menschen sollte ich sagen: LEIDER sind Ausdauer und Geduld ganz wichtig, wenn wir es mit Gott zu tun bekommen. „Seid beharrlich im Gebet“, sagt Paulus nicht umsonst an einer Stelle. Nur an einer Stelle heißt es in dem berühmtesten Gebet, im Vaterunser, „heute“. „Unser tägliches Brot gib uns heute!“ Ja, das, was wir auf jeden Fall brauchen, wo wir vergehen würden, wenn wir es nicht hätten, das schenkt Gott uns „heute“. Ansonsten ist es gewiss ganz gut, wenn wir beim Beten immer gleich auch um Geduld und die Kraft der Ausdauer beten. „Herr, lasse
geschehen, was ich brauche und schenke mir die Geduld, darauf zu warten und zu hoffen!“

Und doch ist das ein unglaublicher Trost, wenn man es denn richtig begreifen und verstehen kann. Wieso?

Kennen Sie die Situation, dass sie inmitten von Menschen stehen, offensichtlich Hilfe bräuchten, aber niemand bleibt stehen? Niemand dreht sich um. Niemand kümmert sich. Ich hoffe, das ist Ihnen noch nicht geschehen. Aber es geschieht oft. Oder kennen Sie die Situation, dass sie einen großen Schreck bekommen und Angst haben und nach jemandem rufen. Aber niemand antwortet und niemand ist da? Als Kind haben sie es wahrscheinlich mal erlebt. Mancher Psalmbeter berichtet auch davon. Von dem Gefühl, von Gott alleine gelassen zu sein. Zu Gott zu rufen und dann doch keine Antwort zu bekommen. Mancher berichtet von dem Gefühl, Gott anzuflehen und der scheint es nicht zu hören. Scheint gar nicht da zu sein.

Und doch gibt darauf das Predigtwort eine eindeutige Antwort: „Er hilft!“ Jesus hat das seinen Freunden immer wieder deutlich gemacht. „Er hilft!“ „Er hilft!“ Auf seine Art und Weise. Zu seiner Zeit, nach seinem Plan. Auf Wegen, die uns vielleicht gar nicht in den Sinn kommen. „Er hilft!“ Und sollten Sie die ganze Predigt bald vergessen haben. Und sollten Sie vielleicht mit der Predigt nicht so viel anfangen können. Merken Sie sich einfach die ersten zwei Worte dieses Predigtwortes: „Er hilft!“

Denken Sie bei jedem Gebet daran. „Er hilft!“ Vergessen Sie auch in Momenten großer Sorge und tiefer Not nicht diese beiden Worte. Denn es sind mehr als zwei Worte. Diese zwei Worte beschreiben Gott auf eine einfache aber wunderbare Art und Weise. „Er hilft!“

Lied: So glad I’m here

Fürbittgebet
Herr, hilf uns Beten. Schenke uns den Glauben und die Hoffnung, dass unsere Gebete von Dir nicht unerhört bleiben. Schenke uns die Geduld, auf Deine Antworten zu warten. Schenke uns die Ausdauer, die Not der Welt immer wieder vor Dich zu bringen. Schenke uns die Erinnerung, an all die vielen Gelegenheiten, in denen uns das Gebet Kraft und Mut geschenkt hat. Und lass uns nie vergessen. „Du hilfst!“
So bringen wir auch heute die Not der Welt vor Dich. Auch wenn bei uns die Hoffnung wächst, dass die Pandemie zu einem Ende kommt, wissen wir, dass die Krankenhäuser noch sehr belastet sind. Dass es noch viel zu viele Menschen sind, die mit den Folgen der Krankheit zu kämpfen haben. Dass das medizinische Personal immer noch alles geben muss und manchmal weit über die eigenen Grenzen gehen muss. Sei Du bei den Menschen in dieser ganz speziellen Not. Hier bei uns und auf der ganzen Welt. Höre die Schreie der Menschen in der Not. Höre ihre Gebete, wie immer ihre Not auch heißen mag. Lass die Menschen erfahren, dass sie nicht alleine sind in ihrer Sorge.
Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch ganz persönlich auf der Seele brennt…
Guter Gott, hilf! AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 324 Ich singe dir mit Herz und Mund

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Der Vidiogottesdienst am Sonntag Kantate den 02.05.2021 kann leider wieder nicht eingestellt werden. Corona sorgt auch bei Reparaturen für Verzögerungen. Wir bitten um Entschuldigung. Der schriftliche aktuelle Gottesdienst ist vorhanden.

 

 

Schriftlicher Gottesdienst zum Sonntag Kantate den 02.05.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Diesen Sonntag ist es besonders schmerzhaft, dass wir uns nicht in der Kirche zum Feiern treffen können, denn es ist der Sonntag Kantate. Kantate, das ist eine Aufforderung. Und es ist eine Aufforderung, der wir so auch in diesem Jahr noch nicht folgen können und dürfen. Kantate heißt nämlich „Singt!“. Und singen, gemeinsam singen, dürfen wir eben gerade nicht. Wie schade. Was für ein Verlust. Und dennoch wollen wir, von Gottes Segen begleitet, das Beste daraus machen an diesem Sonntag! Auch die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus unserem Kirchspiel haben an diesem Gottesdienst mitgewirkt. Sie haben sich Gedanken über das Fürbittgebet gemacht und wir haben ein Lied geschrieben für diesen Sonntag der Musik. Bei unserem nächsten Gottesdienst, den wir in der Kirche feiern, werde ich es vorstellen.

Lied 279 Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag ist ebenfalls eine Aufforderung zum Singen. Es ist der 98ste Psalm. Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.
Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!
Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen in die Hände klatschen, und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN;
denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott. Lass uns heute einen Gottesdienst feiern, der uns guttut und der uns zur Freude verhilft. Schenke uns dazu Deinen Geist. Lass Dein Wort in uns Wurzeln schlagen. Dass es auch in uns wachsen kann. Lass Dein Wort zu einer Quelle werden, an der wir uns immer wieder die Kraft holen können, die wir in diesen seelisch so anstrengenden Zeiten brauchen. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Kolosserbrief im 3. Kapitel. Es sind die Verse 12 bis 17.
So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Unser Predigtwort steht im 19ten Kapitel des Lukasevangeliums in den Versen 37 bis 40. Vorher wird berichtet, wie Jesus am Palmsonntag in Jerusalem einzieht. Wie er auf einem Esel einreitet in die Stadt Jerusalem. Und dann heißt es dort:

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Jesus ist auch ein Meister darin, Worte zu finden, die uns Menschen treffen. Die uns ins Nachdenken bringen und die uns den Ernst der Sache klar machen. Wenn er von dem Kamel redet, das eher durch ein Nadelöhr geht. Wenn er davon redet, dass manchmal vielleicht ein Berg zum Propheten kommen muss, wenn der Prophet nicht zum Berg kommt. So ist es auch in diesem Predigtwort. Er findet einen ganz besonderen Ausdruck für die Dringlichkeit einer Herzenssache.

Wenn die Menschen nicht jubeln, wenn sie nicht singen und sich freuen, wenn sie nicht voller Dankbarkeit sind, wenn er, wenn Jesus kommt, dass stimmt etwas ganz und gar nicht. Wenn diese Menschen nicht jubeln, dann, dann werden die Steine schreien. Dann werden sie die Aufgabe übernehmen müssen.

Aber – das weiß nun schon jedes kleine Kind: Die Steine können nicht schreien! Wir müssen es tun. Wir müssen singen und wir müssen Gott loben.

Und das bedeutet dann, das ist schnell gesagt: Es ist unsere Aufgabe, dass wir, die Christinnen und Christen heute, dass wir Gott loben. Dass wir uns nicht den Mund verbieten lassen.
Gewiss, wir können in diesen Tagen nicht singen, so wie es der Sonntag uns ans Herz legt. Zumindest können wir nicht gemeinsam singen. Das müssen wir uns im Moment verbieten lassen. Das gebietet uns die Vorsicht und die Rücksichtnahme vor den Schwächeren und denen, die in den Gesundheitsdiensten arbeiten.

Aber merken wir nicht selbst gerade in diesen irren Zeiten, wie wichtig das Singen eigentlich ist. Wie nötig es ist, zusammen Gott zu loben und mit Liedern zu danken? Ich war in der Osternacht, wie auch im vergangenen Jahr in der Kirche in Münster. Habe die Osterkerze angezündet und gebetet. Und gesungen. Aber mit jedem Tot kam auch die schmerzliche Erinnerung, wie gut es gewesen ist, gemeinsam die Osterlieder zu singen. Wie gut der Klang der vielen Stimmen im Chorraum unserer Kirche gewesen ist. Wie man sich hineinflüchten konnte in den Klag. Wie dieses Singen auch getragen hat und Heimat gegeben hat. Wie dabei eine Gemeinschaft gewachsen und gestärkt worden ist. Und nun war und ist es so still in der Kirche. Und nicht nur in der Kirche, sondern vielerorts auch um die Kirche. Und damit fehlt so viel.

Liebe Gemeinde, gerade bei dem Thema „gemeinsames Singen“ merken wir doch, dass wir es brauchen. Dass das gemeinsame Singen in Gottesdiensten nötig ist – nicht nur um Gott zu loben, sondern auch, um uns Kraft und Hoffnung und Heimat und Gemeinschaft zu schenken.

Kaum jemand macht das deutlicher als die wunderbare Sängerin Mahalia Jackson. Enkelin einer Sklavin, ohne Mutter aufgewachsen, in bettelarmen Verhältnissen in New Orleans. Dort in der Kirche Halt gefunden. Ihr Leben lang hat sie eines gemacht: Gott zu Ehren gesungen. Ihr war es ganz wichtig, dass ihre Lieder immer Gott und den Glauben und die Hoffnung als Thema hatten. Sie sang bei der Amtseinführung von John F. Kennedy, sie sagt bei Martin Luther Kings Rede 1963 in Washington vor 250000 Menschen. Sie sang bei dessen Beerdigung. Und immer sang sie von Hoffnung und Glaube. Und weil sie sang, wie sie glaubte und weil sie glaubte, wie sie sang, waren ihre Lieder eben mehr als Lieder. Sie bewegten Menschen. Sie tröstete Menschen und gab ihnen Hoffnung. Sie gab ihnen Heimat, das Gefühl der Gemeinschaft und Grund zum Glauben. Sie gab ihnen Freude und tausend Gründe zum Lächeln und Lachen und Tanzen. Und das alles gerade auch deshalb, weil es Lieder waren, die Gott gepriesen haben und seine Liebe. Weil sie Gott gelobt haben und seine Kraft.

Nein, wir können im Moment noch nicht gemeinsam singen. Aber. Jeder und jede von uns kann singen. Das Gesangbuch aufschlagen und das Lieblingslied singen oder summen. Eine CD einlegen der eine Platte. Oder das Smartphone anwerfen und einmal Mahalia Jackson eingeben und staunen, welch eine Kraft diese Musik hat.

Ich glaube, dass wenn wir das tun, der Kummer darüber, dass wir im Moment nicht gemeinsam singen können überwunden wird von der Hoffnung und der Vorfreude auf den Moment, wo wir es wieder können. Weil Musik, gerade auch die Musik, die aus dem Glauben an Gott gewachsen ist, weil diese Musik auch durchführt und trägt durch die dunkelsten Momente des Lebens.

Und wenn wir das spüren. Dann können wir nicht nur als dieser Kraft leben. Wir können auch davon erzählen. Am Telefon oder in der Videokonferenz. Wir können es beschreiben, in einem Brief, einer Karte oder auch in einer Nachricht mit dem Smartphone.

Dass wir nur nicht darauf warten, dass die Steine anfangen zu schreien, weil wir schweigen. Denn darauf können wir lange warten. Es ist an uns. Dass wir den Menschen wieder helfen zu staunen über Gottes Güte und Freundlichkeit. In all den Sorgen und mit all den Fragen, die auch wir haben. AMEN

Und mit dem, was die Konfirmandinnen und Konfirmanden unseres Kirchspiels zusammengetragen haben, wollen beten:
Guter Gott, erst einmal wollen wir Danke sagen. Danke dafür, dass Du uns verschont hast vor so mancher Not. Danke dafür, wo wir gesund geblieben sind in der Pandemie. Danke dafür, dass Du uns in all dem Stress auch Momente der Ruhe schenkst. Danke, dass Du uns mit Deinem Wort hilfst, unser Leben, trotz all der Einschränkungen und Sorgen, zu bewältigen. Und wir danken Dir für die Technik, die uns ermöglicht, uns trotz Kontaktbeschränkungen dennoch zu sehen und zu sprechen.
Wir bitten Dich darum, dass es mit der Impfung schnell weitergehen kann. Dass die Menschen in aller Ungeduld doch achtsam und vorsichtig sind und sich an die Regeln halten. Wir bitten Dich, dass wir in diesem Sommer irgendwann auch wieder in unseren ganz normalen Alltag kommen, den wir nun schon so lange vermissen müssen.
Lass uns unsere Zuversicht und Freude nicht verlieren. Lass geschehen, dass der Friede wächst in dieser Welt, dass es mehr Toleranz gibt zwischen den Menschen und keine Beschimpfungen. Sei da, wo Menschen in Not sind.

In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 324 Ich singe Dir mit Herz und Mund

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Schriftlicher Gottesdienst für Sonntag Jubilate den 25.04.2021. Der Vidiogottesdienst konnte wegen technischer Probleme nicht eingestellt werden.

Schön, dass Sie auch an diesem Sonntag wieder unseren Gottesdienst mitfeiern. Unsere Übertragung des Gottesdienstes muss heute aus technischen Gründen ausfallen. Aber in schriftlicher Form wollen wir sie gerne wieder zum Mitfeiern einladen. Es ist der Sonntag Jubilate, auf Deutsch: „freut euch!“

Lied 446 Wach auf mein Herz und singe

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag gibt ihm mit dem ersten Wort auch seinen Namen: Jauchzt, jubelt. Jubilate. Es ist Psalm 66 und es sind die Verse 1-9.
Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen.
Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern. Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, / seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Du Gott des Lebens und der Liebe, lass uns – bei allem, was wir in diesen Zeiten an Gemeinschaft und Gottesdiensten vermissen – auch heute wieder das Wunder Deines Heiligen Geistes erleben. Lass uns erleben, dass Du uns auch auf diesem Weg einen Gottesdienst feiern und erleben lässt, der uns und unserer Seele gut tut. Lass uns auch heute Morgen wieder erleben, dass Du uns ansprichst mit Deinem Wort, und dass Dein Trost und erreicht. Amen

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Johannesevangelium im 15ten Kapitel in den Versen 1 bis 8.
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort steht in der Apostelgeschichte im 17ten Kapitel in den Versen 24 bis 34
Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht
ferne von einem jeden unter uns.Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.  Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht . Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er vor allen Menschen bestätigt hat, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

Liebe Gemeinde
Wir werden, wenn wir dieses Predigtwort hören, Zeugen einer Predigt des großen Apostels Paulus. Natürlich bekommen wir nichts von der Atmosphäre mit: Wir hören seine Stimme nicht. Wir sehen seinen Gesichts-Ausdruck nicht. Wir können seine Körperhaltung nicht wahrnehmen.
Und doch kann man etwas von der Kraft dieses Predigers spüren. Von dem Feuer, der er in sich trägt. Von dem Feuer des Heiligen Geistes, das in ihm brennt.
Aber das ist nur die eine Wahrheit von drei Wahrheiten.

Die erste Wahrheit ist: Ja, hier predigt einer mit der Kraft und mit dem Feuer des Heiligen Geistes. Aber wenn wir dieses Predigtwort hören und die Geschichte, die dahinter steht, sollten wir uns nicht täuschen. Es sind wohlgesetzte Worte, die Paulus hier findet. Er beschreibt in wenigen, sehr eindrucksvollen Worten unseren Gott. Und wohlgesetzt mussten die Worte auch sein. Denn der Ort, an den sich Paulus hier begeben hat, das war nicht irgendein Ort. Es war der Areopag. Er war DAS Zentrum Griechenlands. Seit Urzeiten schon wurde hier regiert und wurde hier geurteilt. Hier waren die großen Denker und die großen Staatslenker versammelt. Und hier will Paulus seine Botschaft, die auch unsere Botschaft ist, verkündigen.

Und hier – das ist die zweite Wahrheit - erlebt er eine seiner größten Niederlagen.
Die Botschaft findet keinen Anklang. Paulus wird ausgelacht.
Die Menschen, die ihm zuhören, lachen ihn aus. Sie lachen ihn aus nachdem er seinen Vortrag beendet hat. Spätestens nachdem er von der Auferstehung Christi berichtet hat, wollten sie ihm nicht mehr weiter zuhören. Was für einen Unsinn erzählte dieser Mann aus Asien. Das, was noch gut begann in ihren Ohren - die Rede von den vielen Göttern und dem einen Gott – das wurde für sie lächerlich, als Paulus von dem einen Menschen, von Jesus zu reden begann.
Und so kam es zu dieser fürchterlichen Niederlage für Paulus: Er wurde ausgelacht.
Das ist die zweite Wahrheit: All die Kraft des Heiligen Geistes, sie scheint erst einmal nichts geholfen zu haben. Die Botschaft vom Auferstandenen, sie wird nicht ernst genommen von den Menschen dort auf dem Areopag.

Und dann ist da noch die dritte Wahrheit dieses Predigtwortes: Da war Dionysius, einer aus dem Rat. Dionysius ist erst einmal nur einer von vielen. Aber: dieser eine, der lachte nicht. Der hörte nicht nur zu. Der erkannt für sich, dass sich hier etwas Neues für sein Leben auftat. Dionysius und seine Frau Damaris werden Christen. Und später, in der Folge, da wird er der zweite Bischof von Athen.
Der Geist Gottes, der in Paulus brennt, er wirkt doch. Nicht auf den ersten Blick vielleicht. Aber in der Tiefe, da wirkt er. Da weckt er auch in Dionysius und seiner Frau Damaris das Feuer.
Was für ein Mut! Was für ein Mut, den Paulus hier an den Tag legt. Und dieser Mut wird belohnt. Und wir können darüber staunen und uns freuen.„Jubilate!“ eben, freuet euch!

Aber wir können noch mehr, als uns darüber freuen: Wir können uns daran ein Beispiel nehmen! Denn der Mut, den Paulus hier hat, das ist kein Mut, den er für sich selbst gepachtet hätte. Sein Mut, der ist gewachsen, weil er Gottes Kraft in sich spürt, weil Gottes Feuer in ihm brennt.
Und weil wir auf Pfingsten nicht nur zugehen, sondern weil wir immer schon aus dem Pfingstwunder leben, deswegen dürfen wir darauf vertrauen und darauf hoffen, dass dieses Feuer auch in uns brennen kann.

Gott sucht Sie! Sie und Dich und mich! Gott sucht uns!
Und Gott freut sich über jede, die einen solchen Mut hat.
Deswegen lasst mich noch ein wenig auf diesen Paulus-Mut schauen, dass wir ihn verstehen können:
Paulus hat sich nicht blind in dieses Wagnis gestürzt. Das ist wichtig. Er weiß, dass es ein Wagnis ist. Er ist klug. Er kann die Situation richtig einschätzen. Sein Glaube und sein Eifer für die Sache Gottes hat nichts Naives oder Törichtes. Das ist das erste, was zu diesem Mut zu sagen ist.

Und weil er die Situation klug und gut einschätzen kann, deswegen gehört noch etwas dazu zu diesem Mut: Er hat sich richtig gut vorbereitet auf diese Situation. Er hat sich vor seiner Rede die Tempel der Stadt angeschaut. Hat sich klug gemacht darüber, woran die Menschen in Athen glaubten. Welche Götter ihnen wichtig gewesen sind.
Der Mut, mit dem Paulus im Namen des Auferstandenen vor den Areopag tritt ist also kein tollkühner Mut. Es ist kein blinder Mut, der nicht weiß, was er tut. Es ist ein Mut, der um das Risiko weiß, ausgelacht zu werden oder nicht ernst genommen zu werden
. Aber dieser Mut weiß eben auch etwas anderes: Das, was ich zu sagen habe, wenn ich von dem Auferstandenen rede, das wird seine eigene Kraft entwickeln.
Ich werde mein Bestes dafür geben. Meine ganze Kraft hineinlegen.
Aber ich darf wissen: Da ist auch eine andere Kraft am Wirken.
Die Kraft des Heiligen Geistes! AMEN

Fürbitte
Gütiger Gott. Dein Wort von der Auferstehung hat eine unfassbare Kraft. Sie wirkt tief in das Leben derer, die es annehmen. Dafür danken wir Dir. Lass uns selbst auch immer wieder Kraft gewinnen aus dieser Botschaft. Dass wir glauben und spüren können, wie Du da bist als der Auferstandene. Dass wir spüren können, wie Du uns tröstest und uns Kraft schenkst.
Noch einmal ist es nun zu einem scharfen Look-down gekommen. Die Nerven vieler sind angespannt, die Geduld mancher ist aufgebraucht. Und die Kraft vieler Pflegenden kommt immer mehr an ihr Ende. Sie alle brauchen Dich. Deine Kraft, Deine Stärke. Da sind so viel Ratlosigkeit und so viel Unsicherheit. Sei Du bei all dem unser Begleiter und lass uns Deine Gegenwart spüren. Und führe uns alle durch das Dunkle endlich wieder ans Licht.
Die Not hat dieser Tage so viele Namen. Die Hilflosigkeit angesichts der Pandemie, die Existenzangst mancher. Das Ausgelaugt-sein derer, die seit Monaten unter Hochdruck da sind für die anderen. Die Einsamkeit der Menschen, denen die Begegnungen fehlen. Die Menschen, denen das gemeinsame Singen und Beten fehlt, in den Kirchen und in der Gemeinde. Nicht vergessen wollen wir aber auch all die anderen Nöte. Die der Kranken, Hungernden, Fragenden und Suchenden, Zweifelnden und Verzweifelten.

In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 421 Verleih uns Frieden gnädiglich

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Der Vidiogottesdienst am Sonntag Jubilate den 25.04.21 kann wegen technischer Probleme nicht eingestellt werden. Die schriftliche Form ist vorhanden.

 

 

Schriftlicher Gottesdienst für Sonntag Jubilate den 25.04.2021

Schön, dass Sie auch an diesem Sonntag wieder unseren Gottesdienst mitfeiern. Unsere Übertragung des Gottesdienstes muss heute aus technischen Gründen ausfallen. Aber in schriftlicher Form wollen wir sie gerne wieder zum Mitfeiern einladen. Es ist der Sonntag Jubilate, auf Deutsch: „freut euch!“

Lied 446 Wach auf mein Herz und singe

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag gibt ihm mit dem ersten Wort auch seinen Namen: Jauchzt, jubelt. Jubilate. Es ist Psalm 66 und es sind die Verse 1-9.
Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen.
Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern. Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, / seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Du Gott des Lebens und der Liebe, lass uns – bei allem, was wir in diesen Zeiten an Gemeinschaft und Gottesdiensten vermissen – auch heute wieder das Wunder Deines Heiligen Geistes erleben. Lass uns erleben, dass Du uns auch auf diesem Weg einen Gottesdienst feiern und erleben lässt, der uns und unserer Seele gut tut. Lass uns auch heute Morgen wieder erleben, dass Du uns ansprichst mit Deinem Wort, und dass Dein Trost und erreicht. Amen

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Johannesevangelium im 15ten Kapitel in den Versen 1 bis 8.
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort steht in der Apostelgeschichte im 17ten Kapitel in den Versen 24 bis 34
Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht
ferne von einem jeden unter uns.Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.  Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht . Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er vor allen Menschen bestätigt hat, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

Liebe Gemeinde
Wir werden, wenn wir dieses Predigtwort hören, Zeugen einer Predigt des großen Apostels Paulus. Natürlich bekommen wir nichts von der Atmosphäre mit: Wir hören seine Stimme nicht. Wir sehen seinen Gesichts-Ausdruck nicht. Wir können seine Körperhaltung nicht wahrnehmen.
Und doch kann man etwas von der Kraft dieses Predigers spüren. Von dem Feuer, der er in sich trägt. Von dem Feuer des Heiligen Geistes, das in ihm brennt.
Aber das ist nur die eine Wahrheit von drei Wahrheiten.

Die erste Wahrheit ist: Ja, hier predigt einer mit der Kraft und mit dem Feuer des Heiligen Geistes. Aber wenn wir dieses Predigtwort hören und die Geschichte, die dahinter steht, sollten wir uns nicht täuschen. Es sind wohlgesetzte Worte, die Paulus hier findet. Er beschreibt in wenigen, sehr eindrucksvollen Worten unseren Gott. Und wohlgesetzt mussten die Worte auch sein. Denn der Ort, an den sich Paulus hier begeben hat, das war nicht irgendein Ort. Es war der Areopag. Er war DAS Zentrum Griechenlands. Seit Urzeiten schon wurde hier regiert und wurde hier geurteilt. Hier waren die großen Denker und die großen Staatslenker versammelt. Und hier will Paulus seine Botschaft, die auch unsere Botschaft ist, verkündigen.

Und hier – das ist die zweite Wahrheit - erlebt er eine seiner größten Niederlagen.
Die Botschaft findet keinen Anklang. Paulus wird ausgelacht.
Die Menschen, die ihm zuhören, lachen ihn aus. Sie lachen ihn aus nachdem er seinen Vortrag beendet hat. Spätestens nachdem er von der Auferstehung Christi berichtet hat, wollten sie ihm nicht mehr weiter zuhören. Was für einen Unsinn erzählte dieser Mann aus Asien. Das, was noch gut begann in ihren Ohren - die Rede von den vielen Göttern und dem einen Gott – das wurde für sie lächerlich, als Paulus von dem einen Menschen, von Jesus zu reden begann.
Und so kam es zu dieser fürchterlichen Niederlage für Paulus: Er wurde ausgelacht.
Das ist die zweite Wahrheit: All die Kraft des Heiligen Geistes, sie scheint erst einmal nichts geholfen zu haben. Die Botschaft vom Auferstandenen, sie wird nicht ernst genommen von den Menschen dort auf dem Areopag.

Und dann ist da noch die dritte Wahrheit dieses Predigtwortes: Da war Dionysius, einer aus dem Rat. Dionysius ist erst einmal nur einer von vielen. Aber: dieser eine, der lachte nicht. Der hörte nicht nur zu. Der erkannt für sich, dass sich hier etwas Neues für sein Leben auftat. Dionysius und seine Frau Damaris werden Christen. Und später, in der Folge, da wird er der zweite Bischof von Athen.
Der Geist Gottes, der in Paulus brennt, er wirkt doch. Nicht auf den ersten Blick vielleicht. Aber in der Tiefe, da wirkt er. Da weckt er auch in Dionysius und seiner Frau Damaris das Feuer.
Was für ein Mut! Was für ein Mut, den Paulus hier an den Tag legt. Und dieser Mut wird belohnt. Und wir können darüber staunen und uns freuen.„Jubilate!“ eben, freuet euch!

Aber wir können noch mehr, als uns darüber freuen: Wir können uns daran ein Beispiel nehmen! Denn der Mut, den Paulus hier hat, das ist kein Mut, den er für sich selbst gepachtet hätte. Sein Mut, der ist gewachsen, weil er Gottes Kraft in sich spürt, weil Gottes Feuer in ihm brennt.
Und weil wir auf Pfingsten nicht nur zugehen, sondern weil wir immer schon aus dem Pfingstwunder leben, deswegen dürfen wir darauf vertrauen und darauf hoffen, dass dieses Feuer auch in uns brennen kann.

Gott sucht Sie! Sie und Dich und mich! Gott sucht uns!
Und Gott freut sich über jede, die einen solchen Mut hat.
Deswegen lasst mich noch ein wenig auf diesen Paulus-Mut schauen, dass wir ihn verstehen können:
Paulus hat sich nicht blind in dieses Wagnis gestürzt. Das ist wichtig. Er weiß, dass es ein Wagnis ist. Er ist klug. Er kann die Situation richtig einschätzen. Sein Glaube und sein Eifer für die Sache Gottes hat nichts Naives oder Törichtes. Das ist das erste, was zu diesem Mut zu sagen ist.

Und weil er die Situation klug und gut einschätzen kann, deswegen gehört noch etwas dazu zu diesem Mut: Er hat sich richtig gut vorbereitet auf diese Situation. Er hat sich vor seiner Rede die Tempel der Stadt angeschaut. Hat sich klug gemacht darüber, woran die Menschen in Athen glaubten. Welche Götter ihnen wichtig gewesen sind.
Der Mut, mit dem Paulus im Namen des Auferstandenen vor den Areopag tritt ist also kein tollkühner Mut. Es ist kein blinder Mut, der nicht weiß, was er tut. Es ist ein Mut, der um das Risiko weiß, ausgelacht zu werden oder nicht ernst genommen zu werden
. Aber dieser Mut weiß eben auch etwas anderes: Das, was ich zu sagen habe, wenn ich von dem Auferstandenen rede, das wird seine eigene Kraft entwickeln.
Ich werde mein Bestes dafür geben. Meine ganze Kraft hineinlegen.
Aber ich darf wissen: Da ist auch eine andere Kraft am Wirken.
Die Kraft des Heiligen Geistes! AMEN

Fürbitte
Gütiger Gott. Dein Wort von der Auferstehung hat eine unfassbare Kraft. Sie wirkt tief in das Leben derer, die es annehmen. Dafür danken wir Dir. Lass uns selbst auch immer wieder Kraft gewinnen aus dieser Botschaft. Dass wir glauben und spüren können, wie Du da bist als der Auferstandene. Dass wir spüren können, wie Du uns tröstest und uns Kraft schenkst.
Noch einmal ist es nun zu einem scharfen Look-down gekommen. Die Nerven vieler sind angespannt, die Geduld mancher ist aufgebraucht. Und die Kraft vieler Pflegenden kommt immer mehr an ihr Ende. Sie alle brauchen Dich. Deine Kraft, Deine Stärke. Da sind so viel Ratlosigkeit und so viel Unsicherheit. Sei Du bei all dem unser Begleiter und lass uns Deine Gegenwart spüren. Und führe uns alle durch das Dunkle endlich wieder ans Licht.
Die Not hat dieser Tage so viele Namen. Die Hilflosigkeit angesichts der Pandemie, die Existenzangst mancher. Das Ausgelaugt-sein derer, die seit Monaten unter Hochdruck da sind für die anderen. Die Einsamkeit der Menschen, denen die Begegnungen fehlen. Die Menschen, denen das gemeinsame Singen und Beten fehlt, in den Kirchen und in der Gemeinde. Nicht vergessen wollen wir aber auch all die anderen Nöte. Die der Kranken, Hungernden, Fragenden und Suchenden, Zweifelnden und Verzweifelten.

In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 421 Verleih uns Frieden gnädiglich

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für Sonntag Misericodrias Domini den 18.04.2021

Gottesdienst für Sonntag Misericodrias Domini den 18.04.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Es ist immer noch Osterzeit. Sie dauert 50 Tage und endet erst an Pfingsten. Der Name des heutigen Sonntags ist Misericordias Domini. „Die Barmherzigkeit des Herren“ heißt das auf Deutsch. Und der Eingangspsalm, die Schriftlesung und auch das Predigtwort machen diese Barmherzigkeit mit einem Bild deutlich. Mit dem Bild
des Hirten.

Lied 398 In dir ist Freude

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag ist der wohl bekannteste Psalm der Bibel. Es ist Psalm 23.
Ein Psalm Davids.
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Du barmherziger Herr. Gib auf uns Acht. Lass uns nicht alleine. Begleite uns mit Deiner Freundlichkeit und Güte. Schenke uns immer wieder den Trost, den wir brauchen. Schenke uns immer wieder Dein Wort der Liebe. Lass uns auch heute Morgen Dein Wort hören. Öffne unsere Ohren und unsere Herzen. Dass die Kraft Deines Wortes in unsere Herzen und Gedanken einziehen kann. Dass wir Ruhe finden und Hoffnung. So komme Du mit Deinem Geist in unser Hören und Lesen und Beten. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Johannesevangelium im 10ten Kapitel in den Versen 11 bis 16.
Jesus spricht zu seinen Freunden und heute Morgen auch zu uns: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im Buch des Propheten Hesekiel im 34sten Kapitel. Es sind die Verse 1 und 2, 10 bis 16 und Vers 31.
Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?
So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.
Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

Liebe Gemeinde
Misericordias Domini. So heißt der Sonntag. Die Barmherzigkeit Gottes. Und für diese Barmherzigkeit Gottes gibt es eben dieses uralte, über 2500 Jahre alte Bild. Es ist das Bild des Hirten.
Natürlich ist das ein Bild, das mehr und mehr verblasst. Nicht bei denen unter uns, die seit vielen Jahren im Glauben und mit dem Glauben groß geworden sind. Aber für die jungen Menschen, für die, denen wir den Glauben näher bringen wollen, für sie besitzt dieses Bild längst nicht mehr die gleiche Aussagekraft. Wo sind sie noch zu sehen. Die Schafherden, die von den Hirten zu ihren Weideplätzen gebracht werden? Wo sind sie noch zu sehen, die Hirten, die auf den Feldern ihre Schafe bewachen? Und wenn wir sie hier bei uns auf dem Lande auch noch manchmal zu Gesicht bekommen. Wo sind sie für die vielen Menschen zu sehen, die in den städtischen Gebieten wohnen? Selten genug vielleicht noch im Fernsehen. Aber auch da tauchen sie kaum noch auf. Wenn es nicht gerade eine Werbesendung ist für das Leben in der Natur. Manchmal dann aber auch kitschig genug.

Und doch – liebe Gemeinde – wenn ein Bild 2500 Jahre die Barmherzigkeit Gottes auf wunderbarste Art beschrieben hat, dann sollte man es nicht zu schnell über Bord werfen. Tun wir ja auch nicht. Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden müssen immer noch unseren heutigen Eingangspsalm auswendig lernen. Und immer noch hören wir die heutige Schriftlesung bei vielen Beerdigungen.
Aber wir dürfen es wahrscheinlich nicht mehr selbstverständlich nehmen, dass dieses Bild allen auch verständlich ist. Dass sich dieses Bild wie von selbst erklärt. Denn das war ja über Jahrtausende die Stärke dieses Bildes. Wer es vor sich sah, der wusste, was gemeint war. Die es hörte, die wusste, was es bedeutet.

Eben dies: Gott gibt Acht auf mich. Gott passt auf mich auf.
Aber damit ist es noch nicht erklärt, was das Barmherzige daran ist. Aufpassen kann man auch sehr unbarmherzig. Mit Argusaugen kann man aufpassen und Acht geben. Auf jeden Fehler kann man schauen. Auf jedes Wort hören und es im Zweifelsfalle auf die Goldwaage legen. Jeden Schritt eines anderen kann man verfolgen. Und wehe, er geht in eine falsche Richtung. Wehe, da ist mal ein Stolpern drin.
Ja, so kann man auch Acht geben und so kann man auch aufpassen. Das klingt auch in unserem Predigtwort an. Das sind die, denen es gar nicht um die geht, auf die sie schauen. Das sind die, denen es nur um sich selbst geht. Deswegen muss man immer ein wenig vorsichtig sein mit den Sätzchen: Gott passt auf dich auf. Gott gibt auf dich Acht.
Aufpassen ist eben nicht gleich aufpassen!
Das sind im Übrigen schön an einem Lied deutlich, dass die Jüngeren unter ihnen sicherlich kennen. Ein Lied, das manche immer noch für ein Liebeslied halten. „Every breath you take”, von The Police - geschrieben von Sting. “Jeder Atemzug, den du machst, jede Bewegung, jeder Schritt, den du gehst, werde ich beobachten."
Nein, das ist kein Liebeslied. Weil das keine Liebe ist. So passt Gott nicht auf uns auf.

Wenn Gott, wenn er, der barmherzige Gott auf uns aufpasst, auf uns Acht gibt. Dann bedeutet das vielmehr. Gott kümmert sich um dich und um Sie und um mich.
Wenn ich für ein paar Tage irgendwann vielleicht mal wieder in den Urlaub fahren kann und dann zu den freundlichen Nachbarn sage: „Passt doch bitte mal auf unsere Blumen auf!“ Dann ist es das, was mit dem Aufpassen Gottes gemeint ist. „Kümmert euch drum!“ heißt es. „Gebt doch bitte Acht, dass sie genügend Wasser bekommen, dass sie nicht zu viel Sonne abbekommen.“

So passt Gott auf uns auf. So kümmert er sich um uns. Er gibt Acht, dass es uns gut geht. Dass uns nicht das Wichtigste fehlt. So kümmert er sich. Liebevoll, vorsichtig. Er gibt Acht, indem er ganz achtsam ist. Mit Achtung vor uns. So kümmert er sich.

Und ja, dieses Kümmern kommt vom Wort Kummer. Weil der oder die, die sich kümmert das ganze mit Leidenschaft tut. Weil er oder sie leiden würde, weil er oder sie bekümmert wäre, wenn es dem Menschen, auf den ich doch Acht gebe, wenn es dem Menschen irgendwie schlecht gehen oder schlecht ergehen würde. Gerade aus diesem Grund ist Jesus Christus das beste Zeichen für Gottes Barmherzigkeit. In ihm wird deutlich, wie sehr sich Gott um Dich und um Sie und um mich kümmert. Alles Leid hat er auf sich genommen. Weil er Mitleid hatte und hat mit uns. Ins Leiden ist er gegangen, um uns nicht leiden zu sehen.

So kümmert sich Gott. Aber wie macht er das?
Da können wir am Ende der Predigt noch einmal auf das Bild und die Arbeit vom Hirten schauen. Ein Hirte verfolgt nicht jedes Schaf auf Schritt und Tritt. Aber, er sorgt sich darum, dass sie sicher sind. Wenn da Gefahrenquellen lauern, dann achtet er besonders darauf, dass nichts passiert. Und wenn von irgendwo her Gefahr lauert, dann spürt er das. Das macht die Erfahrung. Und dann hat er noch seine Helfer, die Hütehunde, die mit ihm Acht geben. Und wenn dann wirklich mal eines abhandengekommen ist, dann ist im kein Weg zu weit, dieses eine zu finden.

Genauso und viel besser noch ist es bei Gott. Er schenkt uns viel Freiheit. Aber wenn die Not kommt, ist er da. Er macht, das unser Leben sicher ist. Und manch einen hat er, der ihm dabei ein Helfer ist oder eine Helferin. Manchmal dürfen wir es selbst sogar für andere sein. AMEN

Lied: Von der Zärtlichkeit Gottes (T.: Eckart Bücken, M.: Thomas Quast)

Wir wollen beten:
Herr, Menschenhüter, Barmherziger und freundlicher Gott. Wir danken Dir, dass Du für uns da bist. Lass uns das spüren, was wir am Anfang dieses Gottesdienstes gehört haben. Dass Du unser guter Hirte bist. Dass Du uns gibst, was wir brauchen. Dass Du uns sichere Wege finden lässt durch die Krisen dieser Zeit. Dass Du uns auch in der Not begleitest. Dass Du uns Trost schenkst und festen Halt in der Gemeinschaft derer, die ihr Vertrauen auf Dich und Deine Freundlichkeit setzen.
Und wir legen Dir nicht nur uns ans Herz, sondern die Not der ganzen Welt. Viel wird von Corona geredet. Und natürlich bitten wir Dich für die Erkrankten und für die Pflegenden und Helfenden. Wir bitten Dich für die Regierenden und diejenigen, die Entscheidungen treffen müssen.
Aber die Not hat so viele Namen und so viele Gesichter. Du kennst sie alle.
Nimm Dich derer an, die auf Dich hoffen. Und nimm Dich derer an, die ihre Hoffnung verloren haben. Sei bei den Enttäuschten und Verzweifelten, bei den Heimatlosen und Einsamen. Bei den Bekümmerten und Trauernden. Sei Du bei den Geplagten und Vergessenen bei den Ausgestoßenen und Vernachlässigten.

In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 407 Stern auf den ich schaue

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Sonntag Quasimodogeniti

Gottesdienst für Sonntag Quasimodogeniti den 11.04.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Es ist immer noch Osterzeit. Sie dauert 50 Tage und endet erst an Pfingsten. Im zweiten Kapitel des ersten Petrusbriefes heißt es zu Beginn des zweiten Verses: „und seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein.“ Und „wie die neugeborenen Kindlein“ heißt auf Latein: „quasimodo geniti“.
Ostern: Wie neu geboren! Da haben wir es. Darum geht es. Und so sind auch die Lieder noch ganz und gar österlich.

Lied 443 Aus meines Herzens Grunde

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag ist von den Versen 1 bis 9 aus Psalm 116 inspiriert.
Das ist mir lieb, dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.
Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen, / des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.
Aber ich rief an den Namen des Herrn: Ach, Herr, errette mich!
Der Herr ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.
 Der Herr behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der Herr tut dir Gutes.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Du menschenfreundlicher Gott. Hilf uns, dass die Osterfreude, dass das Osterlicht und dass die Osterhoffnung nicht zu schnell verschwinden über die alltäglichen Erfahrungen, die wir machen. Hilf uns, dass dieses herrliche Fest uns auch über die kommenden, schwierigen Wochen die Kraft schenkt, die wir brauchen. Die Geduld die wir nötig haben und die Hoffnung, die uns unsere Wege finden lässt. So komme Du mit Deinem Geist in unser Hören und Lesen, Beten und Glauben. Lass uns Deine Nähe spüren. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Ersten Petrusbrief im ersten Kapitel in den Versen 3 bis 9.
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.  Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im Johannesevangelium in den ersten 14 Versen des 21sten Kapitels.

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.
Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.  Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Liebe Gemeinde. Das ist eine rührende Geschichte. Eine berührende Geschichte, wenn man sie richtig liest. Mir geht es zumindest so. Der Auferstandene begegnet seinen Freunden. Und es geschehen Dinge, die alle vorher auch schon einmal geschehen waren. Menschen sind da, die Hunger haben. Die nicht wissen, wie sie ihren Hunger stillen sollen. Fischer sind da, die ein Nacht auf See waren und nichts gefangen hatten. Und die Freunde halten ein gemeinsames Mahl. Alles war schon mal geschehen. Der Fischzug des Petrus, die Speisung der 5000, das letzte Abendmahl. Alles war schon einmal geschehen. Und trotzdem ist jetzt alles neu. Es ist so neu, dass die Jünger es den Jüngern die Sprache verschlägt. Niemand traut sich zu fragen. Aber allen ist irgendwie klar: Das ist der Herr, das ist der Auferstandene. Und was sie dabei auch verstehen lernen ist etwas, das wir immer wieder begreifen müssen und begreifen dürfen.

Das, was da vorher war, vor Tod und Auferstehung. Das was vorher war, hat nichts an seiner Bedeutung verloren. Das Wunder vom Fischzug hat Bestand. Das Wunder vom Sattwerden der Menschen hat Bestand. Das Wunder des Abendmahls, das hat Bestand.
Es hat sich verwandelt. Nach Ostern hat sich alles verwandelt. Es ist nicht mehr die Menschenmenge, die sich dort lagert und die dann gesättigt werden. Es sind nicht mehr die Jünger, die sich um die Menschenmenge kümmern sollen. Es ist Jesus, der sich hier um seine Freunde kümmert. „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“

Was für eine Frage: „Kinder, habt ihr nichts zu essen!“
Ab jetzt sind es nicht mehr die, die sich um ihn versammelt hatten. Damals, nach seiner Predigt. Wir sind es jetzt! Seine Freunde fragt er. Damals am See von Tiberias! Und heute uns. Dich und Sie vor dem Bildschirm. Wo immer sie diese Predigt sehen oder in schriftlicher Form in den Händen halten. Dich und so. Egal wie viel Uhr es gerade ist, egal wo Du gerade bist, wo Sie gerade sind. Wir werden gefragt: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Jetzt – nach Ostern, nach der Auferstehung sind wir es, die gefragt werden. „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Und er wartet gar keine Antwort ab. Er weiß doch, dass es so ist. Er weiß doch um die Not und den Kummer. Im Fall der Freunde damals waren es die leeren Netze nach dem Fang. Bei uns mögen es ganz unterschiedliche Dinge sein. Ganz unterschiedliches, was uns fehlt, woran wir im Moment Mangel haben und Mangel spüren. Er weiß das. Er wartet gar nicht erst die Antwort ab. Und was er damit sagt ist: „Ich weiß, was euch fehlt! Ich weiß, was ihr braucht, was ihr wirklich braucht, was euch Not tut.“

Tut das nicht gut, liebe Gemeinde! Wir dürfen im Gebet immer wieder auf die Frage eine Antwort geben. „Kinder habt ihr nichts zu essen?“ Wir dürfen ihm immer und immer unser Leid klagen. Dürfen von unserer Not erzählen. Aber wir müssen es nicht mal. Wenn wir zu müde dazu sind, wenn uns die Worte fehlen. Wenn uns die Kraft fehlt. Dann müssen wir nichts sagen. Er weiß es. Weiß, wie es uns geht, weiß, was wir brauchen.

Und – seine Wunder haben Bestand. Damals hat er die Freunde nach einmal hinaus geschickt zum Fischen. Und er hat das Wunder geschehen lassen. Das Fischernetz war zum Bersten voll. 153 Fische! 153, eine ganz besondere Zahl. Schauen sie ruhig mal nach! Aber darum soll es heute nicht gehen.

Ist es nicht wunderbar! Der Auferstandene zeigt seinen Freunden, dass sie es selbst in der Hand haben. Nein, nicht sie allein. Aber mit ihm zusammen haben sie es selbst in der Hand. Sie fahren noch einmal hinaus. Sie werfen noch einmal die Netze aus. Sie brauchen ihre ganze Kraft um das Schiff wieder in den Hafen zu bringen. Sie brauchen ihre ganze Kraft, das Netz an Land zu ziehen.
Ja, das was sie satt macht, das haben sie mit ihrer eigenen Hände Arbeit gefangen. Aber es ging nicht ohne den Segen, den Jesus auf diese Ausfahrt gelegt hatte. Das Netz wäre leer geblieben. Oder es wäre gerissen. Aber der Auferstandene ist ja da! Und er hat seinen Freunden die Kraft geschenkt und sein Segen begleitet
sie. Spürbar.

Unsere Arbeit – sein Segen.
Unsere Mühe – seine Kraft.
Unser Hunger – seine Liebe.

Das ist das große Versprechen, das in diesem besonderen Predigtwort steckt.
Und so halten sie am Ende das gemeinsame Mahl. Es hat sich verwandelt. Aber das Wunder hat Bestand. Und die Jünger Jesu, seine Freunde, sie spüren in all dem Wandel – ohne Worte – dass es ihr Herr ist, der das alles möglich macht. Die Freunde Jesu spüren: Er ist da! In allem was wir hier gerade erfahren. AMEN

Du bist meine Zuflucht
(Ein Lied aus Brasilien, dt. Text: Dorival Ristoff, Friedrich Karl Barth, Eckart Brücken)

Wir wollen beten:
Herr, Du Auferstandener. Nein, wir wollen das Osterfest nicht allzu schnell wieder vergessen. Hilf uns dabei, das bitten wir Dich. Es hat so gut getan, von Deiner Macht zu hören und das Leben zu spüren, was an Ostern ganz neu ans Licht gekommen ist. Es hat uns so gut getan, dass dieses Wunder unsere Hoffnung aufgefrischt hat. Dafür danken wir Dir.
Und nun haben wir heute hören dürfen, wie Du Deine Freunde ermutigt hast, auf eigenen Beinen zu stehen und dabei doch immer auf Deinen Segen zu hoffen und aus Deiner Kraft zu leben. Die Jünger hatten es in der Hand. Nicht nur das Netz. Auch das Leben. Und sie haben es aus Deiner Hand genommen.
Schenke auch uns diesen Mut und diese Kraft. Die Welt hat es bitter nötig, dass Menschen auf Dein Wort hin, ihre Netze auswerfen. Dass Menschen Deinen Verheißungen neu vertrauen lernen. Lass uns zu denen gehören, die das immer wieder tun.
Und sei Du selbst auch bei den Menschen, die leiden, die Kummer haben und Sorge. Sei Du selbst bei den Kranken und Pflegenden, die Besorgten und den Versorgenden, bei den Entmutigten und den Ermutigerinnen.

In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 107 Wir danken Dir, Herr Jesus Christ

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für Ostersonntag den 04.04.2021

Gottesdienst für Ostersonntag den 04.04.2021

So gerne hätten wir den Gottesdienst in unseren Kirchen gefeiert. Wie schön ist es doch, sich in die Augen zu schauen und sich zu umarmen und sich ein gesegnetes Osterfest zu wünschen. Aber noch braucht es unsere ganze Geduld, die doch eigentlich schon aufgebraucht ist. So wünsche ich Ihnen und Euch auf diesem Wege ein gesegnetes Osterfest. Möge uns unsere Sehnsucht und Gottes Geist dabei helfen, dass wir die Kraft dieses Festtages spüren. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Lied 106 Erschienen ist der herrlich Tag

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag ist von den Versen 14 bis 24 aus Psalm 118 inspiriert.
Der Herr ist meine Macht und mein Lied und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des Herrn behält den Sieg!
Die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herrn behält den Sieg!
Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.
Der Herr züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.
Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.
Das ist das Tor des Herrn; die Gerechten werden dort einziehen
Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.
Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott, wir sind so froh heute Morgen. Es ist Ostern geworden. Endlich Ostern. Da, wo der Tod war und die Nacht, ist wieder das Leben und das Licht in die Welt gekommen. Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Was für eine frohe Botschaft. Wir danken Dir dafür, dass Du das neue Leben ans Licht gebracht hast. Und wir bitten Dich. Lass uns das spüren. Lass uns das neue Leben spüren. Schenke uns die Osterfreude in unsere Herzen. Gerade auch in diesem Jahr. Schenke uns die Hoffnung hinein in unser Bangen. Schenke uns das Licht hinein in unser Dunkel. So komm mit Deinem Geist und begeistere uns.
Amen.

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Markusevangelium im 16. Kapitel in den Versen 1 bis 8:
Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Es lag eine dunkle und schwere Zeit hinter ihnen! Und doch hatten sie immer noch gehofft. Aber die Hoffnung war immer kleiner geworden. Sie hatten ja auch gehört, was Jesus seinen Freunden gesagt hatte. Dass er würde gehen müssen. Dass sie ihn nicht mehr lange um sich haben würden. Aber das schien ihnen unmöglich. Das konnte doch nicht sein. Und dann hatten sie Jesus verhaftet. Sie hatten ihn gequält und verspottet. Sie hatten sich an ihm ausgetobt. Und doch war da immer noch die Hoffnung gewesen, dass es gut ausgehen würde. Die Hoffnung, sie stirbt zuletzt. Es konnte nicht auf ewig so schlimm weitergehen.

Aber dann hatten sie ihn verurteilt. Und das Volk hatte geschrien und gegeifert. Möge man ihn ans Kreuz schlagen. Macht der Sache ein Ende. Der Sache mit der Liebe!

Und immer noch wollten sie es nicht glauben. Und dann, der schwarze Freitag, sie waren dabei. Und – immer noch hatten sie die Hoffnung. Die Hoffnung, dass der, der doch andere gesund gemacht hat, der ihrem Freund Lazarus vom Tode zurückgeholt hatte, dass der dort nicht sterben würde am Kreuz. Nicht sterben konnte. Nicht so einfach! Und als der eine Verbrecher neben ihm sagte, er solle doch vom Kreuz steigen. Da dachten sie für einen kleinen Moment: Ja, genau das wird er gleich tun. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Und dann war er gestorben. Und mit seinem Tod, da starb ihr letztes Fünkchen Hoffnung.

Ja, die Hoffnung ist ein seltsames Ding. Sie kämpft bis zum Ende. Sie gibt nicht so schnell auf. Sie rechnet und rechnet mit Wundern. Bis zuletzt. Und wenn es das letzte Fünkchen Hoffnung ist. Immer wieder glimmt es auf. Immer wieder sucht es am Horizont nach Lösung und Erlösung. Aber wehe, die Hoffnung stirbt!

So hatten sich die Frauen an diesem frühen Morgen auf den Weg gemacht. Sie hatte ihre Trauergewänder angezogen und Salben und Öle dabei. Aber die Hoffnung, die hatten sie nicht mitgenommen. Die gab es nicht mehr. Ihre Hoffnung war gestorben.

Was für unfassbar starke Frauen. Dass sie sich dennoch auf den Weg gemacht haben. Ohne jede Hoffnung. Und dennoch auf dem Weg. Was für unfassbar starke Frauen. Nur den Tod vor Augen und dennoch auf dem Weg. Wie viel Kraft gehörte dazu. Und wie viel Liebe.

Liebe Ostergemeinde! Das, was die Frauen hier auf ihrem Weg erlebt haben, das werden wir nie erleben müssen. Nie, wirklich nie!

Natürlich kennen wir – gerade auch nach den letzten Monaten der Pandemie – auch Situationen, in denen die Hoffnung auf Besserung enttäuscht wird und wieder und wieder enttäuscht worden ist. Ich denke, viele von uns können sich da schon ein wenig in die Gefühlslage der Frauen damals hineinversetzen.

Und doch – die Botschaft des Osterfestes, auch dieses Osterfestes, macht uns deutlich, dass wir nie, wirklich nie einen Weg gehen müssen, den die Frauen an diesem Morgen gegangen ist. Ihnen war nämlich das schlimmste geschehen, was ihnen passieren konnte: ihnen war mit dem Tode ihres Herren alle Hoffnung gestorben. Und sie wollten jetzt ihre Hoffnung begraben.

Nie, wirklich nie werden wir das erleben müssen. Es ist Ostern geworden. Jesus ist nicht bei den Toten geblieben. Der Tod konnte ihn nicht halten. Er ist auferstanden. Und mit ihm, mit ihm ist auch die Hoffnung auferstanden. Nicht nur für die drei Frauen, sondern für uns alle. Für die Frauen war das so gewaltig, dass sie, die mutigen Frauen, allen Mut verlieren und erst einmal Angst bekommen.

Ich sage es noch einmal: Ja, die Hoffnung ist ein seltsames Ding. Sie kämpft bis zum Ende. Sie gibt nicht so schnell auf. Sie rechnet und rechnet mit Wundern. Bis zuletzt. Aber wehe, die Hoffnung stirbt! Und für die Frauen war sie gestorben, die Hoffnung. Und nun – nun steht alles auf Anfang. Neue Hoffnung, neues Leben. Überwältigend für die Frauen. Hoffentlich auch überwältigend für uns.

Denn wie das Leben, das Jesus am Ostersonntag ans Licht bringt, ein neues Leben ist. Ein Leben, das der Tod nicht mehr halten kann, so ist auch die Hoffnung, die an diesem Morgen aus dem Grab heraus wächst, eine neue Hoffnung. Eine, die nicht mehr sterben kann. Auch nicht zuletzt!
Eine Hoffnung, die nicht enttäuscht werden kann. Eine Hoffnung, die nicht mehr besiegt werden kann. Nie, niemals mehr, nie und nimmer müssen wir alle unsere Hoffnungen begraben.

Unfassbar, oder? Ich weiß, dieses Ostern wird nicht verhindern, dass wir auch in Zukunft immer wieder erleben werden, dass Hoffnung enttäuscht wird. Und wir werden erfahren müssen, dass manche Hoffnung sich zerschlägt. Das haben wir gerade im vergangenen Jahr so oft erlebt. Und so lange wir unsere Hoffnung auf andere Menschen setzen, auf Menschenpläne und Menschenideen, wird uns das immer wieder geschehen. Und wir werden auch nicht verhindern können, dass die Menschen, die ihre Hoffnung auf uns setzen, so manches Mal enttäuscht werden.

Aber die Hoffnung, die am Ostermorgen in die Welt hineinleuchtet, die ist anders. Es ist die Hoffnung, die nicht sterben kann, weil sie ihre Kraft aus Gottes Liebe bekommt und weil sie immer und immer wieder auf die Liebe Gottes hofft und baut und vertraut. Und das ist, liebe Ostergemeinde, eine unfassbar starke Kraft.

Was das heißt?
„Das macht doch alles überhaupt keinen Sinn mehr!“ „Ist doch sowieso alles zu spät!“ „Jetzt hilft doch sowieso nichts mehr!“ Das, liebe Ostergemeinde, sind Sätze, die den drei Frauen auf dem Weg zum Grab vielleicht durch den Kopf gegangen sind. Ich sagte es schon: Dass sie sich dennoch auf den Weg gemacht haben, zeugt von ganz viel Stärke und Liebe. Dass ihnen dennoch diese Sätze durch den Kopf gegangen sein mögen, das ist doch nur menschlich. Man hatte ihre Hoffnung begraben!

Aber nun ist Ostern. Jesus ist auferstanden und die Hoffnung auch. Es lohnt sich, voller Hoffnung für das Leben einzustehen und für die Liebe. Es lohnt sich, voller Vertrauen in die Zukunft zu schauen. Es lohnt sich, sich einzusetzen für diese neue Kraft, die da aus dem Grab in die Welt gezogen ist.

Also: Frohe und gesegnete Ostern. Möge uns Gott diese neue Hoffnung schenken! Amen

EG 116 Er ist erstanden, Halleluja

Gebet
Jesus Christus. Auferstandener. Bringer des neuen Lebens. Sieger über den Tod. Grund und Anfang aller Hoffnung. Heiland und Begleiter durch alle Tiefen unseres Lebens.
Heute feiern wir. Heute freuen wir uns über Deine Auferstehung. Heute lassen wir uns diese Freude auch nicht nehmen. Wir schieben die dunklen Gedanken beiseite. Und bitten Dich: Hilf uns auch dabei.
Lass uns staunen über Deine Kraft und Deine Liebe. Wie wundervoll, dass es für uns kein „hoffnungslos“ mehr geben muss. Lass uns das gerade auch in diesen Zeiten spüren. Schenke uns immer wieder die Kraft, an Deine Güte und Deine Liebe zu glauben und auf diese Liebe unser ganzes Leben aufzubauen.
Komme mit Deiner Osterkraft des Lebens auch hinein in die Häuser und Kliniken. In die Parlamente und Beratungsräume. Komme mit Deiner Botschaft zu allen, denen die Hoffnung fehlt. Da sind so viele. In der Stille bringen wir das vor Dich, was uns heute im Besonderen auf der Seele liegt…..
Herr der Liebe und des Lebens – Du bist auferstanden. Zeige Dich in unserem Leben. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Und es sind Worte eines alten irischen Segens, die uns durch die Osterzeit begleiten wollen.

Ich erhebe mich heute durch die Kraft des Himmels, Licht der aufgehenden Sonne,
Glanz des Mondes, Leuchten des Feuers, Eilen des Blitzes, Tiefe des Meeres,
Beständigkeit der Erde, Festigkeit der Felsen.
Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.

Gottes Macht halte mich aufrecht.
Gottes Weisheit führe mich.
Gottes Auge schaue für mich -- Gottes Ohr höre für mich.
Gottes Wort spreche für mich --- Gottes Hand schütze mich.
Gottes Weg liege vor mir --- Gottes Schild schirme mich.

Christus sei mir zur Rechten, Christus sein mir zu Linken.
Er die Kraft - er der Friede.
Christus sei, wo ich liege. Christus sei wo ich sitze.
Christus sei, wo ich stehe. Christus sei in der Tiefe.
Christus sei in der Höhe. Christus sei in der Weite.

Christus sei im Herzen eines jeden, der meiner gedenkt.
Christus sei im Munde eines jeden, der von mir spricht.
Christus sei in jedem Auge, das mich sieht.
Christus in jedem Ohr, das mich hört.
Er mein Herr. Er mein Erlöser.

Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft -
die Anrufung des dreieinigen Gottes. AMEN
(Irische Segenswünsche)

EG 112 Auf, auf, mein Herz mit Freuden

Gottesdienst für Karfreitag den 02.04.2021

Gottesdienst für Karfreitag den 02.04.2021

Heute begehen wir den Karfreitag. Für viele evangelischen Christinnen und Christen ist es bis heute der höchste und wichtigste Feiertag im ganzen Kirchenjahr. Er führt uns in die Tiefe. Oberflächlichkeit ist diesem Tag fremd. Er lässt aus auf das Kreuz Christi schauen. Würden wir diesen Festtag heute in der Kirche feiern, dann wären die Altäre leer. Die Kerzen würden nicht brennen. Nichts soll ablenken von dem Blick auf das Kreuz und auf das, was an diesem Tage geschehen ist. Viele schwere Texte erwarten uns. Aber auch DIE BOTSCHAFT der Errettung.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag ist von den Versen aus Psalm 43 inspiriert.
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
»Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.
«Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.
Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, / alle meine Gebeine haben sich zertrennt;
mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.
Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, /
und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub.
Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.
Aber du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Großer Gott. Was für ein Tag, den wir heute feiern. All die Not, all das Versagen, all der Kummer und all die Schmerzen, alle Versäumnisse, alle Sünden, all dies hat Jesus ans Kreuz gebracht. Deshalb wollen wir diesen Tag nutzen. Um zu staunen über Deine große Liebe. Dass Du Deinen Sohn für unsere Schuld hast sterben lassen. So möge uns dieser Tag, so möge uns dieser Gottesdienst dabei helfen, dass unsere Dankbarkeit für Deine große Liebe zu uns unser Denken und unser Leben zum Guten beeinflusst. Sende uns dazu Deinen Heiligen Geist. AMEN

Schriftlesung Das Wort der Schriftlesung steht im Johannesevangelium im 19. Kapitel in den Versen 16 bis 30. Ein langes Stück Bibel. Es beschreibt die Kreuzigung Christi.

Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde.
Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.
Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.
Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Ps 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.
Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das st deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Liebe Gemeinde, unser Predigtwort für diesen Karfreitag ist ein uraltes Wort. Mindestens 570 Jahre vor der Kreuzigung ist es geschrieben worden. Es findet sich im Alten Testament im Buch des Propheten Jesaja. Es ist das Ende des 52sten Kapitels und das 53ste Kapitel. Auch wieder ein langes, langes Bibelwort. Aber eines, in dem alles gesagt ist.
Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder –, so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren.
Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des Herrn offenbart? Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.
Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein  Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.
Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt
war. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. Aber der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des Herrn Plan wird durch ihn gelingen. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Ist das nicht unglaublich. Schon fast 600 Jahre vor Jesu Tod war sie wach, die Hoffnung. Die Hoffnung, dass da einer kommt und tragen hilft. Ja, mehr noch: Die Hoffnung, dass da einer kommt und das trägt, was ich nicht tragen kann. Und genau das feiern wir an Karfreitag. Da ist Jesus gekommen. Und er trägt das, was Du, was ich, was wir nicht tragen können. Und er erträgt das, was wir nicht mehr ertragen
können.

Wissen sie, es gibt ja nicht wenige, die können uns evangelische Christinnen und Christen nicht verstehen, dass dieser Tag für viele von uns als der wichtigste und höchste Feiertag gilt. Da halten sie uns für chronische Spaßbremsen. Wie kann man solch einem Tag mehr Gewicht geben als dem Ostersonntag, der doch voller Freude und Leben ist! Wie kann man den Karfreitag, den Tag des Todes Jesu so feiern und so hoch halten? Ich denke dabei gerne an unsere Aufenthalte in den USA, als wir unsere Partnergemeinde dort besucht haben und wir die Freude hatten, bei unserem Kollegen dort zu wohnen. Eines der geflügelten Worte dort, das sie uns als deutsche Protestanten in den Mund gelegt haben, war: „Oh, I’m so sorry!“ Auf deutsch: „Ach, es tut mir so Leid!“ Ihr sagt so oft, dass es euch Leid tut. „Ihr nehmt das Leben manchmal so schwer. Euch fehlt manchmal die Leichtigkeit!“ Das wollten sie uns damit sagen!

Sind wir wirklich DIE Spaßbremsen, weil wir diesen Tag so hoch und in Ehren halten? Nein, das sind wir nicht. Eigentlich sollte eher das Gegenteil der Fall sein. Der Karfreitag will unser Leben nicht schwer machen, sondern leicht. Das, besonders das, macht doch dieses Predigtwort heute so wunderbar deutlich. Jesus ist doch nicht ans Kreuz gegangen, um uns das Leben schwer zu machen! Das schaffen wir oft in der Tat schon ganz alleine. Nein, Jesus ist ans Kreuz gegangen, um uns das Leben leicht zu machen.

„Fürwahr, er trug unsere Krankheiten!“ Das ist die Erkenntnis. Die Erkenntnis, die uns helfen will, mit all dem anders umzugehen, was uns belastet und was uns das Leben schwer macht.
Da ist zum einen die Last, die uns dieser Tage von außen sozusagen auferlegt worden ist. Die Last, die diese unsägliche Pandemie mit sich bringt. Wir alle haben schwer an ihr zu tragen. Mache mehr, manche weniger, aber immer schwer. Da sind die Enttäuschungen, dass es nicht schneller vorangeht mit dem Impfen, da sind die Erschütterungen, die jede Lockdown-verlängerung für etliche Menschen mit sich bringt. Da ist die Sorge um die Liebsten. Da ist die Sehnsucht nach den „normalen Momenten des Lebens“. Und vielleicht auch die Angst, dass wir es irgendwann vielleicht sogar verlernt haben können, wie leicht und einfach das Leben miteinander sein kann. Wenn man sich umarmt, wenn man in der Kirche wieder singen kann. Wenn man einander ein Lächeln schenken kann und die Andere sieht es auch, weil es keine Maske mehr verdeckt.

Dieser Jesus am Kreuz sagt: Ich weiß um diese eure Not und ich will sie euch nicht alleine tragen lassen.Findet immer wieder euren Weg zu mir im Gebet. Vertraut euch mir immer wieder an. Schüttet mir euer Herz aus. Dafür bin ich diesen Weg gegangen. Damit ihr eure Wege begleitet gehen könnt. Damit ihr eure Hoffnung nicht aufgeben müsst. Damit ihr Kraft findet mitten in den Belastungen, die ihr gerade jetzt auch ertragen müsst. Und wir dürfen im Gebet immer wieder sagen: „Ich halte das jetzt wirklich nicht mehr aus! Hilf mir tragen und ertragen!“

Und, liebe Gemeinde, es sind ja nicht nur die Belastungen, die uns von außen kommend das Leben schwer machen. So manche Last tragen wir ja auch da, wo wir uns selbst ertragen müssen. Klingt auch schon wieder nach Spaßbremse, ich weiß. Aber jede und jeder, der einen offenen und klaren und ehrlichen Blick auf sich und sein Leben wirft, der kennt doch genau das und die hat doch genau das schon erfahren.
Man hat es manchmal eben nicht leicht mit sich selbst:
Immer wieder die gleichen Fehler. Stets bemüht und doch tappt man immer wieder in die gleiche Falle. Sich hundertmal eine Sache anders vorgenommen und doch wieder verbockt! Und dabei wieder andere und oft genug auch sich selbst dabei enttäuscht. Gute Pläne ohne Not verworfen und dumme Sachen gemacht. Manchmal gottvergessen und selbstverliebt gelebt. „Oh, I’m so sorry!“ „Ach, es tut mir so
Leid!“

Und auch dafür, liebe Gemeinde, auch dafür ist Jesus ans Kreuz gegangen. Für all unser Versagen und all unsere Schwachheiten, für all unsere Schuld und unsere Sünden. „Ich halte euch auch da, wo ihr euch manchmal unhaltbar verhalten habt! Ich trage euch auch da, wo ihr manchmal unerträglich wart!“

UND, das ist das Herrliche und allemal Grund genug, diesen Tag heute so hoch zu schätzen. Jesus sagt an diesem Tag zu uns: „Und wann immer ihr den Weg zum Kreuz findet – in den Gottesdiensten, im Gebet, in den Bibellesen und im Miteinander der Gemeinde – wann immer ihr den Weg zur Kreuz findet, werde ich auch in Zukunft tragen. Mit all dem, was euch das Leben schwer macht.“ AMEN

Amazing Grace

Wir wollen beten:
Jesus Christus, Gekreuzigter, Bruder, Heiland.
Zu Dir beten wir heute. Tief bewegt darüber, dass Du all die Not und all den Schmerz bis in den Tod auf Dich genommen hast, um uns zu retten. Mehr Liebe geht nicht. Mehr Liebe als die, die in den Tod hinein geht. Und genau das hast Du gemacht. Und wir wissen, dass Du das gut gemacht hast. Hätten wir all die Schuld und all die Sünde tragen müssen, wir dürften nicht mehr hoffen, von Dir in Gnaden angenommen zu werden. So aber ist unsere Hoffnung groß. Und auch unser Mut, Dir zu bekennen:
Ja, in dieser Welt gibt es so viel Schuld. Es gibt so viel Versagen und Versäumen, Vernichten und Verdammen, Verzweiflung. So viel Not. All das bringen wir vor Dich. Nimm Dich aller Nöte an.
In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Jesus Christus, Gekreuzigter, Bruder, Heiland, sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für Palmsonntag den 28.03.2021

Gottesdienst für Palmsonntag den 28.03.2021

So gerne hätten wir den Gottesdienst in unseren Kirchen gefeiert. Aber sie haben ja das ganze Durcheinander selbst mitbekommen. Noch ist die Lage zu unsicher. Um so glücklicher sind wir, dass wir andere Möglichkeiten gefunden haben, auch wenn sie die Gottesdienste in den Kirchen nur ganz notdürftig ersetzen. Schön, dass wir so auch heute wieder auf diese Art und Weise Gottesdienst miteinander feiern können.

Lied 91 Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag ist von den Versen 14 bis 24 aus Psalm 118 inspiriert.
Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.
Denn um deinetwillen trage ich Schmach, mein Angesicht ist voller Schande.
Ich bin fremd geworden meinen Brüdern und unbekannt den Kindern meiner Mutter;
denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen,
und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.
Ich aber bete, Herr, zu dir zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Ich warte, ob jemand Mitleid habe, aber da ist niemand, und auf Tröster, aber ich finde keine.
Ich aber bin elend und voller Schmerzen. Gott, deine Hilfe schütze mich!
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Barmherziger Gott. Wir brauchen Dich. Wir brauchen Deine tröstende Gegenwart, wir brauchen Deine schützende Liebe, wir brauchen Dein ermutigendes Wort. Wir brauchen Wege, die wir gehen können und Worte der Liebe, die wir hören. Wir brauchen Deinen Geist, der uns klug macht und weise.
So bitten wir Dich. Sei Du bei uns heute Morgen. Mit Deinem Geist, mit Deiner Liebe, in Deinen Worten und mit Deiner Gegenwart. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Johannesevangelium im 12. Kapitel in den Versen 12 bis 19: Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sach 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Hebräer 11,1-2 und Hebräer 12,1-3
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.
Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Liebe Gemeinde, ein wundervolles Predigtwort für diesen Sonntag. Ein wundervolles Wort für uns in unserer Kirchengemeinde, denn eigentlich hätten wir heute das Fest der Konfirmationsjubiläen. Wir würden die Goldene Konfirmation feiern, ebenso die Diamantene, die Eiserne und die Gnadenkonfirmation. 50 Jahre Konfirmation, 60, 70 und 75 Jahre. Und wir hätten dieses besondere Fest so gerne gefeiert. Und dann hören wir dieses Predigtwort. Es redet von der Kraft, die aus dem Glauben wachsen kann. Und dabei werden uns dann die Männer und Frauen vor Augen gestellt, die in der Bibel – weniger einfühlsam – die Alten genannt werden. Auf den ersten Blick vielleicht weniger einfühlsam, aber voller Achtung. Wie schön, dass uns dieses Predigtwort an diesen Ehrentag erinnert.

Darüber hinaus aber will uns dieses Wort die gewaltige Kraft des Glaubens vor Augen stellen. Und zwar die gewaltige Kraft des Glaubens, die nicht nur die ganz Starken und die ganz festen im Glauben haben.
Sondern die gewaltige Kraft, die schon im kleinsten Samenkorn Glauben steckt. Und das hat zwei Gründe.

Jesus ist der erste und der sicherste Grund. Jesus ist der erste Grund, der schon den kleinsten Glauben ganz stark macht. Der Hebräerbrief nennt ihn deswegen auch den Anfänger und den Vollender des Glaubens. Denn unser Glaube findet seinen Anfang da, wo wir uns Jesus zuwenden. Unser Glaube findet seinen Anfang da, wo wir in ihm den Heiland erkennen, den, der uns helfen will und kann. Unser Glaube findet da seinen Anfang, wo wir über ihn staunen und über das, was er für uns getan hat. Da nimmt unser Glaube seinen Anfang, wo wir staunend in der Bibel lesen, was für ein Mensch dieser Jesus aus Nazareth gewesen ist. Wo wir staunen über seine Freundlichkeit. Wo wir staunen darüber, wie er sich Menschen zuwendet. Wo wir staunen darüber, dass er die Kraft hatte, Menschen wieder heil zu machen. Deswegen erzählen wir ja in der Kinderkirche die Geschichten von Jesus. Weil damit der Glaube seinen Anfang nimmt. Und aus dem Staunen wird ein Vertrauen. Und ich fange an, mich in die Geschichten der Bibel hineinzuschreiben. Ich fange damit an, darauf zu hoffen, dass das, was er dem Blinden getan hat, dass er das auch mir tun kann. Dass er mich sehen lassen kann, was wichtig und gut und richtig ist. Und ich hoffe darauf, dass er für mich da ist, wie er für die Frau am Brunnen da war oder all die anderen. Und aus dem Staunen wird Vertrauen.
Und aus dem Vertrauen wächst die Kraft. So ist Jesus der Anfänger des Glaubens.

Und er ist der Vollender des Glaubens. Denn er, Jesus selbst, schenkt unserem Glauben die Kraft. Und mit seinem Weg, den wir in der kommenden Woche jetzt mitgehen – vom Kreuz zum Ostersonntag, mit diesem Weg vollendet er eben nicht nur seinen Weg, sondern auch unseren. Am Ende wird uns dieser Glaube hinein führen in das Ewige. Was für eine Kraft! Mit dem kleinsten Samenkorn fängt es an. Mit dem Staunen über diesen Jesus. Und es mündet in dem starken Vertrauen darin, dass er es mit uns gut macht. Und schließlich wird es vollendet da, wo wir genau das erleben werden.

Aber, liebe Gemeinde, da ist noch ein Grund. Noch ein Grund dafür, dass unser Glaube so eine gewaltige Kraft ist. Auch davon redet das Predigtwort. Dann nämlich, wenn dort von der Wolke von Zeugen die Rede ist. Wir können den Wert von dem, was hier beschrieben wird, gar nicht hoch genug einschätzen. Es ist nämlich die Kraft, die mein Glaube dort gewinnt, wo ich auf den Glauben der Anderen schaue. Und zwar nicht nur auf den Glauben derer, die mit mir zusammen in der Gemeinde unterwegs sind. Es ist der Glaube all der vielen, die vor uns gewesen sind und geglaubt haben, der auch unseren Glauben stark machen kann. Wir müssen es uns nur immer wieder deutlich machen!

WIE VIELE MENSCHEN HAT DER GLAUBE AN JESUS SCHON DURCH NÖTE UND SORGEN BEGLEITET UND IHNEN DABEI KRAFT GEGEBEN!!!
So viele Menschheitskatastrophen hat es schon gegeben. Auch wenn wir das Gefühl haben mögen, in einer Jahrhundertkrise zu stecken. So viele davon gab es schon! Ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Aber denken sie nur daran, in wie vielen Notsituationen Menschen schon seit 2000 Jahren aus ihrem Glauben an Jesus Christus ihre Kraft gezogen haben. In den dunkelsten Zeiten des Mittelalters, in den Zeiten der Pest, in den Zeiten des Krieges. In den Zeiten der spanischen Grippe vor etwa einem Jahrhundert. In den Zeiten der
Kriege. In den Zeiten größter Naturkatastrophen. Immer wieder haben die Menschen im Gebet und in Gottes Wort Zuflucht gesucht und Schutz gefunden und Kraft, durch das Dunkel zu kommen.

Und wenn doch der Glaube an Jesus Christus, den Gottessohn, wenn doch der Glaube so vielen Menschen vor uns schon die Kraft gegeben hat. Kann uns das nicht auch Mut machen, dass wir ganz fest halten, was all die Menschen vor uns getragen hat: Das Wissen, dass Gott mitgeht. Durch die Not. Und dass die Menschen vor uns das gespürt haben. Und dass sie nicht enttäuscht worden sind von diesem Vertrauen in Gottes Gegenwart, sondern dass es ihnen die Kraft gegeben hat, die sie hat durch die Not hat kommen lassen.

Das ist es, was der Hebräerbrief auch meint, wenn er von der Wolke der Zeugen redet. Es sind die, die vor uns schon geglaubt haben. Und die – so wie Jesus selbst – ein Grund für uns sein können, an unserem Glauben an die Liebe und die Güte Gottes festzuhalten. Und die Hoffnung nicht zu verlieren, dass Gott stärker und größer ist als die Not. AMEN

EG 632 Wenn das Brot, das wir teilen

Wir wollen beten:
Herr, unser Gott. Wir danken Dir, dass Du seit Jahrhunderten da bist für die Menschen in Not. Wir danken Dir für die Kraft, die so viele Menschen vor uns schon aus dem Glauben an Deinen Sohn gewonnen haben. Wir danken Dir für den Trost, der aus dem Glauben an Deine Liebe schon seit Jahrhunderten in der Welt ist. Und wir bitten Dich: Lass auch uns die Kraft des Glaubens an den Gekreuzigten und Auferstandenen spüren. Lass auch in uns das Vertrauen in Deine Möglichkeiten wachsen und wachsen.
Vor Dich bringen wir auch heute Morgen wieder die ganze Not der Welt. Da ist so viel Kummer. Da sind so viele verzweifelte Menschen. Da sind so viele Menschen in Angst und Sorge. Da ist so viel Not. Hier bei uns in der Nähe und in der Ferne. Sei da bei allen. Sei auch bei denen, die sich mit all ihrer Kraft gegen die Not der Welt stemmen, die helfen und heilen, lindern und begleiten wollen.
In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 289 Nun lob, mein Seel, den Herren

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Sonntag Judika

Gottesdienst für Sonntag Judika den 21.03.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Mit dem Aschermittwoch hat die Passionszeit, die Fastenzeit angefangen. Und das ist nun schon eine ganze Weile her. Judika, heißt der Sonntag heute. Her hat seinen Namen nach dem ersten Vers aus dem Eingangspsalm: Schaffe mir Recht!
Und auch in diesem Jahr lassen wir uns in den Gottesdiensten wieder inspirieren von der Aktion „Sieben Wochen ohne“, der Fastenaktion der Evangelischen Kirche.
7 Wochen leben ohne Blockaden, Spielraum! Das ist das Thema in diesem Jahr.

Lied 76 O Mensch bewein dein Sünde groß

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag ist von den Versen aus Psalm 43 inspiriert.
Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache.
Errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten auf einem guten Weg.
Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?
Vertraue auf Gott, habe Geduld. Ich werde Gottes Liebe spüren und ihm danken können!
Denn mein Gott ist meine Hilfe.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott, komm uns auch in diesem Gottesdienst wieder nahe. So traurig wir auch sind darüber, dass wir einander nicht in der Kirche begegnen können, so sind wir doch auch froh, dass Dein Wort keine Grenzen kennt und uns auch so erreicht. Dafür danken wir Dir. Erfülle uns mit Deinem Geist und lass uns, bei aller Entfernung untereinander, auch in diesem Gottesdienst erfahren, wie Du uns unter Deinem Wort vereinst. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Markusevangelium im 10. Kapitel in den Versen 35 bis 45: Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist. Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Liebe Gemeinde, schauen wir uns erst einmal das für diese Fastenzeit vorgeschlagene Predigtwort an. Dieses Mal ist es wieder ein Wort, das sehr unbekannt ist und manchen unter Ihnen vielleicht sogar fremd. Es findet sich im Alten Testament im Ersten Buch Mose zu Beginn des 13ten Kapitels:

So zog Abram herauf aus Ägypten mit seiner Frau und mit allem, was er hatte, und Lot mit ihm ins Südland. Abram aber war sehr reich an Vieh, Silber und Gold. Und er zog immer weiter vom Südland bis nach Bethel, an die Stätte, wo zuerst sein Zelt war, zwischen Bethel und Ai, eben an den Ort, wo er früher den Altar errichtet hatte. Dort rief er den Namen des Herrn an.
Lot aber, der mit Abram zog, hatte auch Schafe und Rinder und Zelte. Und das Land konnte es nicht ertragen, dass sie beieinander wohnten; denn ihre Habe war groß und sie konnten nicht beieinander wohnen. Und es war immer Zank zwischen den Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Es wohnten auch zu der Zeit die Kanaaniter und Perisiter im Lande. Da sprach Abram zu Lot: Es soll kein Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder. Steht dir nicht alles Land offen? Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken. Da hob Lot seine Augen auf und sah die ganze Gegend am Jordan, dass sie wasserreich war. Denn bevor der Herr Sodom und Gomorra vernichtete, war sie bis nach Zoar hin wie der Garten des Herrn, gleichwie Ägyptenland. Da erwählte sich Lot die ganze Gegend am Jordan und zog nach Osten. Also trennte sich ein Bruder von dem andern, sodass Abram wohnte im Lande Kanaan und Lot in den Städten jener Gegend. Und Lot zog mit seinen Zelten bis nach Sodom. Aber die Leute zu Sodom waren böse und sündigten sehr wider den Herrn.

Konflikte gibt es überall. Streit ist allgegenwärtig. Und ohne Differenzen ist das Zusammenleben von uns Menschen nicht denkbar. Das ist schade. Das ist nicht der Wunsch und nicht der Traum. Aber das ist die Realität.
Das wollen wir nicht und wir sind enttäuscht darüber. Aber wir können es nicht ändern! Das wird schon ganz deutlich, wenn wir in die Bibel schauen. Sie ist – das ist immer wieder erstaunlich – ein sehr realistisches Buch. Manch einer oder eine meint vielleicht, in der Bibel geschehe ein Wunder nach dem anderen. Aber auch dort, in der Bibel, ist der Streit und sind die Konflikte allgegenwärtig. Und ich meine nicht nur die schrecklichen Kriege, die im Alten Testament beschrieben werden. Nein, auch der Streit im alltäglichen Zusammenleben der Menschen begegnet uns in vielen Bibelstellen.
Es ist nicht nur hier in unserem Bibelwort Streit der Normalfall. Hier eben der Streit zwischen Abraham und seinem Neffen Lot. Das war vorher schon der Streit zwischen Kain und Abel. Das sind die Streitigkeiten zwischen Josef und seinen Brüdern. Das ist der Streit zwischen Jakob und Esau. Und viele, viele Konflikte mehr. Und wer meint, das sei eine Sache des Alten Testamentes, der hat doch in der Schriftlesung eben erfahren können, dass im Neuen Testament eben nicht alles eitel Sonnenschein ist. Auch hier – Streit. Hier streiten die Jünger untereinander.

Also!
Zu sagen: „Ich möchte keinen Streit,“ ist wundervoll und ehrenvoll. Und zu sagen: „Ich möchte um jeden Preis den Streit vermeiden,“ ist manchmal sogar einigermaßen fatal. Streit gehört dazu. Die Bibel zeigt es. Das Leben zeigt es. Unsere Erfahrung macht es deutlich.

Die Frage ist aber: „Wie gehe ich im Streit mit dem oder der Anderen um?“

Es gibt die Theorie, dass man sagt: „Wenn ich im Recht bin, dann habe ich auch das Recht zum Streiten und dann streite ich so lange, bis ich auch mein Recht bekommen habe!“ Das kann gehen. Das geht manchmal auch gut. Davon leben die Gerichte. Dafür gibt es sie auch und das ist auch gut so. Da sind wir übrigens mitten drin im Thema des Sonntags. Judika! Schaffe mir Recht!

Aber leider ist das eben nicht immer so einfach. Manches Mal denkt eben der oder die, mit der ich da am Streiten bin genau das gleiche. Dann denkt auch der Andere, dass er im Recht sei. Und um das Problem noch komplizierter zu machen: Manchmal haben sogar beide Recht. Oder Beide Unrecht. Und dann findet der Streit nie ein Ende – oder wenn, dann ein schlimmes!

Und manchmal, so wie bei Abraham und Lot und wie bei Jesus und den Jüngern, da geht es gar nicht um Recht sondern um Rechte. Da geht es um die Frage, was einem angeblich oder scheinbar oder auf jeden Fall zusteht. Was man sich verdient hat. Und das macht das Streiten gewiss auch nicht leichter und manchmal nicht weniger erbittert.

Was also tun?
In unseren zwei Bibelstellen gibt es vier mögliche Lösungen. So ist die Bibel! Sie hat immer mehr als man denkt, zu bieten.

Die erste Lösung: Sich aus dem Weg gehen, sich trennen! Abraham schlägt genau das seinem Neffen vor. Bevor aus dem Streiten ein Zerstreiten wird, lass uns eine andere Lösung finden. Indem wir die Situation grundlegend verändern. Gehe du deinen Weg und ich finde meinen. Eine gewiss sehr harte Lösung. Aber manchmal die einzig machbare.

Die zweite Lösung: Abraham gibt nach. „Wir streiten uns hier immer wieder über die Weidegründe. Also, suche dir deine Weidegründe jetzt aus.“ Tut auch weh! Denn Lot sucht sich die scheinbar besseren Weidegründe aus. Aber so ist das, wenn einer nachgibt, manchmal hat er zwar den Ehrentitel, der Klügere zu sein, weil es ja der Klügere ist, der nachgibt. Aber irgendwie hat er dabei auch den Kürzeren gezogen. Auch nicht einfach.

Die dritte Lösung, nicht weniger radikal: Jesus sagt zu seinen Jüngern, dass bei Gott alleine das Recht ist und dass er es ist, der Gerechtigkeit übt. Auf seine ganz eigene Art und Weise. Manchmal auch auf eine Art und Weise, die wir Menschen so noch gar nicht verstehen können. Gott wird dir geben, was du brauchst. Und viel mehr dazu. Du wirst nicht zu kurz kommen. Du wirst bei Gott zu deinem Recht kommen.

Und die vierte Lösung, die radikalste von allen. Jesus sagt seinen Freunden: Euer Streit geht in die völlig falsche Richtung. Ihr solltet nicht darum streiten, wer das meiste zugestanden bekommt. Ihr solltet darüber wettstreiten, wer das meiste bereit ist, zu geben für den anderen. Wenn Gott euch doch gibt, was ihr braucht. Wenn er euch doch Recht widerfahren lässt, dann kümmert ihr euch doch darum, dass andere auch zu ihrem Recht kommen! AMEN

Wo ein Mensch Vertrauen gibt

Wir wollen beten:
Herr, Du Gott der Vergebung und der Neuanfänge. Wir kennen das Streiten und wir kennen den Streit. Manchmal sind wir nur Zuschauer dabei, Manchmal sind wir Opfer. Manchmal auch selbst Schuld daran. Hilf uns, dass wir immer wieder gute Wege aus dem Streit finden. Schenke uns Deinen Geist dazu und Deine Weisheit. Dass wir die richtigen Worte sagen und nicht die falschen. Dass wir die richtigen Dinge tun und nicht die falschen.
Vor Dich bringen wir auch heute Morgen wieder die ganze Not der Welt. Da ist so viel Last, die die Menschen zu tragen haben. Da ist so viel Herausforderung und so viel Not. So oft werden wir dabei in diesen Zeiten an unsere Grenzen geführt und manchmal auch darüber hinaus.
Lass uns nicht verloren gehen. Sei Du unser Schutz und unser Halt.
Sei Du da, wo Menschen sich schwer tun und wo sie schwer zu tragen haben. Wenn sie nach Deiner Hilfe rufen, dann sei ihnen nahe. In der Einsamkeit, in der Krankheit, in all der Unsicherheit und Existenzsorge. In allem Einsatz für die anderen.
In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 347 Ach bleib mit deiner Gnade

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Sonntag Lätare

Gottesdienst für Sonntag Laetare den 14.03.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Mit dem Aschermittwoch hat die Passionszeit, die Fastenzeit angefangen. Und so feiern wir heute am Sonntag in der Passionszeit. Es ist der Sonntag, der schon mit seinem Namen sagt, dass wir uns freuen dürfen. Es ist der Sonntag, der uns schon einmal freudig auf das Osterfest blicken lässt, damit die Vorfreude wachsen kann.
Und auch in diesem Jahr lassen wir uns in den Gottesdiensten wieder inspirieren von der Aktion „Sieben Wochen ohne“, der Fastenaktion der Evangelischen Kirche.
7 Wochen leben ohne Blockaden, Spielraum! Das ist das Thema in diesem Jahr. Und so haben wir letzten Sonntag über die Macht und die Leichtigkeit der Weisheit Gottes gestaunt. Und wir haben darum gebetet, dass diese Weisheit uns hilft, auch in dieser Fastenzeit wieder etwas mehr zu uns und zu Gott zu kommen.

Lied 610 Herr, deine Liebe

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag ist von den Versen aus Psalm 84 inspiriert. Es sind die Verse 2-13
Wie gut ist es, Deine Nähe zu spüren, Herr, unser Gott.
Wie gut ist es in Deiner Gegenwart.
Meine Seele sehnt sich danach.
Bei Dir kann sie Erfüllung finden, denn bei Dir begegnet sie dem Lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen
– deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott.
Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar.
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion.
Herr, allmächtiger Gott, höre mein Gebet!
Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre.
Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott, wir gehen auf Ostern zu. So gerne wollen wir die Osterfreude spüren.
Hilf uns, dass wir uns gut darauf vorbereiten. Hilf uns, dass wir in all den Unsicherheiten die Hoffnung nicht fahren lassen. So sei DU der Grund für unsere Hoffnung. Lass daraus unsere Hoffnung wachsen, dass wir Deine Gegenwart und Deine Liebe spüren. Dazu schenke Deinen Geist auch in unseren Gottesdienst. Du kannst das! AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Johannesevangelium im 12. Kapitel in den Versen 20 bis 24:
Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu  Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Liebe Gemeinde, schauen wir uns erst einmal das für diese Fastenzeit vorgeschlagene Predigtwort an. Es steht im 1. Korintherbrief. Dort in Kapitel 13 in den Versen 4-7. Wohlbekannte Worte sind es, die wir da heute hören:

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Schöner geht es nicht. Schöner kann man es kaum schreiben, lieber Paulus. Schöner kann man es kaum ausdrücken. Die Liebe, die hier beschrieben wird, sie ist perfekt!
Das was Du, Paulus, hier beschreibst, das ist die ganze Schönheit, die ganze Pracht, die ganze Macht der Liebe.
Ihre ganze Kraft und ihr ganzer Zauber, ihre ganze Herrlichkeit.

Es geht für Paulus um die perfekte Liebe, um Gottes Liebe eben. Und wir hören von dieser Liebe. Wir Menschen, die wir nicht perfekt sind.

Das ist die traurige Nachricht bei alle dem, was wir hier über die Liebe hören dürfen: Es ist für uns Menschen leider nicht möglich, so zu lieben. Wir können das nicht. Wir sind Menschen. Wir sind keine Engel. Wir sind Menschen, und die Liebe, die hier beschrieben wird ist größer als das, was Menschenliebe sein kann. Die Liebe, die hier beschrieben worden ist, das ist die Liebe Gottes. Sie denkt nicht an sich. Sie ist ganz und gar selbstlos. Sie gibt alles, wirklich alles. Sie verlangt nichts als Gegenleistung als nur das: dass der oder die andere sich diese Liebe gefallen lassen. Und bevor es weitergeht in der Predigt, lassen Sie uns darüber staunen und freuen.
Dass es so eine Liebe bei uns Menschen nicht gibt, das mag traurig sein. Aber dass es so eine Liebe überhaupt gibt, so eine Liebe, die ganz und gar ohne Fehler und Schwäche ist, dass ist herrlich. Eine Liebe ohne Schwäche! Außer dass sie eine Schwäche hat für Dich und mich hat. Und diese Schwäche ist ihre Stärke. Und diese Liebe kann Dich und mich stark machen. Denn das macht doch etwas mit Einem, wenn man wissen darf, so geliebt zu werden. Von Gott!

Nun heißt das Thema in dieser Fastenwoche: Dir zuliebe. Aber hinter dem „Dir zuliebe“ steht kein Punkt und schon gar kein Ausrufezeichen oder Herzchen. Hinter diesem „Dir zuliebe“ steht ein Fragezeichen: „Dir zuliebe?“ Und um dieses Fragezeichen soll es in dieser Woche der Fastenzeit gehen. Dieses Fragezeichen will eine Frage an unsere Liebe sein. Sie will unsere Liebe nicht in Frage stellen. Auf keinen Fall. Unsere Liebe, unsere Menschenliebe, die ist im Idealfall zwar immer noch nicht ansatzweise vergleichbar mit der selbstlosen Liebe Gottes. Aber sie ist wundervoll und wertvoll und ein Segen für die Welt. Und überall wo diese Liebe zu spüren ist – wenn es auch die nicht ganz perfekte Menschenliebe ist – wird die Welt ein wenig heller.

Aber – das Fragezeichen mahnt uns – dass wir sehr achtsam und vorsichtig mit unserer Liebe umgehen müssen. Immer wieder muss ich darauf achten, dass ich wirklich „dir zuliebe“ und nicht „mir zuliebe“ die vermeintlichen Liebestaten vollbringe. Anders ausgedrückt: Unsere Menschenliebe, sie steht immer wieder auch in der Gefahr, dass in ihr eine ganze Menge Eigenliebe verpackt ist, wenn es doch um den oder die
andere oder die anderen gehen sollte. Manches mache ich eben nicht, weil es dem anderen gut tut, sondern weil ICH DENKE, dass es dem anderen gut tut. Und manches Opfer bringe ich eben nicht ganz und gar selbstlos, sondern weil ich dabei selbst ein gutes Gefühl habe!

Das ist keine Katastrophe. So ist das eben. So sind wir Menschen. Aber – Acht geben sollte man dennoch darauf. Damit aus der wunderbaren Liebe kein Spiel wird. Damit nicht angefangen wird, aufzurechnen: Wenn Du mir das tust, dann tue ich dir das. Ich habe jetzt schon so oft für dich …. Jetzt mache du mal für mich …. Auch das geschieht immer wieder. Auch menschlich! Aber – es darf nicht zu einem Dauerzustand werden. Immer wieder muss ich aufpassen, dass ich dann, wenn ich mit der Liebe spiele, dass ich sie dann nicht verspiele! Liebe ist eben nicht zu aufrechnen oder verrechnen da.

Wo wir bei den Liedern sind. Conny Francis hat das wunderschöne „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ gesungen. Liebe leicht gemacht, heißt es in diesem Lied. Sie kommt und geht von einem zu andern. Ist eben ein Spiel! Schönes Lied – eben ein Schlager aus seiner bestimmten Zeit! Schönes Lied, aber was für ein Text?! „Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum andern!“

So will die Liebe eben nicht sein! Die Liebe will nicht kommen, um zu gehen. Die Liebe, allemal die Liebe, die von Gott kommt, die kommt, um zu bleiben.
Gott hat seine Liebe in diese Welt und in Dein Leben hineingeschenkt, um Dich zu begleiten. Sie kommt und geht nicht vom einen zum andren. Nein, sie kommt zu dem einen, und wenn der sie erkennt und sie diese Liebe annimmt, dann geht sie auch zu dem anderen.

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Ein schönes Lied. Aber keines über die Schönheit der Liebe. Im englischen Original heißt es übrigens: Everybody’s somebody’s fool. Frei übersetzt: Die Liebe macht uns alle zu Narren!
Das stimmt auch auf eine ganz besondere Weise für die Liebe um die es heute vom Predigttext her geht.

Paulus sagt es selbst: Das Wort vom Kreuz, das Wort von der grenzenlosen und selbstlosen Liebe Gottes, das ist für diese Welt eine Torheit, eine Dummheit. Aber weiter heißt es in dem Lied: So wird jeder irgendwie zu einem Spielzeug, zu einem Ding, mit dem nur gespielt wird. Und da sagt die Bibel etwas ganz anderes! „So sehr hat Gott diese Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder der an ihn glaubt nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat!“, heißt es da Johannes 3,16.
Das ist kein Spiel, was Gott da gespielt hat. Das war ihm bitter ernst mit seiner Liebe zu uns. Das ist Ihm so ernst, dass er alles auf´s Spiel gesetzt hat. Dass er seinen Sohn dafür gegeben hat. Das ist ja das Wunder der Liebe Gottes, auf das wir mit jedem Tag zugehen und das wir dann am Karfreitag feiern werden. Gott spielt nicht mit der Liebe. Gott ist es ernst mit ihr. Und wir sind es, die aus dieser Liebe leben dürfen. Diese Liebe ist kein seltsames Spiel. Diese Liebe ist eine wunderbare Realität. Kaum zu fassen, aber ganz greifbar.

Und dazu will uns diese Fastenzeit einladen, dass wir über Gottes Liebe staunen und sie mit unseren Menschenmöglichkeiten hineinleben in diese Welt!
AMEN

Love, shine a light

Wir wollen beten:
Herr, gütiger Gott. Deine Liebe zu uns ist unfassbar groß. Dafür danken wir Dir. Und wir wissen, dass wir Dir dafür gar nicht genug danken können. Du fragst nicht danach, was wir verdient haben. Du liebst ohne Wenn und Aber. Schenke uns die Kraft, Dir dafür zu geben, was Du von uns erhoffst: Dass wir Ja sagen zu dieser großen Liebe und zu Deiner unfassbaren Barmherzigkeit.
Heute Morgen wollen wir Deiner Liebe auch wieder die Menschen anbefehlen, die in diesen Wochen und Monaten ihre ganze Kraft daran setzen, da zu sein für andere. In den Krankenhäusern und Heimen, in den Praxen und Laboren, in den Ambulanzen und in den Häusern.
Schenke denen, die Verantwortung tragen - bei uns und in der Welt - die nötige Weitsicht und die nötige Weisheit. Stehe auch ihnen bei mit Deinem Rat und Deinem Geist.
Sei bei denen, die in diesen Zeiten um ihre Existenz fürchten und bei denen, die die Einsamkeit kaum noch ertragen können. Lass sie spüren, dass sie nicht alleine sind. Schenke ihnen Kraft und Zuversicht, helfende Hände und bergende Worte.
In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 629 Liebe ist nicht nur ein Wort

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Sonntag Okuli

Gottesdienst für Sonntag Okuli den 07.03.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Nun sind wir schon mitten drin in der Fastenzeit. Und was Verzichten heißt, das begreifen wir in diesem Jahr sehr gut. In unseren Gottesdiensten in diesem Jahr lassen wir uns wieder inspirieren von der Aktion „Sieben Wochen ohne“, der Fastenaktion der Evangelischen Kirche.
7 Wochen leben ohne Blockaden, Spielraum! Das ist das Thema in diesem Jahr. Und so haben wir letzten Sonntag über die Macht und die Leichtigkeit der Weisheit Gottes gestaunt. Und wir haben darum gebetet, dass diese Weisheit uns hilft, auch in dieser Fastenzeit wieder etwas mehr zu uns und zu Gott zu kommen.

Lied 630 Wo ein Mensch Vertrauen gibt

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag ist von den Versen aus Psalm 34 inspiriert. Es sind die Verse 16-23
Wer sich Gott anvertraut, der darf erleben, dass der Herr sein Rufen hört.
Und darauf vertrauen darf er, dass Gott sich seiner Not annimmt und ihn herausholt aus ihr.
Denen ist Gott nahe, die traurig sind und am Boden zerstört, und denen hilft er,
zerschlagen sind und voller Kummer.
Gott nimmt uns unsere Schuld. Er gibt uns Hoffnung. Bei ihm ist viel Erlösung!
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Allmächtiger Gott. Noch sind da so viele Fragen, noch ist die Unsicherheit so groß. Noch warten wir darauf, dass wir aufatmen und tief durchatmen können nach diesen ganzen Monaten der Krise. Doch in unserem Warten dürfen darauf vertrauen, dass Du mit uns gehst, dass wir auf Dich nicht warten müssen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Du uns in diesen unsicheren Zeiten ein sicherer Begleiter bist durch all die Stürme.
Lass uns das auch in diesem Gottesdienst spüren. Trage uns durch diese Tage mit Deiner Liebe und mit der Kraft Deines Geistes. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Lukasevangelium im 9. Kapitel in den Versen 57 bis 5:
Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach!
Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Liebe Gemeinde, schauen wir uns erst einmal das für diese Fastenzeit vorgeschlagene Predigtwort an. Es steht im 2. Buch Mose, dem Buch Exodus. Dort in Kapitel 1 in den Versen 15-20.

Und der König von Ägypten sprach zu den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schifra hieß und die andere Pua: Wenn ihr den hebräischen Frauen bei der Geburt helft, dann seht auf das Geschlecht. Wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist’s aber eine Tochter, so lasst sie leben. Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern ließen die Kinder leben.
Da rief der König von Ägypten die Hebammen und sprach zu ihnen: Warum tut ihr das, dass ihr die Kinder leben lasst? Die Hebammen antworteten dem Pharao: Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind kräftige Frauen. Ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren. Darum tat Gott den Hebammen Gutes. Und das Volk mehrte sich und wurde sehr stark.

Um den Mut, NEIN zu sagen, geht es in dieser Predigt und soll es in dieser Fastenwoche gehen.
Um den Mut, NEIN zu sagen. Und dazu braucht es Mut!
Aber genauso geht es auch um den Mut, JA zu sagen.
Beides tun die beiden Frauen, die uns in diesem Stückchen Bibel als Vorbilder vor Augen gestellt werden. Sie sagen NEIN zu der völlig absurden und unmenschlichen Forderung des Pharaos, die neugeborenen Jungen der hebräischen Frauen zu töten. Und sie sagen dazu deshalb NEIN, weil sie JA zu etwas für sie Wichtigerem sagen: zum Leben sagen.

Beides ist wichtig. Der Mut zum NEIN und der Mut zum JA. Wer sein inneres JA zu manchen Dingen nicht gefunden hat, der wird auch kein NEIN finden. So wird das auch bei den beiden Hebammen deutlich. Sie haben sich gewiss nicht umsonst für diesen Beruf entschieden. Dieser Beruf ist ein deutliches JA zum Leben. Dann dazu sind sie da, Kinder auf die Welt zu bringen. Dafür sind sie da, dafür zu sorgen, dass Leben hineinkommen kann in die Welt.

Und wie stark dieses JA ist, was sie da in sich tragen, das merkt man an dem Mut und an der Phantasie und an der Deutlichkeit, mit der sie NEIN sagen! Und es brauchte eine ganze Menge Mut, denn sie stellen sich gegen den Pharao, den Mann, der für die Ägypter gottgleich war. Sie stellten sich mit Mut gegen ihn und mit der nötigen Phantasie. Denn die Ausrede, die sie gefunden haben, ist allerdings außergewöhnlich phantasievoll.
Welch starke Frauen!!! Und sie brauchten schon diese Phantasie. Sie hätten sich nicht einfach hinstellen können und dem Pharao widersprechen können. Wer waren sie? Hätten sie das getan, dann hätte es sie ihr eigenes Leben gekostet. Sie mussten ihre Klugheit nutzen und ihre Phantasie – und das taten sie.

Natürlich ist das alles nicht so einfach. Wie ganz viele wichtige und entscheidende Dinge im Leben klingt manches einfacher als es ist. Und es ist deswegen nicht so einfach, weil ich mich erst einmal zu einem großen JA durchringen muss. Und ich muss mir gut überlegen, wozu ich JA sage!

Das wird ja auch in der Geschichte deutlich! Der Pharao sagt NEIN zum Leben, weil er vorher ein anderes großes JA gesagt hat. Ja, er will an der Macht bleiben. Ja, er will verhindern, dass die Hebräer in seinem Land stärker werden. Würden sie stärker, dann wäre seine Macht bedroht. Denn die Hebräer verehren einen anderen Gott, nicht den Gott, der sich im Pharao selbst personifiziert hat. Und wenn ich dazu JA gesagt habe, dass ich alles tun werden um meine Macht zu sichern. Dann werde ich alles tun – aber auch wirklich alles. Dann kann es so weit gehen, wie wir es hier erleben. Und wir wissen, dass genau das immer wieder in dieser Welt geschehen ist und geschieht. Dann wird daraus ein NEIN, notfalls auch zum Leben. Dann wird Krieg, dann wird Terror, dann wird Staatsmacht notfalls auch zum Staatsterror. Doch diese traurige Facette soll nicht diesen Gottesdienst bestimmen.

Es geht vielmehr um die Frage: Wozu sagen SIE, wozu sagst DU, wozu sage ich uneingeschränkt und auf jeden Fall JA? Dazu will uns die Fastenzeit in diesem Jahr Zeit und Raum schenken. Dass wir uns darüber wieder einmal klar werden. Zu welcher Idee, zu welchem Menschen, zu welcher Sache sage ich JA. Ich meine nicht das kleine „ja“, sondern das große JA. Das große JA, das viele kleine „ja´s“ folgen lässt und manche kleine „neins“ und manche großen NEIN auch.

Und damit kommen wir dann auch an den Punkt, an dem jede und jeder von uns ganz persönlich gefragt ist. Hier muss jede und jeder für sich ihr und sein JA finden. Das große, das ganz große JA. Wir Christinnen und Christen haben da eine ganz besondere Möglichkeit. Das hat uns allemal auch Martin Luther deutlich gemacht. Wir können unser großes JA zu dem sagen, der zu uns sein großes JA gesagt hat. Wir können zu diesem Jesus aus Nazareth, zu Jesus dem Christus, unser großes JA sagen.

Tun wir das, bekommt unser Leben damit eine klare Struktur. Es ergeben sich daraus ganz viele große JA
und kleine ja´s. Sagen wir zu ihm JA, dann ist das auch ein Ja zum Leben. Denn Jesus hat ein ganz neues Leben in diese Welt hineingebracht. Das werden wir an Ostern feiern. Hoffentlich in der Kirche miteinander.

Sagen wir zu ihm JA, dann ist das auch ein ja zur Menschlichkeit. Denn damit hat Pontius Pilatus so recht, wenn er beim Anblick von Jesus sagt: „Seht, welch ein Mensch!“ Wir werden das in der Kar-woche hören, auf die wir zugehen.

Sagen wir JA zu Jesus, dann werden wir auch ein Ja finden zum toleranten Umgang miteinander. Denn Jesus hat sich der Menschen angenommen, weit über die Grenzen des damaligen Denkens hinaus. Frauen und Kinder waren ihm so wichtig, wie die damals in der Gesellschaft höher angesehenen Männer. Die Frau aus Kana und die Frau aus Samaria empfingen durch ihn die gleiche Wertschätzung wie die Frau aus Jerusalem.

Sagen wir JA zu Jesus, dann wird die Liebe unser Leben bestimmen. Die Liebe zu den Blumen auf dem Felde, den Vögeln unter dem Himmel, die Tieren im Stall und den Menschen, gleich welcher Herkunft.

Sagen wir JA zu Jesus, werden wir auch ein Ja zu uns selbst finden. Denn er ist es, der JA sagt zu uns.

Viele weitere ja’s werden folgen. Und manches NEIN auch. Ich kann sie nicht alle aufzählen. Aber einige will ich nennen. In der Hoffnung, dass wir Christinnen und Christen auch immer wieder dazu ermutigen, mit Phantasie diese NEIN´S in die Welt hinein zu sagen und zu leben.

Nein zu Hass und Gewalt. Nein zu Intoleranz. Nein zum fahrlässigen Umgang mit der Schöpfung Gottes. Nein zur Verächtlichmachung Anderer. AMEN

Wir wollen beten:
Jesus, Menschenfreund! Dein JA zu uns steht. Es gilt auch dann noch, wenn wir selbst das Gefühl haben, mit uns nicht klar zu kommen. Dein JA zu uns steht. Obwohl Du um unsere Schwächen weißt und um unsere Fehler, unsere Sünden und unsere Schuld. Dafür danken wir Dir.
Und wir bitten Dich: Lass uns dieses, lass uns Dein Ja zu uns immer wieder hören. Dass wir aus diesem Ja leben und lieben.
Hilf uns, dass wir unser Leben immer wieder als eine Antwort auf Dein großes JA leben können. Und lass
unser Leben so selbst zu einem JA werden. Zu einem JA zu Dir und zu denen, die uns brauchen. Zu einem
JA zu uns selbst und allen, die in Not sind,
Sei Du selbst immer wieder da, wo Menschen Dich brauchen. Mit Deinem Trost, mit Deiner Liebe, mit Deiner Kraft und mit Deiner Gegenwart.

In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 380 Ja, ich will euch tragen

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Sonntag Reminiszere

Gottesdienst für Sonntag Reminiszere den 28.02.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Mit dem Aschermittwoch hat die Passionszeit, die Fastenzeit angefangen. Und so feiern wir heute den zweiten Sonntag in der Passionszeit. Und auch in diesem Jahr lassen wir uns in den Gottesdiensten wieder inspirieren von der Aktion „Sieben Wochen ohne“, der Fastenaktion der Evangelischen Kirche.
Wochen leben ohne Blockaden, Spielraum! Das ist das Thema in diesem Jahr. Und so haben wir letzten Sonntag über die Macht und die Leichtigkeit der Weisheit Gottes gestaunt. Und wir haben darum gebetet, dass diese Weisheit uns hilft, auch in dieser Fastenzeit wieder etwas mehr zu uns und zu Gott zu kommen.

Lied 446 Wach auf, mein Herz und singe

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Eingangswort für diesen Sonntag sind Verse aus Psalm 25. Es sind die Verse 1-9
Nach dir, Herr, verlangt mich.
Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden,
dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.
Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret;
Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige!
Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!
Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.
Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen,
gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, Herr, um deiner Güte willen!
Der Herr ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg.
Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott, begegne uns und hilf uns, dass wir Dir begegnen. Umarme Du uns mit Deiner Liebe, wo wir mit dem Umarmen vorsichtig sein müssen. Komme Du uns nah mit Deiner Freundlichkeit, wo wir achtsam Abstand einhalten müssen. Lass uns Deine guten und wohltuenden Worte hören und nicht nur die Nachrichten die uns aufschrecken. So komme Du mit Deinem Geist in diesen Gottesdienst und in unser Leben. Lass diese Passions- und Fastenzeit eine Zeit für uns werden, die uns zu Dir und zu uns selbst führt. Schenke, dass sie uns guttun. Das können wir gut gebrauchen. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Römerbrief im 5. Kapitel in den Versen 1 bis 5:
Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Liebe Gemeinde, schauen wir uns erst einmal das für diese Fastenzeit vorgeschlagene Predigtwort an. Es steht im Buch des Propheten Jeremia. Und dort finden Sie es in Kapitel 1. Es sind die Verse 4 bis 8.

Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.  Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.  Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

Gott hat einen Auftrag für den jungen Jeremia: Er soll zum Prediger werden. Er soll das Wort und den Willen Gottes weitergeben. Die Menschen sollen erfahren, was Gott will und was ihm wichtig ist.

Und Jeremia? Jeremia sagt: Das kann ich nicht. Das schaffe ich nicht. Dazu bin ich nicht geeignet. Ich bin zu jung dazu! Ich habe keine Erfahrung.

So weit – so gut. Oder: So weit – so schlecht!

Nun wissen wir, dass Jeremia doch zum Propheten geworden ist. Gott hat die Skepsis des jungen Mannes überwunden. Er hat ihm die Kraft und den Mut und auch die Möglichkeiten geschenkt, dass er da sein konnte für die Menschen, da sein konnte im Namen Gottes. Ja – aber es hat gedauert.

Es hat gedauert, bis Jeremia sein JA zu der Berufung gefunden hat. Oder – um es anders auszudrücken: Es hat gedauert, bis Jeremia SEINE Rolle gefunden hatte. Und er brauchte dafür viel Zuspruch und viel Ermutigung. Und es ging auch nur mit der Kraft Gottes.

Und damit sind wir bei dem Thema dieses Sonntages. „Von der Rolle“, heißt das Thema. „Von der Rolle!“ Und wieder ist das erste, was wir tun können, dass wir über die deutsche Sprache staunen können: Wie vielfältig sie ist – und damit manchmal auch, wie missverständlich sie ist. Das wird gerade auch wieder bei dieser Redewendung deutlich.

„Von der Rolle“, das sagt man manches Mal, wenn einer oder eine ziemlich durcheinander ist, abgespannt oder sehr zerstreut. Das Bild kommt aus dem Radsport. Es gibt eine Sportart, da fahren Radfahrer hinter Motorradfahrern her. Und wenn sie ganz nahe hinter denen herfahren, befinden sie sich im Windschatten der Motorräder. Sie können dann einfach schneller fahren und mit weniger Kraftanstrengung in die Pedale treten. Und hinten am Motorrad ist eine Rolle angebracht, eine Walze, an die das Fahrrad ohne Gefahr ranfahren kann. Wenn der Motorradfahrer nicht Acht gibt und wenn er für den Radfahrer zu schnell wird, dann bricht der Kontakt ab. Der Radfahrer ist dann „von der Rolle“. Er hat dann seine motorisierte Unterstützung verloren. Er wird langsamer.

Aber die Rolle ist eben nicht nur eine solche Walze. Sondern „die Rolle kann auch die Rolle bezeichnen, die ich spiele. Eine Rolle, die ich als Schauspielerin spiele oder auch in meinem alltäglichen Leben. Und als ob es damit nicht schon genug Verwirrung gäbe, haben wir auch hier noch zwei ganz unterschiedliche Bedeutungs-Möglichkeiten.
Einmal kann ich sagen: „Ach, der spielt hier ja nur eine Rolle!“ und ich meine damit: „So ist er gar nicht, das spielt er nur, er tut nur so.“ Ich kann aber auch sagen: „Doch, du spielst hier eine ganz große Rolle!“ Und ich meine damit: Doch, DU bist ganz wichtig, Genau DICH brauchen wir jetzt hier.

Und damit sind wir bei dem, was Gott hier zu Jeremia sagt: Doch, DU spielst hier in meinem Plan eine ganz große Rolle! Jeremia, DICH brauche ich! In meinem Plan hast DU DEINEN ganz besonderen Platz und DEINE ganz besondere Aufgabe, ich, Dein Gott, weiß um DEINE ganz besondere Rolle! Und in dieser Rolle wirst DU den Unterschied machen. Wenn DU DEINE Rolle gefunden hast, dann wirst DU dort die Welt besser machen.

Und wie gut ist das! Wenn Menschen im positiven Sinne ihre Rolle gefunden haben. Beispiele dafür: Jeremia. Aber nicht nur der.
„Skolstreijk für Klimatet“ stand auf dem Pappschild. August 2018 saß sie damit vor dem schwedischen Parlament! Sie sagte nicht: „Ich bin zu jung dafür.“ Andere mögen das gedacht haben. Aber wir alle wissen, was aus diesem Pappschild geworden ist. Wir alle wissen, was diese junge, damals 15jährige Greta, mit dem kleinen Pappschild und ihrem Mut in Gang gesetzt hat.

Nun sind wir nicht Jeremia und auch nicht Greta. Und dennoch will das Predigtwort ja auch uns ermutigen. Es will uns ermutigen, dass wir unsere Rolle finden und sie spielen.

Gerhard Schöne hat das herrliche Lied geschrieben: „Du hast es nur noch nie probiert.“ Und dort heißt es im Refrain: „Du hast es nur noch nicht probiert, und darum glaubst Du’s nicht!“

Wie geht es Ihnen damit? Meinen SIE nicht auch, dass das stimmt?
Ich glaube zwar auch, dass wir Menschen uns manchmal ganz schön überschätzen, wenn es um unsere Möglichkeiten geht. Das haben wir in den vergangenen Monaten schmerzhaft zu spüren bekommen.
Aber ebenso glaube ich, dass wir uns manchmal auch gewaltig unterschätzen. Und dass es uns das manchmal schwer macht, zu erkennen, was für eine Rolle wir spielen können in Gottes Plan. So wir es Jeremia schwergefallen ist.

„Ich bin zu jung!“ „Ich bin zu alt!“ Ich bin nicht gesund genug!“ „Ich bin nicht klug genug!“ „Ich bin nicht begabt genug!“ „Wer hört schon auf mich?“ Dies und vieles, vieles mehr geht uns dann durch den Kopf. Und wir benutzen das ja nicht einfach nur als Ausrede! Schon gar nicht als dumme oder faule Ausrede! Sondern wir sagen es, weil wir das von Herzen und ehrlich so meinen!

Und doch! Vielleicht unterschätzen wir Menschen uns selbst und unsere Möglichkeiten auch deshalb so manches Mal, weil wir GOTT unterschätzen und seine Möglichkeiten. Ich denke dabei noch einmal an dem Begriff „von der Rolle sein“. Dass der Radfahrer den Kontakt zu dem Motorradfahrer verloren hat und so an Kraft verliert. Vielleicht ist das der Punkt. Vielleicht brauchen wir Menschen mehr Kontakt zu Gott? Dass er vor uns ist, dass wir in seinem Windschatten durch das Leben gehen. Dass er es uns leicht macht. Dass er uns die Kraft gibt.

Darum soll es gehen in dieser Woche der Fastenzeit. Bewusst den Kontakt mit Gott suchen. Bewusst danach schauen, was für eine Kraft er in unser Leben bringen kann. Und was er für Möglichkeiten in unser Leben hineingelegt hat. Bewusst danach fragen, was Ich, was DU für eine Rolle spielen kannst in seinem Plan. Was DU für eine Rolle spielen kannst in seinem Plan, da zu sein für die Menschen. Denn das ist sicher. Für jede und jeden von uns gibt es den Ort und die Zeit und die Möglichkeit, da zu sein für Andere. Und wenn da noch zu viel Skepsis und Zweifel ist. Schauen sie auf Jeremia und die vielen anderen.
Und denken SIE daran, manchmal ist es genau so:
„Du hast es nur noch nicht probiert, und darum glaubst Du’s nicht!“
AMEN

Wir wollen beten:
Herr, unser Gott, habe Dank dafür, dass Du immer wieder Menschen ermutigst, da zu sein für Andere. Danke dafür, dass Du ihnen und uns die Angst nimmst vor dem Versagen. Danke, dass Du die Kraft schenkst, dass auch wir unsere gute Rolle spielen können. So kommt Dein Wort hinein in diese Welt. So erfahren Menschen Hilfe und erleben sie Liebe und Hoffnung ganz neu.
Und es sind so viele Menschen, die sich heute danach sehnen: Dass die Liebe sichtbar und spürbar wird in ihrem Leben; dass Menschen da sind, die helfe; dass Menschen erleben, dass es eine Rolle spielt, dass sie da sind wo sie sind.
Hilf uns, wenn wir noch auf der Suche sind nach unserer Rolle sind. Zeige uns die Möglichkeiten, die Du selbst in uns hineingeschenkt hast.
So schenke Linderung in den vielen Nöten dieser Zeit. Klugheit zum guten Handeln. Weisheit und Mut, Gutes zu tun.
In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 394 Nun aufwärts froh den Blick gewandt

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Predigt und musikalische Einlage für Sonntag Invocavit den 21.02.2021

Gottesdienst für Sonntag Invocavit den 21.02.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Mit dem Aschermittwoch hat die Passionszeit, die Fastenzeit angefangen. Und so feiern wir heute den ersten Sonntag in der Passionszeit. Und auch in diesem Jahr lassen wir uns in den Gottesdiensten wieder inspirieren von der Aktion „Sieben Wochen ohne“, der Fastenaktion der Evangelischen Kirche.

Aber – mögen da manche sagen: Fasten, das bedeutet doch: Verzicht! Haben wir nicht in den kommenden Monaten schon auf genug verzichtet? Müssen wir da jetzt noch einen draufsetzen? Können wir uns das denn in diesem Jahr nicht sparen? Brauchen wir nicht wenigstens auch noch ein paar kleine Freuden?

Dann lassen Sie sich mal überraschen von der diesjährigen Fastenaktion!

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 165 Gott ist gegenwärtig

Das Eingangswort für diesen Sonntag sind Verse aus Psalm 91. Es sind die Verse 1-6
und 9 - 12 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: /
Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest
. Er wird dich mit seinen Fittichen decken, / und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt, vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
Denn der Herr ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht.
Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott, wie verheißungsvoll klingen die Worte dieses alten Vertrauensliedes. Wie hoffnungsfroh klingen diese Verse aus Psalm 91. Lass uns heute Morgen genau das erleben: Lass uns erleben, wie wir unter Deinem Schutz geborgen und wunderbar sicher aufgehoben sind. Lass uns diesen Gottesdienst und die Fastenzeit nutzen, um immer wieder nach Dir Ausschau zu halten und nach Deinen Engeln, die uns halten und tragen. Lass uns Deine Liebe in diesem Gottesdienst spüren. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Hebräerbrief im 4. Kapitel in den Versen 14 bis 16:
Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. 16Darum lasst uns  freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Darum lasst uns festhalten an dem Bekenntnis, heißt es in der Schriftlesung.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Die Fastenzeit und das Fasten, das ist immer Zumutung. Das verlangt immer einiges von uns ab. Aber aus der Zumutung kann und will – gerade in dieser Zeit – auch eine Ermutigung werden. Fasten will uns nicht ärmer, sondern reicher machen. Das wird in diesem Jahr vielleicht noch deutlicher als in den Jahren zuvor.
Und doch bleibt diese Zeit immer auch Zumutung,

Und als ob das nicht schon genug wäre. Wir bekommen es zu Beginn der Fastenzeit auch noch mit einem Predigtwort zu tun, das uns in seiner Fremdheit ebenfalls eine ganz Menge zumutet und abverlangt.
Es ist dem Buch der Sprüche entnommen. Dort steht es im 8. Kapitel in den Versen 23 und 29 bis 30:
Die Weisheit spricht: Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her. Als Gott die Grundfesten der Erde legte, da war ich beständig bei ihm und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

Das klingt, finde ich, schon nach Zumutung. Denn nach Spiel und spielerischer Leichtigkeit fühlt sich das Leben in dieser Zeit nicht an. Und in der Kirche, im Gottesdienst, da werden die Orgel oder auch mal die Gitarre gespielt. Aber spielerisch ist der Gottesdienst wohl eher nicht. Es steckt viel Ernst drin – in der heutigen Zeit und in den Gottesdiensten. Und doch wohl erst recht in der Passionszeit, wo es das Leiden Christi zu bedenken gilt.

Und dann dieses Predigtwort aus dem Buch der Sprüche. Einem biblischen Buch, das uns selten in den Gottesdiensten begegnet.
Aber schauen wir uns das im Predigtwort gemalte Bild genauer an: Schön und befremdlich zugleich! Die Weisheit erzählt, wie die Welt entstanden ist. Der große Gott erschafft die Welt – und Sophia spielt dabei. Ja – Sophia: das ist der griechische Name der Weisheit. Und ich finde, das klingt noch schöner und anschaulicher. Gott, der Weltenerschaffer und Sophia, die Weisheit, die – sozusagen wie ein kleines Kind – vor Gott spielt. Von Anfang an ist sie da. Noch ehe die Welt wurde, ist die Weisheit Gottes Begleiterin. Was steckt drin in diesem merkwürdigen, schönen Bild?

Da ist es vielleicht erst einmal nötig, dass wir klären, was denn hier unter „spielen“ zu verstehen ist. „Du denkst wohl, das ist nur ein Spiel, aber das ist blutiger Ernst“, sagt einer. Und in dem Zusammenhang ist Spielen nichts Positives. Da hat jemand den Ernst der Situation nicht erkannt. Da nimmt jemand etwas auf die leichte Schulter. Nicht gut!
„Na, wie war die Prüfung?“, wird eine andere gefragt und sie sagt: „War ein Kinderspiel!“ Sie hatte die Prüfung ernst genommen und fleißig gelernt. Und das hat sich offensichtlich gelohnt. Die Prüfung war nach all dem Üben leicht gewesen. Ein Kinderspiel eben. Sehr gut!

Die Weisheit macht aus manchen Dingen ein Kinderspiel. Nicht, weil sie die Dinge nicht ernst nehmen würde, sondern weil sie spielerisch mit ihnen umgeht, weil sie manch schwere Sache durchaus leicht aussehen und sie dann manchmal sogar leicht von der Hand gehen lässt..

Schauen wir mit diesen Vorüberlegungen noch einmal auf das Predigtwort: Gott lässt die Welt entstehen. Er schafft den Erdkreis mit all den herrlichen Dingen, den Steinen, den Landschaften, den Pflanzen und denr Tieren. Und bei all dem, was er macht, ist sie bei ihm: Die Weisheit. Gott und seine Weisheit, sie lassen das alles werden. Denn natürlich ist die Weisheit, die Sophia, Gottes Weisheit. So heißt es nicht umsonst, dass Gott alles weise geschaffen hat. So steht in Psalm 104,24: HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

Ja, es steckt Gottes Liebe in dieser Schöpfung – und auch seine Weisheit. Und diese Weisheit hat uns Menschen in dieser Welt unglaubliche Spielräume eröffnet.
Und genau das steht auch als Überschrift über der diesjährigen Fastenaktion der Kirche: „Spielraum!“ heißt das Thema. Und Spielräume will sie uns eröffnen. Sieben Wochen ohne Blockaden ist der Untertitel. Es geht also diese mal um eine ganz andere Art des Verzichtens: um das Verzichten von etwas, auf das man meistens ganz gut und gerne verzichten würde.

Diese Fastenzeit will uns eben nicht den Verzicht lehren, sondern auf die unglaublichen Möglichkeiten schauen lassen, die Gott in seiner Weisheit hinein gelegt hat in diese Welt. Und die er auch hinein gelegt hat in uns. Denn das hören wir ja auch von der Weisheit. Sie hatte ihre Lust an den Menschenkindern. Es war und ist der Weisheit eine Freude, uns Menschen nahe zu sein. Mit uns zu spielen. Unsere Gedanken weit zu machen und unsere Phantasie mächtig.
Ja, es bleibt ein merkwürdiges Wort. Aber ist es nicht auch ein Wort, das uns beflügeln kann.
Und genau darum soll es in diesem Jahr in der Fastenzeit gehen.
Vielleicht geht ja viel mehr als wir denken? Beflügelt von der Weisheit.
Beflügelt von der Weisheit entdecken wir vielleicht viel mehr Möglichkeiten als wir dachten.

Genau darum soll es in den nächsten sieben Wochen in der Fastenzeit, in der Passionszeit gehen. Dass wir eingeladen werden, uns Zeit zu nehmen zu einem ganz besonderen Nachdenken.
Heute – am Anfang der diesjährigen Fastenzeit führt uns das Nachdenken zum Anfang der Welt.
Und eben hinein ins Staunen, wie weise alles gemacht ist. Wie viele Möglichkeiten Gott in seiner Weisheit in diese Welt hineingelegt hat.

Und dabei sollen wir ermutigt werden und befähigt werden, auch darüber zu nachzudenken und zu staunen, was Gott in uns, was Gottes Weisheit in uns an Möglichkeiten hineingelegt hat.

Sieben Wochen ohne Blockaden. Von dem berühmten Komiker Karl Valentin kommt der Satz: "Mögen hätt' ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut."
Und manchmal, da trauen wir uns eben nicht, weil wir es uns nicht zutrauen.
Das ein oder andere Mal vielleicht auch verständlich. Schließlich wissen wir um unsere Schwächen und unsere Grenzen! Aber manchmal, da blockieren wir doch auch selbst unsere Möglichkeiten. Manchmal, da steht uns ein NEIN im Weg, was uns im Kopf das Leben schwer macht. Manchmal sind da überzogene Erwartungen an mich selbst, die mich verzagt sein lassen. Manchmal blockiert uns falscher Stolz! Wie damit umgehen?

Und hier, genau hier will sich die Weisheit ins Spiel bringen. Hier will sie mit uns spielen. Wohlgemerkt im guten Sinne des Wortes. Genau hier will sie uns die Verzagtheit nehmen, die wir manchmal haben. Sie will ein wenig mehr Leichtigkeit in unser Leben und Denken bringen. Die Bibel sagt es ja. Die Weisheit ist keine traurige, schwermütige Sache. Die Weisheit ist nicht grau. Sie ist bunt. Sie ist leicht und lebenslustig. „Sie spielte vor ihm allezeit!“ Sie war da, als Gott alles mit Leben belebt hat. Und sie will auch uns beleben.

Denn das ist ja das Besondere an der Weisheit. Sie weiß um Gottes Macht, um seine Liebe, um seine Freundlichkeit. Sie weiß um seine Größe.

Deshalb – liebe Gemeinde – bedenken wir die Weisheit Gottes! Lassen wir uns drauf ein. Dass wir an ihr unsere Freude haben wie sie an uns. Und bitten wir darum, dass diese Weisheit – wie seit Beginn der Zeiten – Freude hat an uns Menschenkindern. AMEN

Let it shine on me (Paul Kinnerley, gesungen ursprüngl. von Nancy Griffith)

Wir wollen beten:
Du naher Gott. Wir dürfen staunen und dankbar sein über Deine Weisheit. Sie hat diese Welt herrlich werden lassen. Alles ist weise geordnet. Das Meer ist belebt und der Himmel ist es. Die Blumen in ihrer Schönheit und die Tiere in ihrer Pracht. Und wir Menschen, zu so viel Gutem sind wir fähig. So viel Schönes können auch wir in diese Welt hineinbringen. Lachen und Liebe, Freundlichkeit und Offenheit. Toleranz und Mitgefühl. Achtsamkeit und Güte.
Zeige uns unsere Möglichkeiten auf, die wir haben. Zeige uns auf, wo wir diese Welt, die Du so weise geordnet hast, wie wir diese Welt, bereichern können und mit Gutem und Schönen beschenken können. Lass uns nicht nur auf das sehen, was in diesen Zeiten nicht geht. Lass uns schauen, was und wie und wo wir etwas hinein-tragen können von Deiner Weisheit in Deine Welt.
Mache uns phantasievoll im Umgang mit den Problemen. Lass uns, lass auch unsere Kirche immer wieder Wege finden, da zu sein. Und lass uns nicht die Dankbarkeit denen gegenüber vergessen, die in dieser Zeit da sind auch für uns.
In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 352 Alles ist an Gottes Segen

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für Sonntag Estomihi den 14.02.2021

Gottesdienst für Sonntag Estomihi den 14.02.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Und noch immer müssen wir warten. Und unsere Geduld wird weiter auf eine harte Probe gestellt. Und dabei ist es nicht leicht, die Gemeinschaft zu bewahren, die für uns in der Kirche so wichtig ist. Es kann uns in diesen Zeiten immer nur in ganz geringem Maße gelingen. Mag dieser Gottesdienst wieder etwas dazu beitragen.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 440 All Morgen ist ganz frisch und neu

Das Eingangswort für diesen Sonntag sind Verse aus Psalm 31. Es sind die Verse 2-6.8-9.16-17
Herr, auf dich traue ich, / lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!
Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!
Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!
Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.
Du wollest mich aus dem Netze ziehen, / das sie mir heimlich stellten; denn du bist meine Stärke.
In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,
dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner Seele
und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.
Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott, wir vermissen die gemeinsamen Gottesdienste in der Kirche. Wir vermissen die kleinen Gespräche vorher und nachher. Wir vermissen das gemeinsame Singen und Beten. Wir vermissen die Blicke, die wir uns zuwerfen können. Schenke uns in dieser Zeit dennoch auch heute wieder einen Gottesdienst, der uns Mut macht. Lass uns spüren, dass wir in all dem Vermissen nicht Deine Liebe vermissen müssen. So komm mit Deinem Heiligen Geist auch in diesen Gottesdienst. AMEN

Schriftlesung Das Wort der Schriftlesung steht bei Markus 8,31-38
Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben behalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's behalten. Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele? Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Der Predigtwort für diesen Sonntag entstammt dem Alten Testament. Es ist dem Buch des Propheten Jesaja. Entnommen und steht in Kapitel 58 in den Versen 1-9a.

Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst's nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet,
geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?  Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Liebe Gemeinde!
Kinder müssen erst ein gewisses Alter erreicht haben, bis sie Dinge verstehen können, die nicht handfest sind, die keine Sachen sind, die man anfassen kann. Was Friede ist, was Liebe ist, was Zukunft bedeutet, all diese Dinge kann ein kleines Kind noch nicht verstehen. Das Kleinkind muss die Dinge be-greifen! Anfassen muss es die Dinge, direkt vor Augen sehen. Ein Tisch mit vier Beinen, was das ist, das kann ein Kind eben im wahrsten Sinne des Wortes be-greifen. Einen Stuhl kann das Kind be-sitzen. Diese Dinge kann es anfassen und ansehen. Um die muss es manchmal einen Bogen machen, um sich nicht zu stoßen. Aber es dauert erst eine ganze Weile, bis Kinder dann auch abstrakte Dinge verstehen. Dazu müssen sie etwa drei Jahre alt werden. Dann geht das langsam los.

Warum ich das erzähle?
Nein. Ich erzähle das nicht, um Erziehungsberatung zu betreiben.
Sondern ich erzähle das, um Lebenshilfe für uns Erwachsenen zu vermitteln.
Als Anleitung zum Glauben gewissermaßen.
In unserem Predigtwort für diesen Sonntag geht es nämlich nicht um den mühsamen Weg der Kinder von der Praxis hin zur Theorie.
Der Prophet Jesaja will uns für den Glauben den Weg genau anders herum aufzeigen. Und dieser Weg ist durchaus ebenso mühsam und manchmal sehr beschwerlich wie der Kinder-Weg beim Großwerden. Wenn es um den Glauben geht, so sagt Jesaja, müssen wir uns auf den Weg von der Theorie in die Praxis begeben. Solange Glaube nur Theorie bleibt, ist seine Kraft schwach und seine Hilfe für das Leben begrenzt.

Der Prophet macht es am Beispiel des Fastens deutlich. Wenn DU nicht verstehst, heißt es da, wenn Du nicht verstehst, dass dein Fasten erst Sinn macht, wenn es auch Auswirkungen auf andere hat, wenn es ganz handfest wird und sichtbar, wenn Du das nicht verstehst, dann kannst Du auch das Fasten vergessen.
Und was hier für das Fasten gesagt ist, das gilt für unseren Glauben in vielerlei Hinsicht.

Heute – am Valentinstag - will ich es deutlich machen am Beispiel der Liebe. Und darüber sind wir uns, denke ich, ja einig: Liebe und Glaube, Glaube und Liebe gehören zusammen. Jesus hat es immer wieder deutlich gemacht: Wer sagt, dass er glaubt und Gott nicht liebt und den Nächsten nicht und sich selbst nicht, der hat vom Glauben noch nicht viel verstanden. Glaube und Liebe gehören zusammen.

Aber damit sind wir ja noch nicht am Ziel. Denn mit der Liebe ist es doch wie mit dem Glauben auch:
Wir können viel darüber nachdenken, vieles darüber schreiben, vieles erkannt haben in der Theorie. All das macht die Liebe nicht aus. Auch die Liebe will gelebt werden. In der Tat – im Tun.

Um noch einmal auf die Kleinkinder zurückzukommen: Das Wort Liebe werden Kinder nicht verstehen. Erst, wenn diese Liebe wird wie ein Tisch oder ein Stuhl, wenn sie begreifbar wird und sichtbar, wenn man sie beim Berühren spüren kann, dann musst du die Liebe nicht mehr theoretisch beschreiben, dann ist sie auch für ein Baby spürbar. Dann ist sie real.
Für eine Mama ist das ganz klar. Sie kommt gar nicht auf die Idee, ihrem Baby zu sagen: „Ich liebe dich!“
Sie nimmt das Kleine einfach in den Arm, wiegt es sanft, spricht sanft mit ihm, streichelt es, schaut es zärtlich an. Dann ist die Liebe da. Nicht im Kopf, nicht in der Theorie, sondern in der Welt.

Und, liebe Gemeinde, ich glaube, dass sich viele, viele Menschen in der Welt genau danach sehnen. Nichts gegen Liebesfilme, die sind manchmal sehr schön. Nichts gegen gute Bücher über die Liebe, die sind lesenswert. Schon gar nichts gegen wundervolle Liebeslieder. Ich liebe sie. Aber was die Welt, was wir brauchen, ist vor allem Liebe, die so ist wie ein Tisch oder ein Stuhl. Die man sehen kann. Die man wahrnehmen kann. Liebe, die getan wird.

Eben darum geht es in diesem Predigtwort. Eben darum geht es, wenn wir es mit dem Glauben zu tun bekommen wollen. Er will handfest in das Leben hineingelebt werden. Gott hat es doch genauso vorgemacht. Da wurde seine Liebe deutlich und spürbar, wo er als Jesus aus Nazareth in die Welt gekommen ist. Am Anfang war das Wort. Aber dann ist es Mensch geworden. Dann ist es zu dem Menschen geworden, der dieses Wort in die Welt hineingelebt hat.

Ein Punkt noch am Ende. Und auch wenn er am Ende steht, ist er doch auch ganz wichtig:
Glaube und Liebe wollen zur Tat werden. Erst dann blühen beide auf.
Und doch geht das nicht ohne ganz viel Nachdenken und Verstand und damit auch ohne Theorie. Nicht jede Umarmung ist gut. Im Moment wird das deutlich. Deutlicher als es uns lieb sein kann. Auch nicht jedes Streicheln ist gut. Dazu brauchte es nicht die #metoo-Debatte. Das wird auch deutlich bei den schrecklichen Missbrauchsfällen, die leider viel zu oft geschehen.

Liebe und Glaube will bedacht in diese Welt hineingelebt werden. Mit viel Phantasie – gerade auch in unserer Zeit. Mit viel Überlegen und Überlegung. Dass beide – die Liebe und der Glaube – gut gedacht und gut gemacht sind. Möge uns Gott dazu Kraft schenken. AMEN

420: Brich mit den Hungrigen dein Brot

Wir wollen beten:
Du barmherziger Gott. Du hast uns die Liebe vorgelebt. In Jesus begegnest Du den Menschen immer wieder voller Güte und Freundlichkeit. In Jesus schenkst Du den Menschen neuen Mut und neue Kraft. In Jesus lässt Du uns bei aller Sorge zur Ruhe kommen. In Jesus begleitest Du uns – und dafür danken wir Dir. Lass auch uns, die wir aus dieser Liebe leben, lass auch uns diese Liebe weitergeben. Mache uns zu Menschen, die aus Deiner Liebe die Kraft finden, da zu sein für diejenigen unter uns, die Hilfe, Rat und Trost brauchen.
Und so legen wir die Not der Welt vor Dich. Erbarme Dich über diese Welt und alle kummervollen Menschen.
In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 421 Verleih uns Frieden gnädiglich

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für Sonntag Sexagesimä den 07.02.2021

Gottesdienst für Sonntag Sexagesimä den 07.02.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Wir tun dies auch mit der Hoffnung, dass wir bald wieder Gottesdienste in unseren Kirchen feiern können. Aber noch wissen wir leider nicht, wann es wieder dazu kommen wird. Was für eine Geduldsprobe für uns alle. Die Weihnachtszeit hat mit dem heutigen Sonntag ein Ende gefunden. Die Vorpassionszeit beginnt mit dem Sonntag mit dem Namen Sexagesimä.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 443 Aus meines Herzens Grunde

Das Eingangswort für diese Sonntage steht im längsten Psalm der Bibel, in Psalm 119. Es sind die Verse 89 bis 92, 103 bis 105 und der Vers 116
Herr, dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht;
deine Wahrheit währet für und für.
Du hast die Erde fest gegründet, und sie bleibt stehen.
Nach deinen Ordnungen bestehen sie bis heute;
denn es muss dir alles dienen.
Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend.
Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.
Dein Wort macht mich klug;
darum hasse ich alle falschen Wege.
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte
und ein Licht auf meinem Wege.
Erhalte mich nach deinem Wort, dass ich lebe, und lass mich nicht zuschauenden werden in meiner Hoffnung Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott, wir lassen die Weihnachtszeit jetzt hinter uns. Die Passionszeit liegt vor uns. Und heute feiern wir einen Gottesdienst, in dem es um dein Wort geht. Schenke uns und allen, dass wir es gut hören können und dass es uns zur Hilfe und zum Halt wird. So schenke uns zu Deinem Wort Deinen Heiligen Geist. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im 4ten Kapitel des Hebräerbriefes. Es sind die Verse 12 und 13:
Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Klaus Lage, Rockmusiker mit guten Liedern mit deutschen Texten hat 1984 das Lied 1000 und 1 Nacht aufgenommen. Bis heute eines von den ganz bekannten deutschen Rockliedern. „1000mal berührt, 1000 mal ist nichts passiert. 1000 und 1 Nacht – und es hat Zoom gemacht.“ Das können viele mitsingen.
Ein Lied darüber, dass es manchmal sehr überraschend kommen kann – das Leben. Dass wie aus dem Nichts sich plötzlich alles ändert. Dass sich etwas ändert, was das Denken angeht und/oder auch, was das Fühlen angeht. Und du weißt eigentlich gar nicht, wieso das so ist? „Nicht im Traum“, so heißt es in dem Lied, hätte er gedacht, dass das mal passieren könnte. „Alles war so vertraut, jetzt ist alles neu!“

Aber – was um Himmels Willen – soll dieses Lied über eine unerwartete Liebe, die aus einer Sandkasten-Freundschaft entstanden ist, mit diesem Sonntag zu tun haben? Dazu gleich mehr. Schauen wir erst einmal auf das Predigtwort:
Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im Lukasevangelium im 8ten Kapitel in den Versen 4 bis 8 (9-15):

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: 5Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. 6Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 7Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. 8Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Liebe Gemeinde.
Schon der Eingangspsalm und die Schriftlesung machen deutlich, um was es an diesem Sonntag geht. Es geht um das Wort Gottes. Das macht auch die Fortsetzung unseren heutigen Predigtwortes deutlich. Das Wort Gottes ist das Thema. Mit dem Wort Gottes ist es wie mit der Sache mit dem Menschen, der da den Samen, der da die Saatkörner auf das Land wirft.
Das erste, was auffällt: Er geht unfassbar großzügig damit um. Ein Mann oder eine Frau, die auf dem Feld oder im Garten etwas aussät, die werden das oft ganz anders machen. Die achten darauf, dass das Feld vorher gut vorbereitet ist. Und dann geben sie Acht, dass der Samen auch wirklich dahin gelangt, wo er auch eine gute Chance hat, aufzugehen. Er oder sie, wer auch immer das kostbare Saatgut in die Hand nimmt und aussät, sie werden es eben nicht einfach dahin tun, wo die Wahrscheinlichkeit, dass es aufgeht, gering ist. Dafür sind die Samen doch zu kostbar. Und dafür ist der Ärger und die Enttäuschung hinterher doch viel zu groß, wenn man feststellen musst, dass die ganze Arbeit vergebens war. Dass nichts aufgegangen ist, weil so viel auf die Steine oder ins Unkraut gefallen ist.
Ganz anders hier: Unfassbar großzügig verteilt der Sämann den Samen. Er schmeißt ihn scheinbar wahllos überall hin. Ganz egal, ob er ins fruchtbare, vorbereitete Land fällt, oder ob er auf dem Felsen landet oder auch im Unkraut. Er nimmt einfach nur den Samen in die Hand und verteilt ihn. Egal wohin.

Warum? Es ist ja ein Gleichnis, mit dem wir es hier zu tun haben. Und da geht es nicht um eine Anleitung, wir man im Frühling den Samen aussät. Es geht vielmehr darum, wie man mit dem Wort Gottes umgeht. Und dazu sagt das Gleichnis eben: Geht ganz großzügig damit um. Verteilt es – wo immer ihr könnt. Überlegt nicht lange, ob das der richtige Ort ist, ob es hier Chancen hat oder nicht! Verteilt es. Geht großzügig damit um.

Denn es ist ja nicht so, dass man besonders sparsam mit dem Wort Gottes umgehen müsste. Es ist zwar kostbar und wertvoll. Aber – es kommt von Gott. Es ist da. Das ist nicht wie bei dem Impfstoff, der jetzt noch fehlt. Das Wort Gottes ist reichlich da. Wir müssen damit nicht sparen. Jedem Menschen kann ich davon erzählen, dass Gott ihn liebt. Jedem Menschen kann ich von Gottes Freundlichkeit und Güte erzählen. Jedem von der Kraft der Vergebung und von der Kraft der Liebe. Jedem kann ich davon erzählen, wie Gott sich der Not seiner Menschen immer wieder und immer wieder erbarmt hat.
Wir tun ja manchmal so, als wäre das Wort Gottes nicht nur kostbar, sondern auch selten. Ich weiß, es ist ja auch meistens so, dass die Dinge die besonders wertvoll sind, dass es die nicht so oft gibt. Aber so ist das nicht mit den Dingen, die von Gott kommen. Sie sind unendlich wertvoll, ja! Gewiss, das sind sie! Denn Gott hat seine ganze Liebe da hineingelegt. Und manches dieser Worte gibt es nur, weil Gott dafür seinen Sohn hat sterben lassen am Kreuz. Die Worte sind unendlich wertvoll. Aber sie werden nicht zu Ende gehen. Ist wird keinen Mangel geben. Für jeden und jede ist das Wort da. Deswegen – so macht es dieses Gleichnis deutlich – dürfen und sollen wir das Wort Gottes reichlich weitergeben. So oft es geht.
Und damit kommen wir zum Zweiten! Und das hat nun auch etwas mit dem Lied von Klaus Lage zu tun, oder zumindest doch mit dem Sachverhalt, um den es in diesem Lied geht. 1000mal mag nichts passieren mit diesem Wort, wenn es auf einen Menschen trifft. Er hat es vielleicht schon hundertmal gehört. Und es hat ihn nicht bewegt, nicht getröstet. Weil es ihn nicht angesprochen hat. Vielleicht hat da einer oder eine 1000mal das Gefühl gehabt, dass das mit ihm und Gott nichts wird. Dass sie damit einfach nichts anfangen kann. Dass das nichts ist, was für das Leben etwas ausmachen könnte.

Aber Gottes Wort ist immer für Überraschungen gut. Und plötzlich geht es dir auf! „Alles war so vertraut, und plötzlich ist alles neu!“ Viele Menschen haben genau das schon erlebt. Paulus beschreibt es ganz genau. Man nennt es Bekehrung. Und wen das abschreckt, dem kann man sagen: Und es hat Zoom gemacht. Plötzlich bewegt dich das Wort Gottes. Plötzlich berührt es dich. Plötzlich fängt es in dir an zu klingen. Und alles ist neu. Du siehst deine Welt anders und dein Leben.

Ob das geschieht? Das liegt nicht an Dir und nicht an mir. Das liegt an der Kraft, die in diesem Wort selbst ist. Und diese Kraft ist gewaltig. Denn es ist Gottes Wort und eben auch Gottes Kraft. Und manchmal ist es dann auch sehr überraschend, was da geschieht mit diesem Wort. Und gerade weil man nicht weiß, wann und ob es geschieht, deswegen ist es so wichtig, es immer wieder weiterzusagen. Es weiterzusagen – dieses Wort der Liebe Gottes. Den Menschen, die Kummer haben. Es den Menschen mit auf den Weg zu geben – dieses Wort – wenn sie Sorgen haben, was die Zukunft angeht, und das sind in diesen Tagen nicht wenige Menschen.

Das wünsche ich uns: Dass wir das mutmachende Wort Gottes immer wieder zugesagt bekommen. Und dass wir Menschen sind und werden, die es immer wieder weitersagen. Dieses Wort der Liebe. Diese Verheißung, dass Gott uns hält und trägt mit seiner Kraft. AMEN.

Wir wollen beten:
Großer Gott, Dein Wort hat eine gewaltige Macht. Ein Wort von Dir hat genügt, die Welt werden zu lassen. Ein Wort von Deinem Sohn hat genügt, um Menschen gesund zu machen. Ein Wort von ihm hat genügt, den Sturm zu stillen und seinen Freunden die Angst zu nehmen. Und ein Wort von Dir kann auch heute noch Menschen Kraft und Hoffnung geben.
Dafür sagen wir Dir: Danke. Danke für Dein Wort der Liebe und der Vergebung. Danke für Dein Wort, das uns ins Leben gerufen hat und das uns auf unsren Wegen begleitet.
Gib uns die Ohren, Dein Wort zu hören. Und schließe unsere Herzen auf, dass Dein Wort in uns seine heilende Kraft entwickeln kann.
Unsere Welt braucht Dein Wort. Heute mehr denn je. Also gib es den Mut aus Deinem Wort zu leben. Ihm zu vertrauen und es weiterzusagen.
Und so legen wir die Not der Welt vor Dich. Erbarme Dich über diese Welt und alle kummervollen Menschen.
In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da - mit Deiner Liebe. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 421 Verleih uns Frieden gnädiglich

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Letzten Sonntag nach Epiphanias den 31.01.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Wir tun dies auch mit der Hoffnung, dass wir bald wieder Gottesdienste in unseren Kirchen feiern können. Aber noch wissen wir leider nicht, wann es wieder dazu kommen wird.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 158 O Christe, Morgensterne

Das Eingangswort ist heute der Psalm 97
Der HERR ist König; des freue sich das Erdreich und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer sind. Wolken und Dunkel sind um ihn her, Gerechtigkeit und Recht sind seines Thrones Stütze. Feuer geht vor ihm her und verzehrt ringsum seine Feinde. Seine Blitze erleuchten den Erdkreis, das Erdreich sieht es und erschrickt. Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem HERRN, vor dem Herrscher der ganzen Erde. Die Himmel verkündigen seine Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Herrlichkeit. Schämen sollen sich alle, die den Bildern dienen / und sich der Götzen rühmen. Betet ihn an, alle Götter! Zion hört es und ist froh, und die Töchter Juda sind fröhlich, weil du, HERR, recht regierest. Denn du, HERR, bist der Höchste über allen Landen, du bist hoch erhöht über alle Götter. Die ihr den HERRN liebet, hasset das Arge! Der Herr bewahrt die Seelen seiner Heiligen; aus der Hand der Frevler wird er sie erretten. Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den aufrichtigen Herzen. Ihr Gerechten, freut euch des HERRN und danket ihm und preiset seinen heiligen Namen!

Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Gütiger Gott. Unsere Sehnsucht nach guten Nachrichten ist groß. Und sie wächst mit jeder schlechten Nachricht die wir hören. Deswegen feiern wir heute wieder mit großen Erwartungen diesen Gottesdienst. Dass wir Dein Wort hören, Deine gute Botschaft. Lass uns ins Staunen geraten über Deine Liebe und Deine Freundlichkeit. Schenke uns mit Deiner guten Botschaft die Kraft, unser Leben in diesen Zeiten gut zu bewältigen. Dazu komm mit Deinem Geist und lass die geschriebenen Worte dieses Gottesdienstes lebendig werden. AMEN

Schriftlesung
Die Schriftlesung findet sich bei Matthäus im 17ten Kapitel. Es sind dort die Verse 1-9

Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen letzten Sonntag in der Epiphaniaszeit steht im 2. Petrusbrief im ersten Kapitel in den Versen 16 bis 19.

Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen.  Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.

Das Predigtwort spannt einen weiten Bogen. Es spannt einen Bogen von dem Moment, an dem die Freunde Jesu gespürt haben, dass dieser Jesus mehr ist als nur ein guter Mensch. Von dem Moment an, als sie mit eigenen Ohren hören konnten, wie eine Stimme sagte, dass dieser Jesus aus Nazareth Gottes Sohn ist. Da nimmt dieses Predigtwort seinen Anfang. Und der Bogen spannt sich dann über diesen Sonntag Ende Januar 2021 in die Zukunft hinein.

Was der erste Petrusbrief hier sagt, ist nicht weniger als das: Wenn Jesus doch mehr ist als nur der gute Mensch, wenn er Gottes Sohn ist und unser Heiland: Dann ist alles gut.

Dann ist alles gut - auch wenn wir es in diesen Tagen vielleicht noch nicht sehen. Wenn Jesus der Sohn Gottes ist, dann ist alles gut. Dann ist ER ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint.

Dabei sieht der Schreiber des Petrusbriefes es sehr nüchtern. Er überschlägt sich nicht in seinem Optimismus. Er ist nicht einer von denen, die die Not nicht sehen würden. Im Gegenteil. Er sieht ganz genau, wie es um ihn herum aussieht. Er sagt: Es wird noch dauern, bis der Tag anbricht. Es ist eine lange Nacht. Und sie ist eben noch nicht zu Ende. Es ist eine lange Nacht. Da braucht es viel Kraft zum Durchhalten. Es ist eine lange Nacht. Aber alles ist gut. So lange die Nacht auch sein und dauern mag. Alles ist gut. Denn mit diesem Jesus aus Nazareth steht es fest: Die Nacht bleibt nicht für ewig. Der Tag kommt!

Liebe Gemeinde. Es gab gewiss Zeiten, in denen wir das sichere Gefühl hatten, es sei schon Tag. Die meisten von uns haben den großen Krieg nicht mehr miterleben müssen. Auch nicht die Not, die in den Jahren danach noch spürbar war. Die jüngeren unter uns kennen auch nicht mehr die Armut, die den älteren noch vertraut war.

Doch nun stecken wir drin in einer Zeit, die zu einer großen Herausforderung geworden ist. Und wir erahnen oder spüren wieder, was es heißen mag, dass die Zeiten dunkel sind. Wir merken, dass der Tag noch nicht ist. Und das macht dieses Predigtwort in diesem Jahr in ganz besonderer Weise zu einem Wort, das mit ganz viel Trost in unsere Zeit hineingesprochen und gehört sein will. Denn das Predigtwort sagt uns eben, dass die Dunkelheit nicht einfach nur dunkel ist. Im Predigtwort heißt es:

In der Dunkelheit scheint schon das Licht! Das ist es, was uns hier gesagt wird. Wir müssen nicht auf das Licht warten, es ist schon da! Aber wo ist es. Und wo können wir es sehen. Nur dass es der Briefschreiber sagt, heißt ja noch nicht, dass ich es, dass Sie es auch sehen können.

Dieses Licht, das ist das prophetische Wort! Das meint der Briefschreiber.
Was ist das für ein merkwürdiges Wort, dass es uns heute in dieser Dunkelheit schon ein Licht sein könnte?

Zwei Dinge sind dazu zu erklären.
Erstens: Das prophetische Wort ist das, was Gottes Wille und Gottes Wollen den Menschen nahebringt. Und was den Menschen damit Zukunft eröffnet. Das prophetische Wort ist das Wort von der Zukunft, die Gott uns aufschließt.

Zweitens: Das Neue Testament ist sich einig. Dass Jesus aus Nazareth der größte Prophet ist. Johannes der Täufer macht das deutlich, wenn er den Menschen sagt: „Ihr haltet mich für einen großen Propheten, ihr haltet mich für den, der Gottes Wort hinein in eure Gegenwart sagt. Dann wartet ab. Der wirklich größte Prophet, der wird noch kommen

Also: Was für ein prophetisches Wort ist dieses Licht für uns heute, in diesen trüben Zeiten? Es ist jedes Wort Jesu, das uns erreicht. Es ist jedes Wort Jesu, das wir heute hören können. Denn das sind seine Worte, die hineingesprochen sind in unsere Zeit. Seine Worte, die von Gott und seinem Willen und Wollen erzählen. Seine Worte, die er vor 2000 Jahren zu seinen Menschen gesprochen hat. Seine Worte, die diese 2000 Jahre überdauert haben. Seine Worte, die immer noch ihre Geltung und immer noch ihre Kraft haben, in denen immer noch der Geist Gottes zu spüren ist.

Und dieses Licht, dieses Wort Jesu, das mich erreicht, das mich anspricht und wirklich auch mich meint: dieses Wort, das wird ein Licht – nicht irgendwo, sondern in unseren Herzen. Der Morgenstern, dieses Licht, das wird in unseren Herzen aufgehen.

Wie können wir nun dieses Bibelwort für uns umsetzen?
Vielleicht ja so:
Nimm Dir ein Wort Jesu. Eines, das Dich tröstet. Jetzt! Eines, das Dir Mut macht. Jetzt! Eines, bei dem Du das Gefühl hast: Es tut mir gut. Gerade jetzt! Blättere das Neue Testament durch. Suche nach einem Vers, der genau das mit Dir macht: Der Dich ruhig werden lässt und der Dich zu Dir kommen lässt.
Das können ganz unterschiedliche Verse sein. Wir sind ja alle verschieden. Unsere Sorgen sehen je nachdem vielleicht ganz anders aus. Unsere Angst reagiert vielleicht – je nachdem – auf ganz unterschiedliche Dinge. Deswegen kann man schlecht einen Vers vorgeben. Nimm einfach die Bibel und suche nach DEM einen
Vers für Dich. Viele wichtige Verse sind fett gedruckt, das kann helfen.

Und wenn Du den Vers gefunden hast, Deinen Vers für diese Tage?
Dann bewege ihn in Deinem Herzen. Lass ihn Dir zu Herzen gehen. Damit dieser Vers, Dein Vers, Jesu prophetisches Wort an Dich und für Dich, damit dieser Vers Dein Herz hell und ruhig und warm machen kann. Bitte Gott um seinen Geist, dass er diesem einen Vers die Kraft gibt und dass er Dir die Kraft gibt, damit dieser Vers in Dir wirken und leuchten kann. Damit er Dich für einige Tage begleitet.
Und wenn Du das Gefühl hast, dass die Kraft nachlässt, die Kraft dieses Wortes - dann blättere erneut in der Bibel und suche ein neues Wort, einen neuen Vers. Lass einfach zu, dass Dich selbst dann ein neuer Vers anspricht, dass Dich ein neues Wort anspricht und mit Dir geht.

Dass Du Trost findest und Halt.
Dass Deine Hoffnung bleibt.
Dass die Kraft des prophetischen Wortes Gottes Deiner Schwachheit aufhilft.
AMEN

Wir wollen beten:
Großer Gott. Heute endet die Epiphaniaszeit. Über das Licht haben wir gestaunt, dass durch Dich in diese Welt hineinfindet. Dafür danken wir Dir. Wir danken Dir für jeden Moment in diesen Tagen, in dem wir Glück und Freude und Angenommensein gespürt haben. Für jeden Moment, in dem wir die Kraft der Hoffnung und der Liebe gespürt haben.
Und wir bitten Dich, großer Gott, lass Dein Licht weiter leuchten. Lass es hineinscheinen in die Not der Menschen hier bei uns und anderswo. Lass es hineinscheinen in die Not in den Krankenhäusern und Senioren-heimen. Lass es hineinscheinen in die Not in den Häusern und den Menschenseelen.
Lass uns und Deine ganze Welt gut und sicher durch diese Zeit der Bedrängnis kommen. Sei aber auch bei denen, die in den vergangenen Wochen Abschied nehmen mussten von geliebten Menschen. Wir spüren es doch gerade in dieser Zeit, wie machtlos wir so häufig sind und wie sehr wir von Deiner Liebe anhängen Halte uns alle sicher in Deiner Hand.
Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns ganz persönlich heute auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so soll es am Ende des ersten Monats des neuen Jahres noch einmal das wundervolle Lied mit den Worten von Dietrich Bonhoeffer sein, das uns Mut machen kann.

Lied 65 Von guten Mächten wunderbar geborgen

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Dritten Sonntag nach Epiphanias den 24.01.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Wir tun dies auch mit der Hoffnung, dass wir bald wieder Gottesdienste in unseren Kirchen feiern können. Aber noch wissen wir leider nicht, wann es wieder dazu kommen wird. Was für eine Geduldsprobe für uns alle.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Lied 74 Du Morgenstern, du licht vom Licht

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 186,1-2 und 5-11:
Herr, neige deine Ohren und erhöre mich; denn ich bin elend und arm.
Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu.
Hilf du, mein Gott, deinem Knechte, der sich verlässt auf dich.
Denn du, Herr, bist gut und gnädig, von großer Güte allen, die dich anrufen.
Vernimm, Herr, mein Gebet und merke auf die Stimme meines Flehens!
In der Not rufe ich dich an; du wollest mich erhören!
Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern, und niemand kann tun, was du tust.
Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen
und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,
dass du so groß bist und Wunder tust und du allein Gott bist.
Weise mir, Herr, deinen Weg,
dass ich wandle in deiner Wahrheit;
erhalte mein Herz bei dem einen,
dass ich deinen Namen fürchte.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott. Es fällt uns nicht leicht, auf die gewohnten Gottesdienste zu verzichten. Und fehlen die Begegnungen und uns fehlt die Nähe. Und fehlt das gemeinsame Singen und uns fehlt das gemeinsame Beten. Uns fehlt, dass wir uns vor Augen sehen und dass wir uns zulachen und zulächeln können. Aber Du kannst es machen, dass wir dennoch einen gesegneten Gottesdienst feiern. Gib den geschriebenen Worten die Kraft, die unsere Herzen bewegt und unseren Glauben stärkt. So sei Du mit Deinem Geist bei uns.
AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Matthäusevangelium im achten Kapitel in den Versen 5 bis 13: Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's. Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen Sonntag ist lang. Es ist eine ganze Geschichte. Sie findet sich im Alten Testament und es ist der Beginn des Buches Ruth. Es sind die Verse 1 bis 19. Und so lautet die Geschichte:

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

Eine Geschichte, die sich eigentlich selbst erklärt, liebe Leserin, lieber Leser, liebe Gemeinde! Man muss aber eben um die Sitten und die Regeln in der damaligen Zeit wissen. Verwitwete Frauen waren in der Zeit des Alten Testamentes darauf angewiesen, dass sie zurück in ihre eigene Familie gehen konnten. Dort wurden sie dann – oft mehr schlecht als recht – versorgt. Deshalb machte sich Ruth auf den Weg zurück nach Bethlehem. Dort kam sie her, dort musste sie wieder hin, nachdem nun auch ihre beiden Söhne gestorben waren. In Moab konnte sie nicht bleiben. Ihre beiden Schwiegertöchter hatten aber nun, nach dem Tod ihrer Männer auch nur diese eine Möglichkeit. Sie mussten zurück zu ihren Familien. Deswegen sagt Ruth ihren Schwiegertöchtern an der Grenze genau das: Geht jetzt zurück in eure ursprüngliche Familie. Die sorgen für euch. Die müssen für euch sorgen. Dort, wo ich hingehe, dort ist niemand, der für euch sorgen wird.
Aber die eine Schwiegertochter, Noomi, sie geht mit Ruth. Trotz aller Unsicherheiten, trotz aller Unwägbarkeiten. Obwohl nicht sicher ist, wer sie dort in der alten Heimat ihrer Schwiegermutter versorgen sollte. Zumal dort eine ganz andere Religion praktiziert wurde.
Noomi geht mit. Und sie sagt diese Worte, die sich schon so manches Brautpaar für die Trauung gewünscht hat. Auch wenn es hier die Worte einer Schwiegertochter zu ihrer Schwiegermutter sind: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden."

Eine bewegende Geschichte. Gerade wenn man um diese geschichtlichen Hintergründe weiß. Eine junge Frau, die ihre Schwiegermutter begleitet. Hinein in die Ungewissheit. Voller Liebe.
Das erklärt gewiss auch, warum ein solches Bibelwort zum Predigtwort geworden ist, auch wenn erst einmal scheinbar nicht so viel vom Glauben geredet und erzählt wird. Auch wenn es nicht um Jesus geht.
Es geht aber um den Beginn einer Reise. Und es geht um die besondere Einstellung dieser jungen Frau Noomi. Es geht um die Treue. Und diese Geschichte macht deutlich, wie wundervoll Treue sein kann.
Sie ist es nicht immer. Das hat die große Geschichte auch gezeigt. Im Nationalsozialismus war die Treue eine ganz große Sache. Sie wurde von den Nazis in den Himmel gehoben, zu der germanischen Tugend wurde sie gemacht. Und was für ein Unheil ist damit über die Welt gekommen. Da haben manche gemeint, es wäre eine Tugend, treu zu ihrem Führer zu stehen, wo der Verstand oder das Gewissen längst hätte sagen müssen, dass hier Verbrechen geschehen.
Nein, Treue ist nicht immer gut. Sie so viele gute Dinge kann sie ausgenutzt und verbogen werden. Aber hier, in dieser Geschichte der Ruth, da zeigt sich die Treue von ihrer besten Seite. Und deswegen ist diese Geschichte seit Jahrtausenden dazu geeignet, den Leserinnen und Lesern die Treue ans Herz zu legen.

Treue zu Gott
Das ist das erste, was wir immer wieder leben können. Dass wir Gott treu sind und Gott treu bleiben. Dass wir uns an unseren Gott halten. Auch dann, wenn es mal nicht richtig läuft. Auch dann, wenn wir Gottes Wege nicht verstehen. Auch dann, wenn wir das Gefühl haben, dass wir an Gottes Ohr vorbei reden. Treu zu Gott stehen. Auch dann noch. Immer wieder auf ihn Vertrauen. Immer wieder auf ihn warten und auf seine Hilfe. Immer wieder zu ihm beten. Immer wieder. Unverdrossen.
Treue zu Gott
Immer wieder auf sein Wort hören. Immer wieder auf seine Wunder zu vertrauen. Immer wieder ihn fragen. Und wenn die anderen Dich fragen, warum Du das machst und das würde doch eh nichts bringen und die Sache mit Gott, die sei doch sowieso überholt. Dann immer noch auf ihn vertrauen und auf ihn hoffen. Auch wenn es nicht angesagt ist in Deiner Clique. Auch wenn es Dir vielleicht keine Vorteile bringt. Dann doch bei ihm und an ihm bleiben im Glauben und Hoffen.

Treue zu Dir selbst
Ganz wichtig – auch diese Treue. Sich selbst treu sein. Sich nicht verbiegen lassen. Den Weg gehen, seinen Weg gehen, Deinen Weg gehen. Nicht das Falsche machen, von dem die anderen sagen, dass es das Richtige wäre. Nicht mitheulen, wenn die anderen heulen und nur weil die anderen heulen. Flagge zeigen und nicht Dein Fähnchen in den Wind hängen. Dir selbst treu sein. Ehrlich bleiben zu Dir selbst und zu den Anderen. Zu dem stehen, was Dir wichtig ist. Gute Kompromisse eingehen aber keine faulen. Dich nicht verleugnen.

Treu sein zu den Menschen, die sich auf Dich verlassen.
Berechenbar sein für die anderen. Erkennbar. Da sein. Da bleiben. Mit gehen. Aber immer mit dem eingeschalteten Verstand. Immer daran denken, dass Treue auch ausgenutzt werden kann. Immer daran denken, dass Du nur treu zu anderen sein kannst, wenn Du treu bist zu Dir selbst.

Und dann vielleicht auch noch die große Zumutung:
Treu stehen zu Deiner Kirche!
Ich weiß, das ist für manche nicht leicht. Da geht es um Geld, da geht es um Enttäuschungen. Da geht es um Menschen und Fehler und Irrtümer. Da ist nicht alles eitel Sonnenschein. Treu stehen zu Deiner Kirche, das verlangt nicht wenig von Dir. Aber treu stehen zu dieser besonderen Gemeinschaft von Menschen, die sich Kirche nennt, das ist so wichtig für so viele Menschen. Denn da, wo ich dieser Gemeinschaft treu bin und bleibe, da wächst in ihr Vertrauen. Da finden auch andere Halt. Da spüren die anderen und da kannst auch Du spüren, dass Segen draufliegt auf diesem Miteinander. Trotz all der Schwächen. AMEN

Wir wollen beten:
Du Gott der Liebe und der Barmherzigkeit.
Deine Liebe brauchen wir. Denn aus Deiner Liebe leben wir.
In Deiner Liebe kannst Du uns die Kraft geben, die wir in diesen anstrengenden und fordernden Zeiten brauchen. Die Not in der Welt ist so vielfältig. Es ist nicht nur das Virus. Es sind die vielen Folgen. Es ist die Überlastung für manche Menschen, die finanzielle Not, in die manche gekommen sind. Und das nicht nur in unserem Land, sondern in der ganzen Welt. Und gerade dort, wo die Menschen sowieso schon in Armut leben, da ist die Situation nun noch verheerender. Sei Du da mit Deiner Liebe und hilf. Gib allen, die Verantwortung tragen in dieser Welt die Weisheit und den Mut, kluge Entscheidungen zu treffen.
Wir danken Dir dafür, dass da so viele Menschen die Kraft haben und helfen. Wir danken Dir auch für jeden Lichtblick, den wir sehen können.
In der Stille bringen wir all unsere Sorgen vor Dich. …
Sei Du da mit Deiner Liebe.
Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 171 Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Zweiten Sonntag nach Epiphanias den 17.01.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Wir tun dies auch mit der Hoffnung, dass wir bald wieder Gottesdienste in unseren Kirchen feiern können. Aber noch wissen wir leider nicht, wann es wieder dazu kommen wird.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 73 Auf, Seele, auf und säume nicht

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 105,1-8:
Danket dem Herrn und rufet an seinen Namen;
verkündigt sein Tun unter den Völkern!
Singet ihm und spielet ihm,
redet von allen seinen Wundern!
Rühmet seinen heiligen Namen;
es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen!
Fraget nach dem Herrn und nach seiner Macht,
suchet sein Antlitz allezeit!
Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat,
seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes,
du Geschlecht Abrahams, seines Knechts,
ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten!
Er ist der Herr, unser Gott,
er richtet in aller Welt.
Er gedenkt ewiglich an seinen Bund,
an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter,
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Gütiger Gott. Unser Kummer ist groß. So gerne würden wir wieder gemeinsam in der Kirche Gottesdienst feiern. Aber es scheint noch eine Weile dieses Durcheinander zu geben, das durch das Virus in die Welt gesetzt worden ist. Und mit jedem Tag länger vermissen wir das Miteinander mehr. Das ist eine große Geduldsprobe. Und darum wollen wir Dich heute bitten. Gütiger Gott, schenke uns die nötige Geduld. Und lege Deinen Geist auch auf die Gottesdienste, die wir in diesen Wochen nur in der schriftlichen Form feiern können. Du kannst auch diese Gottesdienste mit Leben füllen. Bitte, lass das geschehen. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im ersten Korintherbrief im zweiten Kapitel in den Versen 1 bis 10:
Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten.
&Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, 5auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf  Gottes Kraft.
Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern wir reden, wie geschrieben steht (Jes 64,3): »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.«

Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Es war Samstagabend und Paula hatte Probleme mit dem Beten.
Nicht, dass ihr das Beten schwerfallen würde. Ganz und gar nicht. Paula betete regelmäßig und sie betete gerne. Und weil Paula ein offenes Herz hatte und mit offenen Augen und Ohren durch das Leben ging, betete sie auch viel. Es gab so vieles, was man im Gebet vor Gott bringen konnte. Wie sie abends im Bett lag, dann kam ihr so vieles in den Sinn. Aber heute war es anders. Sie hatte Probleme.
Nicht von Anfang an. Sie hatte schon eine ganze Weile gebetet. Da war der alte Mann, den sie heute im Bus gesehen hatte. Sie kannte seinen Namen nicht. Aber er sah so traurig aus. Er musste Sorgen haben. Sie hatte ihn nicht angesprochen. Nicht im Bus. Nicht vor allen Leuten. Aber sie hatte sich vorgenommen, für ihn am Abend zu beten. Dass Gott ihm helfen möge in seiner Not, was auch immer es für eine Not war. Dann war da ihre Freundin. Sie hatte im Moment Probleme mit ihren Eltern. Oder ihre Eltern hatten Probleme mit ihr. Dabei war ihre Freundin toll. Und die Eltern waren es eigentlich auch. Natürlich hatte sie auch das alles Gott ans Herz gelegt. Dass sie die richtigen Worte finden möge. Dass sie mal einen schönen Abend miteinander haben konnten mit einer dicken Umarmung am Ende. Und dann waren da noch die Nachrichten vom Tag. Wieder war so viel in der Welt geschehen. Wieder lief so vieles nicht gut. Sie hatten den Bericht gesehen von den … Das ging ihr nicht aus dem Kopf. Da musste es doch Hilfe geben. Da mussten doch Menschen da sein, die da waren um zu helfen. Auch das brachte sie vor Gott. Und natürlich auch die Not mit Corona. Jeden Abend war das dran in ihrem Gebet. Die Krankenschwestern und Krankenpfleger. Die Ärztinnen und Ärzte. Die Reinigungskräfte dort in den Kliniken. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Heimen. Ja, wenn Paula betete, dann brauchte es schon seine Zeit. Manchmal war sie da auch schon drüber eingeschlafen. Aber, das sorgte sie nicht. Gott wusste schon, was die Menschen brauchten.
Aber nun hatte sie ein Problem. Das Problem war ein Pickel auf ihrer Nase. Sie wollte doch am Montag in der Schule nicht so einen blöden Pickel da haben. Aber – die Not in der Welt war so groß, da konnte man doch nicht drum beten, dass dieser kleine Pickel da verschwinden sollte. Was war denn dieser Pickel schon gegen all die anderen Sorgen und Schwierigkeiten. Nein, darum wollte sie Gott nicht bitten. Und so beendete sie das Gebet, wie sie ihre meisten Gebete beendete. Mit einem dicken Dankeschön an Gott. Für all das Schöne, was sie erleben durfte. Für all den Segen, der da auf ihrem Leben lag. Für die Menschen, die da waren für sie. Und für das Glück, beten zu können. Und dann schlief sie ein.

Am nächsten Morgen ging sie in den Gottesdienst. Und sie hörte das Bibelwort, das heute das Predigtwort für diesen Sonntag ist.

Unser Predigtwort für diesen Sonntag steht im Johannesevangelium zu Beginn des zweiten Kapitels:
Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.
Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß.
Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Paulas erste Idee war: Schade, so ein Wunder könnte Jesus jetzt gerade gar nicht machen. Wegen Corona. Keine Hochzeiten. Heute wäre es schon ein Wunder, wenn es wieder Trauungen gäbe.
Da gingen ihre Gedanken ganz schön durch mit ihr. Nun aber konzentrierte sie sich wieder auf die Predigt. Und plötzlich, war sie wieder bei ihrem Gebet gestern Abend und – bei ihrem Pickel auf der Nase.

Auf dem Heimweg vom Gottesdienst kam ihr das wieder in den Sinn. Nach dem, was der Pfarrer gesagt hatte. War es nicht unglaublich, dass das erste Wunder, das Jesus tat, dass dieses erste Wunder nicht eines war, wo er einen Menschen von seiner großen Not befreit hat und ihn gesund gemacht hat? War es nicht unglaublich, dass das erste Wunder, von dem berichtet wurde, eigentlich um eine ziemlich unwichtige Sache ging. Natürlich nicht für den Bräutigam und die Menschen, die dort gefeiert haben. Aber eigentlich ging es eben doch nur darum, dass ein schönes Fest gut weitergehen konnte. Um nicht weniger, aber eben auch nicht um mehr. Hätte nicht das erste Wunder, was geschieht eines ein müssen wie das von Lazarus. Den Jesus aus dem Grab herausruft. Oder hätte es nicht wenigstens eines sein müssen, wie das von der Frau, die den Saum des Gewandes von Jesus berührt und sie wird gesund. Oder hätte es nicht das sein können, wo Jesus den blinden Bettler wieder sehend macht. Aber nein, da wird Wasser zu Wein gemacht und eine Feier gerettet.

Aber vielleicht war das gerade als erstes Wunder wichtig, dachte sich Paula jetzt. Nur so konnte man doch verstehen, dass Jesus nicht nur für die großen, für die existenziellen Probleme des Lebens da sein wollte. So konnte man doch verstehen, dass Jesus immer da sein wollte. Auch für die scheinbar eher kleineren Probleme. Er war eben nicht nur gekommen, um Blinde sehend und Lahme gehend zu machen. Er war gekommen, um die Menschen froh zu machen. Die Kranken und die Gesunden.

So ging Paula ganz froh nach Hause. Und am Abend betete sie ganz lange.
Nein, sie betete nicht dafür, dass morgen ihr Pickel auf der Nase nicht mehr zu sehen sein sollte. Das schien ihr doch irgendwie gar nicht mehr wichtig. Aber sie betete für die, die dieses Jahr Hochzeit feiern wollten. Und für die, die sich in diesen schwierigen Zeiten vielleicht nur Kleinigkeiten wünschten und die doch so sehr brauchten wie der Bräutigam mehr Wein auf seiner Feier.

Und ganz lange dankte sie Gott an diesem Abend. Sie dankte ihm dafür, dass sie heute wieder einmal verstanden hatte, dass sie mit jedem, aber auch wirklich jedem Problem im Gebet zu Gott kommen konnte. Keines war zu groß, als dass er es nicht würde lösen können. Und kein Problem war zu klein, als dass er es sich nicht anhören würde.

Und Paula schlief unendlich beruhigt ein.
AMEN

Wir wollen beten:
Großer Gott. Unser Herr und Bruder Jesus Christus hat uns ermutigt, dass wir Dir alles, was uns bedrückt ans Herz legen können. Wir dürfen Dir unser Herz ausschütten. Ohne Angst und ohne Zögern. Und wir dürfen dabei hoffen, dass Du unsere Bitten nicht nur hörst, sondern dass Du Dich unserer Sorgen und Fragen annimmst. So vertrauen wir uns Deiner Liebe an. Und wir trauen uns zu beten.
Wir beten in dieser Pandemiekrise. Wir bitten für Geduld für uns alle in dieser bedrängenden Situation. Geduld auch in diesem Lockdown, der alles von uns abverlangt. Wir bitten Dich für die Menschen, die sich einsetzen für die Kranken. Gib ihnen Kraft. Lass auch die Kranken Deine Gegenwart spüren.
Wir bitten Dich darum, dass die Pandemie bald überwunden ist.
Wir bitten Dich für den Frieden in der Welt. Auch in den USA. Gib dort dem zukünftigem Präsidenten Biden die Klugheit und die Menschenfreundlichkeit, dass er die Gräben in seinem Land einebnen kann. Sei uns allen nahe und mache uns Mut, mit allen Fragen und Sorgen zu Dir zu kommen im Gebet. Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Lied 170: Komm, Herr, segne uns

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Ersten Sonntag nach Epiphanias den 10.01.2021

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern. Wir tun dies auch mit der Hoffnung, dass wir bald wieder Gottesdienste in unseren Kirchen feiern können.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Lied 69 Der Morgenstern ist aufgedrungen

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 89,2-5 und 27 bis 30:
Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich
und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für;
3denn ich sage: Auf ewig steht die Gnade fest;
du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.
»Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten,
ich habe David, meinem Knechte, geschworen:
Ich will deinem Geschlecht festen Grund geben auf ewig
und deinen Thron bauen für und für.«
Er wird mich nennen: Du bist mein Vater,
mein Gott und der Hort meines Heils.
Und ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen,
zum Höchsten unter den Königen auf Erden.
Ich will ihm ewiglich bewahren meine Gnade,
und mein Bund soll ihm fest bleiben.
Ich will ihm ewiglich Nachkommen geben
und seinen Thron erhalten, solange der Himmel währt.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Gott, Herr, Menschenfreund. Wir sitzen nicht in der Kirche zusammen. Und das schmerzt. Wir können nicht miteinander beten und wir können nicht miteinander das Glaubensbekenntnis sprechen. Aber wir können aneinander denken. Wir können füreinander beten. Und so bitten wir Dich, dass Du auch diesen Gottesdienst hier auf unserer Homepage doch zu einem gesegneten Gottesdienst machst für alle, die ihn lesen und hören. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Matthäusevangelium im 3ten Kapitel in den Versen 13-17:
Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?  Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm zu.
Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Unser Predigtwort für diesen Sonntag steht im Römerbrief im 12. Kapitel in den Versen 1 bis 8. Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens. Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied. 6Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.

Liebe Gemeinde!
Der Epiphanias-Tag liegt hinter uns. In unserer Tradition der Tag, an dem die Heiligen Drei Könige am Stall in Bethlehem ankommen und über das Kind in der Krippe, über diesen König des Friedens zu staunen. Es ist auch der Tag, an dem wir feiern, dass die Liebe Gottes in Jesus Christus ganz offenbar wird. Wir haben in der Schriftlesung von der Taufe Jesu gehört. Gott sagt JA zu Jesus und damit auch JA zu der Liebe und JA zu uns.
Und im Namen dieser Liebe brechen wir nun auf. Im Namen dieser Liebe gehen wir jetzt ganz bewusst in dieses neue Jahr. Und heute in dieser Predigt wollen wir nun vor allem auch schauen auf das, was in unserem Kirchspiel in diesem neuen Jahr geschehen mag und soll und kann.

In dem Predigtwort geht es um die Gemeinschaft. Besser: Es geht um DIE Gemeinschaft. Es geht um die Gemeinschaft, die mit diesem Kind in der Krippe ihren Anfang nimmt. Um die Gemeinschaft, die von derLiebe Gottes zusammengerufen und getragen wird.
Paulus redet genau von dieser besonderen und im wahrsten Sinne des Wortes wunderbaren Gemeinschaft.

Es ist die Gem einschaft, in der jeden und jede seinen und ihren Platz hat. Ihren Platz, an dem sie spürt, dass sie hier richtig ist, genau richtig. Seinen Platz, an dem er spürt, dass er genau hier gebraucht wird. Diese Gemeinschaft, in der keiner und keine überflüssig ist. In der niemand vergeblich, umsonst oder notgedrungen ist. Es ist eine bunte Gemeinschaft - die Hirten in der Heiligen Nacht und die Könige an Epiphanias könnten nicht unterschiedlicher sein. Aber was für alle in dieser Gemeinschaft gilt: Sie werden von der Liebe Gottes und von der Liebe zu Gott zusammengehalten. Viel zu selten machen wir uns das klar. Die Gemeinschaft, die in einer Kirchengemeinde erlebbar und erfahrbar sein soll, wird meistens viel zu nüchtern beschrieben.

Deswegen möchte ich erst einmal mit Euch und Ihnen staunen über diese Gemeinschaft, von der hier nicht nur geredet und über die hier nicht nur geschrieben wird. Ich will mit Euch und Ihnen darüber staunen über diese Gemeinschaft, die uns verheißen und versprochen wird. Sie kommt nicht, wenn wir besonders gut sind oder wenn wir uns besonders anstrengen. Diese Gemeinschaft ist da, weil Gott so freundlich ist und weil er sie mit seiner Liebe trägt und formt und lebendig macht. Diese Gemeinschaft ist eine Verheißung!

Wieso Verheißung?
Weil in dem Moment, wo wir uns an die Verheißungen Christi halten, er uns zu dieser Gemeinschaft werden lässt. So sind wir, die vielen, ein Leib in Christus. So schreibt es Paulus uns in unserem Predigtwort. Dieser Jesus hält uns zusammen und macht unsere Gemeinschaft so besonders. In ihm und mit ihn und durch ihn haben wir dieses Miteinander.

Und wir haben es, weil er uns in dem Moment das schenkt, was wir brauchen. So schreibt es Paulus. Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Das ist die Verheißung. Unsere Gemeinschaft ist so besonders, nicht weil wir unendlich viel Kraft und Energie dafür aufwenden müssten. Unsere Gemeinschaft ist so besonders, weil Gott all das schenkt, was das Miteinander so wertvoll macht.

Offene Augen und offene Ohren. Kluge Ratschläge. Weise Worte. Menschen, die Kraft finden zu beten. Menschen, die organisieren können. Menschen, die fest im Leben stehen. Menschen, die anpacken, wenn etwas zu tun ist. Menschen, die sich auf den Weg zu Anderen machen, die sie brauchen.

Ist das nicht unfassbar gut in einem Jahr wie diesem? Wir haben doch in den vergangenen Monaten gespürt, wie wichtig eine solche Gemeinschaft ist. Gerade in Momenten, wo sie uns gefehlt hat.
Dazu kommt: Die KV-Wahlen stehen an. Wieder werden Menschen in unserem Kirchspiel gesucht, die sich mit einbringen. Die ihre Gaben einsetzen für die Kirche, für das Miteinander. Und wir müssen uns keine Sorgen machen. Die Menschen werden da sein. Beschenkt von Gott mit den Gaben, die es braucht. Mit den Gaben, die es braucht, damit die Gemeinschaft trägt. Damit die Gemeinschaft uns alle trägt. Damit auch die Ängstlichen und die Schwachen, die Jungen und die Alten, die Kleinen und die Großen mitgetragen werden. Die Traurigen und die Einsamen.

Was für ein schönes Wort zu Beginn des neuen Jahres! Da ist eine Gemeinschaft, in der wir einander tragen können. Und wir können das, weil Gottes Liebe uns dabei trägt. Mögen wir das immer wieder erleben in dem nun beginnenden Jahr. AMEN

Wir wollen beten:
Du gütiger Gott.
Was für eine Woche liegt da schon wieder hinter uns. Immer noch ist die Unsicherheit groß, wie es denn mit der Pandemie und in der Pandemie weitergeht. Dazu stehen uns noch die Bilder aus den USA vor Augen.
Wie viel Gewalt und wie viel Feindschaft sind da zu sehen. Und beinahe untergegangen ist dabei, dass das jetzt vergangene Jahr das wärmste in der langen Geschichte der Temperaturaufzeichnung gewesen ist.
All das lässt uns spüren, wie sehr wir Dich brauchen. Dich und Deinen Geist, der unsere Hoffnung groß und stark machen kann. Dich und Deine Kraft der Liebe, die zur Versöhnung Kraft gibt. Dich und Dein Geist, der uns Kraft zur Besonnenheit gibt.
Sei Du unser Begleiter durch dieses Jahr. Mit Deinem Geist und mit Deiner Liebe.
Schenke uns die Gemeinschaft, die wir brauchen und schenke uns die Gaben, die dieser Gemeinschaft gut tun.
Sei Du bei allen, die Not leiden und Kummer haben. Bei allen, denen die Kraft fehlt und die Hoffnung. Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 66 Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Jahresanfang Neujahr den 01.01.2021 und Sonntag den 03.01.2021

So gerne hätte ich diesen ersten Gottesdienst im neuen Jahr in der Münsterer Kirche mit Ihnen gefeiert.
Wir singen in diesem Gottesdienst so viel. Und die Jahreslosung ist in Bild und Wort das Thema. Die Liturgie ist so ganz anders. Die Stimmung erwartungsvoll.
Aber so ist es nun einmal – wie so oft in den vergangenen Monaten – ganz anders gekommen. Und doch wollen wir das Beste daraus machen.

LIED 61 Hilf, Herr Jesu, lass gelingen

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
AMEN

Der 8ten Psalm führt uns hinein in das neue Jahr:
Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen,
der du zeigst deine Hoheit am Himmel!
Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge /
hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen,
dass du vertilgest den Feind und den Rachgierigen.
Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:
was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,
mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.
Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk,
alles hast du unter seine Füße getan:
Schafe und Rinder allzumal,
dazu auch die wilden Tiere,
die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer
und alles, was die Meere durchzieht.
Herr, unser Herrscher,
wie herrlich ist dein Name in allen Landen!
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

Gebet:
Herr über Zeit und Ewigkeit.
Erst wenige Stunden ist dieses Jahr alt. Noch viele Stunden liegen vor uns.
Hilf, dass wir begreifen, dass wir jede Stunde aus Deiner Hand empfangen.
Hilf, dass wir achtsam umgehen mit der Zeit, die Du uns schenkst.
Fülle Du unsere Zeit mit Deinem Segen.
Lass uns das schon an diesem ersten Tag im neuen Jahr spüren.
Lass es uns auch in diesem Gottesdienst spüren.
Schenke uns Deinen Heiligen Geist, Deine Kraft der Liebe. AMEN

Schriftlesung
Im Jakobusbrief sind es im 4ten Kapitel die Verse 13 bis 15, die wir als Schriftlesung hören:
Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen –,
und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Dunst seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.
Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.
Und selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort Gottes hört und in euren Herzen bewahrt! Halleluja

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Es ist die Jahreslosung, die uns im ersten Gottesdienst im neuen Kalenderjahr immer begleitet. So wie sie uns ja auch durch dieses neue Jahr begleiten will. Im Lukasevangelium steht sie im 6ten Kapitel in Vers 36. SEID BARMHERZIG, SO WIE EUER VATER BARMHERZIG IST.

SEID BARMHERZIG
Jesus sagt uns das. Er legt uns das ans Herz. Das sollen wir beherzigen in diesem Jahr.
Barmherzig sein. Das ist ein guter Vorsatz für das neue Jahr. Neben so manch anderen Vorsätzen ist das ein guter Plan: Barmherzig sein.

Aber fallen wir nicht mit der Tür ins Haus. Kommen wir nicht vorschnell zu diesem wunderbaren Vorsatz. Staunen wir erst einmal über den Nachsatz:

SO WIE EUER VATER BARMHERZIG IST
Jesus nennt den großen, allmächtigen Gott hier Vater. Und er nennt ihn nicht nur seinen Vater. Er nennt ihn unseren Vater. Und das sagt Jesus: Das, was wir immer wieder lernen müssen, das ist Teil des Wesens Gottes. Er ist barmherzig. Er ist barmherziger Vater. Und das sollst Du, das sollen Sie in den nächsten 12 Monaten immer wieder spüren.

BARMHERZIGER VATER
Er ist da, wenn Du Ihn brauchst. Er gibt Acht auf Dich. Er verliert Dich nicht aus den Augen. Und Er ist dabei kein neutraler Beobachter. Die Augen, mit denen er Dich anschaut, sind liebevolle Augen.
So will Er Dich begleiten in diesem Jahr. Ganz nah kommen will Er Dir, wenn Du Ihn brauchst.
Mit all Seiner Liebe will er da sein.

Das, liebe Gemeinde, ist es, was zuallererst über diesem neuen Jahr steht. Nachdem uns die Ereignisse des letzten Jahres gewiss sehr vorsichtig gemacht haben, dürfen wir uns das als erstes sagen lassen: Wir gehen mit einem liebenden, barmherzigen Gott in dieses Jahr und durch dieses Jahr.

Und mit dieser wunderbaren Aussicht kommt wir zu dem Vorsatz: SEID BARMHERZIG.

Seid ihr schon barmherzig, oder habt ihr noch Mitleid?
Komischer Satz! Dämlich, meinen da vielleicht manche.
Aber – diese merkwürdige Frage macht einen großen Unterschied deutlich.
Vor ein paar Wochen ist das schon einmal in einer Predigt zum Ausdruck gekommen.
Seid ihr schon barmherzig, oder habt ihr noch Mitleid?
Mitleid haben ist natürlich eine gute Sache. Wenn ich Mitleid habe mit einem Menschen, dann tut mir die Situation der anderen oder des anderen selbst weh. Ich leide mit. Ich sehe die Not eines anderen Menschen und sie bedrückt mich selbst. Ich sehe den Kummer einer guten Freundin und bin selbst bekümmert darüber. Mitleid ist eine gute Sache. Wenn ich mein Mitleid zum Ausdruck bringe, dann kann es sogar sein, dass der oder die andere sich dadurch ein wenig getröstet oder doch zumindest verstanden fühlt. Das kann auch dem gut tun, der in der Not steckt. Aber – es muss nicht. Mitleid kann auch ins Leere laufen.
Zum Beispiel so: Ich schalte den Fernseher an und sehe schreckliche Bilder. Menschen auf der Flucht. Menschen, die zu ertrinken drohen. Zerbombte Häuser oder ganze Straßenzeilen, die in Trümmern liegen. Meschen in Intensivstationen, die mit dem Tode ringen. Ich sehe die Bilder und bin entsetzt und spüre Mitleid. Die Bilder tun mir selbst weh. Und dann schalte ich aus. Traurig. Aber ich will die Bilder nicht mehr sehen. Sie schmerzen zu sehr.

Habt ihr Mitleid? Oder seid ihr schon barmherzig! Die Barmherzigen, die bleiben nicht beim Mitleid stehen.
Sie sehen die Not des anderen. Sie sehen die Sorgen der anderen. Und sie schalten nicht ab. Sie machen
nicht zu. Sie öffnen sich. Sie öffnen ihre Herzen und sie öffnen ihre Hände und sie öffnen ihre Türen. Sie bleiben nicht beim Mitleid stehen. Sie kommen in Bewegung.

SEID BARMHERZIG
Seid keine Zuschauer des Lebens. Sucht die Nadel im Heuhaufen. Stelle euch gegen den Wind. Entzündet ein Licht am Ende des Tunnels. Malt selbst den Silberstreif an den Horizont. Glaubt nicht, dass es hoffnungslose Fälle gibt. Streicht das Wort unmöglich aus eurem Wortschatz. Verzichtet auf das Wörtchen „leider“. Macht aus „ich würde ja gerne“ ein „ich werde“. Erkennt, dass es keine Not gibt, die zu weit weg scheint um nicht doch helfen zu können. Tretet füreinander ein. Engagiert euch für die Leben. Schreibt die LIEBE groß. Findet Wege zueinander. Übet das Verzeihen und Vergeben jeden Tag. Zündet Kerzen an und Lichter der Hoffnung. Gebt euren Herzen einen Stoß. Schaut auf das, was schön ist und gut – trotz allem. Vertraut auf den Gott der Barmherzigkeit, den wir Vater nennen dürfen. AMEN

Gebet
Herr über die Zeiten, guter Gott.
Wir danken Dir dafür, dass wir wissen dürfen, dass wir nicht alleine durch das neue Jahr gehen müssen. Wir danken Dir, dass Du mit uns gehst. Und wir bitten Dich, dass Du das jeden und jede von uns auch spüren lässt. Gehe mit uns durch dieses Jahr und mache unseren Mut groß und unsere Herzen weit. Gehe mit uns durch dieses Jahr und schenke uns Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, die es gut meinen mit uns. Und bewege uns mit Deinem Geist und lass auch uns zu Menschen werden, die die Barmherzigkeit üben.
Guter Gott, auch wenn das Jahr neu ist, so sind doch viele Sorgen noch die alten. Und auch wenn heute etwas Neues beginnt, findet doch so manche Not auf dieser Welt noch kein Ende. Deshalb bitten wir Dich.
Sei Du da, wo Menschen Not leiden. Wie auch immer die Not heißen mag. Sei Du bei den Menschen in den Krankenhäusern und Seniorenheimen. In den Pflegeeinrichtungen und auf den Gesundheitsämtern. Sei bei denen, die helfen und bei denen, die deren Hilfe brauchen. Lass in diesem neuen Jahr die Not mit dem Corona-Virus ein Ende finden.
Wende die Not der Einsamen und der Verzweifelten. Wende die Not derer, die Hunger haben: nach Brot,
nach Liebe, nach Lebenssinn, nach Gemeinschaft.
In der Stille legen wir Gott unsere Sorgen ans Herz ….
Sei Du da, auch in diesem neuen Jahr. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und ich lade Sie ein, doch das Gesangbuch aufzuschlagen und den wunderschönen Text als Trost zu hören.

EG 65 Von guten Mächten wunderbar geborgen

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen. Möge Gottes Segen spürbar mit uns gehen in diesem neuen Jahr.

Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst zum Altjahresabend 2020 den 31.12.2020

Altjahresabend wird der Silvester-Abend in der Kirche genannt. Der letzte Abend im alten Jahr.
Und auch für diesen Tag soll ein Gottesdienst auf unserer Homepage stehen. Schade, dass wir ihn nicht gemeinsam in der Kirche feiern können.

L I E D 64 Der du die Zeit in Händen hast

Was für ein schöner Eingangspsalm. Es ist Psalm 121. Ein Psalm voller Vertrauen. Ein Psalm voller Segen, der auch mit einem herrlichen Segenswort endet!

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?  Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,  dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.  Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

Gebet
Guter Gott, heute geht ein Jahr zu Ende, das in die Geschichtsbücher eingehen wird. So vieles war anders, als wir es geplant hatten. So oft haben uns die Ereignisse dieses Jahres auch an unsere Grenzen gebracht. Manchmal auch darüber hinaus. All das vertrauen wir Dir an. All das geben wir in Deine Hände. Sei Du da. Auch in diesem Gottesdienst. Lass uns Deine Gegenwart spüren. Schenke uns Deinen Heiligen Geist. Dass wir gut hineinkommen in das neue Jahr. AMEN

Die Schriftlesung für diesen letzten Tag im alten Jahr ist eines der stärksten Worte aus der ganzen Bibel.
Es ist aus dem 8ten Kapitel des Römerbriefes von Paulus. Es sind die Verse 31-39.
Was wollen wir nun hierzu sagen?  Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?
Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht.
Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt.
Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht (Ps 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.«
Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
Selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort Gottes hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Das Predigtwort für diesen Abend ist aus dem 2. Buch Mose.
Es steht im 13ten Kapitel in den Versen 20 bis 22.
Das Volk Israel ist aus der Sklaverei in Ägypten geflohen. Aber sicher waren sie noch nicht. Viele Gefahren lauerten noch. Manch Zweifel befiel die Menschen auf der Flucht. Hatten sie sich wirklich richtig entschieden? War Mose wirklich der Mann, der sie führen konnte? War es richtig, sich diesem Gott anzuvertrauen, von dem Mose erzählt hatte.

Und weil sie die Zweifel immer wieder befielen, geschah denn folgendes:
So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste.
Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Ein herrliches Predigtwort für das Ende dieses alten Jahres. Ein herrliches Predigtwort, weil es uns ans Herz legt, nicht zu lange Rückschau zu halten in diesen Tagen. Weil es eben nicht einlädt zu einem Jahresrückblick, sondern zu einem Ausblick auf das Neue.

Nun wäre es dumm, oder doch zumindest unklug, wenn wir gar nichts mitnehmen würden von dem, was wir da an Erfahrungen sammeln konnten und auch sammeln mussten.
Manche Erfahrung von Verlust. Da haben wir liebe Menschen verabschieden müssen. Und es waren viele in dem jetzt beinah vergangenen Jahr. Da haben sich Menschen von geliebten Vorstellungen verabschieden müssen.
Manche Erfahrung des Verzichtes ist dabei. Bei uns in der Gemeinde war es spürbar. Manchmal auch sehr schmerzhaft und notvoll. Unsere Gottesdienste haben sich verändert. Wir mussten auf das Abendmahl verzichten. Wir durften nicht singen. Wir konnten uns nicht innig begegnen. Konnten die Konfirmationsjubiläen nicht feiern.
Aber natürlich ist es nicht nur in der Kirche spürbar gewesen. Wie vielen von uns fehlte die persönliche Begegnung. Fehlte die Nähe, fehlte das Singen und fehlten die gemeinsamen Feste.

Schauen wir noch mal kurz zurück. Aber nicht zurück auf das letzte Jahr, sondern zurück in die Zeit, aus der dieses herrliche Predigtwort stammt. Die Menschen waren herausgeführt worden aus der Sklaverei in Ägypten. Wundervoll, oder? Voller Wunder, ja! Aber nicht wundervoll. Denn eigentlich hatten sie ein ganz ähnliches Problem wie wir heute. Dort in Ägypten, da hatten sie ihre festen Traditionen gehabt. Sie hatten ihre Gewohnheiten, ihre Regeln, ihre geliebten und vertrauten Rituale. Und dann kam die Freiheit – und das, was sie irgendwie doch an Gewohnheiten liebgewonnen hatten, das war plötzlich nicht mehr da. Sie mussten sich hineinfinden in eine ganz neue Situation. Sicher – sie waren frei – aber so vieles war anders. Sie brauchten, das merkte Mose gleich, sie brauchten Orientierung. Sie brauchten einen festen Punkt, an dem sie sich ausrichten konnten. Da musste Sicherheit hinein in diese unsichere Situation. Und darum hat Mose
seinen Gott gebeten. Und dann kam Gottes Antwort. Am Tag die Wolkensäule, der sie folgen konnten. Und in der Nacht die Feuersäule, die ihnen die Richtung anzeigen konnte.

Und die Menschen damals durften spüren: Wir gehen nicht unbegleitet durch diese unsichere Zeit mit diesen ungewissen Tagen und Nächten. Da ist eine Kraft, die uns leitet und die uns führt. Aus dem alten und gewohnten hinaus in das Neue.

Ich weiß, das ist bei uns ein wenig anders. Wir wünschen uns vieles von dem gewohnten und lieb gewonnenen wieder zurück. Und wir dürfen auch berechtigte Hoffnung haben, dass unsere Lieder im Laufe des kommenden Jahres wieder erklingen werden und dass wir im Laufe des kommenden Jahren auch wieder ein Abendmahl werden feiern können. Und doch ahnen wir ja, dass irgendwie nichts wieder ganz so sein wird, wie es vor der Coronazeit gewesen ist – zumindest noch nicht über lange Strecken im neuen Jahr.

Umso wichtig ist es, dass wir eines begreifen mit unserem Glauben: Gott geht mit uns hinein in das Neue.
Da mögen keine Feuersäulen sein und keine Wolkensäulen. Aber Gott wird seine Möglichkeiten finden auch uns durch diese Zeit zu führen. Er wird Zeichen und Mittel und Wege finden, dass auch wir immer wieder – tief getröstet spüren – dass da ein von Gott begleiteter Weg vor uns liegt.

Klar, solche Feuersäulen – mitten in der Nacht, solche Wolkensäulen – klar am sonnigen Wüstenhimmel, die sind nicht zu übersehen. Und auch wenn wir unserem Gott so manches große Wunder zutrauen, wenn wir ihm sogar jedes große Wunder zutrauen, so dürfen wir uns doch die Frage stellen, wie das wohl aussehen könnte. Wie das wohl aussehen könnte, wenn Gott uns zeigt, dass er bei uns ist auf dem Weg vom Alten in das Neue hinein und durch das Ungewohnte hindurch.

Da sind Zeichen! Klar und deutlich, nicht zu übersehen – für die, die hinschauen. Viele Zeichen sind es/> sogar. Hoffentlich kann man es bald wieder in der Zeitung lesen: Gottesdienst am Sonntag in der Kirche! Das ist so ein Zeichen, dass Gott da ist. Ein Klick auf die Homepage vom Kirchspiel. Wie eine Wolkensäule. Vergewisserung, die wir uns immer wieder schenken und schenken lassen dürfen.

Ein Blick – oder noch besser – viel mehr als ein kleiner Blick in die Bibel. Wie eine Feuersäule. Voller guter Worte und voller Trost. Ja, wir haben viel, so viel, was mit uns geht. Auch durch das neue Jahr. Gott sei Dank.
Und dem sei Dank und der sei Dank, die dann auch im kommenden Jahr wieder mit uns geht. Die uns in Gedanken begleitet. Der uns im Gebet begleitet. Dank sei den vielen Menschen, die es uns in diesem vergangenen Jahr ein wenig leichter gemacht haben. Und Dank schon jetzt den Menschen, die dies auch im kommenden Jahr tun werden. Gott sei Dank! AMEN

Fürbittgebet:
Du Herr der Ewigkeit, der Du die Zeit in Deinen Händen hast. Vor Dich bringen wir all das, was dieses nun fast vergangene Jahr mit sich gebracht hat. Die Trauer der Trauernden, die Not der Sterbenden und derer, die sie begleitet haben. Die Unsicherheiten und die Zweifel. All die Fragen und all die einsamen Stunden. Vor Dich bringen wir die Ungerechtigkeiten in der Welt, den Hunger, den Durst nach Liebe, die Not der Heimatsuchenden. Vor Dich bringen wir die Abschiede und die Begegnungen. Vor Dich bringen wir die Pläne, die wir hatten und die Sorgen, die uns begleitet haben. Vor Dich bringen wir die Menschen, die uns gutgetan haben. Vor Dich bringen wir die Menschen, die da waren für Andere. Vor Dich bringen wir die schönen Stunden, die wir in diesem Jahr auch erleben durften.
Und auch das bitten wir Dich: Lass uns Deinen Segen auch im neuen Jahr spüren.
In der Stille wollen wir Dir noch folgendes sagen:

Sei Du da! AMEN

Vater unser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

L I E D 63 Das Jahr geht still zu Ende

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden. AMEN

Gottesdienst zum Zweiten Weihnachtsfeiertag dem 26.12.2020

Ich wünsche Euch und Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Das schreibe ich auch heute noch einmal. Wir können es uns gar nicht oft genug wünschen in diesem Jahr.
Möge der Gott der Liebe mit uns sein.

L I E D 45 Herbei, o ihr Gläubgen

Und so feiern wir den Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN

Psalm 96 ist der Eingangspsalm für diesen Gottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag.

Singet dem Herrn ein neues Lied; singet dem Herrn, alle Welt!
Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil!
Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern!
Ihr Völker, bringet dar dem Herrn, bringet dar dem Herrn Ehre und Macht!
Bringet dar dem Herrn die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe!
Betet an den Herrn in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt!
Sagt unter den Heiden: Der Herr ist König.
Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht.
 Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist;
das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde
vor dem Herrn; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.
Kommt lasst uns diesen Gott anbeten!

Gebet
Nun ist also Weihnachten geworden. Manches Weihnachtserlebnis liegt schon hinter uns. Manches war fremd und anderes war vertraut. Manches war ganz neu. Aber Deine Botschaft ist die Gleiche seit dieser einen besonderen Nacht. Sie sagt uns, dass Du uns nicht alleine lässt, guter Gott. Lass uns das auch in diesem Gottesdienst spüren. Sei bei uns mit Deiner Kraft und Deiner Freundlichkeit. AMEN

Als Schriftlesung hören wir heute Matthäus 1, 18-25
Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.
Als er noch so dachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jes 7,14): »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.
Und selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort Gottes hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja!

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Predigt
Es gibt so viele Berichte über das, was an Weihnachten geschehen ist. Heute hören wir als Predigtwort den Beginn des Hebräerbriefs. Auch das ist eine Weihnachtsgeschichte.

Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welten gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.

Es ist schon der zweite Weihnachtsfeiertag. Und so kommt es, dass wir schon einige Weihnachtsgeschichten aus der Bibel gehört haben an diesen Weihnachtstagen. Natürlich die Bekannteste. „Es begab sich aber …“ so fängt sie an. So hat es Lukas aufgeschrieben Aber dann haben wir auch die Weihnachtsgeschichte nach Johannes gehört. „Am Anfang war das Wort und das Wort wurde Fleisch!“ Heute nun in der Schriftlesung die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus und nun auch noch die Weihnachtsgeschichte, wie sie der Hebräerbrief beschrieben hat. Alles Weihnachtsgeschichten. Wunderschön. Immer wieder wird das Eine gesagt: Gott ist Mensch geworden. Gott hat seine Menschen besucht! Gott hat den Menschen in diesem kleinen Kind seine ganze Liebe gezeigt.

Und, liebe Gemeinde, ich habe mir gedacht, eigentlich sind wir jetzt dran. Eigentlich ist dieses Jahr das Jahr, an dem wir unsere eigene Weihnachtsgeschichte erzählen sollten und sie uns merken sollten. So will ich es zumindest heute in dieser Predigt machen. Es ist eine moderne Geschichte darüber, wie Weihnachten immer wieder werden kann und will.

Es war in einem Jahr, in dem alles so ganz anders gewesen als es sich die Menschen gedacht hatten. Und es war so ganz anders als das, was sie die Menschen erträumt hatten. Die ganze Welt ist in eine tiefe Not geraten. Ein bis dahin unbekanntes Virus hat die Welt ganz und gar durcheinandergebracht. Es hat vielen Menschen den Tod gebracht. Es hat Menschen in die Isolation getrieben. Die Menschen mussten lernen, sich an Regeln zu halten. Und viele, viele haben dabei gemerkt und erkannt, was ihnen wirklich wichtig ist. Plötzlich konnten sie sich nicht mehr begegnen, wie sie sich vorher begegnet sind. Sie konnten sich nicht mehr die Hände reichen. Sie konnten sich nicht mehr umarmen. Sie konnten sich nicht mehr nahekommen. Sie konnten ihre Freude nicht in ausgelassenen Feiern zum Ausdruck bringen. Und darüber merkten sie, wie wichtig das alles für sie ist.

So gingen sie durch das Jahr. Versuchten ihr Leben so gut es ging in normalen Bahnen laufen zu lassen. So gingen sie durch das Jahr in der Hoffnung, dass es doch bald ein Ende nehmen würde mit der Sorge und der Unsicherheit, mit dem Sterben und dem Bangen.
Aber das Jahr ging ganz anders seinem Ende entgegen. Ein neuer Lockdown kam. Die Regeln wurden noch strenger. Und nun schien auch die Freude abgesagt zu sein, die sich um die Weihnachtszeit verbreiten sollte.
Es wollte keine Adventsstimmung aufkommen. Die Festbeleuchtung konnte das nicht überspielen. Und die Infektionszahlen stiegen und die Sorgen wuchsen. Und das Virus veränderte sich.
Und dann war es soweit. Damals war es eine Volkszählung gewesen. Die Menschen mussten sich auf die Reise machen. Und nun war der vollkommende Lockdown beschlossen.

So vieles von dem, was Weihnachten doch ausmachen sollte, würde dieses Jahr nicht stattfinden. Nicht das gemeinsame Singen, nicht die wunderschönen Märkte. Kein geselliges Beisammensein. Kein fröhliches Bummeln um die letzten Geschenke zu finden. Keine Christmette im Chorraum der Kirche.
Und plötzlich spürten viele Menschen, dass Weihnachten viel mehr war als Dekoration und Essen, Gemütlichkeit und Tradition.

Und dann wurde Weihnachten. Stille Nacht! Und viele merkten, wie wichtig die Hoffnung ist. Und dass die richtige Hoffnung gar nicht so leicht zu finden ist.
Zwei Dinge wurden ihnen bewusst. Nie wieder wollten sie ein Weihnachtsfest feiern wie dieses. Nie wieder ein Weihnachtsfest mit dieser Not. Das war das erste, was sie in sich spürten. Und das zweite: Nein, sie wollten auch keine Weihnachtsfeste mehr feiern, wie sie es die Jahre zuvor oft genug gemacht hatten. Da hatten sie vor lauter Hektik das Kind in der Krippe oft vergessen. Da hatten sie die Hände, die Gott ihnen in diesem Kind gereicht hat, gar nicht wahrgenommen. Da hatten sie das unfassbar große Geschenk der Hoffnung überhaupt nicht begriffen. Nein, das sollte ihnen auch nicht mehr passieren. Nun wussten sie, wie wichtig Hoffnung ist. Und wie unfassbar tröstlich diese Nacht gerade für Menschen in Not sein konnte.

Liebe Gemeinde! Ob das eine neue, eine neue herrliche Weihnachtsgeschichte ist, die wir in unser Leben schreiben, das wird sich in den kommenden Tagen und Wochen und Monaten zeigen. Ob uns diese Weihnacht die Hoffnung und die Liebe stark macht. Das entscheiden wir alle miteinander selbst.

Ja, und es wird sich zeigen im kommenden Jahr, in der kommenden Weihnacht. Ob wir uns noch erinnern an dieses Fest. Und an die Hoffnung, die gewachsen ist! Weil wir drauf vertraut haben, dass Weihnachten mehr ist als eine alte Geschichte. Vielleicht hilft es uns ja, wenn wir uns in diesen Tagen mal die Zeit nehmen und aufschreiben, was uns so bewegt in Moment. Dass wir aufschreiben, welche Hoffnungen wir haben. Ja, auch wir können eine Weihnachtsgeschichte schreiben mit unserem Leben. Eine Geschichte darüber, wie die Liebe siegt und wie das Licht hineinkommt in das Dunkel. AMEN

Gebet:
Du menschenfreundlicher Gott. Als Kind in der Krippe bestaunen wir Dich in diesen Tagen. Als Hoffnung für die Welt preisen wir Dich. Guter Gott, Du hast mit diesem Kind all Deine Liebe in diese Welt hineingeschenkt. Alles hast Du uns damit gegeben. Grund für Trost und Hoffnung. Grund zur Freude und zum Dank. Mit diesem Kind hast Du Deine Liebe in diese Welt hineingeschrieben. Und so bitten wir Dich: Schreibe Deine Liebe auch hinein in unser Leben. Lass uns Deine Weihnachtsgeschichte erleben.
Sei da mit Deiner Liebe. Mache hell, was dunkel ist. Tröste die Traurigen. Besuche die Einsamen. Schenke den Kranken Mut und den Helfenden Kraft. Beherberge die Heimatlosen. Ermutige die Hoffnungslosen.
Befreie, die gefangen sind in ihrer Angst. Bewege die Zaghaften. Sei Ratgeber denen, die entscheiden müssen. Sei den Enttäuschten Freund. Sei den Betenden Vertrauter. Lass uns in dieser Weihnachtszeit in all dem Grund finden, Dich zu loben und uns an Deiner Freundlichkeit zu erfreuen.
So beten wir im Stillen zu Dir ….
Lass Weihnachten werden und sein! AMEN

Vater unser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Als Segenswort hören wir heute wieder einen alten irischen Weihnachtssegen.
Nicht, dass jedes Leid dich verschonen möge,
noch dass dein zukünftiger Weg stetes Rosen trage,
keine bittere Träne über deine Wange komme
und kein Schmerz dich quäle.
Dies alles wünsche ich dir nicht.

Sondern:
Dass dankbar du allezeit bewahrst die Erinnerung an gute Tage.
Dass mutig du gehst durch Prüfungen,
auch wenn das Kreuz auf deinen Schultern lastet,
auch wenn das Licht der Hoffnung schwindet.

Was ich dir wünsche:
Dass jedes Gabe Gottes in dir wachse,
dass einen Freund du hast, der deiner Freundschaft wert.
Und dass in Freud und Leid,
das Lächeln des menschgewordenen Gotteskindes
dich begleiten möge! AMEN

LIED: 30 Es ist ein Ros entsprungen

Gottesdienst zum Ersten Weihnachtsfeiertag dem 25.12.2020

Ich wünsche Euch und Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Möge der Gott der Liebe mit uns sein. Wie schade, dass wir uns heute nicht im Gottesdienst sehen können. Wie schade, dass wir unsere Weihnachtsfreude nicht miteinander teilen können, wie es so viele von uns sonst tun. Und doch ist es Weihnachten geworden. Und doch dürfen wir hören von der Frohen Botschaft für die Welt. Und das ist gut so.

L I E D: 35 Nun singet und seid froh

Und so feiern wir den Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN

Psalm 96 ist der Eingangspsalm für diesen Gottesdienst am Erste Weihnachtsfeiertag.

Singet dem Herrn ein neues Lied; singet dem Herrn, alle Welt!
Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil!
Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern!
Ihr Völker, bringet dar dem Herrn, bringet dar dem Herrn Ehre und Macht!
Bringet dar dem Herrn die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe!
Betet an den Herrn in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt!
Sagt unter den Heiden: Der Herr ist König.
Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht.
Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist;
das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde
vor dem Herrn; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.
Kommt lasst uns diesen Gott anbeten!

Gebet
Nun ist also Weihnachten geworden. Die Heilige Nacht liegt hinter uns. Wir hören, dass das Licht in die Welt gekommen ist. Und wir bitte Dich, guter Gott. Lass das, was wir hören können nun auch sichtbar und spürbar werden für uns. Wir bitten Dich um nicht weniger als darum, dass Du Dein Weihnachtswunder auch für uns geschehen lässt. Dass Du es für uns hell machst. Darum schicke uns Deinen Heiligen Geist in diesen Gottesdienst und lass uns Deine Liebe und Freundlichkeit spüren. AMEN

Als Schriftlesung hören wir, wie Johannes zu Beginn seines Evangeliums das Weihnachtswunder beschreibt:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.
Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus menschlichem Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Johannes zeugt von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich.
Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.
Und selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort Gottes hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja!

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Predigtch Not sei
Im Predigtwort für heute hören wir, wie Jesaja im 52sten Kapitel seines Prophetenbuches über Gott und seine Güte staunt. Es sind die Verse 7 bis 10.

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König! Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden’s mit ihren Augen sehen, wenn der Herr nach Zion, zurückkehrt.
Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der Herr hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. Der Herr hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Es gibt Menschen, die haben eine große Begabung. Die schaffen es, auch aus den schlechtesten Situationen noch das Beste herauszuholen. Immer fällt ihnen noch eine Sache ein, die doch auch gut ist an der ansonsten so fürchterlichen Nachricht, die da gerade gekommen ist. Immer fällt ihnen noch ein Grund ein, warum man doch auch etwas Positives aus dem Negativsten ziehen kann. Und immer wieder gelingt es diesen Menschen damit, andere zumindest für einen Moment herauszuholen aus einer ganz und gar negativen Sichtweise.

Menschen, die diese Gabe haben, und dazu noch feinfühlig sind, die sind ein großes Geschenk. Sie können Lichtstreifen an den Horizont malen, wo andere noch keine sehen. Sie können Dich und ich ganz anders schauen lassen auf die Not. Sie können manchmal sogar ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wo eben noch die Tränen geflossen sind. Aber man muss hat schon feinfühlig dabei sein. Sonst kann das Ganze auch ganz anders ankommen.

Und so will ich es ganz vorsichtig sagen: Vielleicht, vielleicht feiern wir dieses Jahr gerade auch wegen Corona ein sehr intensives Weihnachtsfest. „Maybe this Christmas, heißt ein wunderschönes Weihnachtslied von dem Jazz-Trompeter Nils Landgren. Und dort singt er: „Vielleicht wird dieses Weihnachtsfest etwas mehr bedeuten!“

Ich glaube das! Denn was wir dieses Jahr brauchen, das sind nicht nur ein paar schöne stimmungsvolle Weihnachtstage. Was wir dieses Jahr brauchen ist genau das, was in diesem herrlichen Predigtwort von Jesaja gesagt und verheißen wird. Und deswegen will ich gleich jetzt zur Sache kommen. Und will gar nicht so sehr darüber staunen, was Jesaja verheißt, sondern darüber, was Gott uns mit diesem Kind verspricht, das da im Stall in Bethlehem zur Welt gekommen ist.

Ja, dieses Kind ist Gottes fleisch- und wahrgewordenes Versprechen. Und sein Versprechen ist: „Von jetzt an bin ich nicht mehr nur der ferne Gott. Von nun an bin ich der nahe Gott. Ich komme hinein in eure Welt.“ Und ja, diese Welt wird dennoch manchmal nicht die freundliche, sonnenbeschienene Welt sein. Und nein, diese Welt wird mit meinem Kommen kein Paradies werden. Aber das Versprechen Gottes gilt: „Ich bin da. Ich, Dein Gott.“

Das ist das Weihnachtsversprechen Gottes. Und ja, ich glaube, dass wir alle genau das brauchen. Dass wir hören und spüren, dass Gott einzieht in diese Welt. Mit seiner Liebe, mit seiner Freundlichkeit und auch mit seiner Kraft das Schlimme zu wenden und es uns derweil überstehen zu lassen.

Wie er das macht? Schaut nur, wie er es damals gemacht hat. Mitten hinein ins Dunkel ist er gekommen. In einen kleinen, zugigen Stall ist er gekommen. Als winziges Baby ist er gekommen. Und zu denen ist er gekommen, die eigentlich nicht wirklich viel vom Leben zu erwarten hatten.
Wie er das gemacht hat? Es war – im wahrsten Sinne des Wortes – kinderleicht für ihn.

Für uns war dieses Jahr gewiss nicht kinderleicht zu bewältigen. Das meiste war mit einer Schwere verbunden, die uns das Leben manchmal sogar zur Mühe gemacht hat. Unbeschwerte Stunden haben wir nicht so viele erlebt. Aber gerade deshalb ist da ja auch die Sehnsucht, die ins zur Krippe finden lässt, die Sehnsucht, die uns dieses Jahr in dieses Weihnachtsfest gehen lässt.

Schauen wir noch einmal auf die herrliche Verheißung des Propheten Jesaja. Er verheißt seinen Menschen, dass sie jubeln werden. Dass sie voller Freude sein werden. Und er sagt dies hinein in die Trümmer Jerusalems. Er verheißt dies hinein in eine Situation, die gerade noch unglaublich hoffnungslos erschien.
“Ihr Trümmer Jerusalems, seid fröhlich!“ So sagt er es!

Jesaja spricht hier von einer Hoffnung, die größer ist als alle Hoffnung. Er spricht von einer Hoffnung, die größer ist als alles, was wir uns an Hoffnung zusagen können. Er spricht von einem Trost, der größer ist als der Trost, den wir Menschen uns schenken können. Er spricht von einer Liebe, die größer ist als die Liebe, die wir Menschen uns geben können.

Es ist die Hoffnung, es ist der Trost, es ist die Liebe, die nicht sagt: „Es wird schon alles gut!“ Es ist die Hoffnung du es ist der Trost und es ist die Liebe, die sagt: „Es ist alles gut!“ Es mag noch dunkel sein. Es mag noch Not sein und es mag noch Angst sein. Aber Gott ist da. Er ist hineingekommen, hineingekommen in die Not und in die Angst.

Das hören wir zu Weihnachten! Und – darauf dürfen wir bauen. Und – das darf unsere Hoffnung sein. Und so ist mein Weihnachtswunsch an Sie und Euch: Mögen wir das spüren in diesen Tagen! AMEN

Gebet
Guter Gott, wenn es für Dich kinderleicht ist, in dieser Welt ein Licht anzuzünden, so lass es auch in diesem Jahr, an diesem Fest geschehen. Wir hören so viele Nachrichten, die uns sorgen oder beunruhigen. Es ist so vieles durcheinander geraten. Uns fehlt das Miteinander. Uns fehlt die Nähe.
Aber Du kannst uns ganz nah kommen. DU kannst uns ganz nah kommen mit Deiner Liebe, die größer ist als alle Liebe und mit Deinem Trost, der größer ist als aller Trost.
So komm! Komm hinein in unser Feiern. Komm hinein in unser Leben. Komm hinein in diese Welt.
Sei denen nahe, die in diesen Tagen ihre Arbeit tun, in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, auf den Ämtern und Dienststellen. Sei Du da bei denen, die in diesen Tagen um ihr Leben bangen. Sei Du da bei den Menschen, die in diesen Tagen ihre Einsamkeit noch mehr spüren als sonst. Sei Du da bei den Menschen, die nicht wissen wohin. Sei Du da bei den Menschen, die nicht wissen, woher ihnen Hilfe kommen soll und kann.
Komm uns nahe. Das bitten wir Dich für uns und unsere Liebsten, das bitten wir Dich auch für diese Welt.
In der Stille legen wir Dir das ans Herz, was uns heute noch wichtig ist. …
Sei uns nah mit Deiner Liebe und Deiner Freundlichkeit. AMEN

Vater unser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Als Segenswort hören wir heute wieder einen alten irischen Weihnachtssegen.
Nicht, dass jedes Leid dich verschonen möge,
noch dass dein zukünftiger Weg stetes Rosen trage,
keine bittere Träne über deine Wange komme
und kein Schmerz dich quäle.
Dies alles wünsche ich dir nicht.

Sondern:
Dass dankbar du allezeit bewahrst die Erinnerung an gute Tage.
Dass mutig du gehst durch Prüfungen,
auch wenn das Kreuz auf deinen Schultern lastet,
auch wenn das Licht der Hoffnung schwindet.

Was ich dir wünsche:
Dass jedes Gabe Gottes in dir wachse,
dass einen Freund du hast, der deiner Freundschaft wert.
Und dass in Freud und Leid,
das Lächeln des menschgewordenen Gotteskindes
dich begleiten möge! AMEN

L I E D: 44 O du fröhliche

Geben Sie gut auf sich und aufeinander Acht.
Auch für morgen wird wieder ein Gottesdienst auf unserer Homepage stehen.

Gottedienst am Heiligenabend dem 24.12.2020

Eigentlich wollten wir ganz anders feiern. Draußen – miteinander.
Und nun ist es ganz anders gekommen. Unsere Kirchenvorstände haben sich die Entscheidung sehr schwer gemacht. Aber in Anbetracht der hohen Infektionszahlen im Wetteraukreis und in Anbetracht des erneuten Lockdowns haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, auf alle Gottesdienste in dieser Zeit zu verzichten. Wir sind dankbar dafür, dass wir sie hätten feiern dürfen. Dass uns die Politik dies nicht verboten hat. Aber es schien uns dennoch geboten, die Möglichkeiten nicht auszureizen.

Dennoch und gerade deshalb soll es auch in den kommenden Wochen natürlich Gottesdienste in unserem Kirchspiel geben. Hier können Sie sie lesen. Mögen sie Ihnen in dieser schwierigen Zeit eine kleine Hilfe sein.

LIED: 36 Fröhlich soll ein Herze springen

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN

Etwas Großes
Nun will Weihnachten werden.
Etwas Großes breitet sich aus.
Es sucht sich einen Weg – hinein in diese Welt.
Es sucht sich einen Pfad – durch diese Welt.
Etwas Großes breitet sich aus und zieht ein in unsere Welt.
Ein Festzug des Lebens.

Etwas Großes kommt hinein in die Welt.
Dieses Große – will nicht ins Auge fallen, sondern – in Dein Herz.
Ganz sanft – wie Schnee fällt.
Ganz sacht – wie eine liebende Hand Dich hält.

Etwas Großes breitet sich aus und zieht ein in unsere Welt.
Ein Festzug des Lebens.
So, wie es sich für ein großes Fest gehört.
Und alle sind sie dabei.
Das Glück und die Freude.
Die Güte und die Freundlichkeit.
Die Hoffnung und die Liebe.
Der Mut und die Geduld.
Sie ziehen ein mit diesem Kind in der Krippe.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

Gebet:
Guter Gott, Freund des Lebens, aller Hoffnung Anfang.
Lass uns den Anfang sehen. Er ist so klein und unscheinbar gewesen.
So fernab von den großen Plätzen dieser Welt.
Fernab von der großen Politik.
Nicht bejubelt von Stars, nicht kommentiert von den Klugen im Lande.
Ganz klein kommt der Anfang aller Hoffnung.
Aber er kommt mit einer unfassbaren Kraft. Mit der Kraft der Liebe.
Lass uns das wahrnehmen in dieser Weihnacht.
Lass uns die Hoffnung spüren, die in dem Kind in der Krippe liegt, die in diesem Jesus liegt. AMEN

Schriftlesung
Die Schriftlesung für diesen besonderen Festtag ist die Weihnachtsgeschichte, so wie sie im Lukas-Evangelium im 2ten Kapitel steht. Es sind die Verse 1-20.

1Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.
4Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, 5auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
8Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 10Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
15Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. 19Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
Und selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort Gottes hört und in eure Herzen bewahrt. Halleluja.

Predigt
Liebe Gemeinde.
Viele, viele Jahre waren wir nicht mehr so nahe an dem Heiligen Abend von damals, wie wir es heute sind. Gewiss tun wir das nicht freiwillig, sondern notgedrungen. Gewünscht und erhofft hatten wir es uns ganz anders. Mit gemeinsamen Liedern, mit Kerzen, eingebunden in die Gemeinschaft. Aber nun ist es ein sehr ruhiges Weihnachtsfest. Auch wenn viele Herzen gewiss sehr unruhig sind dabei.

Noch stehen wir ja vor der Heiligen Nacht. Und wie war das wohl damals? Um diese Zeit? Hatten Josef und Maria schon eine Unterkunft? Hatten sie schon ein Dach über dem Kopf? Oder waren sie nach auf der Suche? An wie vielen Herbergen hatten sie schon angehalten? Wie viele Absagen hatten sie schon bekommen? Wie groß waren die Schmerzen von Maria? Wie groß die Angst von Joseph? Wahrscheinlich standen sie an diesem Heiligen Abend vor der Heiligen Nacht noch mit beiden Beinen in der Not! Und ihre große Not hieß: Ungewissheit! Ist da einer, der Mitleid hat mit uns? Ist da ein Ort, der sicher ist? Wird unsere Sorge in dieser Nacht ein Ende haben? Das werden ihre Fragen gewesen sein und ihre Ängste.

Stellt Euch nur Maria vor. Ihr war verheißen worden, dass sie den Retter der Welt in sich trägt. Ihr war verheißen worden, dass sie DAS Zeichen der Liebe Gottes in die Welt bringt. Und nun – mit dieser Verheißung im Gepäck und dem Kind im Bauch – in dieser Not und Ungewissheit. Was für ein Heiliger Abend vor der Heiligen Nacht. Noch hören sie nicht den Gesang der Engel, sondern nur das NEIN der Menschen, die sie um Unterkunft bitten. Noch sehen sie nicht den Frieden dieser Welt, sondern spüren nur die Kälte in eben dieser Welt. Macht diese große Verheißung, die sie da im Gepäck hat ihre Not nicht noch schwerer ertragbar?

Ja, liebe Gemeinde, irgendwie sind wir da nahe dran an diesem Heiligen Abend. Unterwegs, ganz anders an sonst in den warmen Kirchen. Mit einem ganzen Packet Unsicherheit auf den Schultern.
Aber eines wissen wir ganz gewiss. Eines wissen wir, was Maria noch nicht wusste: Nach diesem Heiligen Abend voller Unsicherheiten und Fragen kommt die Heilige Nacht.
Nach den NEINs der Menschen kommt das JA Gottes. Nach der Unsicherheit, die unsere Herzen manchmal so friedlos sein lässt, kommt der große Friede in die Welt und auch hinein in unsere Herzen.

Gott kommt! Gott kommt hinein in diese Welt. Und er kommt nicht nur einmal in diesem Kind in der Krippe. Gott kommt immer und immer wieder hinein in diese Welt. So wie jedes Jahr Weihnachten wird, so wie jeden Morgen die Sonne aufgeht. So kommt Gott immer wieder hinein in diese Welt.Hinein in alle Unsicherheiten und hinein in alle Not. Hinein in alle NEINs der Menschen. Hinein in alle Zweifel und alle
Skepsis. Hinein in alle Dunkelheit. Gott kommt immer und immer wieder hinein in diese Welt.

Und wohin kommt er? Auch das zeigt die Heilige Nacht! Er kommt zu den Menschen, die ihn suchen. Er kommt zu den Menschen, die in all ihren Unsicherheiten die Sehnsucht nach Frieden und Liebe in ihren Herzen tragen. Er kommt zu den Menschen, die eine ganze Menge Ballast mit sich herumtragen.

Und wie kommt er? Er kommt zu allererst in die Herzen der Menschen. Erst einmal sieht die Welt ziemlich wenig davon. Erst einmal bleibt der große Wandel zum Guten aus. Erst einmal scheinen die vielen NEINs dieser Welt weiter das sagen zu haben. Aber in den Herzen der Menschen hat sich etwas verändert. Die Menschen, die in den Herzen den Frieden gesucht haben und suchen. Die werden es merken in dieser Nacht.
Er kommt hinein in diese Welt, weil er in meinem Herzen einzieht.

So wünsche ich euch und ihnen – nach so mancher unruhigen Nacht und nach einem Heiligen Abend, der so ganz anders ist als die vorher. Nach einem Heiligen Abend, der dem von Maria und Joseph gar nicht so unähnlich ist. So wünsche ich euch und ihnen in all den Unsicherheiten und in all den NEINs dieser Welt, dass ihr, dass Sie heute Nacht Gottes JA hören können. Und dass sie dieses JA Gottes in ihren Herzen spüren können. Dass es langsam wächst. Hinein in unsere Sorgen und Nöte. Dass es sich langsam ausbreitet. Und dass es all das langsam zur Seite drängt, was uns das Leben schwer macht. Dass es ein frohes Fest wird. AMEN

Gebet
Guter Gott, Kind in der Krippe!
Komm hinein in unsere Welt. Komm hinein mit Deinem Festzug des Lebens.
Komm hinein in unsere Not.
Komm hinein in unsere Unsicherheiten.
Komm hinein in die Krankenhäuser und Senioren- und Pflegeheime.
Komm hinein in die Häuser der Einsamen.
Komm hinein in die Herzen der Fragenden.
Komm mit Deiner Kraft und komm mit Deiner Liebe.
Komm mit Deinem Frieden und komm mit Deiner Freundlichkeit.
Komm mit Deinem Geist! Dass es ein Weihnachtsfest werden kann, das uns guttut.
In der Stille bringen wir vor Dich, was uns an diesem Heiligen Abend wichtig ist!

Komm hinein mit Deinem Licht und Deinem Leben. AMEN

Vater unser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Als Segenswort hören wir heute wieder einen alten irischen Weihnachtssegen.
Nicht, dass jedes Leid dich verschonen möge,
noch dass dein zukünftiger Weg stetes Rosen trage,
keine bittere Träne über deine Wange komme
und kein Schmerz dich quäle.
Dies alles wünsche ich dir nicht.

Sondern:
Dass dankbar du allezeit bewahrst die Erinnerung an gute Tage.
Dass mutig du gehst durch Prüfungen,
auch wenn das Kreuz auf deinen Schultern lastet,
auch wenn das Licht der Hoffnung schwindet.

Was ich dir wünsche:
Dass jedes Gabe Gottes in dir wachse,
dass einen Freund du hast, der deiner Freundschaft wert.
Und dass in Freud und Leid,
das Lächeln des menschgewordenen Gotteskindes
dich begleiten möge! AMEN

LIED: 46 Stille Nacht

Gottesdienst am Vierten Advent dem 20.12.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.
Eigentlich wollten wir ganz anders feiern.
Und nun ist es ganz anders gekommen. Unsere Kirchenvorstände haben sich die Entscheidung sehr schwer gemacht. Aber in Anbetracht der hohen Infektionszahlen im Wetteraukreis und in Anbetracht des erneuten Lockdowns haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, auf alle Gottesdienste in dieser Zeit zu verzichten. Wir sind dankbar dafür, dass wir sie hätten feiern dürfen. Dass uns die Politik dies nicht verboten hat. Aber es schien uns dennoch geboten, die Möglichkeiten nicht auszureizen.

Dennoch und gerade deshalb soll es auch in den kommenden Wochen natürlich Gottesdienste in unserem Kirchspiel geben. Hier können Sie sie lesen. Mögen sie Ihnen in dieser schwierigen Zeit eine kleine Hilfe sein.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Lied 6 Ihr lieben Christen, freut euch nun

Als Eingangswort hören wir heute Verse aus dem 102ten Psalm:
Du aber, Herr, bleibst ewiglich und dein Name für und für.
Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen;
denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist, und die Stunde ist gekommen
– denn deine Knechte lieben seine Steine und tragen Leid um seine Trümmer –,
dass die Völker den Namen des Herrn fürchten und alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit, wenn der Herr Zion wieder baut und erscheint in seiner Herrlichkeit.
Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht.
Denn er schaut von seiner heiligen Höhe, der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,
dass er das Seufzen der Gefangenen höre und losmache die Kinder des Todes,
dass sie in Zion verkünden den Namen des Herrn und sein Lob in Jerusalem,
wenn die Völker zusammenkommen und die Königreiche, dem HERRN zu dienen.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

So wollen wir beten:
Du gütiger Gott. Lass uns nicht alleine in unserem Sorgen und in unserem Kummer. Schenke uns ein wenig Ruhe und Kraft zum tiefen Durchatmen. Schwenke uns Dein Wort und lass es uns zum Trost werden.
Schenke uns Deine Liebe, und lass sie uns zur Kraft werden. Schenke uns Deine Gegenwart und lass in uns die Hoffnung wachsen. So sei Du in diesem Gottesdienst. Lass ihn uns trotz des Lockdowns feiern und Deinen Segen dabei spüren. AMEN

Schriftlesung
Die Schriftlesung für diesen Vierten Advent ist kurz und wundervoll. Sie steht im Philipperbrief im 4ten Kapitel und es sind die Verse 4 bis 7.

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!
Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe!
Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.


Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Freude ist das Thema dieses Gottesdienstes. Und das scheint ziemlich weit weg zu sein von der Gefühlslage, in der wir uns in diesen vorweihnachtlichen Tagen befinden. Wir haben im Kirchspiel eine aufreibende Woche hinter uns Eine Woche mit vielen Gesprächen und Sitzungen vor dem Computer. Von Freude war dabei meistens nur wenig zu spüren. Die Last der Entscheidung wog schwer. Auch nachdem wir uns dafür entschieden haben, auf die Gottesdienste in den Kirchen zu verzichten. Wir feiern sie gerne. Und wir haben sie bewusst und wir haben sie in aller nur erdenklichen Sicherheit gefeiert. Und doch schien uns dies der richtige Entschluss, wo wir so dringlich aufgefordert worden sind, unsere Kontakte auf das allernötigste einzuschränken. Wir wollten nicht ausscheren und uns solidarisch zeigen. Und wir wollen damit auch ein Zeichen setzen, dass wir vorsichtig und verantwortungsvoll mit uns selbst und mit anderen umgehen.

Also, Freude war dabei weniger zu spüren. Und so erfahren wir es auch aus dem Predigtwort.
Noch einmal führt uns das Predigtwort in das Alte Testament. Es steht im ersten Buch Mose im 18ten Kapitel in den Versen 1 und 2, sowie 9 bis 15.
Und der Herr erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde.
Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin,
soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt! Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin? Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben. Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht –, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

Da mag man sich erst einmal fragen, was man denn mit diesem Wort aus der Bibel zu Advent anfangen soll. Ja, ein Sohn soll kommen. Und es ist ein Wunder. Denn Sara ist alt und Abraham ist alt. Und ja, sie hat gelacht, als sie davon gehört hat, dass sie noch ein Kind bekommen soll. Weil sie es einfach nicht glauben wollte oder auch konnte. Und ja, sie leugnet das Lachen. Denn man sollte Gottes Pläne nicht belächeln. Bei uns ist es in diesem Jahr eher schwer, das Lachen und die Freude nicht zu verlernen. Da bleibt einem eher das Lachen im Halse stecken. Da will eher keine adventliche Freude aufkommen. Da ist es in diesem Jahr ein eher schwieriges Zugehen auf das Weihnachtsfest. Wie soll da die Freude aufkommen, von der in der Schriftlesung die Rede ist. Wie sollen wir zu dieser Freude finden?

Kommen wir dabei noch einmal auf Sara zurück. Ich will mich dabei über Sara wirklich nicht lustig machen oder sie hier schlecht darstellen. Wie sollte sie denn auch glauben können, was unglaublich ist. Wie sollte sie glauben können, dass alles gut wird. Dass die Boten Gottes Recht haben werden am Ende, dass sie noch ein Kind zur Welt bringen sollte! In ihrem Alter! Sie war tief gefangen in ihrer Not. Wie sollte da aus dem skeptischen Lachen ein fröhliches Lachen werden. Wie soll aus dem Zweifel in der Not Freude in der
Hoffnung werden?

Da passt es vielleicht ganz gut, dass wir in diesen Tagen einen besonderen 250sten Geburtstag feiern. Es ist das Geburtstagsjubiläum von Ludwig van Beethoven. Dabei wissen wir gar nicht den Tag seiner Geburt. Wir wissen nur, dass er am 17ten Dezember 1770 in Bonn getauft worden ist.

Ludwig van Beethoven – einer der größten Komponisten aller Zeiten. Oft als Einzelgänger und schwieriger Mensch verschrien. Aber die meisten von ihnen kennen den Grund dafür. Ludwig van Beethoven hatte sehr große Probleme mit dem Hören. Er musste deswegen sogar seine herausragende Karriere als Pianist beenden. Schließlich ertaube er fast völlig. Und doch – er komponierte weiter. Er hörte die Orchester nicht mehr. Er hörte das Zusammenspiel der Töne nicht mehr mit den Ohren, aber er hatte die Musik im Kopf.
Auch sonst plagten ihn viele Leiden, sodass er schon 25 Jahre vor seinem Tod ein sehr resigniertes Testament geschrieben hat. Da war ihm gewiss auch mehr nach bitterem Lachen als nach freudigem Lächeln zumute. Aber er lebt weiter und schreibt weiter Musik. Und 1824 ist seine letzte vollendete Sinfonie fertig.
Die Neunte. Mehr muss man nicht sagen. Ein Meilenstein. Die erste Sinfonie, in der auch gesungen wurde.
Und was für ein Gesangsstück!
Von Schiller ist der Text. Die Ode da die Freude. Das Thema, das Gesangsstück ist: Freude schöner Götterfunken. 1972 zur Hymne vom Europarat erklärt. 1985 als offizielle Europahymne angenommen.

In dieser Hymne ist aus dem bitteren Lachen eine staunende Freude geworden. Ein Loblied auf die Freude sogar. Als Götterfunken wird sie bezeichnet. Als großes Geschenk Gottes. „Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen!“ Was für eine Kraft schon in diesen Worten wohnt. Und dann noch mit der Musik dazu. Unfassbar. Die Freude wird besungen. Die Freude, die da wächst, wo ich weiß, dass da einer über dem Sternenzelt wohnt. Die Freude, die spürbar wird. Die Freude, die Menschen zusammenbindet und wieder zu Brüdern macht. Die Freude, die ich spüre, wenn da ein guter Freund oder eine gute Freundin an meiner Seite ist.

Auch das besingt diese Ode an die Freude:
Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein;
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!

So passt diese Ode an die Freude wunderbar zu diesem Tag der Freude. Aus dem bitteren Lachen wird ein frohes Lachen. Und das Beste, liebe Gemeinde! Es ist ja schon wunderbar, dass Schiller und Beethoven hier den Gott überm Sternenzelt besingen. Es ist ja schon wunderbar, dass wir im Predigtwort hören, wie das bittere Lachen der Sara nicht das letzte ist. Dass auch sie aus reiner Freude und Dankbarkeit lachen wird.
Das ist ja alles schon wunderbar. Aber wir haben noch viel mehr Grund dazu. Viel mehr Grund zur Freude.

Es ist eben nicht nur der gütige Vater über dem Sternenzelt. Nicht nur der Gott, der doch so weit weg ist. Es ist eben auch der liebende Sohn des Vaters, der hier auf Erden die begleitet, die ihn mit hineinnehmen in ihr Leben. Nicht nur alle Menschen werden Brüder. Jesus wird Bruder.

Und schon mit seinem Kommen in diese Welt macht er deutlich. Er will vor allem auch Bruder sein in der Not und in der Sorge. Er will uns zur Freude führen. Er will aus dem ängstlichen, gequälten Lachen ein befreites Lachen machen. Und genau darum wollen wir ihn heute bitten. Genau das brauchen wir in diesem Jahr ganz besonders.

Wir wollen beten:
Du guter Gott. Wandele Du unsere Klage in Jubel. Wandle Du unsere Sorge in Freude. Wandle Du unsere Zweifel in Hoffnung. Wandle Du unsere Hilflosigkeit in Mut zum guten Handeln.
Die Not ist groß. In dieser Welt und auch in unserem Land. Viele Menschen liegen in den Intensivstationen. Viel zu viele Menschen ringen mit dem Tod. Die Menschen in den Gesundheitsdiensten tun ihr Bestes. Und auch sie werden oft an und über ihre Grenzen geführt. Viele bedrückt der Lockdown, auch wenn wir wissen, dass er nötig war. Für manche ist die Einsamkeit schwer zu ertragen. Für andere bedroht diese Situation ihre ganze berufliche Existenz und ihre Zukunft. Da ist viel Not.
Guter Gott! Deswegen brauchen wir Dich zu dieser Weihnacht ganz besonders. Deinen Trost und Deine Güte, Deine Kraft und Deine Liebe. Lass sie ihren Weg zu uns finden. Hinein in die Herzen von uns und allen bedrängten Menschen.

Und so schütten wir unserem Gott in der Stille unser Herz aus…
Sei Du da, wo wir Dich brauchen. Sei Du da für Deine Welt. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 16 Die Nacht ist vorgedrungen

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst zum Dritten Advent den 13.12.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.
Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Gemeinde!
Es gibt nicht viele ökumenische Heilige. Nicht viele Männer oder Frauen, die auch für uns Evangelische eine herausragende Bedeutung haben, wie sie diese in der katholischen Kirche haben. Franz von Assisi ist gewiss einer davon. Und der Heilige, dessen Tag wir heute feiern. Der Heilige Nikolaus. In unserem evangelischen Kirchenjahr hat er seinen festen Platz. Und im Leben vieler Familien sowieso.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
Lied 4: Nun komm, der Heiden Heiland

Als Eingangswort hören wir heute den 35sten Psalm. Und zwar die Verse 2 bis 8:
Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande
und hast erlöst die Gefangenen Jakobs;
der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk
und all ihre Sünde bedeckt hast; – SELA –
der du vormals hast all deinen Zorn fahren lassen
und dich abgewandt von der Glut deines Zorns:
Hilf uns, Gott, unser Heiland,
und lass ab von deiner Ungnade über uns!
Willst du denn ewiglich über uns zürnen
und deinen Zorn walten lassen für und für? 7Willst du uns denn nicht wieder erquicken, dass dein Volk sich über dich freuen kann? Herr, zeige uns deine Gnade
und gib uns dein Heil!
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

So wollen wir beten:
Du menschenfreundlicher Gott. Es ist Advent geworden. Lass uns in diesem Gottesdienst Deine Botschaft so hören, dass sie uns trifft und bewegt. Dass sie uns die Kraft schenkt, die wir brauchen. Lass uns Deine Botschaft so hören, dass sie uns tröstet und Mut macht. Schenke uns Deinen Geist dazu. Dass neben all den Sorgen doch auch der Blick bleibt auf Deine Güte und deine Freundlichkeit. Lass uns die spüren.
AMEN

Schriftlesung
Als Wort der Schriftlesung hören wir heute Worte aus dem Ersten Korintherbriefbrief. Sie stehen im 4ten Kapitel in den Versen 1 bis 5.
Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden. Mir aber ist’s ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist’s aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und das Trachten der Herzen offenbar machen wird. Dann wird auch einem jeden von Gott Lob zuteilwerden.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen dritten Sonntag im Advent steht in Lukas 1,67- 79.
Das ist eine der Bibelstellen, die einen besonderen Namen hat. Es ist das Benedictus. In vielen Gebetstraditionen spielt es eine wichtige Rolle. Zacharias, der Vater von Johannes dem Täufer spricht dieses Benedictus. Der Name kommt im Übrigen von den ersten Worten dieser unfassbar schönen Bibelverse: Benedictus heißt: Gepriesen, gesegnet. Zacharias redet über sehen Sohn, über Johannes den Täufer und über seine Aufgabe, die Menschen auf Jesus Christus vorzubereiten. Und dabei redet er auf und gerade von der unfassbaren Güte Gottes

Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David – 0wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten –, dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit erzeigte unsern Väter und gedächte an seinen heiligen Bund, an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden,durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird  das aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Die, die jetzt das Wort auf unserer Homepage lesen, die haben den großen Vorteil, dass sie es mehrfach lesen können und sich and er Schönheit erfreuen können. Denn die Schönheit ist ein wenig verborgen hinter sehr verschachtelten Sätzen. Im Gottesdienst selbst werde ich es noch einmal vorlesen.

Liebe Gemeinde, solch ein herrliches Wort darf man nicht kaputt reden. Diesen Lobpreis auf Gott muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Er muss und darf vom Ohr direkt in unsere Herzen ziehen. Und so will ich es mit diesen Worten halten.

Jetzt ist die Zeit ganz nahe. Nun werden die Menschen endlich, endlich verstehen können, wie Gott ist und wer Gott ist. Sie werden endlich das Heil erkennen, das Gott ihnen schenkt. Endlich.
Die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes!
In diesen Wochen, liebe Gemeinde, da kennen wir es ja, dass wir uns, bevor wir uns auf den Weg nach draußen machen, doch warm anziehen. Vor allem, wenn man weiß, dass man für einen etwas längeren Moment in der Kälte stehen wird, vor allem dann ist es wichtig, dass man sich gut einpackt. Aber manchmal, da braucht man es auch drinnen. Da nimmt man sich eine warme Decke und wickelt sich ein wenig in sie ein. Man mummelt sich ein.

So ist es auch mit diesen herrlichen Worten: die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes! Das sind nicht nur Worte. Das ist ein Mensch, das ist Jesus. Das sind Worte, das ist dieser Mensch. Und das ist wie ein wärmender Mantel oder eine wärmende Decke, in die man sich einmummeln kann.
Da mag viel Kälte sein. Viel Kälte in dieser Welt. Da mögen mir manche die kalte Schulter zeigen. Da sind andere kaltherzig. Andere handeln kaltblütig. Da läuft es einem manchmal eiskalt den Rücken runter.
Das alles kennen wir. Und manchmal, da kennen wir es auch, dass da in uns selbst eine solche Kälte einziehen will. Wenn wir anfangen mit kühlem Kopf zu rechnen und zu berechnen. Oder wenn uns manchmal das Blut in den Adern gefriert. Ja, alle diese Ausdrücke gibt es ja nicht umsonst. Immer machen sie deutlich, dass da etwas um uns herum uns das Leben schwer macht oder dass etwas in uns drin uns am guten Leben hindert. Immer wenn uns dieses Gefühl, immer wenn uns diese Kälte packt, immer dann ist es höchste Zeit, sich einzuhüllen, einzumummeln in diese herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes.
Und dann mag mir das in den Kopf und ins Herzen kommen: Gott ist jetzt gerade nicht irgendwo, sondern er ist jetzt gerade hier bei mir. Und er ist nicht irgendwie bei mir. Sondern er ist bei mir mit seiner ganzen Liebe und Güte. Und er ist nicht nur hier, er ist nicht nur bei mir mit seiner Güte und Barmherzigkeit, er will ich gerade so, gerade jetzt in diesem Moment behüten und beschützen. Und ich, ich muss nicht mehr machen in diesem Moment, als mich darin einzuhüllen, einzumummeln. Nicht denken, nicht mal danken in diesem Moment, sondern einfach nur geschehen lassen. Und spüren, wie die Wärme wieder einzieht.
Und spüren, wie mir die Kälte nichts anhaben kann.

Und wenn ich dann wieder so gewärmt bin, dann kann ich mich wieder auf den Weg machen. So wie es Zacharias hier bittet. Dann richtet Gott meine Füße wieder auf den Weg des Friedens. Oh, halt falsch. Es ist Jesus, es ist das Licht, das da kommt. Dieser Jesus wird uns den Weg des Friedens zeigen. Das erkennt Zacharias. Dieser Jesus, der da kommt, der ist die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes. Und gewärmt />und geschützt und getragen von dieser herzlichen Barmherzigkeit Gottes werden wir unseren Weg finden.
Der Weg, den wir gut gehen können, der uns denen begegnen lässt, die es gut mit uns meinen. Der uns den Frieden finden lässt. Den Weg können wir dann gemeinsam gehen. Aber alles fängt damit an, dass wir uns einmummeln in diese unfassbare, herzliche Barmherzigkeit Gottes.

Wenn sie gerne Kaffee trinken, dann setzen sie sich heute Nachmittag mal hin und genießen sie eine heiße Tasse Kaffee. Wenn sie Tee mögen, dann trinken sie eine heiße Tasse guten Tee. Und wenn sie beides nicht brauchen, dann nehmen sie einen Früchtetee oder einen heißen Kakao. Egal was. Setzen sie sich hin, genießen sie ihr warmen Getränk und mummeln sie sich ein. Nicht nur in eine warme Decke, sondern in die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes. AMEN

Wir wollen beten:
Großer Gott, diese Adventszeit ist so ganz anders als die, die wir kannten. Die Vorfreude ist nicht ungetrübt. Über allem liegt dieses Gefühl der Unsicherheit und zu den wohligen Adventsmomenten kommen so viele Momente der Sorge. Da ist keine unbeschwerte Freude. Das macht uns allen das Leben schwer. Und manche haben in dieser zeit jetzt ganz besonders viel zu ertragen. Hier bei uns und anderswo.
Wir bringen die Not dieser Welt vor Dich. Die Not der Erkrankten und schwer Erkrankten. Die Not derer, die um ihr Leben kämpfen und die Not und Mühe derer, die die Kranken versorgen. Wir bitten Dich für die, die in Existenznot geraten sind in dieser Zeit. Für die, denen die Einsamkeit das Leben schwer macht.
Wir bitten Dich für die, die nicht wissen, wie sie diese Weihnacht feiern sollen unter diesen schrecklichen Umständen. Lass die Menschen achtsam sein und vorsichtig. Lass uns nicht auf Kosten anderer leben.
Schenke uns und allen Menschen ein wenig Ruhe in die Herzen und Mut und Hoffnung und Glaube.
Und so schütten wir unserem Gott in der Stille unser Herz aus…
Sei Du da, wo wir Dich brauchen. Sei Du da für Deine Welt. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 8: Es kommt ein Schiff, geladen

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst zum 2. Advent dem 06.12.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.
Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Gemeinde!
Es gibt nicht viele ökumenische Heilige. Nicht viele Männer oder Frauen, die auch für uns Evangelische
eine herausragende Bedeutung haben, wie sie diese in der katholischen Kirche haben. Franz von Assisi ist gewiss einer davon. Und der Heilige, dessen Tag wir heute feiern. Der Heilige Nikolaus. In unserem evangelischen Kirchenjahr hat er seinen festen Platz. Und im Leben vieler Familien sowieso.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 11, Wie soll ich dich empfangen

Als Eingangswort hören wir heute den 138sten Psalm. Und zwar die Verse 1 bis 8:
Von David.
Ich danke dir von ganzem Herzen,
vor den Göttern will ich dir lobsingen.
Ich will anbeten zu deinem heiligen Tempel hin
und deinen Namen preisen für deine Güte und Treue;
denn du hast dein Wort herrlich gemacht
um deines Namens willen.
Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich
und gibst meiner Seele große Kraft.
Es danken dir, Herr, alle Könige auf Erden,
dass sie hören das Wort deines Mundes;
sie singen von den Wegen des Herrn,
dass die Herrlichkeit des Herrn so groß ist.
Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du mich
und reckst deine Hand gegen den Zorn meiner Feinde
und hilfst mir mit deiner Rechten.
Der Herr wird’s vollenden um meinetwillen.
Herr, deine Güte ist ewig.
Das Werk deiner Hände wollest du nicht lassen.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

So wollen wir beten:
Du menschenfreundlicher Gott. Es ist Advent geworden. Beschenke Du uns jetzt schon in diesem Gottesdienst. Beschenke uns mit Deinem Geist und Deiner Liebe. Beschenke uns mit Deiner Freundlichkeit
und mit Deiner Geduld. Beschenke uns mit Deiner Barmherzigkeit und Deiner Güte. Lass uns Deine Nähe
und Freundlichkeit spüren in diesem Gottesdienst. Beim Hören und beim Lesen. AMEN

Schriftlesung
Als Wort der Schriftlesung hören wir heute Worte aus dem Epheserbriefbrief. Sie stehen im 2ten Kapitel in den Versen 1 bis 10.
Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, 2in denen ihr früher gewandelt seid nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk
ist in den Kindern des Ungehorsams. 3Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Vernunft und waren Kinder
des Zorns von Natur wie auch die andern. 4Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,
nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus
Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Eines vorneweg. Paulus nennt in seinen Briefen alle Christinnen und Christen Heilige. Heilig, das bedeutet
erst einmal nicht mehr, aber eben auch nicht weniger, also: In besonderer Weise zu Gott gehören. Und als
der oder die, die zu Gott gehören, sollen sie schon anders sein, als diese Welt ist. Aber sie sollen mitten im Alltag dieser Welt anders sein, als die Welt ist. Sie sollen sich nicht von dieser Welt abwenden oder gar aus dieser Welt fliehen. Sie sollen vielmehr in dieser Welt Zeichen des lebendigen Gottes sein.

Manche meinen nun, dazu würden eben dann auch besondere Wundertaten gehören. Und es seien diese besonderen Wunder, die die Heiligen zu Heiligen machen. So werden ja auch dem Heiligen Nikolaus einige
ganz besondere Wunder zugeschrieben. Um die soll es allerdings in der Predigt nicht gehen.

Aber schauen wir doch erst einmal auf ihn. Nikolaus, Bischof von Myra, etwa 100 Kilometer süd-westlich
vom heutigen Antalya um 280 herum geboren und ist irgendwann um 350 gestorben. Wohl an einem 6ten Dezember. Man weiß nicht viel von ihm als historischer Gestalt. Aber der Eindruck, den er auf die anderen Menschen gemacht hat, der muss besonders groß gewesen sein. Und immer wieder wird deutlich in all den Erzählungen über ihn: Da war einer da für die anderen Menschen. Und da war einer da, gerade auch für die,
die es bitter nötig hatten. Da war einer da, gerade auch für die Armen und für die Schwachen, die Kinder und die Alten, die Schwachen und die Verlorengegangenen.

So ist es dann auch gut zu verstehen, warum für diesen Tag das Predigtwort im 61sten Kapitel des Buches
des Propheten Jesaja steht. Es sind die Verse 1,2 und 10.

Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den
Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den
Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein
gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden.
Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider
des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.

Ja, man könnte meinen, dass ein Nikolaus von Myra, so etwas gesagt haben könnte. Denn darin ist er offen-sichtlich ein Heiliger gewesen. Einer, der Gottes Liebe in seine Welt hineingelebt hat. Einer, der Gottes Freundlichkeit in seinem eigenen Leben hat sichtbar werden lassen. Einer, der nicht glänzen wollte, sondern leuchten.

Da meinen andere nun vielleicht. „Na, das ist doch zu viel der Ehre, dieses Wort des Jesaja dem Nikolaus
auch in den Mund zu legen. Wenn einem dieses Wort antragen, dann doch diesem Jesus aus Nazareth, dem Sohn Gottes, auf dessen Kommen wir uns nun wieder vorbereiten in dieser Adventszeit. Er ist doch der Gesalbte, der Messias. Er war es doch, der die Traurigen getröstet hat und er war es, der die Gnade Gottes verkündet hat. Er hat doch die gute Botschaft gebracht und hat die frei gemacht, die gefangen waren in ihrer Schuld und in ihrer Not.“ Stimmt. Dieses Wort des Jesaja, es passt auch auf ganz besondere Weise auf Jesus. Und es gibt uns die Richtung an, in die wir Hoffen können in den nächsten Wochen. Dieses Wort macht uns wunderbar deutlich, welchen Grund zur Hoffnung wir haben. Jesus, der Christus, er kommt und will trösten und heilen und frei machen von der Not und von der Last. Gott sei Dank!!!!!

Aber vielleicht macht uns dieses Wort heute ja auch noch etwas anderes deutlich. Vielleicht macht uns die Geschichte von Nikolaus von Myra heute noch etwas anderes deutlich! War das, was wir da bestaunen können an diesem Mann, war das nicht einfach nur sein Plan, seinem Christus nachzueifern? Das zu tun, was Jesus seinen Freunden ans Herz gelegt hat: ihm nachzufolgen und seinem Beispiel zu folgen?

Und so frage ich Sie und Dich und mich: Ist diese Zeit im Advent nicht vielleicht auch genau die richtige
Zeit um die zu werden, zu denen Paulus uns schon gemacht hat: zu Heiligen. Ich weiß, wir sind seltsame Heilige. Und gewiss bleiben wir in vielem, viel zu vielem hinter unseren Möglichkeiten zurück.

Aber wenn Heilige die sind, die nicht glänzen wollen sondern leuchten. Wenn Heilige die sind, die mitten im Alltag zu Zeichen von Gottes Liebe werden – wäre das jetzt nicht eine gute Zeit für uns?

Wir tun es ja schon, wenn es um die Kinder geht. Da haben wir ja begriffen, dass es ums Beschenken geht
und ums Frohmachen und Glücklich-machen. Achten wir das mal nicht gering. Die gefüllten Stiefel, die Geschenke, die aus den Nikolaussäcken gezaubert werden. All das ist doch ein Zeichen, dass wir es verstanden haben.

Wir selbst können diese Adventszeit zu einer ganz besonderen Zeit machen. Wir können den Unterschied machen. Wir können die sein, die Traurige trösten. Und ich bin mir leider sicher, dass es genug Traurige in dieser schwierigen Weltenlage gibt. Wir können die sein, die gute Worte haben für andere. Ein befreiendes Lächeln für andere. Ein ermutigendes Kopfnicken.

Natürlich heißt Advent, dass wir auf den Warten, der an Weihnachten in die Welt kommt. Aber können wir
nicht diese Wartezeit so richtig gut nutzen. Gerade auch in diesem Jahr? Mal wieder Briefe schreiben. Sich einen schönen Kaffee nehmen und das Telefon und sich mal wieder Zeit nehmen für einen besonderen
Anruf. Ach, euch fällt sicherlich noch vieles mehr ein. Aber jetzt ist die Zeit, wo wir das alles gut brauchen können. AMEN!

Wir wollen beten:
Großer Gott, wir warten auf Deine Ankunft in dieser Welt. Das Adventsfest ist ein Fest der Erwartung und damit auch ein Fest der Geduld. Aber unsere Geduld wird in diesem Jahr an so vielen Orten gefordert. An so vielen Punkten bleibt uns gar nichts anderes übrig, als geduldig zu sein. Hilf uns dabei. Lass uns über allem nicht die Vorfreude auf Deine Ankunft in dieser Welt vergessen. Und schenke uns zur Geduld auch die
Weisheit, die Zeit des Wartens gut zu nutzen. Lass uns Zeit nutzen zum Beten und zum Hören auf Dein
Wort.
Es ist so viel Sorge und Not in der Welt. Wir bitten Dich: Lass niemanden alleine in seiner Not, wenn er zu
Dir ruft. Nimm Dich der großen und der kleinen Sorgen an.
Und so schütten wir unserem Gott in der Stille unser Herz aus…
Sei Du da, wo wir Dich brauchen. Sei Du da für Deine Welt. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN


EG 6 Ihr lieben Christen freut euch nun

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe
sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst am Ersten Advent den 29.11.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.
Alle reden in diesen Tagen von Silvester und dem Ende des alten Jahres und wie man es feiern kann und soll oder auch nicht. Bei uns in der Kirche, da fängt das neue Jahr genau heute an. Der erste Advent ist der erste Sonntag im neuen Kirchenjahr. Und ich denke, es tut uns gut, wenn wir das in diesem Jahr ganz bewusst wahrnehmen. Wenn wir mit dem Gefühl der Erwartung in dieses neue Kirchenjahr gehen, dass endlich mal wieder Gutes kommt!

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 1: Macht hoch die Tür

Als Eingangswort hören wir heute den 24sten Psalm
Ein Psalm Davids. Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.
Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet. Wer darf auf des HERRN
Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens
ist, wer nicht bedacht ist auf Lüge und nicht schwört zum Trug: der wird den Segen vom HERRN
empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles. Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das
da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs. Sela. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der
König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR,
mächtig im Streit. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!
Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

So wollen wir beten:
Du menschenfreundlicher Gott. Es ist Advent geworden. Und wir warten. Wir bereiten uns vor auf die Weihnachtszeit. Wir warten auf Dein Licht. Wir bereiten uns vor, dass wir es sehen können. Dass wir sehen können, wie Dein Licht der Liebe in unsere Welt und in unser Leben scheint. Hilf uns dabei. Dass wir uns
nicht verzetteln und dass wir uns nicht ablenken lassen von dem, was wirklich wichtig ist. Gerade in dieser Adventszeit erkennen wir doch, dass wir Dich und Deine Liebe brauchen. AMEN

Schriftlesung
Als Wort der Schriftlesung hören wir heute Worte aus dem Römerbrief. Sie stehen im 13ten Kapitel in den Versen 8 bis 12.
Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist (2. Mose 20,13-17): »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst (3. Mose 19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
Und das tut, weil ihr die Zeit erkannt habt, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil
ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen ersten Advent ist sehr kurz. Es sind die Verse 9 und 10 im 9ten Kapitel des
Buches des Propheten Sacharja.
Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu
dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der
Eselin. Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der
Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine
Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Manchmal, das muss man sich entscheiden: Will man sich mal auf etwas Neues einlassen, oder will man es lieber nicht. Will man etwas neues wagen oder bleibt man doch lieber beim Alten?
Ich finde, diese Entscheidung wird uns dieses Jahr sehr leicht gemacht. Nicht, dass alles nur fürchterlich war
in den letzten Wochen und Monaten. Aber es lag schon ein dunkler Schatten über diesem letzten dreiviertel Jahr. Viele von uns haben auch Bewahrung erfahren in all der Unsicherheit. Aber die Sehnsucht ist doch
groß, dass es anders, dass es besser wird. Unbeschwerter wieder. Dass wir uns näher kommen können. Dass ein wenig mehr Seelenruhe einkehren kann.
Ich denke, die vergangenen Monate haben so deutlich gemacht, dass der Friede nicht nur da beginnt, wo es keinen Krieg gibt in der Welt. Der Friede, der ist eben auch da, wo endlich Ruhe in unsere Gedanken kommt und wo Ruhe wieder in unser Herz einziehen kann.

Wenn wir also dieses Jahr mit dem heutigen Tag in den Advent hineingehen, dann lassen Sie uns das nutzen. Lass sie uns mit ganzem, offenem Herzen auf diese Botschaft hören. Friede will einziehen in diese Welt. So
wie er eingezogen ist – damals – mit der ersten Heiligen Nacht, mit dem ersten Weihnachtsfest, auf das wir uns nun in den kommenden Wochen vorbereiten wollen. Friede will einziehen in diese Welt. Und eben auch
der Friede, der in den Herzen wohnen kann und will. Und auch der Friede, der unsere Gedanken wieder zur Ruhe bringt. Der Friede, den wir in diesem Jahr gewiss ganz besonders brauchen.

Von diesem Frieden heißt es bei Sacharja, dass er in die Welt kommt. Und von diesem Frieden hören wir,
dass er an Heilig Abend in die Welt gekommen ist. Bleibt die Frage. Wenn der Friede in der Heiligen Nacht damals in die Welt gekommen ist, wie kommt dieser Friede jetzt zu uns?

Darauf, so sagt es die Adventszeit, wollen wir uns in diesen vier Wochen, so gut es eben geht in dieser Zeit, vorbereiten. Das Predigtwort für diesen Sonntag gibt uns dazu einen etwas kuriosen Hinweis - finde ich zumindest. Nun ja, erst einmal bekommen die Menschen in Israel diesen Hinweis, denn Sacharja, der
Prophet, der redet erst einmal zu ihnen. Und was macht er? Er befiehlt seinen Leuten, dass sie sich freuen sollen! Ja mehr noch: „Freue dich sehr!“ Mit Ausrufezeichen nach dem Jauchzet!!!

Nun ist es schon ein ziemlich übermütiges Unterfangen, wenn man Menschen das Sich-Freuen befehlen will. Noch merkwürdiger ist es, wenn sie sich freuen sollen über etwas, das noch nicht ist, sondern das erst noch kommt. „Siehe, dein König kommt zu dir!“ Der Friede wird erst noch kommen. Noch ist es die Not, die sie sehen und die sie umgibt. Noch ist die Not da und nicht der Friede. Die Not wird erst vorbei sein. Sie ist es noch nicht. Und doch befiehlt Sacharja seinen Menschen: Freut euch sehr!!

Sagen wir es mal so. Nein, man kann Freude nicht befehlen! Schon gar nicht, wenn die Not die Menschen bedrückt. Aber vielleicht kann man sich selbst die Freude ja ein wenig verordnen. So wie ein Arzt oder eine Ärztin gute und heilsame Medizin verordnet. Verordnen kann er oder sie diese Medizin. Aber nehmen,
nehmen muss ich die Medizin selbst. Sonst hat sie keine Chance, heilsam zu sein. Und so kann Sacharja das tun, was er tut: Freude verordnen. Aber drauf einlassen, drauf einlassen muss ich mich selbst, müssen wir
uns selbst. Vielleicht kann der Kopf mir und Dir und ihnen, die Freude – ans Herz legen. „Ans Herz legen“,
das sagt man ja, wenn man Menschen dringend um etwas bittet, wenn man ihnen etwas nahelegt, etwas dringend empfiehlt.

Und genau darum geht es in dieser Zeit. Sacharja will auch nichts anderes. Er will uns die Freude – ans Herz legen. Ob wir sie nun hineinlassen, das liegt ganz an uns. „Na, da ist er ja fein raus – mit seiner Predigt!“, könnten sie jetzt sagen. Dann liegt es wieder mal an mir selbst! Da wird mir wieder die Verantwortung zugeschoben. Aber so ist es nicht. Wir bitten in dieser Adventszeit nicht einfach nur darum, dass die Freude
bei uns einzieht, sondern dass Gott bei uns einzieht und unsere Freude groß macht.
Ja, wir dürfen Gott bitten, dass die Freude, die Sacharja uns ans Herz legt, dass die auch kommen und
werden kann. Wir dürfen Gott bitten: „Öffne Du uns in diesen schwierigen Zeiten unser Herz. Lass uns mehr sehen als nur die Schwierigkeiten, von denen es genug gibt in dieser Welt. Lass uns mehr hören als nur die schlechten Nachrichten, von denen es viel zu viele gibt in dieser Welt. Lass uns mehr wahrnehmen als das,
was vielleicht in diesem Jahr um das Weihnachtsfest nicht sein mag wie in den Jahren zuvor. Lass uns mehr wahrnehmen als das, was fehlt. Lass uns auf das sehen, was kommt. Deine Liebe, Dein Licht und Deine Gegenwart. Lass uns das alles entdecken in all dem Durcheinander in dieser Welt. Lass es uns entdecken und uns daran erfreuen.

Es liegt wohl an uns. Es liegt an uns, dass wir uns ausstrecken nach Gottes Freundlichkeit. Aber wenn wir
uns ausstrecken danach, dann dürfen wir auch damit rechnen, dass sie uns berühren wird.

Wir wollen beten:
Großer Gott, wir warten auf Deine Ankunft in dieser Welt. Und wir bitten Dich: Hilf uns, dass wie die Zeit
des Advents wieder gut nutzen. Dass wir unsere Zimmer mit Freude und Liebe schmücken und unsere
Herzen auch. Dass wir uns Zeit nehmen für uns und unsere Liebsten – und für Dich. Nimm Dich unserer
Sorgen an. Höre auf unsere Gebete. Lass die Menschen überall in der Welt Hoffnung schöpfen und aus der Erwartung auf Dein Kommen neue Kraft schöpfen. Sei Du bei uns und bei allen, die sich in dieser
Adventszeit wieder auf den Weg machen – hin zu Dir. Und lass Deine Liebe mit jedem Tag heller scheinen
durch das Dunkel dieser Welt.
Und so schütten wir unserem Gott in der Stille unser Herz aus…
Sei Du da, wo wir Dich brauchen. Sei Du da für Deine Welt. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 7, O Heiland, reiß die Himmel auf

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe
sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Ewigkeitssonntag

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.
Wir feiern in unserer Gemeinde in an beiden letzten Sonntagen im Kirchenjahr den Ewigkeitssonntag. Wir gedenken derer, die im vergehenden Kirchenjahr von uns gegangen sind. Für sie und deren Angehörige
wollen wir beten. Und darüber hinaus wollen wir uns auf die großartige Botschaft verlassen, dass Gott selbst den Tod überwunden hat. Gerade deswegen heißt dieser Sonntag im Kirchenjahreskalender nicht Totensonntag, sondern Ewigkeitssonntag.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 450: Morgenglanz der Ewigkeit

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 126. Uns will dieser Psalm Mut machen.

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird
unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der
HERR hat Großes an ihnen getan! Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen
ihre Garben.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

So wollen wir beten:
Du ewiger Gott. Du Herr über Leben und Tod. Auf Dich legen wir unsere Hoffnung in dieser schweren Zeit.
Dir vertrauen wir unsere Sorgen an. Dich bitten wir um Deinen Heiligen Geist, der uns die Kraft geben kann
und will, die wir brauchen. Hören auf unsere Fragen, schau auf unsere Not, erbarme Dich über uns, nimm
uns wahr in unserer Trauer und in unseren Ängsten. So lass diesen Gottesdienst für uns zum Segen werden. AMEN

Schriftlesung
Als Wort der Schriftlesung hören wir heute Worte aus dem Alten Testament. Im Jesaja-Buch stehen sie im 65sten Kapitel. Es sind die Verse 17 bis 19 und 23 bis 25.
Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das,
was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, und ich will
fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme
des Weinens noch die Stimme des Klagens. Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen
frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind
bei ihnen. Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören.
Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange
muss Erde fressen. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht
der HERR.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Aus dem letzten Buch der Bibel hören wir das Predigtwort. Im Buch der Offenbarung steht es im 21sten Kapitel in den Versen 1 bis 7.
Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus
dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine
große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei
noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe,
ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er
sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich
werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Das ist ein Wort, liebe Gemeinde, das ist nicht von dieser Welt. Es ist ein Wort, nicht von dieser Welt, aber es ist ein Wort FÜR diese Welt.
Johannes, der alte Prophet, den sie auf die Insel Patmos verbannt hatten, weil er ihnen zu gefährlich
geworden ist, er sieht hier etwas, das ist von uns weiter weg als das nächste Sonnensystem und ist uns doch näher als unser eigener Herzschlag.
Johannes sieht hier etwas in seiner Vision, in seiner Offenbarung, das können wir hier auf dieser Erde, unter diesem Sternenhimmel noch nicht sehen. Und doch sieht er etwas, das auf dieser Welt schon seinen Anfang genommen hat. Er sieht etwas, das in dieser Welt in Jesus Christus schon seinen Anfang genommen hat. In ihm, der ja irgendwie Menschensohn und einer von uns gewesen ist. Und der dennoch nicht einfach nur von dieser Welt war. Er ist Mensch gewesen aber auch das unfassbar große Wort Gottes. Er ist Mensch gewesen und aber auch das Wort Gottes, das ein unglaubliches Versprechen in sich trägt.

Diese Welt ist nicht alles. Diese Welt – mit ihrer Vergänglichkeit – sie ist nicht Gottes ein und alles. Auch in
ihr wird Gott das letzte Wort haben, aber es wird nicht sein letztes Wort sein.
Er hat das letzte Wort für uns alle in dieser Welt, wenn er uns herausruft aus ihr. So wie er manche von unseren Liebsten in den vergangenen Monaten aus diesem Leben herausgerufen hat. Aber es ist eben nicht sein letztes Wort.

Und davon nun redet Johannes. Er redet von dem, was nicht von dieser Welt ist. Nach dieser Welt ist da eine neue Welt. Und das, was er von dieser neuen Welt erzählt, das ist nicht zu schön und wahr zu sein. Das ist vielmehr zu schön, um nicht wahr zu sein.
Was Johannes sieht, das ist unfassbar schön und groß und gut. Wir können das kaum verstehen und kaum begreifen. Es ist für uns zu hoch. Es ist so gewaltig, dass auch Johannes erst einmal gar nicht von dem in der neuen Welt erzählen kann, was er sieht, sondern von dem, was er dort nicht mehr sehen kann.


Keine Tränen sind da mehr zu sehen. Keine dunklen Schatten. Kein Sterben mehr und kein Tod. Kein
Leiden. Tränen, Leiden, Schmerz, all das ist nicht mehr zu sehen. All das ist nicht mehr da. All das, was das Leben schwer gemacht hat. All das, was uns Menschen die Kraft nimmt, all das ist nicht mehr. Keine Lüge mehr, kein Neid und kein Hass. Keine Kriege mehr, keine durchwachten Nächte. Keine
Schreckensnachrichten. All das ist nicht mehr. All das ist dort nicht mehr. In dieser neuen Welt Gottes!

Nur zwei Dinge kann Johannes beschreiben. Zwei Dinge, die dort sein werden. Gott in all seiner Liebe wird
dort sein. Und dieser Gott wird uns in all seiner Liebe das geben, was wir brauchen. Alles, was wir brauchen wird dort sein.

Nein, das alles ist hier noch nicht. Das alles ist nicht von dieser Welt. Aber – so dürfen wir es erfahren: Wenn
es auch noch nicht von dieser Welt ist, so ist es doch für diese Welt. Denn dafür hat Johannes diese Vision aufgeschrieben. Dass wir das getrost wissen dürfen und dass wir darauf auch hier und heute vertrauen
dürfen: Die sich auf Jesus verlassen, denen geht nach diesem Leben ein ganz neues Leben auf. Sie sind gut aufgehoben. Ihnen fehlt es an nichts. Auch wenn sie uns fehlen mögen. Das darf uns hier ganz viel Trost geben!

VERLESUNG DER VERSTORBENEN
An dieser Stelle gedenken wir der Verstorbenen in unserem Kirchspiel und in unseren Familien-, Freundes-
und Bekanntenkreisen.

Gott, du bist unsere Zuflucht –jeden Tag. Dir vertrauen wir.
Lass uns nicht verloren gehen. Lass uns nicht herausfallen aus deiner Liebe.
Dir legen wir die Menschen ans Herz, die wir in diesem Jahr in Bodenrod verloren haben.

Gott, du bist unsere Zuflucht jeden Tag. Sei unsere Hilfe, sei unser Zuhause.
Sei der Ort, auf den wir bauen können.
Dir legen wir die Menschen ans Herz, die wir in diesem Jahr in Maibach verloren haben.

Gott, du bist unsere Zuflucht jeden Tag.
Sei der Ort in unserem Leben, an den wir immer wieder zurückkehren können,
der Ort, der beleibt und fest ist.
Dir legen wir die Menschen ans Herz, die wir in diesem Jahr in Fauerbach verloren haben.

Gott, du bist unsere Zuflucht jeden Tag. In deine Hände befehlen wir unser Leben.
In deine Hände befehlen wir das Leben der Gestorbenen. Du erlöst uns, treuer Gott.
Dir legen wir die Menschen ans Herz, die wir in diesem Jahr in Münster und Wiesental verloren

haben.

Gott, du bist unsere Zuflucht jeden Tag. Unsere Zeit steht in deinen Händen.
Erbarm dich unser und lass uns nicht alleine.
Dir legen wir die Menschen ans Herz, um die wir trauern, die von uns gegangen sind hier und
anderswo.
Guter Gott, nimm dich unser aller in Gnaden an. AMEN

Wir wollen beten:
Du Liebender, so nimm dich unser aller an. Die Not hat so viele Namen. Die Angst findet so viele Gründe.
Die Sorge lässt sich nicht so leicht vertreiben. Deswegen bringen wir die Not der Welt, unsere Ängste und unsere Sorgen vor Dich. Da, wo Menschen Dich anrufen im Leid, da lass sie Deine Nähe spüren. Da lass sie erleben, wie Hilfe kommt, wie sie Begleitung finden. Sei es in der Krankheit, sei es in Hunger und Durst, sei
es in der Heimatlosigkeit, sei es in den Katastrophen dieser Welt. Mache auch uns immer wieder bereit, füreinander da zu sein.

Und so schütten wir unserem Gott in der Stille unser Herz aus…
Sei Du da, wo wir Dich brauchen. Sei Du da für Deine Welt. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 379 Gott wohnt in einem Lichte

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe
sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Einundzwanzigsten Sonntag nach Trinitatis dem 01.11.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.
Gestern war Reformationstag. Eigentlich feiern wir diesen Tag in unserem Kirchspiel ganz besonders.
Dieses Jahr ist vieles anders. Aber am heutigen Sonntag soll es zumindest um Martin Luther und seine
Reformation gehen. Es sind Lieder von Martin Luther, Gebet von ihm und natürlich wird auch die Predigt
über Martin Luthers Theologie gehen.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 341 Nun freut euch, liebe Christengemein

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 46. Er hat die Überschrift: Ein feste Burg ist unser Gott.

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.
Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge
und die Berge mitten ins Meer sänken,
wenngleich das Meer wütete und wallte
und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.
Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben
mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. 6Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen.
Die Völker müssen verzagen und die Königreiche fallen,
das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt.
Der HERR Zebaoth ist mit uns,
der Gott Jakobs ist unser Schutz.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

So wollen wir beten:
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich
diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich
diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle.
Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel
sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen
(Luthers Morgengebet)

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Römerbrief im 3ten Kapitel von Vers 21 an.
Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.
Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.
Denn es ist hier kein Unterschied:Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott
haben sollen, 24und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.
Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem
er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden 26in der Zeit der Geduld Gottes, um nun, in dieser Zeit, seine Gerechtigkeit zu erweisen, auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.
Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke?
Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. 28So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Reformationstag heißt für unsere Kirchengemeinde Martin Luther! Und so soll es auch heute in der Predigt
um Martin Luther gehen. Auch wenn Luther selbst dazu sagen würde: Es geht nicht um Luther, es geht um Christus. Und Recht hat er. Aber wir wollen uns heute dennoch eben auch mit Martin Luther beschäftigen.
Und will wollen es – im Anbetracht der schwierigen Situation, in die wir nun wieder hineingeraten – so
halten, dass wir uns heute von Martin Luther trösten lassen. Und dass wir uns heute von Martin Luther Mut machen lassen. Und wenn er Trost spendet, dann tut das einer aus berufenem Munde. Denn Martin Luther
hat so viele Lebensmomente gehabt, in denen sein Leben und das derer, die im wichtig waren, aufs äußerste bedroht war.
Vor dem Reichstag zu Worms, als Martin Luther sich vor Kaiser und Kirche rechtfertigen sollte wurde er gefragt, wo er denn als gebannter und vogelfreier Mann bleiben wolle, der Kurfürst könne ihn nicht
schützen. Und Luther antwortet auf die Frage, wo er bleiben wolle: „unter dem Himmel!“
„Unter dem Himmel!“ In all der Unsicherheit, in all der Ungewissheit, in all der Bedrohung seines Lebens,
war der Himmel für ihn ein Bild nicht nur für die Unsicherheit unter freiem Himmel. Der Himmel war für
ihn auch das Symbol für Gottes schützende Hand über ihm. Was auch kommen würde, dieser Gott, dieser liebende Gott würde seine Hand über ihn halten. Der Gedanke „unter dem Himmel“ zu sein, unter Gottes Schutz zu stehen, der ließ ihn mutig hineingehen in diesen Reichstag, in die notvollen Zeiten, die auf ihn zukommen konnten und die dann auch auf ihn zugekommen sind.
1527 wurde die Universitätsstadt Wittenberg von der Pest heimgesucht. Martin Luther bleibt, richtet in
seinem Haus einen Ort für Kranke ein. Begleitet, selbst krank, andere Kranke und Sterbende. Keine Frage, wenn wir uns von Martin Luther trösten lassen, dann hören wir den Trost von einem, der weiß wovon er
redet.
Heute hören wir dabei auf einen Brief, den Luther wohl 1531 an Königin Maria von Ungarn, die Schwester
Karls des Großen geschrieben hat. Einen Trostbrief, weil er von ihrer vielfältigen Not gehört hatte.

Und so beginnt sein Trostbrief. Er zeigt Mitgefühl. Er macht deutlich, dass ihm die Not von dieser Frau zu Herzen geht. Dass er um diese Not weiß. Und – dass er Not auch kennt. Ein guter Anfang.

Und dann kommt ein für uns moderne Menschen heute vielleicht erst einmal sehr ungewöhnlicher Gedanke. Vielleicht sogar einer, mit dem manche beim ersten Hören gar nichts anfangen können.

Vielleicht, so Luther, ist das Schlimme an der Not gar nicht das, was du siehst. Vielleicht steckt hinter der
Not, eine ganz andere Not. Vielleicht ist diese Not, in der wir geraten sind, eine Not, die einer noch viel größeren Gefahr Tür und Tor öffnet? Wie soll man das, lieber Doktor Martinus Luther verstehen? Martin
Luther mein es so. „Der Teufel, der steigt gerne da über den Zaun, wo er am niedrigsten ist!“ Und da, wo es feucht ist, da gießt der Teufel noch Wasser drauf! Und was er damit meint, das ist folgendes:
Meine Not, meine Angst, meine Sorge und meine Unsicherheit, die ist wie eine Tür in meiner Seele für das Böse. Und dann macht dieses Böse meine Angst größer. Und lässt meine Gedanken von der einen Sorge zu der nächsten wandern. Und dann schickt mir das Böse zu den drei bangen Fragen, die ich in diesen
unsicheren Zeiten habe noch dreißig dazu.

Ach du meine Güte! Und wo kommt dann der Trost her, könnte man da fragen. Soll das denn tröstlich sein, dass die Not vielleicht gar nicht so groß ist, wie ich denke? Soll das der Trost sein, dass meine Sorgen
vielleicht gar nicht so begründet sind. Dass – wie Martin Luther es an einer anderen Stelle in diesem Brief
sagt: Dass der Teufel meine Sorgen nur aufgeblasen hat! Soll das der Trost sein? Das doch wohl kaum. Denn ob nun die Sorgen wirklich so groß sind – ob ich wirklich Grund habe, mich so sehr zu Sorgen und zu ängstigen, oder ob die Sorgen künstlich aufgeblasen sind von der Kraft, die böses für mich will, das ist doch
im Endeffekt fast schon egal. Wenn ich die Sorgen habe, dann habe ich sie. Ob sie nun ganz und gar
berechtigt sind, oder ob sie vom Teufel aufgeblasen worden sind. Das kann mein Trost nicht sein!

Aber, keine Angst, das ist auch nicht im Sinne Luthers. Was er damit erst einmal deutlich machen will, ist,
dass die Sorge gewiss ihren Grund haben mag, aber dass ich nicht zulassen soll, dass mich diese Sorgen ganz und gar durcheinander bringt und mich nicht mehr klar denken und klug handeln lässt. Der wahre Trost ist
ein ganz anderer.

Der Teufel, bleiben wir mal dabei, der Teufel, der kann vielleicht da über den Zaun steigen, wo er am
niedrigsten ist. Aber Gott, der kommt auch über die höchsten Mauern. Gott ist da für uns. Und er ist nicht irgendwie da für uns. Gott ist in Christus da für uns. Und weil er in Christus da ist, ist er gerade auch in der
Not und in der Anfechtung und in den Sorgen für uns da. Er, der durch so viel Leiden und Not und
Anfechtung gegangen ist. Er, der sogar durch den Tod gegangen ist. Er, dieser Christus, hat das um unseretwillen getan. Er hat es für uns getan. Aber eben auch um unseretwillen. Ihm sind mein Leiden und meine Not nicht egal. Sie ist ihm bekannt. Sie ist ihm sogar wohl vertraut. Und deswegen ist Jesus nicht nur
in seine Not gegangen und durch seine Not hindurchgegangen. Deswegen geht er auch in meine Not. Und deswegen geht er auch mit mir durch meine Not und Sorge und Angst und Anfechtung. Er sieht deine Not!
Er sieht deine Not an.

Und deswegen – und das ist der Clou im Gedankengang Martin Luthers – deswegen gilt folgendes. Er, Jesus, sieht deine Not an. Deswegen schaue du auf ihn! Er sieht deine Not, sieh du auf ihn. Bei Luther heißt das
dann so: „Denn also lauten die Worte: Rufe mich an in der Not, so will ich dir helfen, dass du mir danken
sollst. Sprich also nicht: Siehe die Not an, sondern wende dich hierher und rufe mich an so sollst dir nimmermehr Not sein. Denn Gott ist über alle Not!“ (Nach Psalm 50)

Ein guter, ein wundervoller Rat: Sieh nicht einfach nur gebannt auf die Not, auf die Ungewissheiten des
Lebens. Schaue auch in diesen Tagen nicht immer nur auf die schlechten und angstmachenden Nachrichten. Schaue immer wieder auch auf die gute Nachricht. Wende dein Blick immer wieder der Liebe Gottes zu, wie
sie in der Bibel beschrieben wird. Schaue von mir aus 10mal die Nachrichten am Tag. Aber dann lies auch mindestens 10mal den ersten Johannesbrief.

Es geht nicht darum, die schwierige Situation in der wir stehen, zu ignorieren. Aber schon gar nicht geht es, dass wir die Verheißungen und die Liebe Gottes ignorieren. Die können uns Mut machen. Die lassen auch
den Zaun um uns so hoch sein, dass der Teufel nicht einfach drüberspringen kann.

Wir wollen beten:
Martin Luther nach 1. Mos. 32, 21.
Ey wie habe ich doch so einen gnädigen Gott. Ich war schon verzaget und gieng in die Hölle hinab; nun sehe ich aber, daß mir dieser Kampf zum Leben nütze gewesen ist. Ich hätte nimmermehr gemeinet, daß Gott so nahe bei mir wäre. Ach du himmlischer Vater! bist du mir so nahe, und ich wußte es nicht? Wie ist mir
jetzund so wohl! Laß nun kommen alle Teufel, so fürchte ich mich nicht; denn ich habe den Herrn, meinen Gott. Zuvor habe ich ihm in den Rücken gesehen, in der Gestalt und Person eines Mannes, in welcher Person ich mich dünken ließ, daß er mir den Tod dräuete, und mein Herz war in großer Angst, daß er mich irgend in' die Hölle würde stoßen: jetzt aber sehe ich nun sein Angesicht.

Und so schütten wir unserem Gott in der Stille unser Herz aus…
Nimm Dich unser aller an. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 362 Ein feste Burg ist unser Gott

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Zwanzigsten Sonntag nach Trinitatis den 25.10.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 161 Liebster Jesu, wir sind hier

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 119,1-8 und 17-18:
Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln!
Wohl denen, die sich an seine Zeugnisse halten, die ihn von ganzem Herzen suchen,
die auf seinen Wegen wandeln und kein Unrecht tun.
Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle.
O dass mein Leben deine Gebote mit ganzem Ernst hielte.
Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zuschanden.
Ich danke dir mit aufrichtigem Herzen, dass du mich lehrst die Ordnungen deiner Gerechtigkeit.
Deine Gebote will ich halten; verlass mich nimmermehr!
Tu wohl deinem Knecht, dass ich lebe und dein Wort halte.
Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.


So wollen wir beten:
Guter Gott. Wie soll das alles weitergehen? Diese Frage geht uns oft durch den Kopf und macht so
manchmal unsere Herzen schwer. Hilf uns, die Last dieser Unsicherheiten zu tragen. Hilf uns und schicke
uns Deinen Geist. Schenke uns den Mut, dass wir uns Dir und Deiner Liebe anvertrauen. Schenke uns die Gewissheit darauf, dass wir in Dir geboren sind – auch in Zeiten wie diesen. Das bitten wir Dich im Namen unseres Herren und Heilandes Jesus Christus. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im 2. Korintherbrief im 3ten Kapitel in den Versen 3-6
Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid durch unsern Dienst, geschrieben
nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern
auf fleischerne Tafeln der Herzen.
Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott. Nicht dass wir tüchtig sind von uns
selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber; sondern dass wir tüchtig sind, ist von Gott, der uns
auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Liebe Gemeinde!
„Hier geht es ums Prinzip!“ Wie geht es ihnen, wenn sie das hören. „Hier geht es ums Prinzip!
Ich weiß, es kommt immer auf die Situation an. Manchmal staunt man dann und sagt: Was für ein
Prinzipien-treuer Mensch! Und manchmal da nervt es einen total: Meine Güte, was für ein Prinzipienreiter! Fangen wir damit an: Prinzipien, das sind Regeln, die man über andere Regeln stellt. Gesetze, aus denen sich andere Gesetze ergeben.
Manche Prinzipien können so etwas wie Überschriften über das Leben sein. Und dann kommt es natürlich in der Tat sehr drauf an, welches Prinzip ich zu meinem mache.
Einer wie Trump zum Beispiel hat das Prinzip – wenn man es gut meint mit ihm – Amerika first. Wenn man
es genau betrachtet hat Trump das Prinzip Trump. Und mit diesem Prinzip steht er ja nicht alleine. Die die
auf den Autobahnen oder in den Innenstädten illegale Rennen fahren haben das gleiche Prinzip. Die, die in diesen Zeiten bewusst Corona-Partys feiern haben das gleiche Prinzip.
Das Ich-Prinzip. Ist ja auch nicht nur schlecht. Sich manchmal durchsetzen können, das ist schon wichtig. Manchmal an sich selbst denken, das ist gut. Aber – da sind wir eben an dem Punkt. Sich manchmal durchsetzen ist gut. Sich immer durchsetzen wollen ist schlecht. Manchmal ganz bewusst an sich selbst denken, das ist gut. Aber immer nur an sich selbst denken, ist nicht gesund.

In unserem Predigtwort heute geht es auch ums Prinzip. Noch besser gesagt, es geht um zwei Prinzipien, die aufeinander prallen.

Unser Predigtwort für diesen Sonntag steht im Markusevangelium im 2. Kapitel in den Versen 23 bis 28.
Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Ich will die Pharisäer nicht als Prinzipienreiter hinstellen. Denn das Prinzip, an dem sie ihr Leben ausrichten
ist ein an und für sich gutes Prinzip. Gesetze sind dafür da, dass man sich an die Gesetze hält. Das ist ihr Prinzip, dem ordnen sie alles unter. Daran halten sie sich und eigentlich erwarten sie das auch von anderen. Gesetze sind dafür da, dass man sich an die Gesetze hält. Und das gilt vor allem für die Gesetze, die Gott gegeben hat.

Und dann steht da auf der anderen Seite Jesus. Auch er hat ein Prinzip. Liebe. Liebe Gott, liebe deinen Nächsten, liebe dich selbst. Und gewiss sagen die meisten von uns gleich: genau, so ist das, das ist ein
Prinzip, das viel höher und besser ist als das der Pharisäer.

Aber – ich gebe zu bedenken: Das Prinzip Liebe ist weitaus schwerer. Das ist sogar manchmal unendlich kompliziert. Das Prinzip Gesetz ist da ganz einfach: So steht es geschrieben, so wird es gemacht. Im Kapitel
X im Vers Y steht es so, also ist es so richtig. Kann doch jeder sehen, kann doch jeder nachlesen. Steht da schwarz auf weiß. Am Sabbat wird nicht gearbeitet. Da ist eine Liste, da steht es schwarz auf weiß, was man machen darf und was nicht. Und Ährenraufen am Sabbat, das ist verboten. Nach dem Prinzip zu leben ist
nicht immer bequem aber es ist eindeutig und klar.

Ganz anders das Prinzip, nach dem Jesus sein Leben lebt. Ganz anders das Prinzip Liebe. Das fängt schon damit an, dass die Pharisäer wahrscheinlich sagen würden: Ja, wir haben auch das Prinzip Liebe. Wir lieben Gott und daher lieben wir Gottes Gesetze. Und wir tun Gott und den Menschen etwas Gutes, wenn wir
immer wieder auf Gottes Wort achten und es ernst nehmen. Bei uns steht halt Gottes Willen, wie er in seinen Geboten zum Ausdruck kommt über dem Willen des Menschen.

Und Jesus würde sagen: Ja, Gott steht über allem. Aber Gott ist die Liebe. Und deshalb ist das Prinzip des Lebens die Liebe zu den Menschen. Aber hier kommen dann halt die Probleme: Was das bedeutet und heißt, dann kann man nicht ein für allemal auf schwarz und weiß klar vor sich haben, wie die Gesetze.
Es ist die Situation, die zählt, wenn man das Prinzip Liebe hat. Und dann ist der Hunger der Jünger in
diesem Moment wichtiger als das, was schwarz auf weiß geschrieben steht. Dann ist die Not manchmal so groß, dass selbst das beste Gesetz für einen Moment nur die zweitbeste Lösung ist. Aber, wann ist das so und wann nicht. Wann nehme ich ein Kind, wenn es Mist gebaut hat in den Arm und wann schimpfe ich. Wann verschweige ich einem Freund eine bittere Wahrheit und wann sage ich einer Freundin genau die Wahrheit.

Was wir daran merken können. Das Prinzip Menschenliebe ist eines, bei dem man immer wieder ganz genau hinschauen muss. Wie kann ich dem anderen helfen und ihm oder ihr Gutes tun. Wie handle ich in diesem Moment und in dieser Situation richtig im Sinne Jesu. Prinzipienreiter sind da definitiv nicht gefragt. Patentlösungen gibt es keine. Nachdenken, überlegen, abwägen, miteinander diskutieren, nachfragen, sich
klug machen, zuhören, genau hinschauen. All das gehört dazu.

Wir wollen beten:
Du Gott der Liebe,
hilf uns, aus Deiner Liebe zu leben. Dass wir auf Deine Liebe bauen. Dass wir erkennen, dass Deine Liebe
auch in Zeiten der tiefen Unsicherheiten ganz sicher ist und ganz sicher gilt. Dass wir vorsichtig sind und achtsam im Umgang miteinander. Gerade in Zeiten wie diesen. Dass wir dabei aber niemanden vergessen. Dass wir in unsere Gebeten die Not dieser Welt mit hineinnehmen. Sei Du da mit Deiner Liebe. Für die und
bei denen, die da sind für andere. Für die und bei denen, die sich einsetzen für ein gutes Miteinander. Für die und bei denen, die eine tiefe Unruhe in sich tragen in dieser Pandemie. Für die und bei denen, die bei all den Nachrichten über Corona vergessen gehen mit ihrer eigenen Not.
Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. …

Da reden wir davon, dass wir die Zeit umgestellt haben! Als wären wir es, die die Zeit in den Händen hätten. Aber Du bist es, der Herr ist über die Zeit und über diese Welt. Lass uns über dieser Erkenntnis ruhig werden und getröstet sein. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 377 Zieh an die Macht, du Arm du Herrn

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe
sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Neunzehnten Sonntag nach Trinitatis

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 571 Nun geh uns auf, du Morgenstern

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 32,1-7:
Eine Unterweisung Davids. Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist!
Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Falsch ist! Denn
da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine
Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. Sela. Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem
HERRN meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. Sela. Deshalb
werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit der Angst; darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an sie gelangen. Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten, dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann. Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott. Die Unsicherheit nimmt wieder zu. Wieder spüren wir, wie zerbrechlich das Leben ist. Wieder erleben wir, wie unsicher unsere Pläne sein können. So sind wir heute wieder hier in der Kirche. Und wir
bitten Dich: Lass uns Deine Nähe spüren. Mache uns gewiss, dass Du uns in allen Ungewissheiten begleitest und festhältst. Lass uns auch heute Morgen spüren, dass wir bei Dir gut aufgehoben sind in all dem Durcheinander dieser Welt. So komm Du mit Deinem Geist. Das bitten wir Dich im Namen unseres Herren
und Heilandes Jesus Christus. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Markusevangelium im 2ten Kapitel in den Versen 1-12 
Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.
Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er
sagte ihnen das Wort. Und es kamen einige, die brachten zu ihm einen Gelähmten, von vieren getragen.
Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war,
gruben es auf und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. Da nun Jesus ihren Glauben sah,
sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte alsbald in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach
zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind
deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin? Damit ihr aber wisst, dass
der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage
dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging
hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches
noch nie gesehen.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Unser Predigtwort für diesen Sonntag steht im Epheserbrief im 4. Kapitel in den Versen 22 bis 32.

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der
nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander
Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt
nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der
Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt
aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch
Gott euch vergeben hat in Christus.

Liebe Gemeinde!
Ein Kaiser, der Menschen umbringen lässt, weil sie seine Kleidung kritisieren. Der Menschen befördert und entlässt, wie es ihm gerade passt. (Caligula) Sein Lieblingspferd Incitatus wollte er zu einem Senator machen. Sollen sie mich doch hassen, solange sie mich fürchten!
Warum ich das erzähle? Ist doch lange her! Ja, etwa so lange wie dieser Brief, der heute unser Predigtwort
ist. Warum ich das erzähle? Weil ich deutlich machen will, dass man nicht so einfach sagen kann, dass alles schlechter geworden ist in all den Jahren. Donald Trump mag einer der schlechtesten Präsidenten sein, die
die USA je hatten. Aber er ist ein Waisenknabe gegen die, die es auch damals schon gab. Machtbesessene Zyniker, denen ein Menschenleben nichts bedeutet hat.

Und auch das Predigtwort macht deutlich, dass damals nicht alles gut war und auch nicht besser. Wenn
Paulus den Menschen ans Herz legt, doch das sein zu lassen, was ihr leben bisher bestimmt hat, wird das
klar. Er nennt das, was das Leben der Menschen bisher bestimmt hat: den alten Menschen. Das ist kein alter Mensch im Sinne von Lebensjahren. Es ist ein alter Mensch, weil er an den alten Gewohnheiten hängt. Und was das für Gewohnheiten sind. Nun, da erfahren wir einiges drüber: Lügen. Zornig sein. Klauen. Gemeines Geschwätz über andere. Schadenfreude. All das macht den Menschen aus, der für Paulus der alte Mensch ist. Der Mensch in seinen alten Gewohnheiten. Und wenn man das so hört, dann merkt man: So viel geändert
hat sich nicht. Nicht in den 2000 Jahren.

Die Idee von Paulus war allerdings die, dass sich etwas hätte ändern sollen. Er wünscht sich, dass die Christinnen und Christen zu neuen Menschen würden. Menschen, die sich von Tieren nicht nur darin unterscheiden, dass sie Messer und Gabel zum Essen benutzen. Menschen, die menschlich sind. Zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist. Werdet menschlich im besten Sinne des Wortes. Und auch was das heißt, schreibt Paulus hier. Seid freundlich untereinander. Vergebt einander. Seid fleißig und bereit abzugeben von dem, was ihr habt. Seid nicht zornig. Lauft nicht immer mit einem dicken Hals durch die Gegend.

Nun kann man sagen, dass der Plan des Paulus nicht so ganz aufgegangen ist. Die Welt sähe anders aus,
wenn der Plan aufgegangen wäre. Aber die Menschen sind oft immer noch die alten Menschen. Was die
Sache so tragisch macht. Denn auf der anderen Seite haben wir Menschen heute unendlich mehr Möglichkeiten, als sie damals hatten. Und das macht es immer gefährlicher, wenn wir Menschen die alten Menschen bleiben.
Denn ob die Menschen mit Keulen oder mit Schwertern in den Krieg ziehen oder mit chemischen Waffen.
Das ändert erst einmal nichts daran, dass sie die alten Menschen sind. Krieg ist Krieg. Falsch ist falsch.
Dumm ist dumm. Aber dadurch, dass die Waffen teuflischer sind, wird der Krieg teuflischer.


Und natürlich gab es schon immer Menschen, die dummes Zeug in die Welt gesetzt haben, Gerüchte und bösartige Verleumdungen. Schon Paulus legt seinen Freunden und Freundinnen ans Herz, bei der Wahrheit
zu bleiben. Aber auch da gilt. Damals ging so eine Unwahrheit durch das Dorf oder die Stadt und dann war
es schon schlimm genug. Heute gehen diese Nachrichten gleich in die ganze Welt und richten unfassbar
großen Schaden an.
Und wenn die Menschen damals mit der Umwelt umgegangen sind wie sie wollten. Und wenn sie es heute machen. Dann ändert das erst einmal nichts. Es sind die alten Menschen. Aber heute ist die Gefahr viel
größer. Nicht, weil wir schlechter geworden sind, sondern weil die Auswirkungen viel katastrophaler sind.
Das macht es – teuflischer! Und da gilt mehr denn je: Gebt nicht Raum dem Teufel.

Deswegen ist die Idee von Paulus heute wichtiger denn je. Legt ab den alten Menschen, zieht den neuen Menschen an. Nun ist das natürlich schnell geschrieben und schnell gesagt. Und so einfach ist es eben
gerade nicht. So einfach, wie es hier beschrieben ist. So, als wären die alten Gewohnheiten wie ein Mantel,
den man ablegen könnte und die neuen Gewohnheiten wie ein anderer Mantel, den man dann anzieht und ganz leicht und lässig überwirft.

Nein, es braucht alle Anstrengung. Und eines ist klar. Jammern darüber, dass alles immer schlechter wird,
das hilft schon mal gar nichts. Und jammern darüber, dass es die Welt auch nicht besser macht, wenn ich etwas besser mache, das hilft auch nichts. Paulus schreibt ja seinen Freunden auch nicht: Macht die Welt besser. Macht den römischen Kaiser besser. Macht das Steuersystem besser. Er schreibt: Werdet ihr neue Menschen. Ändert ihr etwas an eurem Steuersystem. An dem, was euch antreibt, was euch bewegt, was euch bestimmt. Lasst euch vom Geist Gottes bewegen. Lasst den Geist Gottes in die Segel blasen, die euer Lebensschiffchen voranbringen. Lasst den Geist Gottes die Richtung angeben. Werdet die, die auf Freundlichkeit setzen und auf Mitgefühl. Werdet die, die sich einsetzen für andere. Werdet die, die achtsam umgehen mit dem, was ihnen gegeben ist. Werdet die, die ihr sein könnt.

Wir wollen beten:
Du gütiger Gott.
Mache uns zu neuen Menschen. Und schenke uns die Kraft und den Mut, dass wir jeden Tag daran arbeiten diese neuen Menschen zu sein. Menschen, die sich ganz neu auf den Weg machen aufeinander zu und hin zu dir. Menschen, die ganz neue lernen, diese Welt zu sehen. Lass uns die Schönheit dieser Welt wieder sehen
und ihre Zerbrechlichkeit. Lass uns die Würde der anderen Menschen wieder sehen und ihre Not. Lass uns Deine Freundlichkeit wieder sehen und Deine Güte.
Viel zu viel in dieser Welt folgt noch den alten Regeln des alten Menschen. Immer mehr haben wollen, nur
sich selbst sehen, Recht haben wollen um jeden Preis, besser sein wollen als die anderen. Alles ausreizen zu wollen bis zum Letzen. So kann es weitergehen in der Welt bis es eben nicht mehr weitergeht.
Herr, bringe Licht ins Dunkel. Sei Du selbst das Licht in den Herzen der Menschen. Nimm Dich unserer Not
an. Sei Du gerade jetzt in diesen unsicheren Zeiten bei denen, die sich mit ihrer ganzen Kraft einsetzen für
die anderen – in welchem Bereich auch immer.

Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 590 Herr, wir bitten: Komm und segne uns

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe
sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Achtzehnten Sonntag nach Trinitatis den 11.10.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 162 Gott Lob, der Sonntag kommt herbei

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 1:
Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen,
sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!
Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl. Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.
Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.
Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergeht.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott. Wir sind hier. Und wir bitten Dich. Sei Du auch hier. Sei Du jetzt mit Deiner heilenden
Gegenwart bei uns. Lass uns spüren, dass Dein Geist unsere Herzen und Ohren öffnet. Lass uns spüren, dass Deine Liebe unser Herz heute Morgen wachküsst. Lass uns erfahren, wie Du unsere Gemeinschaft stärkst
und in unserem Miteinander die Kraft der Liebe wachsen lässt. So sei Du heute Morgen bei uns! AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht in der Bergpredigt Jesu im Markusevangelium im 10ten Kapitel in den
Versen 17-22
Und als er hinausging auf den Weg, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister,
was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? 18Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott. 19Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.« 20Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. 21Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! 22Er aber wurde betrübt über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Unser Predigtwort für diesen Sonntag führt uns in das fünfte Buch der Bibel, in das fünfte Buch Mose, es
findet sich im 30sten Kapitel in den Versen 11-14.

Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und
tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren
und es uns holen, dass wir’s hören und tun? 14Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und
in deinem Herzen, dass du es tust.

Liebe Gemeinde!
Sorry! Tut mir leid! Aber so ist es: Wir haben keine Ausrede.
Naja, ok, wir haben viele Ausreden. Aber Gott lässt keine gelten.
Wir sagen ja manchmal: „Das ist mir zu hoch!“. Das sagen wir, wenn wir etwas nicht verstehen oder begreifen. Und hier heißt es nun: Die Gebote, die sind nicht zu hoch. Die sind zu begreifen. Die kann jeder
und jede verstehen. Das ist keine Kunst. Dazu brauchst du nicht Theologie studieren.
Und wir sagen manchmal: „Das ist aber ziemlich weit hergeholt!“ Das sagen wir, wenn wir etwas für
ziemlich übertrieben oder einigermaßen theoretisch finden. Aber hier heißt es: DU musst nicht weit über das Meer fahren. Das ist nicht weit hergeholt. Das ist nicht übertrieben und das ist keine Theorie.
Nein, das worum es heute geht, das ist nicht zu hoch für uns und das ist nicht weit hergeholt.
Das, worum es heute geht liegt auf der Hand. Hier im Bibelwort heißt es: Das ist in deinem Mund und das ist
in deinem Herzen schon längst drin.
Es ist also nicht die Frage, ob Du verstehen kannst, was Gott will. Es ist auch nicht die Frage, ob du weißt,
was Gott will. Keine Ausreden! Es ist nur die Frage, ob du das auch willst. Ob es dir wichtig genug ist, dass
du es auch tust!

Wenn du es aber nicht tust, dann wird das nicht ohne Folgen bleiben für dich und dein Leben. Das macht
dieses Bibelwort auch deutlich. Denn diese Gebote, sie sind in deinem Herzen. Und wenn du sie für nicht wichtig erachtest, dann verrätst du dich selbst, du betrügst dein eigenes Herz. Oder du beschließt, herzlos zu sein. Und das hat beträchtliche Folgen. Das wird deutlich in dem Vers, der nach unserem heutigen
Predigtwort geschrieben steht: Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse!

Klartext: Wenn du dicht entschließt, nicht nach diesen Geboten, nicht nach diesen Worten zu leben, dann
lebst du an deinem eigenen Leben vorbei. Dann ist das nicht gut. Dann ist das nicht gut für dich und das ist
das nicht gut für die anderen.

So – und was sind das denn jetzt für Gebote. Machen wir mal Butter bei die Fische. Was sind das für Gebote, die angeblich ganz einfach sind und nicht zu hoch und nicht weit hergeholt. Da hat sich ja vielleicht manches auch geändert zwischen dem 5ten Buch Mose und dem Alten Bund und den Worten und Taten Jesu und dem neuen Bund. Aber – stimmt das? Hat sich da wirklich so viel verändert?

Natürlich, viele Gesetzesregelungen, die in den fünf Büchern Mose stehen, in den alten Gesetzesbüchern, die haben für uns ihr Geltung verloren. Die sind uns zu hoch und die sind uns zu weit hergeholt. 2 ½ tausend
Jahre haben da schon etwas gemacht. Nicht ohne Grund überblättern wir bei der Bibellese das dritte Buch Mose meistens. Weil du die Gesetze über Wöchnerinnen und unreine und reine Tiere und die Gesetze über
die Nutzung von Opfergaben nicht mehr erreichen über die Jahrtausende.

Was wir aber tun sollen und können. Weil es nicht zu weit hergeholt ist und weil es nicht zu hoch ist, das
sagt das 30ste Kapitel, in dem unser Predigtwort steht im 2ten Vers schon: Wenn du dich zu Gott bekehrst und auf sein Wort hörst!

Und dann wird es handfest! Dann ist es klar und machbar für uns. Auf Gottes Wort hören, das ist für uns Christinnen und Christen einfach. Denn Johannes hat recht: Jesus ist das Fleisch gewordene Wort Gottes für uns Christinnen und Christen. Und also sagt uns das Predigtwort heute:
Das, was Jesus gesagt und getan hat, das kann und soll und muss die Richtschnur für euer Leben sein. Das, was er euch ans Herz legt, das tut. Daran haltet euch! Das macht euch zu eigen. Daran richtet euer Leben aus.
Also, entscheidet euch für das Gute. Geht gut miteinander um. Und ihr wisst, was das heißt. Diesen
Kompass habt ihr in euch. Es gelingt uns nicht immer. Dann haben die, die sich für das Gute entschieden
haben aber immer ein schlechtes Gewissen. Oder sie versuchen sich selbst zu erklären, warum sie es so gemacht haben, wie sie es gemacht haben. Es gelingt uns nicht immer. Aber das ist keine Schande. Wir sind Menschen. Wir sind fehlbar und machen manchmal echt blöde Sachen. Da setzen und da bauen wir ganz und gar auf das Versprechen Jesu, dass denen vergeben wird, die sich in ihrer Not an Gott wenden. So ist das eben: Manchmal, da verraten wir die eigenen Ideale und manchmal, da verraten wir das, was wir tief in unseren Herzen spüren.

Ein ganz verräterischer Gedanke ist immer der, dass man sich denkt: „Die anderen machen das aber auch
so!“
Wenn dir dieser Gedanke kommt, dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass dein Herr dir eigentlich
etwas anders sagt, dass du eigentlich weißt: Nein, das ist nicht das, wonach ich mein Leben ausrichten sollte und wollte.

Eigentlich ist es also wunderbar, was dieses Predigtwort hier macht. Es macht uns Mut, dass wir uns bei
dem, was wir tun und was wir lassen immer ein Stück weit auf uns selbst verlassen können. Denn es ist so wie es hier gesagt und geschrieben ist: Jesus hat keine Forderungen aufgestellt, die unerfüllbar wären. Den Nächsten achten. Auf die Schwächeren Rücksicht nehmen. Menschen nicht vorschnell zu verurteilen.
Liebevoll umgehen miteinander. Klar sein und ehrlich und offen. Mitgefühl haben für Menschen in Not. Menschlich sein. Amen

Wir wollen beten:
Du gütiger Gott.
Du weißt, was gut für uns ist. Und du hast uns ein Herz gegeben, dass uns das auch erkennen lässt.
Vergib uns, dass wir nicht immer auf Dein Wort hören. Vergib uns, dass wir nicht immer auf unser Herz
hören. Viel zu oft tun wir es nicht. Dann wollen wir etwas mit Gewalt haben, anstatt es uns von Dir schenken zu lassen. Dann haben wir Angst, doch zu kurz zu kommen in diesem Durcheinander des Lebens. Dann nehmen wir anstatt zu geben, dann gehen wir anstatt zu warten, dann schweigen wir anstatt zu reden, dann reden wir anstatt zu hören.
Komm Du mit Deinem Geist in unsere Herzen und Köpfe und bewege uns immer wieder zum Guten.
Denn es geht oft böse zu in dieser Welt. Da braucht es Mitgefühl und Liebe.
So bitten wir Dich heute für die Menschen in Not. Und die Not hat so viele Namen.


Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 295 Wohl denen, die da wandeln

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe
sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst zum Erntedankfest

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 508 Wir pflügen und wir streuen

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 104. Es ist der große Schöpfungspsalm
Lobe den HERRN, meine Seele!
HERR, mein Gott, du bist sehr groß; in Hoheit und Pracht bist du gekleidet. 2Licht ist dein Kleid, das du
anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt; 3du baust deine Gemächer über den Wassern.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,
dass alle Tiere des Feldes trinken und die Wildesel ihren Durst löschen.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz glänze vom Öl
und das Brot des Menschen Herz stärke.
Die Bäume des HERRN stehen voll Saft, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.
Dort nisten die Vögel, und die Störche wohnen in den Wipfeln.
HERR, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.
Es wartet alles auf dich, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.
Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.
Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu das Antlitz der Erde.
Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewiglich, der HERR freue sich seiner Werke!
Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott. Wir haben uns viel zu sehr daran gewöhnt, was uns an Schönheit und Gnade umgibt. Wir haben uns viel zu sehr daran gewöhnt und nehmen es als Selbstverständlichkeit. Heute wollen wir es anders
machen. Heute wollen wir Dir danken. Schenke uns zu diesem Vorhaben deinen Geist. Damit sich unser
Sehen und Hören verändern kann, damit wir Deine Wunder wieder erkennen in dieser Welt. Dazu lass uns
heute einen schönen Gottesdienst feiern. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im 2. Korintherbrief im 9ten Kapitel. Es sind dort die Verse 6 bis 15:
Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten
Werk; wie geschrieben steht (Ps 112,9): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.« Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen
geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. Denn der Dienst dieser Sammlung füllt nicht allein aus, woran es den Heiligen mangelt, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. Um dieses treuen Dienstes willen preisen sie Gott für euren Gehorsam im
Bekenntnis zum Evangelium Christi und für die Lauterkeit eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. Und in
ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Unser Predigtwort für diesen Sonntag steht im Markusevangelium im 8ten Kapitel. Dort können wir lesen:
Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen
Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten
die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen.

Liebe Gemeinde!
Das Erntedankfest ist ein unglaublich wichtiges Fest. Es tut gut und es macht glücklich und zufrieden und es macht sogar gesund. Ist das zu glauben? Kann man sich das vorstellen? Es ist aber so, wer das Erntedankfest richtig feiert, der tut auch etwas für seine Gesundheit. Wenn das nichts ist!

Fangen wir mal so an: Eigentlich ist der Name des Festes nicht ganz richtig. Erntedankfest. Da steckt das
Wort Dank drin und da scheint es um Danken zu gehen. Aber das stimmt nur zum Teil. Klar sagen wir heute
in den Gebeten für viele Dinge „Danke“. Danke für die Gesundheit, die Bewahrung vor Krankheit,
erfolgreiches Tun im Alltag, im Privaten und im Beruf. Regen und Sonne. Das Glück, in einem Land zu
leben, das seit vielen Jahren keinen Krieg mehr kennt. In einem Land zu leben, wo so vieles da ist und so vieles möglich ist und wo auch in diesen Zeiten offensichtlich Menschen achtsam sind und aufmerksam und vorsichtig. Danke sagen für so viele gute Begegnungen, gute Worte, gute Ideen, gute Tage. Die Liste ist lang. Für vieles können wir Gott danken.

Aber es geht eigentlich nicht um das Danken, sondern um die Dankbarkeit. Und zwischen dem Danken und
der Dankbarkeit, da besteht schon ein gewaltiger Unterschied. Danken, das ist ein Tun, das ist eine
Handlung. Dankbarkeit ist ein Gefühl und eine Einstellung. Danken kann auch eine Form der Höflichkeit
sein, manchmal vielleicht auch ein Zeichen einer guten Erziehung. Danken, das kann manchmal auch automatisch geschehen und muss dann keine weiteren Folgen haben. Ich kann am Tag 100mal „Danke“
sagen und bin doch nicht dankbar. Denn tun kann man viel, das muss noch nichts mit einem tiefen Gefühl zu tun haben.

Dankbarkeit aber ist eben ein Gefühl, eine Einstellung, die mein Leben verändert. Zumindest erst einmal
dem gegenüber, dem ich dankbar bin. Ich werde ihn oder sie mit anderen Augen sehen. Wenn ich ihr oder
ihm das nächste Mal begegne, dann wir mein Herz anders sprechen, als es das im normalen Alltag tut. Wem ich dankbar bin, dem fühle ich mich auf besondere Weise verbunden. Ich fühle das eben! Das wir dafür
sorgen, dass viele gute Taten daraus entstehen und hoffentlich viele gute Worte.

Deshalb ist das Erntedankfest eigentlich das Fest, an dem wir Gott unsere Dankbarkeit zeigen sollten, wenn wir es denn können, wenn wir es wirklich in uns fühlen können. Gott braucht vielleicht nicht unseren Dank. Aber wenn wir Gott gegenüber dankbar sind, dann verändert sich da etwas in dem Verhältnis zwischen mir
und diesem Gott. Nicht von seiner Seite aus, aber von meiner Seite! Wenn ich Gott dankbar bin, dann geht mein Herz auf. Dann wird er mir wichtig. Dann kommt da eine Wärme rein in die Beziehung zwischen Gott
und Mensch.

Martin Luther hat gesagt, das die Dankbarkeit DIE wesentliche christliche Haltung ist, das Herz des Evangeliums. So ist das. Aber klar, ich sage es noch einmal. Dankbarkeit ist eine Haltung, ein Gefühl, eine Einstellung. Ich kann sie nicht befehlen und nicht anordnen. Ich kann sie nicht mal von mir verlangen, wenn
ich sie nicht fühlen und spüren kann. Ich kann von meinem Kind verlangen, dass es Danke sagt, wenn es etwas bekommt, aber Dankbarkeit kann ich nicht befehlen.

Wenn wir es aber – angestoßen auch durch diesen Tag – wieder lernen könnten und lernen würden, mehr dankbar zu sein, dann würde es uns aber noch in ganz anderer Hinsicht ein Segen sein. Studien haben hier in den vergangenen Jahren unglaubliches zum Vorschein gebracht. Menschen, die dankbar sein können, denen geht es erwiesenermaßen besser. Tatsächlich! Sie können besser mit Stress umgehen. Sie können besser mit Veränderungen umgehen. Ja, Wissenschaftler behaupte sogar: von allen Gefühlslagen scheint die
Dankbarkeit die wichtigste zu sein, wenn es um die psychische Gesundheit geht.

Es lohnt sich also, dankbar wahrnehmen zu können, was uns alles an Gutem geschenkt wird und was uns
alles an Gutem begegnet. Und wenn man sie auch nicht befehlen kann, so kann man sie doch üben und wecken, diese Dankbarkeit.
Unglaublich wirkungsvoll sind sogenannte Dankbarkeitstagebücher, in denen man für jeden Tag drei Dinge eintragen soll, für die man dankbar ist. Diese Übung macht Menschen ruhiger und zufriedener und lässt sie viel besser durch das Leben kommen. Dass Dankbarkeit auch noch gut ist für das Herz und gegen
Schlafstörungen – na, was soll man dazu sagen? Was soll man dazu mehr sagen als: Es lohnt sich in jeder Beziehung, dankbar zu sein und Dankbarkeit zu üben!

Zudem sind dankbare Menschen viel bereiter, von dem, was sie haben, anzugeben und für andere da zu sein. Kein Wunder, dass schön Cicero die Dankbarkeit als die größte aller Tugenden und die Mutter aller
Tugenden beschrieben hat.

Also wäre es wunderschön, wenn wir heute nicht nur das Erntedankfest feiern, sondern wenn wir es dankbar feiern. Es wäre gut für uns und gut für diese Welt.
Amen

Wir wollen beten:
Du Schöpfergott.
Vergib uns, dass wir Dich so oft aus dem Blick verlieren. Wir schauen auf die Welt und sehen so oft die
Wunder nicht. Und schon gar nicht sehen wir dahinter den, der alles hat werden lassen, nämlich Dich.
Wir sehen die Wunder nicht. Und wie sollten wir es dann schaffen, Dir dankbar zu sein!
Deshalb lass aus diesem Tag heute mehr werden als ein Tag mit einem Gottesdienst zum Erntedankfest. Hilf uns, dass wir arbeiten an unserer Fähigkeit, dankbar zu sein. Mache dazu unsere Herzen weit. Lass uns
wieder spüren und erkennen, wo alles Deine Liebe durchscheint durch die wunderbare Schöpfung dieser
Welt. Mach uns staunen! Hilf uns, dass wir achtsam umgehen mit Deiner guten Schöpfung und mit allen Gaben, die wir immer wieder von Dir geschenkt bekommen. Wir haben doch gerade in diesem Jahr gemerkt, ja, wir merken es immer noch, dass es doch nicht selbstverständlich ist, dass wir von Gefahren behütet werden, dass unsere Arbeit mit Erfolg gekrönt wird, dass der Regen fällt.
Und hilf uns, guter Gott, dass wir über allem unsere Verantwortung nicht vergessen. Lass uns vielmehr erkennen, dass wir unseren Beitrag leisten können, dass es auf dieser Erde blüht und gedeiht. Dass
Menschen einander und dass Menschen Dir mit Achtung begegnen.
Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 506: Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe
sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden
AMEN

Gottesdienst für den Fünfzehnten Sonntag nach Trinitatis den 20.09.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.
Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 440 All Morgen ist ganz frisch und neu

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 127. Es sind die ersten beiden Verse:
Der Psalm hat die Überschrift: An Gottes Segen ist alles gelegen
Von Salomo, ein Wallfahrtslied.
Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.
Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.
Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen;
denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott. Was für ein Segen, dass wir heute wieder miteinander diesen Gottesdienst feiern können. Was
für ein Segen, dass wir Dein Wort hören dürfen. Was für ein Segen, dass wir das Miteinander in unserer Gemeinde erleben können. So bitten wir Dich auch für diesen Gottesdienst, dass DU zu Deinem Wort
Deinen Geist schenkst. Dass wir nicht nur hören, sondern auch verstehen und glauben und hoffen und lieben und tun. So sei Du bei uns und bei allen, die diesen Gottesdienst feiern und lesen. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht in der Bergpredigt Jesu im Matthäusevangelium im 8´6ten Kapitel in den Versen 25-34
Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Wer ist
aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und
warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten
nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: Sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?
Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden
wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all
dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das
alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist
genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Unser Predigtwort für diesen Sonntag führt uns in das erste Buch der Bibel, in das erste Buch Mose,
Genesis. Wir hören und lesen aus dem zweiten Kapitel die Verse 4 bis 9 und den Vers 15.
Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte.
Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war
noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. Da
machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. 8 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ
aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Liebe Gemeinde!
Wie geht es Ihnen, denn Sie dieses Predigtwort hören? Ich frage ganz ernsthaft, wie geht es ihnen? Tut es Ihnen gut? Macht es Sie froh? Oder macht es Sie traurig? Oder macht es Sie gar wütend? Ich frage Sie deshalb, weil ich mich nicht entscheiden konnte, mit welchem Gefühl ich dieses Wort aus der Bibel höre!

Auf der einen Seite ist es so ein herrliches Wort. Ein Wort voller Frieden und Glück und Schönheit und Vollkommenheit! Alles ist so gut von Gott gemacht. Und er hat es für die Menschen gemacht. Den lässt er an einer wunderschönen Stelle seine Heimat finden. Ein Strom fließt da. Und wenn man bedenkt, dass die Menschen, die das geschrieben haben Wüstenmenschen waren, dann erahnt man, was das bedeutete. An einem lebensspendenden Fluss mit seinem Wasser finden die Menschen ihre Heimat. Und um sie herum und
für sie lässt Gott nun all das andere entstehen. Die Bäume und die Blumen, die Gräser und die Pflanzen. Ein Garten, wie man ihn sich schöner nicht vorstellen kann. Was für ein herrliches Bild, nicht nur für Menschen,
die die Wüste kennen. Ein herrliches Bild auch für uns. Frieden und Schönheit umgeben die Menschen. Sie haben alles, was sie zu ihrem Glück brauchen. Gott hat ihnen ein sorgenfreies Leben geschenkt. Garten
Eden! Paradies. Reines Glück, vollkommene Freude.

Kann da ein anderes Gefühl aufkommen als das, dass es mich froh macht? Ja, es kann. Es kann einen auch traurig machen, wenn man es hört und liest. Traurig, weil alles so anders gekommen ist. Traurig, weil wir weitergelesen haben in der Bibel und weil wir weitergelebt haben. Und weil wir Menschen mit all der
Schönheit und all dem Glück nicht zufrieden waren. Und weil wir Menschen einen weiten Weg zurückgelegt haben. Einen weiten Weg heraus aus dem Paradies hinein in die Welt in der wir leben.

Und ja, dann kann es einen auch wütend machen! Wie konnte es nur so weit kommen? Wieso haben wir Menschen das kaputt gemacht? Und wieso hört das nicht auf? Und wieso führt kein Weg mehr zurück?
Wieso machen wir Menschen immer noch so viel kaputt. Wir brennen Wälder ab in Brasilien. Wir rotten
Tiere aus in den Urwäldern. Wir riskieren den Klimawandel mit all den katastrophalen Folgen für Mensch
und Tier. Wir gönnen einander nicht das Schwarze unter den Nägeln. Wir verbrauchen Rohstoffe, so, als
hätten wir eine zweite Erde in der Hinterhand. Was ist geworden aus dem Paradies?

Also, was macht dieses Predigtwort mit Ihnen? Macht es sie froh, weil sie Gottes Liebe herauslesen zu
seinen Menschen. Macht es Sie traurig, weil vom Paradies nichts geblieben ist? Oder macht es Sie wütend,
weil wir immer noch nicht gelernt haben daraus?

Ich glaube in der Zwischenzeit, nachdem ich lange über dieses Wort nachgedacht habe, dass alle drei so unterschiedlichen Gefühle nötig sind, wenn wir dieses Wort vom Paradies hören. Dass wir erst einmal
dankbar sind, weil es uns an die Liebe und die unfassbare Güte unseres Gottes erinnern kann. Wir dürfen einem Gott vertrauen, der es von Anfang an nur gut meinte mit uns. Wir dürfen zu einem Gott beten, der von Anbeginn der Schöpfung an alles gut für uns gemacht hat. Und staunen dürfen wir darüber, dass uns Gott in Jesus gezeigt hat, dass er von seiner Liebe nichts zurückgenommen hat. Dass er immer noch bereit ist, uns alles zu geben was wir brauchen.

Und dann kann und soll es uns auch traurig machen. Aber bitte, bitte nicht in der Traurigkeit bleiben. Ruhig traurig sagen: Was für eine Schande, dass wir Menschen es nicht haben ertragen können, dieses Paradies. Was für eine Schade, dass wir Menschen einen ganz anderen Weg gegangen sind. Was für eine Schade, zu sehen, was wir aus dieser Schöpfung, was wir aus diesem Paradies gemacht haben.

Aber dann bitte nicht einfach traurig bleiben, sondern auch wütend werden. Das kann doch so nicht weitergehen! Wir können doch so nicht weitermachen! Denn auch wenn es keinen Weg mehr zurück gibt ins Paradies hier auf der Erde. SO können wir doch zumindest dafür eintreten, dass die Erde nicht zur Hölle für uns Menschen wird.

Aber dann, liebe Gemeinde, muss man sich wahrscheinlich auch davon verabschieden, bei dem Wütend-sein stehen zu bleiben. Es ist zwar unfassbar, mit anzusehen, was wir im Moment sehen müssen. Die Waldbrände in den USA und in Brasilien, die Wirbelstürme und Unwetter, die Gletscherschmelze und die Abbrüche der Gletscher in Grönland. Aber stehen bleiben bei der Traurigkeit und der Wut darüber ist nicht die Lösung.

Ich denke, wir müssen dann wieder zurück zum Ausgangspunkt, zu dieser doch so herrlichen Geschichte aus dem Alten Testament. Es ist doch alles so wertvoll. Gott hat es eingerichtet. Und er hat es für uns so wunderbar eingerichtet. Und er hat den Menschen ihren Teil als Aufgabe gegeben. Wir haben auch das
gelesen und gehört eben. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass
er ihn bebaute und bewahrte.

Amen

Wir wollen beten:
Du menschenfreundlicher Gott.
Das Paradies war uns Menschen nicht genug, so beschreibt es die Bibel. Aber, wenn wir unsere Augen
auftun und genau hinschauen, dass ist auch diese Erde wunderschön. Und doch ist sie bedroht. Und die Bedrohung für diese Welt kommt nicht aus dem Dunkel, sondern wir selbst sind es immer wieder, die mit Deiner Schöpfung nicht so umgehen, wie wir es sollten und wie Du es uns geboten hast.
Wir blicken in die Welt und sehen so viel Not und Elend. Die Feuer an der Westküste der USA, die Stürme,
die langanhaltende Trockenheit auch bei uns. Die Katastrophen, die sich über die ganze Welt verteilen.
Lass uns klug werden. Lass uns klug werden und Acht geben auf diese Welt und aufeinander. Lass uns klug werden und Dir wieder mehr vertrauen und Deinem Wort wieder mehr folgen. Dass wir einander liebevoll begegnen, dass wir freundlich sind zu einander und zu Deiner wunderbaren Schöpfung. Dass wir nicht
immer „zu viel“ wollen, weil andere dadurch nicht selten „zu wenig“ haben.

Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 430 Gib Frieden, Herr, gib Frieden

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe
sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Vierzehnten Sonntag nach Trinitatis den 13.09.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 447 Lobet den Herren

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 146
Halleluja!
Lobe den Herrn, meine Seele!
Ich will den Herrn loben, solange ich lebe,
und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.
Verlasset euch nicht auf Fürsten;
sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.
Denn des Menschen Geist muss davon,
und er muss wieder zu Erde werden;
dann sind verloren alle seine Pläne.
Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist,
der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott,
der Himmel und Erde gemacht hat,
das Meer und alles, was darinnen ist;
der Treue hält ewiglich,
der Recht schafft denen, die Gewalt leiden,
der die Hungrigen speiset.
Der Herr macht die Gefangenen frei.
Der Herr macht die Blinden sehend.
Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind.
Der Herr liebt die Gerechten.
Der Herr behütet die Fremdlinge
und erhält Waisen und Witwen;
aber die Gottlosen führt er in die Irre.
Der Herr ist König ewiglich,
dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott. Was ist schon wieder alles geschehen in dieser Woche. Was mussten wir alles schon wieder
sehen und lesen. Und was mussten wir selbst erfahren. Mit all dem kommen wir heute zusammen und mit all dem kommen wir heute Morgen zu Dir. Lass uns den Gottesdienst als wohltuend und hilfreich erleben.
Komm uns nahe mit Deinem Wort, das Mut machen kann und Hoffnung schenken will. Bewege uns mit Deinem Geist. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Römerbrief im 8ten Kapitel in den Versen 14-17
Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!
Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind
wir auch  Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit
ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Im 19ten Kapitel des Lukas-Evangeliums steht, gleich am Beginn, das Predigtwort für heute:
Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der
war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen
Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. 5Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. 6Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.
Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.
Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.
Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. 10Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Liebe Gemeinde!
Wie oft haben wir sie schon gehört, diese Geschichte. In der Grundschule, in der Kinderkirche, in der Kinderbibelwoche, in den Gottesdiensten. Der Grund dafür ist einfach. Es ist eine wunderbare Geschichte, die so viel erzählt über Jesus und seine Menschenfreundlichkeit. Es ist eine Geschichte, die so viel erzählt
über Gott und seine Güte. Und so will ich diese Geschichte heute mit euch genießen. Wie man ein gutes
Essen geniest oder einen guten Film. Den kannst du ja auch schon 20mal gesehen haben und er ist immer noch schön und macht mit dir immer noch etwas. Also:

In der Geschichte heißt er Zachäus. Er könnte aber auch Frank heißen oder Sabine. Roland oder Melanie. In der Geschichte heißt er Zachäus. So will ich ihn nennen, aber ich will von uns erzählen. Von uns und von
Gott.

Zachäus hat scheinbar alles. Er ist reich. Er hat es in seinem Leben zu was gebracht. Nicht nur Zöllner,
sondern ein Oberer der Zöllner. Zachäus hatte scheinbar alles. Aber das dachten nur die anderen. Er selbst wusste es besser. Die Geldbeutel, die mögen voll gewesen sein. Aber sein Herz, das war leer. Wenn es drauf ankommt, dann ist es eben nicht das Geld, das zählt. Du kannst dir viel davon kaufen. Du kannst dir viel leisten. Aber ohne das wichtigste ist alles andere nichts.

Er hatte das Gefühl, dass er untergeht in der Masse. Klein wie er war. Er hatte das Gefühl, dass sein Geld
zwar etwas zählte, aber nicht er selbst. Und ich glaube, dass in so reichen Ländern wir dem unsrigen, dieses Gefühl gar nicht so selten ist. So ist Zachäus das Bild von einem Menschen, der voller Sehnsucht ist. Diese Sehnsucht lässt ihn Ausschau halten nach dem, was wirklich zählt. Diese Sehnsucht treibt ihn an diesem besonderen Tag auf die Straße. Und sieh treibt ihn auf den Maulbeerfeigenbaum. Ja, so groß ist seine Sehnsucht. So groß, dass er, der erwachsene Mann, sich nicht scheut auf einen Baum zu klettern. Dass er
sich dabei wahrscheinlich lächerlich macht vor den anderen, das ist ihm egal. Dass er zum Gespött der
ganzen Stadt wird und sie sich das Maul über ihn zerreißen werden, ist ihm egal. Die Sehnsucht in seinem Herzen, die Sehnsucht nach dem, was wirklich zählt, sie ist größer als die Angst vor der Blamage.

Und ja – ich glaube, dass diese Sehnsucht nach dem was wirklich zählt, gerade heute in vielen Menschen
ganz groß ist. Sie treibt auch heute Menschen an die ungewöhnlichsten Orte und lässt sie die unmöglichsten Dinge tun und versuchen. Lässt sie manchmal auch die seltsamsten Dinge glauben und kaufen und sagen
und anstellen.

Den Zachäus treibt die Sehnsucht aber nicht nur auf den Maulbeerfeigenbaum, sondern mitten in die Arme
von Jesus. Zachäus war nämlich einer, der erhoffte sich eben von diesem Jesus die Erfüllung seiner drängendsten Wünsche. Ich weiß nicht, ob er selbst wusste, was seine größte Hoffnung war. In der Bibel
heißt es einfach nur, dass es seine Sehnsucht war, zu sehen, wer dieser Jesus denn nun eigentlich wäre.

Und so will uns dieses Predigtwort erst einmal Mut machen, dass wir unserer Sehnsucht Raum geben. Manchmal geht es Menschen nämlich ähnlich wie es dem Zachäus hier geht. Manchmal da haben wir die Sehnsucht in uns, aber wir wissen gar nicht ganz genau, was es ist, was uns zufrieden machen würde. Deswegen probieren ja so viele Menschen so viel aus. Und deshalb probieren ja so viele Menschen auch
eine ganze Menge Unsinn aus. Nicht, weil sie sich das Leben vermiesen wollen, sondern weil die Sehnsucht
sie treibt und sie wissen gar nicht genau, was sie brauchen. Der Kirchenvater Augustin hat schon vor vielen hundert Jahren den wunderschönen Satz geprägt: Unser Herz ist unruhig, bis es ruht in Gott!

So ist es jedenfalls Zachäus gegangen. Die Sehnsucht treibt ihn auf den Maulbeerfeigenbaum. Und sie treibt
ihn in die Arme von Jesus. Denn das ist das nächste, was uns dieses Predigtwort sagt und verspricht: Dieser Jesus, der weiß genau, was wir brauchen zu unserem Glück. Jesus weiß genau, was wir brauchen, dass unser Herz, dass unsere Sehnsucht zur Ruhe kommt.

Vielleicht sind es bei uns ja andere Dinge. Bei Zachäus war es auf jeden Fall das: Er brauchte einen
Menschen, der ihm genau das sagt: Ich will heute bei dir einkehren. Ich muss heute in dein Haus kommen.
Das ist es, was du tief im Innersten brauchst: Die Gemeinschaft. Den einen Menschen, der Dich nimmt wie
du bist und der mit dir zusammen das Leben feiert.

Nein, Jesus erfüllt nicht alle unsere Wünsche. Aber denen, die zu ihm kommen, denen, die sich so wie
Zachäus nach ihm ausstrecken, denen füllt er das Herz, denen erfüllt er ihre tiefste Sehnsucht. Auch wenn sie selbst vielleicht gar nicht wissen, was die tiefste Sehnsucht ist.

Deswegen lädt uns dieses Predigtwort drittens dazu ein, dass wir uns immer wieder ausstrecken nach Jesus. Vielleicht haben wir gerade keinen Maulbeerfeigenbaum in der Nähe auf den wir klettern könnten.
Aber vielleicht ist der Stuhl, auf dem du nachher sitzt oder der Sessel oder das Sofa, vielleicht ist das dein Maulbeerfeigenbaum. Und du sagst: „Jesus, mein Herr, schenke mir, was ich wirklich brauche, lass mich
finden, was ich wirklich suche.“
Amen


Wir wollen beten:

Du menschenfreundlicher Gott.
Ein brennendes Lager. Das war eines der Bilder dieser Woche. Menschen, die vorher schon in Not waren,
sind in noch größere Not geraten. Und man kann viel beraten und diskutieren. Man kann viel ausrechnen und aufrechnen. Hilf uns, guter Gott, die Not der anderen als unsere Not zu sehen. Lass die Staatengemeinschaft menschenwürdige Lösungen finden. Mache die harten Herzen weich. Da, wo Not ist, da kann und darf es
nicht einfach so bleiben wie es ist.
Sei Du uns nahe.
Da, wo Not ist, sei Du da mit Hilfe. Wie immer die Not auch heißen mag. Hunger, Kälte, Feuer, Einsamkeit, Krankheit, Hass, Herzenskälte, Verbitterung, Verblendung, Neid und Missgunst. Stehe den Schwachen bei
und den Hilflosen. Lass immer wieder und überall Menschen zu der Einsicht kommen, dass sie selbst mit
ihrer kleinen Kraft diese Welt besser machen können. Und lass uns damit anfangen. Nicht erst morgen! Auch diese Sehnsucht wecke in uns.
Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 347 Ach bleib mit deiner Gnade

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Dreizehnten Sonntag nach Trinitatis den 06.09.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 352 Alles ist an Gottes Segen

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 112
Halleluja! Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten!
Sein Geschlecht wird gewaltig sein im Lande; die Kinder der Frommen werden gesegnet sein.
Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein, und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis, gnädig, barmherzig und gerecht.
Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist!
Denn er wird niemals wanken; der Gerechte wird nimmermehr vergessen.
Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN.
Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht, bis er auf seine Feinde herabsieht.
Er streut aus und gibt den Armen; / seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Sein Horn wird erhöht mit Ehren.  Der Frevler wird's sehen und es wird ihn verdrießen; / mit den Zähnen wird er knirschen und vergehen. Denn was die Frevler wollen, das wird zunichte
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Du liebender Gott. Wir bitten Dich um Deine heilende Gegenwart in diesem Gottesdienst. Wir bitten Dich
um die frohmachende Kraft Deines Geistes. Wir bitten Dich um offene Herzen und Ohren für Dein Wort.
Wir bitten Dich darum, dass wir uns in diesem Gottesdienst von Deiner Liebe getragen und gehalten fühlen. Das bitten wir Dich im Namen unseres Herren und Heilandes Jesus Christus. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Ersten Johannesbrief im dritten Kapitel in den Versen 4-7
Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott.
Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.
Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.
Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und
gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.

Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.
Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Im 6ten Kapitel der Apostelgeschichte steht, gleich am Beginn, das Predigtwort für heute:
In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.  Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen.
Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und
voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst.
Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.
Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia.
Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf.
Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

Liebe Gemeinde!
Das ist ein Predigtwort, das die unendlich ermutigen kann, die sich in diesen Zeiten Sorgen um die Kirche machen. Genauer gesagt: Die sich Sorgen machen um die Kirche, wie wir sie kennen. Es ist ein ermutigendes Wort. Und ich fange mit dem Ende des Predigtwortes an, und sage das wichtigste gleich zu Beginn.
Was ist da passiert. Die Verantwortlichen in der Kirche haben gemerkt, dass sich etwas ändern muss. Dass sie neue Kräfte brauchen. Dass sie Menschen brauchen, die sich stark machen für die Menschen, die drohten, abgehängt zu werden. Die Zwölf, die Apostel, sie merkten, dass sie mit der stark wachsenden Kirche überfordert sind, wenn sie alles selbst machen wollten. Sie brauchten Fachpersonal. Und deshalb suchten sie nicht nach Predigern des Wortes Gottes mit dem Mund. Sondern sie suchten nach Predigern des Wortes Gottes mit den Händen. Nach Menschen, die das Wort Gottes ganz anders unter die Menschen brachten. Mit Taten der Nächstenliebe. Und das Ergebnis: Das Wort Gottes breitete sich aus! Sie hatten keine Prediger eingestellt, aber das Wort Gottes breitete sich aus!

Und was hier erst einmal merkwürdig klingt, das macht mir unendlich viel Mut. Und ich will gleich springen in unsere Zeit. Gar nicht mehr erzählen von damals, von dem Murren der Menschen damals, weil sie sich von der Kirche nicht mehr angesprochen fühlten, weil sie Angst hatten, auch bei der Kirche hinten runter zu fallen.
Ich will gleich springen in unsere Zeit.
Aber ich springe mit euch, wie man es in der Leichtathletik beim Dreisprung macht. Abspringen tun wir da, wo wir eben in der Bibel dieses ermutigende Wort gehört haben. Der erste Zwischensprung endet bei der Erkenntnis der Reformatoren, die sich dann, beim zweiten Zwischensprung in einem Satz von dem großen Theologen Karl Barth, der diese reformatorische Erkenntnis am besten ausdrückt, auch wenn es erst einmal Latein ist. Ecclesia semper reformanda! Auf Deutsch: Die Kirche muss immer reformiert werden.
In Klartext: Die Kirche muss für jede Zeit, für je ihren Ort, für je ihre Situation immer wieder neu überlegen: Wie kann ich meiner Aufgabe als Kirche gerecht werden? Wie kann ich Gottes Wort verkündigen und unter die Menschen bringen? Und dafür muss sich die Kirche eben jeden Tag auf den Weg der Reformation begeben. Jeden Tag muss die geschehen. Jeden Tag muss die alte Kirche neu werden. Muss hineinschauen in das Evangelium und hineinschauen in die Welt. Muss genau hinhören auf Gottes Wort und hinhören auf die Fragen der Menschen und deren Sorgen.

Wer will, dass die Kirche lebendige Kirche bleibt. Wer will, dass die Kirche die fröhliche Verkündigerin des Wortes Gottes bleibt, wer will, dass sie die Menschen in der Kirche zuhause führen, der muss immer wieder mutig neue Wege gehen. Genau dazu fordert uns doch dieses Predigtwort auf! Und es macht uns eben deutlich, dass das jetzt keine neue Idee ist, neue Ideen in die Kirchen zu bringen, sondern uralte kirchliche Tradition.
Man merkt es an vielen Stellen. Ich denke nur an die Kirchenmusik. Der Wandel dort ist unglaublich.
Im Alten Testament haben sie die Psalmen gesungen und sie haben dazu Instrumente gespielt. Grob gesagt: Schlagzeug, Posaune und Gitarre. In der jungen Kirche ist von Musik nicht die Rede. Vielleicht hat man sich gesagt: Wir wollen nicht auffallen in unseren Gottesdiensten und Musik und Singen fällt auf.
Dann wurde die Kirche anerkannt. Und der Gesang bestimmte über Jahrhunderte die Gottesdienste. Instrumente waren verpönt und kamen nicht vor. Der mehrstimmige Gesang war die Kirchenmusik.
Im 14ten Jahrhundert kam die Orgel in manchen Kirchen vor, weil sich der damalige Papst nicht ganz der neuen Kunst verschließen wollte. Und langsam entwickelte sich das, was wir als Kirchenmusik immer noch kennen. Mit Bach und anderen kamen dann auch die Geigen und die anderen Orchesterinstrumente in die Gottesdienste und Messen. Mit der Reformation gab es das erste Mal Chöre in den Kirchen, die nicht aus Mönchen und professionellen Sängern bestanden. Das, was wir heute als Kirchenchöre kennen, hat seinen Beginn erste in der Singbewegung zu Beginn des 20sten Jahrhunderts gehabt. Ja, erst seit Luther wird in den Gottesdiensten von der Gemeinde gesungen. Auch das war vorher die Ausnahme. Sie merken es, immer wieder findet die Kirche neue Ausdrucksmöglichkeiten. Heute gibt es sogar Gospelchöre und Bands. Und gerade in den sogenannten Freikirchen gehört diese Musik zum festen Bestandteil des gottesdienstlichen Lebens.

Aber die Musik ist ja nur ein Beispiel! Kirche sein bedeutet immer und bedeutete schon zu allen Zeiten, dass wir Gottes Wort für die Menschen in diese sich ändernde Welt hinein verkündigen. Mit Herzen, Mund und Händen, wie es in einem Lied so schön heißt. Und wie dankbar können wir dann für solche ermutigenden Predigtworte sein. Machen sie uns doch deutlich, dass wir gebraucht werden. Gerade im Moment, jeder und jede von uns. Machen sie uns doch deutlich, dass wir gebraucht werden, um Teil dieser Kirche zu sein. Gerade in Zeiten wie diesen brauchen wir diese Mutmacher aus der Bibel.

Vieles verändert sich in diesen Tagen. Die Kirchengemeinden werden sich verändern. Nicht nur, weil der Pfarrer irgendwann dann auch in Pension geht. Kirche wird sich umorientieren müssen. Sie wird sich anders aufstellen müssen. Und sie wird sich anders aufstellen MÜSSEN, und das müssen muss groß geschrieben werden, wie wird sich anders aufstellen MÜSSEN, nicht aus einer Not heraus. Nicht weil das Geld fehlt,
nicht weil die Kirchenmitglieder weniger werden, nicht weil die Pfarrer und Pfarrerinnen weniger werden. Nicht aus einer Not heraus muss sie sich umstellen, sondern weil es ihre Aufgabe ist. Weil es dran ist. Weil wir wieder Wege finden müssen, das Wort zu den Menschen zu bringen mit Herzen, Mund und Händen.

Das MUSS ist kein Zeichen der Not, sondern verbunden mit der herrlichen Verheißung, dass Gott den Weg kennt und mitgeht. So wie wir es im Predigtwort heute hören und so wie es die Menschen damals erlebt haben. Und weil Gott mitgeht, ist das MUSS auch ein KANN. Kirche kann sich verändern. Und weil Gott mitgeht und seinen Segen darauf legt, ist das KANN auch ein WILL. Wir können und dürfen und also auch: Wir wollen uns darauf einlassen. Das wünsche ich mir. Das ist unser Auftrag als Kirche in und an dieser Welt.
Amen

Wir wollen beten:
Du heiliger Gott.
Von Deinem Wort her ist Deine Kirche geworden. Aus Deinem Wort und Deinen Verheißungen lebt Deine Kirche. In der Kraft des Heiligen Geistes geht sie durch diese Welt. Mit der Botschaft der Versöhnung durch Jesus Christus will sie die Menschen trösten und ermutigen. Wir danken Dir, wo das heute schon gelingt. Und wir bitten Dich: Lass es Deiner Kirche immer mehr gelingen. Schenke ihr die Kraft des Geistes, die Liebe des Sohnes und die Barmherzigkeit des Vaters, dass sie ihren Weg gehen kann.
Denn die Welt braucht genau das. Die Liebe und die Barmherzigkeit, die Liebe zur Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit der Toleranz, die Liebe zur Wahrheit und die barmherzige Vergebung.

Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 250 Ich lobe dich von ganzer Seele

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Zwölften Sonntag nach Trinitatis den 30.08.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 452 Er weckt mich alle Morgen

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 147
Lobet den HERRN! / Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding,
ihn loben ist lieblich und schön.
Der HERR baut Jerusalem auf
und bringt zusammen die Verstreuten Israels.
Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind,
und verbindet ihre Wunden.
Er zählt die Sterne
und nennt sie alle mit Namen.
Unser Herr ist groß und von großer Kraft,
und unermesslich ist seine Weisheit.
Der HERR richtet die Elenden auf und stößt die Frevler zu Boden.
Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten,
die auf seine Güte hoffen.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Du liebender Gott. Gestern haben wir Konfirmation gefeiert in unserem Kirchspiel. Und wir legen Dir auch heute die jungen Leute noch einmal ans Herz. Lass sie immer wieder Deine Freundlichkeit spüren. Hilf auch uns heute Morgen, dass wir es schaffen, Deine Güte in unserem Leben zu sehen. Mache auch diesen Gottesdienst zu einer Stunde, die uns gut tut und Frieden in uns bringt. So komme Du mit Deinem Geist. Das bitten wir Dich im Namen unseres Herren Jesus Christus. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Markusevangelium, im 7. Kapitel in den Versen 31-37:
Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer,
mitten in das Gebiet der Zehn Städte.
Und sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege.  Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte aus und berührte seine Zunge
und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!
Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig.  Und er gebot ihnen, sie sollten's niemandem sagen. Je mehr er's ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus.
Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen:
Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.

Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen


Die Predigt
Im 1. Korintherbrief im dritten Kapitel steht das Predigtwort für diesen Sonntag. Es sind die Verse 9-17:  Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein
anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,
so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.
Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.
Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig –
der seid ihr.

Liebe Gemeinde!
Ganz viele ganz handfeste Bilder sind in diesem Predigtwort. Vom Bauen ist die Rede. Vom richtigen Fundament. Davon ist die Rede, wer der Architekt ist und was gebaut wird. Wie das Baugrundstück aussieht und was für Baumaterialien verwendet werden sollen. Natürlich auch davon, wer denn die Handwerker sind, die das Bauwerk schließlich errichten und auch, nicht ganz unwichtig, was für ein Bauwerk am Ende auf dem Fundament stehen soll.
Alles nur Bilder. Bilder, die für etwas anderes stehen.
Fangen wir mit dem Fundament an. Wie man das bei einem Hausbau macht. Das Fundament ist die Grundlage. Wenn das Fundament nicht stabil und sicher ist, dann kannst du darauf bauen was du willst und wie du willst, es wird keinen Bestand haben. Das Fundament ist entscheidend.
Und das Fundament ist Jesus Christus. Auf ihn bauen wir und auf ihn kannst du bauen. Und am Besten baut man nicht mit Heu oder Stroh. Am besten baut man mit guten Materialien. Das wertvollste, was du dir vorstellen kannst, das ist mit Gold und Silber und Edelsteinen zu bauen. Ein sicheres Fundament und dann mit Edelsteinen bauen. Was muss da für ein wunderbares Bauwerk herauskommen. Ein Tempel. Großartig und wertvoll. Und wisst ihr nicht, sagt Paulus, wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid.

Wer das begreift, mit dem geschieht etwas in seinem Leben. Der erkennt. Mein Leben hat ein unglaublich sicheres Fundament. Jesus Christus. Dieses Fundament besteht aus reiner Liebe. Der Architekt, Gott, der hat dafür gesorgt, dass an diesem Fundament nicht gerüttelt werden kann. Das hält alle Erschütterungen aus. Da kann kommen was will. Dieses Fundament, diese Liebe, ist unerschütterlich. Wir mögen Menschen begegnen, die uns zeigen, dass sie mit uns nichts anfangen können oder nichts anfangen wollen. Wir werden manchmal vielleicht sogar morgens in den Spiegel schauen und mit uns selbst nichts anfangen können. Wir werden vielleicht manchmal mit riesengroßen Fragezeichen auf de Stirn durch das Leben gehen, weil wir überhaupt nicht verstehen können, was da gerade passiert bei uns und mit uns. Und doch kann das alles nicht an der Tatsache ändern und rütteln, dass wir getragen und gehalten sind von der Liebe Gottes. Und das schöne ist, dieses Fundament, das ist ein lebendiges Fundament, das ist nicht wie bei einem Haus. Das ist eben da, wo es gelegt ist und da bleibt es. Das lebendige Fundament der Liebe, das geht mit. Das ist lebendig. Das besteht aus Menschenherzen. Aus Menschengefühlen, aus Menschenliebe. Sie, wie die Menschen erst richtig verstanden haben, dass Gott sie liebt, als er es ihnen durch einen Menschen gezeigt hat, durch Jesus. So ist das geblieben. Gottesliebe geht durch Menschenherzen und Menschenhände. Und immer sollen da Herzen sein, die für uns schlagen und Hände sein, die für uns da sind. Darauf dürfen wir vertrauen. Das ist der Grund auf dem unser Leben steht. Gemacht von Gott, als Menschenhänden und Menschenherzen, bestehend aus Vertrauen und Hoffnung, Geduld und Güte, Vergeben und Verzeihen! Ist das nicht wundervoll.

Und auf dieser Grundlage nun, da ist dieser Tempel gebaut. Da stehst du und da stehe ich. Gebaut aus den wertvollsten Materialien. Kostbar und wertvoll. Auch das will Dir dieses Bild des Paulus deutlich machen. Dieser Architekt, Gott, hat Dich kostbar und wertvoll erschaffen. Nach seinem guten Plan. Hat Dich ausgestattet mit dem, was wichtig ist und gut. Hat Dir das mit auf den Weg gegeben, was Dich diesen Weg gehen lässt. Hat Dir Augen für die Schönheiten dieser Welt gegeben, Ohren für die Musik und die guten Worte der anderen. Einen Mund, der Dich so wunderschöne Dinge sagen lässt wie: Ich habe dich lieb. Ich verzeihe dir, ich bin für dich da.

So ist das. Nicht: „Alles kann gut werden!“ Sondern: „Alles ist gut gemacht an mir und mit mir!“ Aber da ist noch eines, das kann und das will ich nicht verschweigen. Noch ein anderes Bild führt Paulus hier ein. Es ist das Bild, in dem nicht Gott der Architekt des Lebens ist, sondern auch ich selbst. Nichts von dem, was ich bisher gesagt habe, ändert sich dabei. Das Fundament bleibt die Liebe Gottes. Der Tempel, das bin Du, der ist wundervoll gemacht. Aber Du selbst baust eben auch auf diesem Fundament. Und das ist ja auch genau so. Uns ist das Leben geschenkt. Es basiert auf der Liebe Gottes. Uns ist so vieles, so vieles an Gutem mit auf den Weg gegeben. Aber eben auch die Freiheit, dass wir nun selbst auch mit entscheiden müssen, was wir da bauen, wie wir unser Leben gestalten wollen. Auf diesem Grund, der so sicher ist, kann und musst Du selbst entscheiden, wie DU bauen willst. Du kannst mit Edelsteinen bauen, du kannst Mist bauen. Es ist Dein Leben, das Gott Dir schenkt, dass Du daraus machst, was DU willst.

Wie schade aber wäre es, wenn man auf einem so sicheren Fundament der Liebe etwas mit Hass baut oder mit Wut oder mit Verachtung oder mit Gleichgültigkeit. Wie schade wäre es, wenn man auf diesem Fundament der Liebe nicht ein Leben lebt, was eben diesem Grund entspricht.

Wir wollen beten:
Du menschenfreundlicher Gott.
Hilf uns immer wieder, zu erkennen, auf welch einem Fundament unser Leben gebaut ist. Lass uns immer wieder gewahr werden, dass es die Liebe ist, dass es Deine Liebe ist, die uns trägt und die uns Halt gibt. Dass es Deine Liebe ist, die uns mutig durch das Leben gehen lässt, dass es Deine Liebe ist, die uns die Kraft gibt, auch schwere Zeiten durchzustehen. Lass uns spüren, wie uns Deine Liebe durch Menschenaugen anschaut, wie uns Deine Liebe in Menschenworten anspricht und wie uns Deine Liebe in Menschenherzen begegnet und begleitet. Und nutze auch uns dazu, dass wir in deinem Namen Guten tun für und an anderen. Schenke überall auf der Welt Deinen Kindern die Kraft, Zeichen Deiner Liebe zu werden, zu sein und zu bleiben. Lass die Einsamen gute Begegnungen haben, die Verzweifelten gute Helfer, die Traurigen gute Tröster, die Hungrigen freigiebige Freude, die Kranken fürsorgliche Begleiter und die Schwachen tatkräftige Unterstützer. Hier bei uns und überall auf der Welt.

Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 354 Ich habe nun den Grund gefunden

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Elften Sonntag nach Trinitatis den 23.08.2020

Schön, dass Sie auch heute wieder unsere Homepage besuchen und den Gottesdienst mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 412, So jemand spricht: “ich liebe Gott“

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 145
Ein Loblied Davids.
Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich.
Ich will dich täglich loben und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.
Der HERR ist groß und sehr zu loben, und seine Größe ist unausforschlich.
Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten verkündigen.
Sie sollen reden von deiner hohen, herrlichen Pracht; deinen Wundern will ich nachsinnen.
Sie sollen reden von deinen mächtigen Taten, und ich will erzählen von deiner Herrlichkeit;
sie sollen preisen deine große Güte und deine Gerechtigkeit rühmen.
Gnädig und barmherzig ist der HERR,
geduldig und von großer Güte.
Der HERR ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke.
Der HERR hält alle, die da fallen, und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.
Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.
Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Du Gott des Friedens. Lass uns heute Morgen wieder zur Ruhe kommen. Wir haben es nötig. Der Sommer ist nicht so ausgelassen und er ist nicht so leicht gewesen, wie man anderer Sommer war. Immer sind da Befürchtungen und Sorgen. Immer wieder schlechte Nachrichten. Immer wieder! Komm mit deiner guten Nachricht in unser Leben. Lass uns heute hören und spüren, wie DU uns gut tun kannst in dieser unsicheren Zeit. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Epheserbrief im 2ten Kapitel. Es sind die Verse 4 bis 10:
Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,
auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet - und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus,
damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine
Güte gegen uns in Christus Jesus.
Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,
nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.

Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Im Lukasevangelium im 18ten Kapitel steht das Predigtwort für diesen Sonntag. Es sind die Verse 9-14:
Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:
Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein
Zöllner.
Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.
Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an
seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht,
der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Liebe Gemeinde!
Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir leben miteinander in unseren engeren Beziehungen, wie leben nebeneinander in unseren Nachbarschaften. Und manchmal, das leben wir auch füreinander in unseren Freundschaften und ganz engen Beziehungen. Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen einander und sind so oder so aufeinander angewiesen. Wer das nicht sehen kann und wer das nicht sehen will, den nennt man dann auch manchmal unsozial.
Das ist so gut und so wichtig und hilfreich, dass wir als soziale Wesen eine Auge füreinander haben. Aber manchmal, da bringt dieser Blick auf den anderen auch Probleme mit sich. Wenn es gut läuft, dann schaue ich auf den anderen und sehe seine Not und sehe ihren Kummer und bin da und helfe. Tief im innersten stelle ich dann für mich fest: Ach, mir geht es ja ganz gut. Und so kann mich der Blick den anderen oder die andere manchmal nicht nur hilfsbereit, sondern auch dankbar machen.
Aber manchmal, da geschieht halt auch das Gegenteil. Da schaue ich auf den anderen und ich fange an, mich zu vergleichen mit ihm oder ihr. Und gerade in Deutschland wird uns ja unterstellt, dass wir so etwas wie eine Neidgesellschaft hätten. Dann schaue ich auf das, was der andere scheinbar mehr hat. Und anstatt zufrieden zu sein mit dem, was ich habe, werde ich unzufrieden. Und dann ist da keine Hilfsbereitschaft mehr. Dann verschließt man sich voreinander. Dann gönnt man dem anderen sein scheinbares Glück nicht. Und, was noch tragischer ist: Man sieht das eigene Glück gar nicht mehr. Der hat’s gut. Die hat’s geschafft. Schon die erste Katastrophe in der Bibel beschreibt genau das, der Streit zwischen den Brüdern Kain und Abel.

Viel geht dabei kaputt. Manchmal sogar Freundschaften. Oft aber doch eigentlich ganz gute Bekanntschaft. Wie schade, wie unendlich schade. Die Gemeinschaft leidet darunter und wir – als soziale Wesen – am allermeisten. Und wissen sie, was für mich das Schlimmste daran ist: Wir leben in einer Zeit, in der wir Menschen nicht selten aufgefordert werden, genau das zu tun. Neidisch aufeinander zu schauen. Denn das mit dem immer mehr haben wollen, das funktioniert nur, wenn da dieser dumme Neid ist. Was der hat, das will ich auch.

Wir Menschen sind soziale Wesen. Um einen ganz ähnlichen Sachverhalt geht es in unserem heutigen Predigtwort. Sozusagen um eine zweite Seite der Medaille. Manchmal, da schaue ich nicht auf den anderen – scheinbar von unten nach oben, neidisch und unzufrieden. Manchmal, da schaue ich auf den anderen, scheinbar von oben nach unten – selbstgefällig und selbstzufrieden. So wie der Pharisäer in dieser Erzählung. Gut, dass ich nicht so bin wie der, gut, dass ich besser bin und größer und wichtiger und frömmer und klüger. Und was bringt auch das für eine Not in die Gesellschaft und das Miteinander, wie man besonders gut in diesen Jahren in den USA sehen kann. Dieser Donald Trump, der nicht müde wird, immer und immer wieder zu betonen, dass er doch der beste ist und der gerissenste und der beste Dealmaker aller Zeiten. Aber schießen wir uns nicht auf diesen einen ein.

Es ist Menschlich! Weil wir eben soziale Wesen sind, ist es manchmal nicht so einfach mit diesem Miteinander. Das merken wir immer wieder, wie schnell auch wir da an unsre Grenzen stoßen. Und das, was ich bis jetzt in der Predigt gesagt habe, das ist noch nicht einmal das, was es zu sagen und zu hören gibt als Christinnen und Christen, das ist vielmehr das, was für alle Menschen gelten sollte. Das ist das, was man humanistisch nennt, das, was uns Menschen ausmachen könnte. Für uns als Christinnen und Christen ist da noch mehr, was wir zu hören bekommen. Und damit sind wir dann ganz nah an dieser biblischen Geschichte.

Denn was dort beschrieben wird, das geschieht nicht im menschlichen Miteinander im Alltag, das geschieht im Tempel vor Gott. Das ist ganz wichtig zu begreifen, denn sonst könnte man das Ende der Geschichte schnell missverstehen. Dort heiße es nämlich, es wäre besser, man würde sich selbst erniedrigen. Und das ist, um es mal vorsichtig auszudrücken durchaus missverständlich. Es geht eben nicht darum, dass man sich klein macht, dass man sich selbst klein macht, dass man vielleicht aufrecht unter einem Teppich durchgehen kann. Es geht nicht darum, sich selbst schlecht zu machen. Sich selbst vielleicht sogar schlimmes anzutun. Hier geht es nicht um Erniedrigung im Allgemeinen. Was sollte das auch an Gutem mit sich bringen. Wie könnte Gott daran gelegen sein.

Es geht vielmehr um diese besondere Situation, die hier beschrieben wird. Die Situation, in der wir Menschen begreifen, dass wir vor Gott stehen. Die Situation, in der wir Menschen begreifen, dass es da einen Gott gibt, der über uns steht.

Begreifen wir das, dann erkennen wir, dass es lächerlich wäre, sich vor diesem Gott groß zu tun. Dass es lächerlich ist, was der Pharisäer da tut. Will der mit seinen paar guten Taten sich vor Gott selbst rechtfertigen? Wenn wir vielmehr die Macht und die Größe Gottes anerkennen, dass merken wir, wie klein wir Menschen sind. Wie wenig wir wissen, wie wenig wir können. Wie klein unsere Liebe ist gegenüber der großen Liebe Gottes. Wie klein unser Wille zum Frieden ist gegenüber der Güte Gottes. Aber diese Erkenntnis soll ja nicht dazu führen, dass wir nun am Boden zerschlagen sind. Schließlich liebt dieser große Gott uns kleine Menschen.

Aber es kann uns immer wieder zeigen, dass da, wo wir zwischen uns Menschen Unterschiede und Grenzen ziehen, doch ganz falsch liegen. Wer will sich im Wissen um die Größe Gottes vor den Menschen hinstellen und sich selbst groß machen. Das ist doch lachhaft. Und andersrum auch: Wer muss sich – der Größe der Liebe Gottes bewusst – hinstellen und meinen, man würde zu kurz kommen und müsste neidisch auf andere schauen? Ist es nicht vielmehr so, dass dann, wenn wir die wunderbare Größe Gottes erkennen, dass wir dann anfangen können, menschlich miteinander umzugehen. Niemanden von oben herab behandeln. Denn oben ist nur Gott alleine. Und niemanden schlecht machen, denn gut ist nur Gott alleine. Amen

Wir wollen beten:
Du großer Gott.
Wir wissen es. Es ist, wie es der Zöllner gesagt hat. Wir sind immer wieder Sünder. Immer wieder gelingt uns nicht, was doch so wichtig wäre. Immer wieder sind auch wir nicht in der Lage, ein gutes Miteinander werden zu lassen. Immer wieder spüren wir auch in uns den Neid oder sehen uns über und vor anderen. Aber wir wissen auch, dass das nicht gut ist. Wir sehen es an vielen Orten dieser Welt. Zu viele Menschen werden klein gemacht und klein gehalten und zu viele machen sich groß und halten andere klein.
Zu oft zählt nicht Dein Wille, sondern unser Wille scheint uns wichtiger. Hilf uns! Hol uns da raus aus
diesem falschen Denken. Lass die Menschen in dieser Welt immer wieder so begegnen, dass sie aus diesen Begegnungen Kraft schöpfen und Mut. Lass das den Politikerinnen und den Politikern gelingen. Lass es in unseren Schulen gelingen, in unseren Dörfern und in unseren Familien. Lass auch unsere Gesellschaft geprägt sein von einem guten Miteinander. Du kannst uns dazu die Kraft schenken, die wir brauchen.

Und in der Stille bringen wir vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 632 Wenn das Brot, das wir teilen

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Zehnten Sonntag nach Trinitatis den 16.08.2020

Der 10te Sonntag nach Trinitatis ist in unserer Kirche der Israel-Sonntag. Und damit ist das Thema schon beschrieben. Es geht um Israel. Es geht um die Frage nach den Wurzeln unseres Glaubens. Es geht um die Frage, was Erwählung heißt.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 407 Stern auf den ich schaue

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 122
Von David, ein Wallfahrtslied.
Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Hause des HERRN!
Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.
Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll,
wohin die Stämme hinaufziehen,
die Stämme des HERRN, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des HERRN.
Denn dort stehen Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David.
Wünschet Jerusalem Frieden! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben!
Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen
Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.
Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Die gütiger Gott. Wie gut, dass wir heute wieder Gottesdienst feiern dürfen. Dass wir zu Dir kommen dürfen mit allem, was wir auf dem Herzen haben. Wie gut, dass wir Dein Wort hören dürfen. Lass es uns zum Trost und zur Quelle der Kraft und der Hoffnung werden. Schenke Deinen Geist hinein in den Gottesdienst, dass Dein Wort lebendig wird und so unser Leben reicher macht. Lass uns nicht leer aus diesem Gottesdienst gehen sondern voller Mut und dem Willen zum Frieden und zur Liebe. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung steht im Markusevangelium im 12ten Kapitel ab Vers 22 geschrieben
Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen?
Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5.Mose 6,4-5).
Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.
Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm;
und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben
wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.
Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Im 11ten Kapitel des Römerbriefs findet sich das Predigtwort für diesen Sonntag. Nachzulesen ab Vers 25.  Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für
klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist.
Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob.
Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.«
Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte
um der Väter willen.
Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.
Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams,
so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen.
Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.


Liebe Gemeinde!
Der Israelsonntag, das ist – gerade auch in unserem Land – immer wieder ein schwer beladener Tag. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass es diesen Tag gibt. Zu oft sind wir in unseren Kirchen der Versuchung erlegen und haben gegen die eigene Botschaft und gegen unsere eigenen Wurzeln gepredigt. In der unseligen Zeit des dritten Reichs ist immer wieder betont worden, dass es doch der Rat der Juden gewesen sei, der Jesus ans Kreuz gebracht hat. Und schon waren die Juden die bösen, die Mörder.
Und auch in unseren Zeiten gibt es noch genug Verblendete, die auf dieser Schiene argumentieren.

Ganz vergessen wurde bei diesen Predigten, dass es zum einen Gottes Wille war, dass Jesus ans Kreuz gegangen ist für unsere Schuld. Und ganz vergessen wurde gerne, dass Jesus selbst Jude war und seine Freunde auch. Und dass er viele Anhänger hatte in Israel. Und dass sich die Menschen damals durchaus der gemeinsamen Wurzeln bewusst gewesen sind. Jesus selbst hat es immer wieder deutlich gemacht.

Er nennt den Gott des Alten Testamentes seinen Vater. Er zitiert immer wieder das Heilige Buch der Juden, das dann auch zum Heiligen Buch der Christinnen und Christen geworden ist. Er zitiert immer wieder das Alte Testament, wie er es auch in der Schriftlesung heute tut, wenn er vom Gebot der Nächstenliebe redet. Das bedeutet auch: er zitiert das Alte Testament nicht nur einfach so. Er nimmt immer wieder Bezug darauf und stellt es seinen Freunden mit seinen herrlichen Verheißungen als Hoffnungsbuch vor und mit seinen guten Geboten als Lebensbuch. Die 10 Gebote und eben auch das Gebot der Nächstenliebe sind nur zwei Beispiele für viele.

Und Jesus ist es auch, der die Geschichte des Volkes Israel und die Verheißungen für das Volk Israel mit unserer Geschichte verbindet. Nicht umsonst haben wir viele Worte aus dem Alten Testament tief in unserem Glauben verankert. Denken sie nur an den Psalm 23. Denken sie an die wunderbaren Verheißungen aus dem Jesaja-Buch. Jesus selbst sieht sich als die Erfüllung all der wunderbaren Verheißungen der Propheten. Er ist der Friedefürst, er ist der Messias.

Und auch das ist noch nicht alles. Wie sehr wie mit unserem christlichen Glauben auch in der Botschaft des Alten Testamentes wurzeln zeigt sich vor allem daran: Es gäbe auch 100te von wunderschönen Lieder nicht ohne die erfüllenden Worte aus dem Alten Testament. Ich bin mir sicher, bei manchen Liedern ist es ihnen klar. Es gäbe nicht „Es ist ein Ros entsprungen, denn das ist aus der Verheißung des Jesaja entstanden. Es gäbe nicht „Macht hoch die Tür“. Die offene Türe ist ein herrliches Bild aus dem 24sten Psalm. Und auch Jesus selbst redet dann davon, dass er die Türe ist, durch die man eingehen kann zum Vater. Natürlich gäbe es auch „Tochter Zion“ nicht. Kein „Nun jauchzt dem Herren alle Welt“, kein „Wohl denen die da wandeln“, kein „Du meine Seele singe“. Muss ich weitermachen. Gerade bei den Liedern in denen es um das Vertrauen in Gott geht, wimmelt es nur so von Bildern aus dem Alten Testament: Es gäbe kein „Befiehl du deine Wege“. Denn es ist der 37ste Psalm, der sagt: Befiel dem Herren deine Wege und hoffe auf ihn, er wird wohlmachen. Und sie wissen es wahrscheinlich selbst, wenn man die Anfangsworte bei Paul Gerhard hintereinander liest, dann ergeben sie genau dieses Wort. Es gäbe auch kein „Ein feste Burg ist unser Gott“. In Psalm 46 heißt es: Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge.
All das sind Bilder aus dem AT, aus den Psalmen, die wir immer noch singen und hören und die uns so wohlvertraut sind.

Und es gäbe ein Trostbild nicht, das ich euch heute ganz besonders ans Herz legen will. Es gäbe nicht das Bild vom himmlischen Jerusalem! Im 21sten Kapitel des letzten Buches der Bibel, in der Offenbarung, wird uns ein wundervolles, großartiges und unfassbar tröstliches Bild vor Augen gestellt.
So, wie für die Menschen zur Zeit Jesu die Stadt Jerusalem zum Sehnsuchtsort geworden war. Die Stadt mit dem Tempel. Die Stadt, auf der all die Verheißungen liegen. So beschreibt die Offenbarung mit diesem Bild nun den neuen Sehnsuchtsort. Das neue Jerusalem. In seiner Pracht noch gewaltiger als das irdische. Der Ort, an dem Gottes Gegenwart spürbar ist. Der Ort, an dem es keine Tränen und kein Leid mehr gibt. Ja, der Ort, an dem es keine Nacht und keine Kriege mehr gibt. Der Ort, an dem nur die Liebe zählt. Jerusalem, Jerurelajim. Salam steckt da drin – im arabischen, Schalom im hebräischen. Frieden bedeutet das in beiden Sprachen.

Natürlich wird daran auch deutlich, dass wir noch weit weg sind vom Frieden. Dort in Jerusalem, zwischen der arabischen Welt und der jüdischen. Natürlich wird deutlich, dass wir auf der ganzen Welt noch einen weiten Weg zu gehen haben. Dass das neue Jerusalem wirklich ein himmlisches ist. Für uns hier auf der Erde noch weit weg. Aber es wird doch auch deutlich, dass wir neben den gemeinsamen Wurzeln auch eine gemeinsame Hoffnung haben.

Dass Friede wird und Friede ist. Dass Gott diese Welt befreit von dem Hass und dem Streit. Und – das sagt die Offenbarung eben auch: Am Ende, da werden alle kommen. Sie alle kommen dann zusammen und staunen über die Größe und die Freundlichkeit Gottes.

Wir wollen beten:
Du großer Gott.
Vieles von dem, was in der Welt geschieht ist nicht gut. Manches ist sogar böse.
Es ist manchmal zum Verzweifeln. Wenn wir sehen, dass gute Pläne scheitern. Wenn wir sehen, dass gute Vorhaben aus der Strecke bleiben. Dass immer wieder zwar vom Frieden geredet wird aber Streit geschürt wird. Dass immer wieder von der Schöpfung geredet wird und sie doch mit Füßen getreten wird.
Zu schlimm ist es auch, wenn wir sehen, wie verfeindet sich manche Völker gegenüberstehen. Es scheint da so unversöhnlich zuzugehen, so hoffnungslos verfahren zu sein. Und immer sind es doch wir Menschen, gerade auch die einfachen und schwachen, die darunter leiden. Und so stöhnen die Menschen und so stöhnt die Erde.
Guter Gott, wir haben von den wunderbaren Bildern gehört, mit denen die Psalmen Dich beschreiben, dass du wie eine Burg schützen kannst, dass du uns führen kannst und halten kannst. Lass uns das spüren und Deine ganze Welt. Bringe Frieden. Bringe Verstehen und Freundlichkeit und Toleranz und Achtsamkeit für Deine Schöpfung hinein in diese Welt.
Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 361 Befiehl du deine Wege

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Neunten Sonntag nach Trinitatis den 09.08.2020

Das, was in der tiefsten Corona-Zeit angefangen hat, das wollen wir in diesem Jahr auch weiterhin fortführen. Sie können die Gottesdienste aus unserem Kirchspiel auch zuhause mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 199 Gott hat das erste Wort

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 63,2-9
Gott, du bist mein Gott, den ich suche.
Es dürstet meine Seele nach dir,
mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.
So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,
wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.
So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.
Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;
wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach. Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.
Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott, manchmal, da wissen wir nicht mehr, wo uns der Kopf steht. Manchmal wissen wir nicht mehr ein und aus. Manchmal sind wir wie leergefegt. Mache Du uns ruhig. Zeige Du uns Wege, die wir gehen können. Fülle Du uns mit deinem Geist und Deiner Liebe. Tue das auch heute in unserem Gottesdienst. Darum bitten wir Dich im Namen unseres Herren und Heilandes Jesus Christus. AMEN

Schriftlesung
Das Wort der Schriftlesung ist aus dem Philipperbreif, es ist der Beginn des dritten Kapitels:
Weiter, meine Brüder und Schwestern: Freut euch in dem Herrn! Dass ich euch immer dasselbe schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch umso gewisser.
Nehmt euch in Acht vor den Hunden, nehmt euch in Acht vor den böswilligen Arbeitern, nehmt euch in
Acht vor der Zerschneidung!
Denn wir sind die Beschneidung, die wir im Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen und uns
nicht verlassen auf Fleisch,
obwohl ich meine Zuversicht auch aufs Fleisch setzen könnte. Wenn ein anderer meint, er könne sich aufs Fleisch verlassen, so könnte ich es viel mehr,
der ich am achten Tag beschnitten bin, aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer,
nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.


Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters
; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Im ersten Kapitel des Prophetenbuchs Jeremia steht das Predigtwort in den Versen 4 bis 10. Es ist der Bericht über dessen Berufung.

Und des HERRN Wort geschah zu mir:
Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.
Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.
Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich
sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.
Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.
Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir:
Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.
Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Liebe Gemeinde!
Das ist ihnen vielleicht auch schon mal passiert. Mir selbst erst neulich. Ich hatte eine ganze Menge Kleinkram mühsam in eine kleine Kiste gepackt. Wollte sie ins andere Zimmer bringen. Und rumms – ist sie mir runtergefallen. Die ganze Kiste. Und all die vielen Kleinigkeiten lagen wieder verstreut auf dem Boden rum.
So ist es mit diesem Predigtwort. In diesem Predigtwort sind so viele wunderbare Gedanken und Ideen und Verheißungen und Mutmacher, dass man sie kaum alle wieder einsammeln kann. Ich denke, das ist eines von diesen Worten, das kann man jeden Tag seines Lebens lesen und kann an jedem Tag, egal wie es einem geht, Mut oder Trost oder Kraft oder Hoffnung oder auch Ansporn mit auf den Weg bekommen.

Wir haben einen Gott, der kennt uns, bevor andere auch nur eine Idee von uns haben konnten. Ehe ich dich im Mutterleib bereitete! Was das heißt: Gehen wir davon aus, dass es die Eltern sind, die ihre Kinder besser kennen als jeder andere Mensch auf dieser Welt. So ist da einer, der kennt uns noch besser. Aus seinen Gedanken heraus sind wir geworden. Er hat uns erdacht, ehe wir geboren wurden.

Und er hat uns nicht irgendwie erdacht, sondern so, wie wir sind. Und er hat uns nicht einfach nur so erdacht, sondern als Menschen, mit denen er einen Plan hat. Dem Jeremia macht er deutlich, dass es sein Plan von Anfang an war, dass er einmal ein Prophet werden wird. Dass er einmal Gottes Wort in die Welt hinein sagen soll. Und so hat er es auch bei uns gemacht. Wir sind nicht in die Welt gesetzt, nicht in die Welt geworfen ohne Ziel und Plan. Gott hat sich uns so erdacht, dass wir dieser Welt gut tun können und sollen. Er hat einen Plan für uns. Einen Ort und seine Zeit für uns, an der wir genau richtig sind und wichtig sind.

Uns geht es, wenn wir das hören, vielleicht, wie es Jeremia gegangen ist. Der will das nicht glauben und der will das nicht wahrhaben! „Wozu sollte ich gut sein? Ich bin doch viel zu jung. Wer bin ich denn schon? Was habe ich denn schon für Möglichkeiten und was habe ich denn schon für Fähigkeiten?“ Das fragt er und das fragen wir uns gewiss manchmal auch.

Und Gott sagt zu Jeremia: „Wenn DU das denkst, dann musst du MICH für ganz schön klein halten!“ Schließlich bin ich es, der weiß, das du kannst. Schließlich habe ich dir gegeben, was du brauchtest. Schließlich schenke ich dir deine Begabungen. Schließlich lebst du aus meiner Kraft und Verheißung und
aus meiner Liebe. Wenn du DICH kleinmachst und schlecht machst, dann machst du eigentlich MICH klein! Denn ich bin es, der dich gemacht hat und dich mit dem beschenkt hast, was du brauchst.

Und glaubst du ernsthaft, dass ich dir, wenn du diesen Auftrag bekommst, dass ich dir dann nicht auch die Worte in den Mund lege, die du zu sagen hast. Glaubst du ernsthaft, dass ich DICH, den ich vor allen kannte und liebe, dass ich dich alleine lasse bei den Aufgaben und mit den Aufgaben, die du hast.

Und, liebe Gemeinde, denken sie bitte nicht, dieses Angebot Gottes würde nur für Propheten stehen. Das gilt für jede und jeden von uns. Wir sind von Gott erdacht und in die Welt gestellt. Er kennt uns und er weiß um uns. Und so wie er uns kennt, hat er einen Plan für uns. Einen Ort und seine Zeit für uns. Und an diesen Ort und in diese Zeit schickt er uns das, was wir brauchen.
Dann ist ja alles ganz leicht, oder? Nein, ist es nicht. Das Leben verlangt manchmal unglaublich viel von uns. Und zu allem Überfluss sind uns die Pläne unseres Gottes so manches Mal sehr rätselhaft. Und manchmal sind uns seine Pläne sogar unbekannt und wir verstehen sie überhaupt nicht.

Bei allem, was Gott weiß und kennt, sagt er Jeremia daher auch:
Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und ich will dich erretten.
Und wenn ihr alle Verse vergessen solltet, die in dem heutigen Predigtwort stehen. Und wenn ihr euch nur zwei oder drei Verse merken solltet, die in der Bibel stehen, dann gehört dieser Vers dazu. Jeremia, Kapitel 1, Vers 8. Aber, wenn es auch schon gut ist, sich diesen Vers zu merken. Großartig ist es, wenn es euch gelingt, euch diesen Vers immer wieder sagen zu lassen. Diese Worte immer wieder gesagt sein lassen als Worte und als Trost Gottes. Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und ich will dich erretten.

Manchmal, da sind meine Ängste da.
Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und ich will dich erretten.
Manchmal kommen mir in der Nacht fürchterliche Gedanken.
Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und ich will dich erretten.
Manchmal habe ich das Gefühl, es stehen so viele Kräfte gegen mich.
Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und ich will dich erretten.
Manchmal, da kommen mir ganz große Zweifel.
Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und ich will dich erretten.
Manchmal spüre ich so sehr meine Ohnmacht und meine Schwächen.
Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und ich will dich erretten.
Manchmal denke ich, meine Schwermut und meine Trauer gehen nie vorbei.
Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und ich will dich erretten.

Wir wollen beten:
Du großer Gott.
Schicke ein wenig Ruhe in diese Welt, schicke ein wenig Ruhe in unser Durcheinander. Da passiert im Moment so vieles, was wir gar nicht mehr verstehen und begreifen können. Wir werden mit so vielen schlimmen und schrecklichen Dingen konfrontiert, dass es längst zu viel geworden ist für uns. Da ist der Corona-Virus, der uns nun schon seit vielen Wochen und Monaten das Leben schwer macht und viel Not über die Welt gebracht hat und bringt. Da sind die politischen Streitereien zwischen einzelnen Ländern. Da sind so manche Regierungen, die haben kaum den Namen verdient. Da ist jetzt die schlimme Katastrophe im Libanon. Diese Explosion, die so viele Leben gekostet und so viele Lebensperspektiven genommen hat. Da ist auch die persönliche Not, die manche unter uns getroffen hat.
Herr, schicke ein wenig Ruhe in dieses Durcheinander und Chaos. Uns selbst ist es längst über den Kopf gewachsen. Wir brauchen Deine Liebe, Deinen Geist und Deinen Frieden in dieser Welt.
Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 295 Wohl denen, die da wandeln

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Achten Sonntag nach Trinitatis den 02.08.2020

Das, was in der tiefsten Corona-Zeit angefangen hat, das wollen wir in diesem Jahr auch weiterhin fortführen. Sie können die Gottesdienste aus unserem Kirchspiel auch zuhause mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 243 Lob Gott getrost mit Singen

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 48
Groß ist der HERR und hoch zu rühmen
in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berge.
Schön ragt empor sein Gipfel,
daran sich freut die ganze Welt, der Berg Zion fern im Norden, die Stadt des großen Königs.
Wie wir's gehört haben, so sehen wir's
an der Stadt des HERRN Zebaoth, an der Stadt unsres Gottes: Gott erhält sie ewiglich.
Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.
Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm
bis an der Welt Enden. Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.
Es freue sich der Berg Zion, und die Töchter Juda seien fröhlich um deiner Rechte willen.
Ziehet um den Zion herum und umschreitet ihn, zählt seine Türme;
habt gut acht auf seine Mauern, / durchwandert seine Paläste,
dass ihr den Nachkommen davon erzählt:
Dieser ist Gott, unser Gott für immer und ewig.
Er ist's, der uns führet.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott, sei Du da. Sei Du da mit Deinem Geist. Sei Du da, wenn wir Dein Wort hören. Sei Du da, wenn wir mit unseren Fragen zu Dir kommen. Sei Du da, wenn wir mit unseren Unsicherheiten zu Dir kommen. Lass aus Deinem Wort die Kraft wachsen, die unseren mit unseren Fragen und Unsicherheiten den Weg zeigt, den wir gut gehen können. AMEN

Und als Schriftlesung hören wir heute Verse aus dem Epheserbrief aus dem 5ten Kapitel.
Die Verse haben die Überschrift: Das Leben im Licht
Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts;
die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkei tund Wahrheit.
Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist,
und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf.
Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich.
Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird;
denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.
Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich
er wieder auf den Berg, er allein.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Im 9ten Kapitel des Johannes-Evangeliums findet sich das heutige Predigtwort. Es ist nur ganz kurz. Aber in diesem Wort ist ganz vieles, was uns ermutigen kann und Kraft schenken kann. Es ist aber auch ein Predigtwort, das manches klar stellt und manches ins rechte Licht rückt.

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war.
Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern,
dass er blind geboren ist?
Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke
Gottes offenbar werden an ihm.
Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die
Nacht, da niemand wirken kann.
Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei
auf die Augen des Blinden
und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich!
Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Liebe Gemeinde!
Leben im Licht war die Überschrift der Schriftlesung. Und auch in diesem Predigtwort geht es um das Licht. Um das Leben im Licht. Aber das will gut erklärt sein. Denn nicht jeder oder jede verbindet mit dem Bild vom Leben im Licht gleich etwas Positives. Und manche verstehen es gar falsch.

Wenn ich in der gleißenden Sonne stehe, ganz vom Sonnenlicht beschienen, dann suche ich vielleicht lieber den Schatten. Und wenn ich mitten im Scheinwerferlicht stehe und alle schauen auf mich, dann suche ich vielleicht lieber das Abseits. Und wenn sie alles von mir ausleuchten und alles ans Licht bringen, was in mir ist und was mich ausmacht, dann ist das vielleicht auch kein Bild, das mich tröstet sondern eher eines, das mich erschreckt. Nein, nicht immer ist es schön, wenn ich im Lichte stehe. Manche warten zwar in unserer Medienzeit nur darauf, im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu stehen und zu der Schar der Prominenten zu gehören. Aber auch viele von denen bekommen irgendwann mal mit, das das vielleicht gar nicht geholfen hat, ein schönes und ein gutes Leben zu führen.

Deswegen ist es wichtig, es ein wenig genauer zu sagen. Es geht an diesem Sonntag nicht einfach um das Leben im Licht. Es geht vielmehr um das Leben in dem barmherzigen Licht der Liebe Gottes. Und das ist eben nicht das gleißende Scheinwerferlicht oder der unbarmherzige Suchstrahl, mit dem ich bloßgestellt werden vor allen anderen. Das barmherzige Licht der Liebe Gottes ist ganz anders.

Es ist das Licht, das manchmal am Ende des Tunnels zu sehen ist
. Es ist das Licht, das manchmal mitten in der Nacht freundlich aus einem Fenster leuchtet und mir so zeigt, dass ich nicht alleine wach bin in dieser Nacht. Dass ich nicht alleine bin mit meinen Fragen und Sorgen.
Es ist das Licht, das sanft leuchtet und vielleicht sogar ein wenig wärmt mit seinem Leuchten.
Es ist eben auch das Licht, das einem Blinden das Augenlicht ist, das ihm wieder geschenkt wird.

Ich weiß, das gleißende, das helle, das grelle Licht, das suchen heute viele. Das freundliche Licht aber suchen die, denen es zu düster und zu dunkel ist in dieser Welt. Trotz aller Strahler! Dieses freundliche Licht, das leuchtet vorsichtig hinein in das Dunkel. Es will Menschen bescheinen, Gesichter bescheinen, die nicht mehr wahrgenommen werden.

Jesus sagt, er ist dieses Licht, solange er in der Welt ist! Was für ein Trost für die Jünger damals. Und was war das für ein Segen für die vielen Menschen, denen Jesus genau als dieses Licht begegnet ist. Was war das ein Trost für die Menschen, die im Abseits standen, nach denen keiner geschaut hat. Und Jesus ist zu ihnen gegangen. Hat sie wahrgenommen und hat ihnen zugehört. Hat sie angeschaut und ihnen mit seiner Freundlichkeit gezeigt, dass sie nicht abgeschrieben sind. Dass sie nicht zweite Wahl sind, sondern seine erste Wahl. Was war das für ein Segen. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht!
Aber – was ist dann, was ist danach? Was sollte sein nach der Zeit, in der Jesus in dieser Welt war?

Ich denke, die Antwort kennt ihr und kennen Sie! Ich sage nur: Bergpredigt. Matthäus 5,14!
Ihr seid das Licht der Welt! Das sagt Jesus in der Bergpredigt und das meint er auch so!

Solange ich in der Welt bin als dieser Jesus aus Nazareth, solange ich da bin als dieser Mann aus Fleisch und Blut, so lange bin ich das Licht der Welt. Das freundliche Licht der Liebe Gottes. Und dann, wenn ich gegangen bin, wenn ich ein meinen Geist geschickt und geschenkt habe. Dann werdet ihr es sein. Dann seid ihr das Licht der Welt. Dieses freundliche Licht der Liebe Gottes!

Ich weiß, wir haben es manchmal auch nicht leicht. Aber, was Jesus hier deutlich macht, das rückt schon manches gerade, was wir uns auch immer mal wieder deutlich machen müssen. Wir sind als Kirche, als Christinnen und Christen in dieser besonderen Gemeinschaft nicht dazu da, darüber zu jammern, dass da zu wenig Licht ist in dieser Welt, zu wenig von diesem freundlichen Licht der Liebe. Wir sind nicht da, darüber zu jammern oder zu fordern, dass doch mal einer etwas von diesem Licht in die Welt bringen soll.

Nein, WIR sind dazu da, dieses Licht in die Welt zu bringen. Nicht jammern, dass zu wenig Licht ist,
sondern mehr Licht sein! Liebe Gemeinde, ich sage das extra in der Mehrzahl: Dass wir als Christengemeinde dazu da sind, Licht in die Welt zu bringen. Auch unter uns sind gewiss nicht wenige,
die sich selbst eher im Dunkel wiederfinden und selbst mehr von dem liebevollen Licht brauchen. Aber wir gemeinsam, und also auch wir als Kirchengemeinde, wir haben genau diese Aufgabe: Licht zu sein!

Die in den Blick zu nehmen – unter uns und anderswo – die im Dunkel stehen, die nicht mehr beachtet werden, die abgehängt sind. Die, die nicht mehr wahrgenommen werden wahrzunehmen. Denen, die das Gefühl haben, nicht mehr wichtig zu sein zeigen, dass sie wichtig sind für unser Miteinander.

Wir sollen als Kirche keine Lichtsucher sein! Das Licht haben wir. Jesus Christus hat es uns mit seinem
Geist geschenkt. Wir sollen das Licht nicht suchen. Wir sollen und wir können und wir müssen das Licht sein. Gerade in dieser Welt. Gerade in diesen Zeiten. Wir dürfen das Licht der freundlichen Liebe Gottes sein!
AMEN

Wir wollen beten:
Du Gott der Liebe.
Wir danken Dir, dass Du in Jesus Licht in die Welt gebracht hast. Und wir danken Dir, dass Du uns in der Kraft Deines Geistes auch selbst zum Licht für diese Welt gemacht hast.
So bitten wir Dich heute Morgen zuerst für unsere Kirche und für unsere Kirchengemeinde! Lass sie und
lass uns als Gemeinschaft das immer wieder erkennen und wahrnehmen. Dass es unsere Aufgabe ist für die da zu sein, die im Dunkel stehen. Die Not haben und Sorgen, die krank sind, die Angst haben, die einsam sind, die Unrecht erleiden, die sich ohnmächtig fühlen und klein, schutzlos und ausgenutzt, abgehängt oder abgedrängt, ausgestoßen oder abgestempelt. Hilf uns, hilf Deiner Kirche, da zu sein für die Menschen. Lass uns nicht einfach nur da sein und über die Kälte in der Welt klagen, sondern mache uns zu denen, die Licht und Wärme bringen. Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 262: Sonne der Gerechtigkeit

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Siebten Sonntag nach Trinitatis den 26.07.2020

Das, was in der tiefsten Corona-Zeit angefangen hat, das wollen wir in diesem Jahr auch weiterhin fortführen. Sie können die Gottesdienste aus unserem Kirchspiel auch zuhause mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: EG 279 Jauchzt alle Lande, Gott zu ehren

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 107, 1 bis 9:
Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.
So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN, die er aus der Not erlöst hat,
die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden.
Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege, und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,  die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete,
die dann zum HERRN riefen in ihrer Not und er errettete sie aus ihren Ängsten
und führte sie den richtigen Weg, dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:
Die sollen dem HERRN danken für seine Güte / und für seine Wunder,
die er an den Menschenkindern tut,
dass er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Du menschenfreundlicher Gott. Wieder sind wir zu Dir gekommen, um uns trösten zu lassen und um uns Mut zu holen für die Aufgaben, die wir zu bewältigen haben. Wieder sind wir hier, um Deine Kraft zu
spüren. In all den Unsicherheiten und Ungewissheiten, lass uns gewiss sein, dass Du da bist für uns. Dazu sende Deinen Geist hinein in unser Beten und Hören und Reden. AMEN

Und als Schriftlesung hören wir heute Verse aus dem Johannesevangelium aus dem 6sten Kapitel. 61 Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt.
Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.
Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.
Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo
kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?
Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte.
Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder auch nur ein wenig bekomme.
Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:
Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele?
Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.
Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten.
Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.
Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig
blieben, die gespeist worden waren.
Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.

Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich
er wieder auf den Berg, er allein.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Im Hebräerbrief im 13ten Kapitel findet sich das heutige Predigtwort. Es ist nur ganz kurz. Aber in diesem Wort ist ganz vieles, was uns ermutigen kann und Kraft schenken kann.


Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.
Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.
Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch
im Leibe lebt.

Liebe Gemeinde, da steht am Ende dieses kleinen Predigtwortes ein so merkwürdiger Halbsatz, der als Erklärung gedacht ist. „Weil auch ihr noch im Leibe lebt!“ Merkwürdig ist dieser Halbsatz, weil man erst zweimal überlegen muss, was damit erklärt werden soll und kann und wieso das eine Erklärung ist. „Weil auch ihr noch im Leibe lebt!“

Es gab damals eine Weltanschauung, und die findet sich auch heute noch. In dieser Weltanschauung, da wird getrennt zwischen dem, was in der Welt ist und was Gott ist. Da wird getrennt zwischen dem, wie Menschen in dieser Welt leben und wie sie vor Gott leben. Da wird getrennt zwischen dem Weltlichen und dem Geistlichen, dem Irdischen und dem Spirituellen. Der Christ, die Christin und die Welt, das scheint irgendwie nicht zusammenzugehören in dieser Weltsicht. Glaube gehört ins Herz und in die Welt der Gedanken, das Leben ist das andere. Und wenn es dem Körper nicht gut geht, dann ist das nicht so schlimm, Hauptsache, dem Geist geht es gut.

Ganz falsch, hören wir hier im Hebräerbrief, ganz falsch. Die aus einer solchen Weltsicht gewachsene Körperfeindlichkeit, die Vernachlässigung des Körperlichen, die hat nichts zu tun mit verantwortlichem, christlichen Leben. Paulus sagt an einer Stelle ja auch: Wisst ihr nicht, dass euer Körper wie ein Tempel ist für euren Geist! Und hier heißt es eben: Ihr lebt doch hier auf Erden noch im Leibe, in eurem Körper. Das könnt ihr doch nicht einfach ignorieren, DEN könnt ihr doch nicht einfach ignorieren. Den müsst ihr
vielmehr wahrnehmen und achten!

Und der Schreiber des Hebräerbriefs geht noch eine ganze Nummer weiter! Es ist hier die Erklärung für die gute, alte, ganz und gar handfeste Philadelphia! Und das ist eben kein Käse, sondern das ist die Liebe, die im NT Bruderliebe heißt. Die aber natürlich die geschwisterliche Liebe ist. Also die Liebe, die Christinnen und Christen untereinander üben und praktizieren sollen. Ja, es wird noch einmal unterschieden im Neuen Testament zwischen der Nächstenliebe, die wir jedem Menschen entgegenbringen sollen und der geschwisterlichen Liebe, die wir unseren Mitchristinnen und Mitchristen entgegenbringen sollen.

Und für die, zumindest für diese geschwisterliche Liebe gilt: Da gibt es keinen Unterschied zwischen dem Geistlichen und dem Körperlichen. Da gibt es keinen Unterschied zwischen der geistlichen Not und der, die ganz handfest ist. Egal, ob es geistliche Probleme sind, ob es Zweifel ist, der Menschen plagt oder ob es eine andere geistliche Not ist oder ob es körperliche Not ist, da gibt es keinen Unterschied.
Kennt ihr jemanden, die oder der große Sorgen hat, weil tief im Herzen eine Not ist, dann denkt an sie und dann denkt an ihn. Wenn da eine Anfechtung ist, wenn da Glaubenszweifel ist, wenn da Verzweiflung ist, denkt an ihn, denkt an sie. Wenn da ein Kummer ist, weil sie eine tiefe menschliche Enttäuschung erlebt hat. Wenn da Kummer und Not ist, weil sie eine Angst in sich spürt, die sie kaum greifen kann, denkt an sie.

Und denkt an sie! Denkt an ihn, das bedeutet natürlich viel mehr als nur ein paar Gedanken in ihre Richtung zu schicken. Das bedeutet: Betet für sie. Bittet für ihn. Setzt euch ein für sie. Geht zu ihm. Lasst euch ein auf diese Not. Lasst ihn nur nicht alleine damit. Lasst sie nur nicht alleine damit.

Und so ist es eben auch mit der körperlichen Not. Der Hebräerbrief redet von den Gefangenen und Misshandelten. Davon gab es zur Zeit dieses Briefes gewiss genug unter den Christinnen und Christen. Genug, die ihres Glaubens wegen gefoltert und misshandelt worden sind. Aber es geht hier gewiss um mehr. Es geht darum, dass uns die Nöte der Menschen, sei es Gewalt, sei es Hunger, sei es Durst, sei es eine andere körperliche Not, dass uns diese Nöte der Menschen nicht egal sein dürfen.

Dann kannst Du natürlich sagen: Da wird uns aber viel abverlangt. Wir können uns doch nicht um alles kümmern. Um das Seelenwohl und um das leibliche Wohl. Das ist eine ganze Menge, was uns hier abverlangt wird. Schließlich will diese Liebe, die wir hier den anderen entgegenbringen sollen, handfest und spürbar sein für die, die in Not sind.

Aber es liegt ja auch eine herrliche Verheißung in diesem Tun, in diesem Tun der Liebe. In unserem Predigtwort wird das sehr schön beschrieben. Da, wo man gastfrei war, hat man so manches Mal schon unbemerkt Engel beherbergt. Dieses herrliche Bild ist einer Erzählung aus dem Alten Testament entnommen. Dort kommen drei Fremde zu Abraham in sein Zelt und er nimmt sie ohne zu fragen auf und beherbergt und versorgt sie. Und dann stellt sich heraus, dass es Engel waren.

Was dieses schöne Bild hier sagt. Jede Liebestat trägt ihre Belohnung in sich. Da, wo nicht nur aus Pflichtgefühl geholfen wird, sondern aus der geschwisterlichen Liebe heraus, da wächst beiden etwas Gutes zu, denen die geholfen bekommen und denen, die helfen. Da, wo ich aus der Liebe heraus handele, wird mich eben diese Liebe selbst tragen.

Wir wollen beten:
Du Gott der Liebe. Du hast viel Verheißung in die Liebe gelegt. In Deiner Liebe zu uns ist unser Leben geborgen. In Deiner Liebe zu uns ist Vergebung und Neuanfang. In Deiner Liebe zu uns ist die Kraft, unsere Alltage zu leben. In Deiner Liebe zu uns ist der Trost, den wir brauchen und die Hoffnung, die uns aufrecht gehen lässt. Dafür danken wir Dir und bitten Dich, dass Du uns Deine Liebe immer wieder spüren lässt. Aber auch in der Liebe, die wir einander verschenken liegt viel Verheißung. Und auch dafür danken wir Dir. Lass uns, die wir Deine Liebe spüren, aus dieser Liebe auch leben. Lass sie uns weitergeben. Lass Deine Liebe unsere Worte und Taten bestimmen. Dass wir Acht geben aufeinander. Und dass wir Acht geben auf diese Welt. Lass die geschwisterliche Liebe der Christinnen und Christen diese Welt umspannen. Denn die Not ist groß. Die Not in den Krankenhäusern und Pflegeheimen. Die Not auf den Straßen und in den Unterkünften. Die Not der Einsamen und der Verirrten. Die Not derer, die Liebe suchen und nicht finden. Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. …
Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 629n Liebe ist nicht nur ein Wort

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Sechsten Sonntag nach Trinitatis den 19.7.2020

Das, was in der tiefsten Corona-Zeit angefangen hat, das wollen wir in diesem Jahr auch weiterhin fortführen. Sie können die Gottesdienste aus unserem Kirchspiel auch zuhause mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: EG 368 In allen meinen Taten

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 139, 1 bis 12:
Ein Psalm Davids, vorzusingen.
HERR, du erforschest mich und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.
Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest.
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein –,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Gütiger Gott. Wir brauchen Dich. Manchmal sogar mehr, als wir ahnen. Ohne Dich ist alles nichts, denn Du bist es, der uns Zukunft und Leben schenkt. Aus Deiner Kraft leben wir. Aus Deiner Kraft hoffen und
glauben wir. Ja, Du bist es, der uns selbst um Atmen die Kraft schenkt. Wir brauchen Dich, gütiger Gott. So sei Du da. Sei Du da heute Morgen in unserem Gottesdienst. Sei Du da und mache uns froh. AMEN

Und als Schriftlesung hören wir heute Verse aus dem Römerbrief und dort aus dem sechsten Kapitel die Verse 3 bis 8.
Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?
So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.
Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.
Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen.
Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden,
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Im fünften Buch Mose findet sich das heutige Predigtwort. Es steht im siebten Kapitel in den Versen 6 bis
12
Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum
Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.
Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker –
denn du bist das kleinste unter allen Völkern –,

sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der
Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten,
und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen.
So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust.
Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten
den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

Der Gott Israels, von dem hier die Rede ist, das ist der Gott, den Jesus aus Nazareth seinen Vater nennt. Und es ist der Gott, den auch wir unseren Vater nennen dürfen. Das muss schon vorher gesagt sein und das muss klar sein, wenn wir uns auf dieses Stückchen des Alten Testaments einlassen wollen. Denn sonst kommen wir nicht weiter bei der entscheidenden Frage, was dieses Wort denn nun mit uns zu tun haben soll und kann. Denn erst einmal scheint das Stückchen Bibel von uns doch zeitlich sehr weit weg zu sein.

Und doch wird hier etwas ganz Entscheidendes über Gott erkannt und bekannt. Etwas, das für uns heute noch mindestens genauso wichtig ist, wie es das vor 2600 Jahren war, als dieses Wort geschrieben sein mag.

Der Gott, an den Jesus glaubte, der Gott, dessen Teil Jesus selbst ist, das ist ein Gott, der sich das Kleine aussucht. Ein Gott, der ein Herz hat für das Kleine. Und der ein Herz hat für die Kleinen. Nicht zu den Großen kommt er zuerst, groß ist er selbst. Zu den Kleinen kommt er zuerst.
Und dieser Gott ist ein Gott, der ein Herz hat für die Ohnmächtigen. Nicht zu den Mächtigen kommt er zuerst, denn mächtig ist er selbst.Und dieser Gott ist ein Gott, der ein Herz hat für die Schwachen. Nicht zu den Starken kommt er zuerst, denn stark ist er selbst.


Und wer meint, dass diese Erkenntnis nur aus ein paar Bibelstellen im Alten Testament wächst, der irrt und die täuscht sich gewaltig. Wir müssen doch nur auf Jesus selbst schauen. Er, in dem Gott Mensch geworden ist, er ist mit seinem ganzen Leben und seiner ganzen Lehre nichts anderes, als die Auslegung dieser Erkenntnis.

Das fängt schon mit der Geburt an. In Bethlehem, einem kleinen Nest in einem kleinen und unbedeutenden Land. Hirten beten ihn an. Die Weisen kommen erst viel später. Und sein ganzes Leben zeigt es auch, dass Gott ein Herz hat für die Kleinen und Ohnmächtigen und Schwachen. Er segnet die Kinder. Er heilt die Kranken. Er predigt zu den Fischern am Ufer des Sees. Er preist die selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden und die Trauernden und die Einfachen. Er geht zu den Ausgestoßenen und Ausgegrenzten. Er hält dem reichen Mann die Großzügigkeit der armen Witwe vor Augen. Er redet von dem, der sich nicht auf den Ehrenplatz setzt, sondern unten an die Tafel. Er redet davon, dass der, der groß sein will, groß sein soll im Dienen. Die Schriftgelehrten und die Obersten des Volkes meidet er und sie hassen ihn. Weil er ihr Spiel nicht mitspielt.

Was wir daraus lernen können? Mindestens, mal mindestens zwei Dinge.
Das erste: Wenn wir uns mal wieder klein fühlen und hilflos und ohnmächtig und schwach, dann dürfen wir darauf vertrauen dass gerade dann Gott ein Auge auf uns hat. Dass Gottes Herz gerade dann für uns ganz offen ist und dass wir uns ihm anvertrauen dürfen. Wenn andere uns übersehen mögen, er nicht. Wenn andere uns überhören mögen, er nicht. Ich weiß, wir leben in einer Zeit, in der viele das Gefühl haben, nicht mehr zu zählen, keine Rolle mehr zu spielen. Aber gerade für die ist Gott in die Welt gekommen.
Das zweite: Das, was die Welt für stark hält und mächtig, das ist es für Gott und Jesus nicht. Große Spräche beeindrucken Gott nicht und Jesus auch nicht. Groß sind in ihren Ohren die Worte nur dann, wenn sie großherzig sind und nicht, wenn sie großspurig daherkommen. Große Versprechungen sind nichts. Große Verheißungen sind alles. Ich weiß, in unseren Tagen sieht das in dieser Welt oft so ganz anders aus. Da gibt es genug, die den Mund aufreißen und die groß tun. Und es gibt genug, die das auch noch für Stärke halten. Aber noch das kleinste Wort ist stärker als jeder große Spruch, wenn es aus dem Herzen kommt und wenn es mit Liebe gesagt wird.
Und noch das kleinste Nicken mit dem Kopf ist stärker als diese großen Gesten, mit denen sich manche selbst gefallen und mit denen sie sich groß tun wollen. Schon das kleinste Nicken mit dem Kopf ist mehr, wenn es von Herzen kommt.

Deshalb müssen wir immer Acht geben, wenn wir beurteilen wollen, was oder wer stark ist und was oder wer mächtig ist. Gott ist stark und mächtig. Und er ist es, weil er stark und mächtig ist im Lieben und im Vergeben, und im Barmherzig-sein. Und wenn wir uns in seinen Schutz stellen und wenn wir das machen wollen, von dem es im Predigtwort heißt, dass wir seine Gebote halten sollen, dann geht das eben auch nur so.
Großzügig sein. Großherzig sein. Groß sein im Kleinen. Große Taten tun mit kleinen Dingen.

Wir wollen beten:
Du großer Gott. Wir können nur staunen darüber, dass Du gerade darin so groß bist, dass Du Dich immer wieder den Kleinen zuwendest. Wir können nur danke sagen dafür, dass Du gerade darin Deine große Macht zeigst, dass Du für die Ohnmächtigen da bist. Und jubeln können wir darüber, dass Du Dich für die Schwachen stark machst. Schenke unseren Kirchen die Kraft, dass wir das immer wieder in die Welt rufen. Dass wir Dich immer wieder hin diese Welt hinein verkündigen. Schenke unseren Kirchen und uns selbst
den Mut und die Kraft, da zu sein für die Schwachen und Ohnmächtigen und Kleinen. Es gibt so viele davon in dieser Welt und manchmal gehören wir selbst auch dazu.
Sei Du da stark, wo die Not am Größten ist. Wo Menschen krank sind. Wo Menschen hungern. Wo sie einsam sind oder zerschlagen. Wo sie ohne Hoffnung sind und ohne Trost.
Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. …
Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 170 Komme, Herr, segne uns

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne ich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den fünften Sonntag nach Trinitatis den 12.07.2020

Das, was in der tiefsten Corona-Zeit angefangen hat, das wollen wir in diesem Jahr auch weiterhin fortführen. Sie können die Gottesdienste aus unserem Kirchspiel auch zuhause mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: EG 379 Gott wohnt in einem Lichte

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 103, 1 bis 13:
Ein Psalm Asafs.
Gott ist dennoch Israels Trost
für alle, die reinen Herzens sind.
Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen;
mein Tritt wäre beinahe geglitten.
Denn ich ereiferte mich über die Ruhmpredigen,
da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.
Sie höhnen und reden böse,
sie reden und lästern hoch her.
Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein;
was sie sagen, das soll gelten auf Erden.
Darum läuft ihnen der Pöbel zu
und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.
Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
26 Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Guter Gott, so viel geht uns durch den Kopf. So viel bewegt unser Herz. So viele Fragen, so viel Kopfschütteln. Diese Welt ist nicht mehr leicht zu verstehen. Mit all den Fragen kommen wir jetzt zu Dir. Schenke uns die Weisheit, die da wächst, wo die Liebe wächst. Schenke uns die Klugheit, die da kommt, wo Dein Geist weht. So seid Du in diesem Gottesdienst mit Deiner Liebe und Deinem Geist. AMEN

Und als Schriftlesung hören wir heute Verse aus dem Ersten Korintherbrief und dort aus dem ersten Kapitel die Verse 18 bis 25.
Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft.
Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.«
Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch
die Torheit der Predigt selig zu machen, die da glauben.
Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit,
wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit;
denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind.
Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Wenn es im Buch des Predigers heißt, dass jedes Ding seine Zeit hat. Dann klingt das erst einmal sehr einfach und banal. Aber so ist das. Jedes Ding hat seine Zeit und jedes Ding hat seinen Ort. Das, was zu dem einen Zeitpunkt an dem einen Ort ganz und gar richtig ist, das kann zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort vollkommen falsch sein. Mein Opa hat dazu immer gesagt: „Das sind mir die Richtigen, die beim Essen schwitzen und beim Arbeiten frieren!“ Auch das einigermaßen spaßig. Aber so ist es eben. Jedes Ding hat seine Zeit und seinen Ort. So wie eben auch manchmal die Zeit und der Ort für ein strenges Wort ist und ein andermal für eben das gleiche strenge Wort entweder nicht die richtige Zeit, oder nicht der richtige Ort ist.

Und weise ist der Mensch zu nennen, der das erkennt und der daraus seine richtigen Schlüsse zieht. Weise ist die Frau, die weiß, wenn sie mal ausruhen muss von der Arbeit und wenn sie dann in diesem Moment mal einfach nur an sich denkt. Und nicht klug ist es dann, einfach weiterzumachen und ganz und gar über die Kräfte zu gehen. Und weise ist der Mann, der weiß, wann er mal seinem Freund ein deutliches Wort sagen muss. Und wenn er den richtigen Ort findet und die richtige Zeit findet, das zu tun. Und nicht klug ist es, das deutliche Wort gar nicht zu sagen oder an einem ganz und gar falschen Ort oder zu einer völlig falschen Zeit.

Heute, in dieser Predigt geht es nun darum, dass wir weise werden und weise sind und bleiben, wenn es um unseren Glauben geht. Und dazu hören wir erst einmal das Predigtwort für diesen Sonntag. Es findet sich bei dem Evangelisten Lukas im fünften Kapitel.

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.
Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!
Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts
gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.
Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.
Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen
helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein
sündiger Mensch.
Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie
miteinander getan hatten,
ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach
zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Mitten im Alltag! Mitten im Alltag und mitten in den Alltagsgeschäften begegnet Jesus hier denen, die zu seinen Freunden, die zu seinen ersten Jüngern werden. Mitten im Alltag, bei ihrer schweren Arbeit. Mitten im Alltag begegnet er ihnen. Und mitten im Alltag spricht er sie an. Modern gesagt: Dort, mitten im Alltag, holt Jesus sie ab! Da, wo sie sich Blasen an die Finger holen. Da, wo sie darum kämpfen, für sich und ihre Familien den Lebensunterhalt zu verdienen. Da, wo ihnen der Rücken und das Kreuz wehtut von der Maloche, von der Arbeit. Da, wo sie Sorgen haben, ob es reicht. Da, wo sie bei der Arbeit kein Blatt vor den Mund nehmen. Wo sie sich auch anschreien. Mitten im Alltag begegnet er ihnen.

Und so macht er es nicht nur hier. So macht er es immer wieder. Der Frau am Brunnen begegnet er, als sie schwerste Arbeit leisten muss, weil sie in der heißen Mittagszeit Wasser schöpfen und tragen muss. Dem Zöllner begegnet er vor seinem Zollhaus. Da, wo es zur Sache geht. Mitten im Alltag.

Jedes Ding hat seine Zeit und seinen Ort. Und was zu einer Zeit richtig sein kann genau an diesem Ort, das ist zu einer anderen Zeit genau falsch. So hat die Predigt begonnen. Und weise ist, wer erkennt, wann die passende Zeit und der passende Ort für das passende Wort oder die passende Tat ist. So lehrt Jesus hier die Jünger und hoffentlich auch uns, weise zu sein.
Manche denken, um Gott zu begegnen, da müssten sie am Sonntag in den Gottesdienst kommen. Aber das ist nicht klug. Jesus ist dem Petrus nicht in der Synagoge begegnet. Sondern im Hafen, bei den Booten, mitten in der schwersten Arbeit. Manche denken, der Sonntag, das wäre so der Tag für Gott und die Alltage, da müsste man sich halt irgendwie durchschlagen. Das ist nicht klug. Jesus hilft dem Petrus, dass seine Arbeit gelingt, dass sie satt werden zuhause. Dass er dann zuhause durchatmen kann.

Ich könnte noch weitere Beispiele bringen, aber ich will zum Punkt kommen.
Ja, man kann Gott in den Gottesdiensten begegnen. Seinem Wort, seiner Kraft, seiner Liebe und seinem Trost, seinem Geist und seiner tröstenden und befreienden Botschaft. Denn der Gottesdienst ist der Ort und in der Regel ist der Sonntagmorgen die Zeit, in der wir Kraft schöpfen können für das, was kommt und wo wir uns Trost holen können für das was war. Es ist die Zeit und es ist der Ort, wo wir hören dürfen, dass er uns annimmt trotz des Scheiterns, das wir erlebt haben. Und es ist die Zeit und des ist der Ort, wo wir uns Mut holen dürfen für das, was wir vor uns haben. Meinen Konfirmanden und Konfirmandinnen sage ich,
dass der Gottesdienst eine Tankstelle ist. Dazu braucht es die Zeit außerhalb des Alltags. Dazu braucht es in der Regel den Ort der Kirche. Klug ist, wer das erkennt und wahrnehmen kann.

Aber nicht klug wäre es, wenn man meinen würde, damit sei die Sache mit Gott gemacht und fertig. Mitten im Alltag begegnet uns Gott. Mitten in der Plackerei und mitten in den Schmerzen. Mitten in unserem Bemühen und mitten in unserem Abmühen will der uns ansprechen und da sein für uns. Anders natürlich. Gott kennt den Ort und die Zeit. Dann will er uns zum Guten Wort auch die Kraft geben. Dann will er uns zu unserem Mühen auch das Gelingen schenken. Und zum Nichtgelingen die Kraft, weiterzumachen.

Ich denke, ein Problem unserer Kirche ist, dass wir das oft genug nicht mehr begreifen und nachvollziehen können.

Wir wollen beten:
Du Gott unserer Sonntage und unserer Alltage.
Lass uns klug werden und sein und bleiben. Dass wir vor Dir mehr erwarten als nur die Sonntage in der Kirche. Wir danken Dir dafür, dass es die Sonntage gibt, dass wir in den Gottesdiensten immer wieder Dein Wort und Deinen Trost hören können.
Doch bringe uns immer wieder dahin, dass wir erkennen und spüren, dass Deine Kraft auch für unsere Alltage ist. Dass wir mitten in unserem Alltag Dich spüren können. Dass uns Dein Wort dort zur Kraft wird. Dass wir Dich spüren in unseren Schmerzen und Sorgen, in unserem Mühen und in unserem Plagen. Begegne uns dort, wie du dem Petrus begegnet bist. Hilf uns auf. Sei Du bei den vielen, die sich abplagen und abmühen. Die nicht genug zum Leben haben. Die voller Sorge sind über die Zukunft dieser Welt. Sei
Du bei denen, die Vergeblichkeit erleben, deren Netze leer sind.
Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. …
Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 171 Bewahre uns Gott

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Vierten Sonntag nach Trinitatis den 05.07.2020

Auch weiterhin stellen wir Ihnen und Euch unsere Gottesdienste auch auf unsere Homepage. Und wir wünschen auch auf diesem Weg allen einen gesegneten Sonntag.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: EG 452: Er weckt mich alle Morgen

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 42, 2 bis 6:
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,
so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?
Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,
weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Daran will ich denken
und ausschütten mein Herz bei mir selbst: wie ich einher zog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Barmherziger Gott. Wir kommen aus den immer noch nicht alltäglichen Alltagen heute Morgen wieder zu Dir. Manches ist beschwerlicher geworden. Manches muss erst noch selbstverständlich werden. Auch in unseren Gottesdiensten ist das spürbar. Aber wir können in Gebeten und in unseren Herzen zu Dir kommen. Lass uns Dich spüren. Deine Liebe und Deine Freundlichkeit, Deine Geduld und Deine Güte. Sei Du da,
wenn wir Dich brauchen. Heute und in den Tagen die kommen. AMEN

Und als Schriftlesung hören wir heute Verse aus dem Lukas-Evangelium und dort aus dem sechsten Kapitel die Verse 36 bis 42.
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.
Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in
euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.
Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden
sie nicht alle beide in die Grube fallen?
Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist wie sein Meister.
Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht
wahr?
Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge
ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Und selig seid ihr, wenn ihr Gottes Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.


Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Römer 12,17-21

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.
Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«
Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Es geht in diesem Wort genau wie an diesem Sonntag um den kleinen, alltäglichen Frieden. Nicht um den großen Weltfrieden, sondern um den kleinen und alltäglichen. Wohl wissend, dass dort, wo dieser kleine und alltägliche Friede wächst auch der große Friede bewahrt bleibt. Und es geht darum, wie schwer es ist, diesen Frieden zu finden und zu bewahren. Denn damit dieser kleine alltägliche Friede sein kann, damit er existieren und Bestand haben kann, braucht es vier Parteien. Das macht zumindest dieses Predigtwort deutlich. Gerne meint man ja, der Friede ist da, wo sich zwei Menschen verstehen und einigen, wo sie großzügig sind gegeneinander. Gerne meint man, dass der Friede dort entsteht, wo zwei Menschen auch mal fünf gerade sein lassen, wo sie nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Aber – wenn das alles wäre, dann wäre das mit dem kleinen, alltäglichen Frieden gar nicht so schwer. Für manche schon, ich weiß. Aber für viele von uns wäre es doch einigermaßen einfach. Das kann man schaffen. Auch mal klein beigeben. Nicht immer Recht haben wollen. Nicht immer der Bessere oder der Stärkere oder der Klügere sein wollen. Auch dem anderen seins gönnen. Wenn nur um den einen und den anderen ginge, das wäre machbar. Aber es sind eben vier Parteien, die dabei mitwirken, wenn wirklich Friede kommen und sein soll.

Natürlich gibt es erst einmal mich und den oder die andere. Natürlich sind es erst einmal wir zwei, auf die es drauf ankommt, wenn da Friede sein soll, Eintracht und Harmonie.
Aber das Predigtwort macht deutlich, es gibt da diese dritte Partei, diese dritte Macht, und die will keinen Frieden. Die will auf keinen Fall, dass der Friede wächst. Die will vieles, aber keinen Frieden. Paulus nennt diese Macht DAS BÖSE. Und diese Macht, die spielt immer mit! Aber was heißt, sie „spielt“. Die spielt
nicht, die macht bitter ernst.
Wir beten an jedem Sonntag darum! Nicht, dass das Böse kommt, sondern dass das Böse geht. Jesus hat es seinen Freunden mit auf den Weg gegeben. In seinem Gebet, dem Vaterunser. Erlöse uns von dem Bösen! So beten wir da.
Für Jesus war das klar. Für die Menschen damals war es klar, in der Bibel ist es deutlich und wird oft gesagt und geschrieben. Es gibt da eine Macht, die will Zerstörung und die will das Böse. Manche stellen sich diese Macht personifiziert vor und jeden vom Teufel oder von Satan. Anderen ist diese Vorstellung sehr fremd und sie reden einfach nur von einer Macht, die das Böse will. In unserer aufgeklärten Zeit scheint auch das für viele Menschen schwierig zu verstehen. Und doch können wir es doch überall erkennen und entdecken es an vielen Orten in dieser Welt und zu allen Zeiten. Es gibt eine Kraft, die das schlechte will, die Zerstörung will und Tränen und Angst und Not. Es gibt eine Kraft, die das, was manche mühsam über lange Zeit an Gutem aufgebaut haben, die das wegfegen und zerstören will. Es gibt eine Kraft, die in jeden Frieden wieder Streit bringen will und in jede Versöhnung neue Entzweiung säen will.


Und diese Kraft zieht sich durch alles. Manchmal spüren wir sie auch an uns und in uns selbst. Manchmal, da kommen uns Gedanken, die uns selbst hinterher erschrecken. Manchmal tun wir etwas, und sind hinterher selbst erschrocken über uns. „Welcher Teufel hat mich denn da geritten?“, fragt man dann und ist mit dieser Frage eigentlich schon bei der Antwort. Manchmal wachsen da Zweifel in uns, wo wir vorher noch ganz sicher waren. Manchmal schweigen wir, wo wir unbedingt hätten reden müssen. Dann spüren wir diese Kraft in uns selbst. Das ist keine Entschuldigung für Dummheiten und Blödheit. Wir selbst machen dann Fehler und machen etwas kaputt. Und doch war da offensichtlich etwas in uns, das es uns leicht gemacht hat, das Falsche zu sagen und das es uns schwer gemacht hat, das Richtige zu tun.

Und wie es uns so geht, geht es anderen genauso. Und was da im Kleinen geschieht, das geschieht im Großen genauso. Viele merken, dass etwas gut ist und richtig, und doch geschieht das andere, das, was nicht gut ist. Und so ist das auch mit dem kleinen, alltäglichen Frieden. Da ist eine Kraft, die will nicht, dass dieser Friede wächst.

Wie kann ich diese Macht überwinden? Dazu muss nun die vierte Partei ins Spiel kommen. Gott! Überwinde das Böse mit Gutem. So sagt es Paulus in diesen Predigtwort. Das heißt nicht einfach: Streng sich mehr an. Mache alles gut. Sei in Ordnung und freundlich und lieb. Das ist zwar schön und gut. Aber das garantiert den Frieden nicht. Wie heißt der alte Spruch: wenn der böse Nachbar nicht will, dann ist kein Friede zu machen. Meine Anstrengungen, alle meine Anstrengungen werden keinen Frieden bringen, wenn nicht Gott selbst seinen Segen darauflegt. Wenn er nicht geschehen lässt, was gut und richtig und wichtig ist.

Gegen diese Macht, die das Böse will und den Frieden hasst, gegen diese Macht hilft gute Wille alleine nicht weiter. Der gute Wille zu Frieden alleine wird den Frieden nicht sichern, auch den kleinen, alltäglichen Frieden nicht. Es ist gut und richtig und wichtig, wenn ich diesen Willen habe. Es ist gut und richtig und wichtig, wenn ich mich bemühe, wenn ich Fünfe gerade sein lassen kann an der richtigen Stelle, wenn ich mal nachgeben kann an der richtigen Stelle, wenn ich den anderen so lassen kann, wie er ist.

Aber umso wichtiger wird sein, dass wir bei all unserem Bemühen immer um Gottes Segen und damit um Gottes Kraft bitten.

Wir wollen beten:
Du Gott des Friedens und der Liebe. Um den kleinen und alltäglichen Frieden bitten wir Dich. Wir brauchen ihn. Wir spüren doch, wie wir aufblühen, wenn da der Friede wächst. Wir spüren doch, wie gut uns ein gutes Miteinander tut. Wir spüren, wie weit ein gutes Miteinander tragen kann.
Und doch ist dieser kleine, alltägliche Friede immer wieder gefährdet. Wir spüren auch die Kraft und die Macht, die Böses will. Und so bitten wir Dich:
Wehre Du dieser Kraft, die Streit und Missgunst will. Wehre Du dieser Kraft, die Hass und Misstrauen säet. Lass das Miteinander in dieser Welt wieder größer und stärker werden. Zu viele denken zu viel an sich und zu wenig denken an Andere. Aber Du kannst die Kraft schenken, die Frieden wachsen lässt. So lass Frieden geschehen und Deinen Frieden wachsen.
Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. …
Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Lied 295: Wohl denen, die da wandeln

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Dritten Sonntag nach Trinitatis den 28.06.2020

Auch weiterhin stellen wir Ihnen und Euch unsere Gottesdienste auch auf unsere Homepage. Und wir wünschen auch auf diesem Weg allen einen gesegneten Sonntag.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: EG 445: Gott des Himmels und der Erden

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 103, 1 bis 13:
Von David.
Lobe den HERRN, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den HERRN, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt
und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.
Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.
Barmherzig und gnädig ist der HERR,
geduldig und von großer Güte.
Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.
Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden
und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,
lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.
So fern der Morgen ist vom Abend,
lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Barmherziger Gott. Dein Heiliger Geist schenkt uns die Möglichkeit, dass wir aus Deinem Wort leben können. Dass wir durch Dein Wort ermutigt werden zu einem guten Leben. Lass uns das auch heute wieder spüren in diesem Gottesdienst. Sei uns nahe mit Deiner Kraft des Geistes. Das bitten wir Dich im Namen unseren Herren und Heilandes Jesus Christus. AMEN

Und als Schriftlesung hören wir heute Verse aus dem Ersten Timotheus-Brief, und dort aus dem ersten Kapitel die Verse 12 bis 17.
Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt,
mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben.
Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist.
Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort: Christus Jesus ist in die Welt gekommen,
die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.

Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld
erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.
Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und
Preis in Ewigkeit! Amen.


Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen


Die Predigt
Bevor ich heute zum Predigtwort für diesen Sonntag komme, habe ich eine Frage an sie: Wann hat sie Gott das letzte Mal so richtig überrascht? Überlegen sie ruhig mal einen kleinen Moment. Wann hat sie Gott das letzte Mal so richtig überrascht?
Ich hoffe, sie mussten nicht zu lange nachdenken?
Meine Sorge ist allerdings, dass es viele Menschen gibt, auch durchaus Menschen, die mit dem Glauben und mit Gott etwas anfangen können, Menschen, die aber eigentlich von Gott nicht mehr überrascht werden.
Die Geschichten aus der Bibel? Selten überraschend! Die Verse, die wir als Losungstexte hören, nicht oft überraschend. Man kennt sie. Die Predigten an den hohen Fest- und Feiertagen: Ist doch klar, um was es da geht. Weihnachten, die Geburt, die Engel, Frieden auf Erden und so weiter. Ostern, die Auferstehung, der Stein vom Grab ist fort, die Frauen, ja, die Frauen am Grab, die sind noch überrascht. Aber wir? Ist doch altbekannt. Pfingsten, die Sache mit dem Heiligen Geist, die Taube, die Jünger, alles bekannt. Und waren sie damals auch überrascht, dass die Jünger plötzlich in ihren fremden Sprachen redeten: heute doch alles bekannt.

Überraschen tun uns andere Sachen. Aber die Sache mit Gott, die überrascht viele nicht mehr.
Deswegen höre und lese ich so gerne Geschichten aus dem Alten Testament. Dort kann man es Seite auf Seite lesen, wie die Menschen immer wieder von Gott überrascht werden. So auch heute.
Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im Prophetenbuch Micha im 7ten Kapitel. Es sind dort die Verse 18 bis 20.
Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben
sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!
Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.
Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten
geschworen hast.

Ja, da kann man die Überraschung des Propheten Micha fast schon mit den Händen greifen. Wo ist solch ein Gott! Wo ist solch ein Gott, wie du bist. Wo ist solch ein Gott, der die Sünden vergibt? Wo ist solch ein Gott, der Gefallen hat an der Gnade?

Um 730 vor Christi Geburt hat Micha als Prophet gewirkt. Früh in der Geschichte des Judentums. Und das schöne am At ist: Langsam, ganz langsam erkennen die Menschen erst ihren Gott, lernen seine Güte kennen und seine Liebe. Um sie herum noch Menschen, die an die vielen Götter glauben. Um sie herum noch Menschen, die an die Naturgottheiten glauben und sie in Tieren und mit Tieropfern anbeten. Um sie herum Menschen, die das Gefühl haben, die Götter seien nichts als Gewalt und Macht zum Zerstören. Gewitter mit Blitz und Donner – natürlich Zeichen Gottes. Überschwemmungen, natürlich Strafen vom Gott des Nils. Krankheiten, natürlich von einem neidigen Gott über einen Menschen gebracht. Ja, die Menschen sehen sich noch als Spielbälle von Göttern, die tun und lassen, was sie wollen, die nötigenfalls auch Menschen quälen und einfach so in tiefe Not stürzen. Götter, die man irgendwie besänftigen muss, damit die Ernte etwas wird, damit ein Kind geboren wird, damit man zu Wohlstand und Ansehen kommt.

Und mitten unter diesen alten Glaubensformen – da finden die Männer und Frauen aus Israel einen ganz anderen Gott. Einen, der so viel mächtiger ist. Einen, der nicht mit seinen Menschen spielt. Einen, der sich nicht verhält wie ein Tyrann, der machen kann was er will. Mitten in diesen alten Glaubensformen finden die Israeliten diesen einen, großen, allmächtigen Gott. Und sie entdecken immer mehr. Immer wieder überrascht sie dieser Gott. Weil er so anders ist. Weil der gütig ist und gnädig. Ich weiß, es gibt auch die anderen Geschichten im AT, es gibt die Rachepsalmen und wahrhaft schreckliche Geschichten. Aber sie werden von Zeit zu Zeit immer weniger. Sie sind durchaus ein Zeichen dafür, dass die alten Glaubensformen noch nicht ganz und gar überwunden sind. Aber umso überraschender ist es für die Menschen, wenn sie erkennen: dass er nicht ewig an seinem Zorn festhält, dieser Gott. Dass da am Ende immer wieder Gottes Erbarmen steht.

Und was ist das für eine wundervolle Erleichterung, wenn man damit überrascht wird. Wenn man von der Güte Gottes so überrascht wird. Das ist die Freude der Hirten auf dem Felde, der Schreck der Frauen am Grab, die Ausgelassenheit der Freunde an Pfingsten. Das ist – wie Weihnachten und Ostern und Pfingsten an einem Tag.

Und so frage ich noch einmal: Wann hat Gott sie das letzte Mal so überrascht?

Jesus war das im Übrigen durchaus klar. Ihm war klar, dass es immer wieder wichtig ist, dass Menschen von der Güte Gottes überrascht sind. Gerade deshalb sind seine Antworten manchmal so ganz anders, als es die anderen erwarten. Damit sie ins Nachdenken kommen. Damit sie wieder mal überrascht werden. Deshalb fährt er seine Mutter auf der Hochzeit zu Kana an: „Was geht es dich an, was ich tue?“ Deswegen lässt er seine eigene Familie einmal draußen vor dem Haus stehen und bleibt bei den Freunden und sagt: „Ihr seid meine Familie!“ Deswegen schmeißt er im Tempel die Händler raus und das nicht sanft und freundlich. Deswegen sagt er auch einmal: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich!“

Wer von Gott nicht mehr überrascht werden kann, der bekommt ein Problem.
Gott ist doch lebendig. Und in seiner Liebe sucht er immer wieder neue Weg zu uns und hinein in diese Welt. Und jeder neue Weg ist ein überraschender Weg. Und wenn ich den nicht mehr sehen kann. Wenn ich nur die alten und ausgetreten Pfade sehen kann, dann verliert Gott, dann verliert auch der Glaube seine Lebendigkeit.

Deswegen will ich bereit sein, mich jeden Tag neu von meinem Gott überraschen zu lassen. In der Gewissheit, dass es eben keine bösen Überraschungen sind.

Also: Halten sie Ausschau! Lassen sie sich von Gott überraschen!

Wir wollen beten:
Du gütiger Gott. Du willst uns immer wieder überraschen mit Deiner Liebe.
Überraschen willst Du uns damit, wie unendlich groß Deine Liebe ist.
Überraschen willst Du uns damit, wie unglaublich phantasievoll Du in Deiner Liebe bist.
Überraschen willst Du uns damit, dass wir erleben, dass diese Liebe genau uns gilt.
Überraschen willst Du uns damit, dass Deine Liebe so mächtig ist, dass sie selbst den Tod bezwingen kann. Lass uns das immer wieder spüren und erleben. Lass uns darauf immer wieder hoffen und vertrauen.
Und auch darum bitten wir Dich. Dass Du mit Deiner überraschenden Liebe auch Wege findest in die Not
der anderen. In die Not in den Krankenhäusern. In die Not der Einsamen und Verzweifelten. In die Not der Hungernden und Armen. In die Not der Geschöpfe dieser Erde. In die Not, die so viele Namen hat in dieser Welt.
Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. …
Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 331, Großer Gott, wir loben dich

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Zweiten Sonntag nach Trinitatis

Auch weiterhin stellen wir Ihnen und Euch unsere Gottesdienste auch auf unsere
Homepage.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes. Amen.

Lied: EG 444 Die güldene Sonne

Das Eingangswort finden wir heute in Psalm 36, 6 bis 10:
HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes / und dein Recht wie die große Tiefe.
HERR, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Gütiger Gott. Schenke uns Dein Wort. Schenke es uns so, dass wir es gut hören können.
Und schenke uns zu unserem Hören das offene Herz, dass wir aufnehmen können, was
Du uns an Gutem zu sagen hast. Und schenke uns zu dem offenen Herz auch den
Verstand, dass wir begreifen, wie Du es meinst. Und schenke uns zu unserem Verstand
auch den Glauben, dass wir aus diesem Wort leben. AMEN


Und als Schriftlesung hören wir heute Verse aus dem Epheserbrief, und dort aus dem
zweiten Kapitel die Verse 17 bis 22. Es geht dabei um Jesus:
Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern
wart, und Frieden denen, die nahe waren.
Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der
Heiligen und Gottes Hausgenossen,
erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der
Eckstein ist,

auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in
dem Herrn.
Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es
sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der
Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im Matthäusevangelium im 11ten Kapitel. Es
sind dort die Verse 25 bis 30. Und diese Verse haben einen ganz besonderen Titel, eine
ganz besondere und verheißungsvolle Überschrift in der Bibel:

Jesu Lobpreis. Der Heilandsruf
Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und
der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen
offenbart.
Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.
Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der
Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren
will.
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch
erquicken.

Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von
Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Der Heilandsruf, was für ein Name, was für eine Bibelstelle. Schon der Name Heiland
-mag er heute auch sehr fremd klingen und für viele Jüngere eher komisch, schon dieser
Name lässt erahnen, wie großartig das ist, was hier verkündet wird. Der Name ist eine
schöne deutsche Übertragung. Im griechischen steht dort, wo wir Heiland lesen: Soter.
Das heißt soviel wie Erlöser, Erretter. Und wenn wir im Deutschen Heiland sagen, dann
schwingt dort eben auch das heil-sein, das heil-werden mit. Da geschieht etwas
heilsames!
Wie oft erleben wir das Gegenteil. Wie oft finden wir uns in Begebenheiten wieder, in
denen gerade nichts Heilsames geschieht mit uns. Ganz unterschiedliche Folgen hat das
dann. Die will er kurz beschreiben, damit man besser verstehen kann, wie heilsam dieses
Wort Jesu, wie heilsam diese Einladung sein kann.
Unheilsame Begebenheiten und Begegnungen. Die gibt es zuhauf.
Dann werden wir verunsichert.
Da werden wir durcheinander gebracht.
Da werden wir schlecht gemacht.
Da werden wir angelogen.
Da werden wir traurig gemacht.
Da werden wir alleine stehen gelassen in unserer Not.
Da bekommen wir eine Verantwortung aufgelegt, die wir nicht tragen können.
Da wird uns eine Schuld zugewiesen. All das sind unheilsame Dinge, unheilsame
Begegnungen, unheilsame Begebenheiten, die geschehen. Immer wieder. Ich will auf die
gar nicht weiter eingehen. Denn wir kennen das ja alle zur Genüge.

Da, wo Jesus mit seiner Einladung, die wir hier hören, ins Spiel kommt, geschieht eben
gerade das, was uns heil machen kann, was heilsam sein kann. Da werden wir nicht
verunsichert. Da dürfen wir spüren, dass es ein guter Weg ist, den wir gehen. Dass da ein
guter Plan dahintersteckt, auch wenn wir ihn manchmal nicht verstehen. Da können wir
drauf vertrauen, dass es neben vielem Falschen auch das Richtige gibt. Dass es auch die
richtigen Entscheidungen gibt und nicht nur falsche. Dass es Entscheidungen für das
Leben gibt und für das Gute.
Da kriegen wir keine Angst gemacht mit irgendwelchen Horrorbildern über das, was
vielleicht morgen oder übermorgen kommt. Da bekommen wir Mut, auf das Gute zu
hoffen und das Gute zu erwarten. Da gibt es keine 10-Punkte-Programme, sondern da
gibt es eine Sache: Vertraut ihm, hängt euer Leben an die Botschaft von diesem Jesus.
Da werden wir nicht schlecht gemacht. Wir dürfen vielmehr erfahren, dass wir gut
gemacht sind. Dass ein Plan dahinter steckt, wahrscheinlich selbst hinter unseren Fehlern.
Auch wenn wir den Plan nicht kennen.
Da werden wir nicht angelogen. Da sagt einer: Ich gebe euch schon etwas zu tragen. So
ganz einfach wir das nicht. Aber ich bin da. Und ich bleibe da und ich begleite euch.
Da werden wir nicht traurig gemacht, sondern froh. Es ist die frohe Botschaft. Die
Botschaft von der vergebenden Liebe Gottes. Da werden wir eingeladen zu einem guten
Leben, zum Fest des Lebens, wie es in einem Lied so schön heißt.
Da werden wir nicht alleine in unserer Not stehen gelassen. Vertraut euch mir an, das ist
die Einladung. Im Gebet und mit euren Gedanken. Lasst euch von mir bewegen. So wie
ich andere bewege, dass sie euch begegnen in eurer Not.
Da wird uns keine Verantwortung aufgelegt, die wir nicht tragen könnten. Wir müssen
keine Welt retten und nichts überirdisches leisten um geliebt und gemocht zu sein. Wir
müssen nur unser kleines Leben, unser kleines, großes Leben so leben, wie er es seinen
Freunden ans Herz gelegt hat. Mit Mitgefühl und Empathie.
Da sind wir nicht immer wieder Schuld, sondern da wird uns immer wieder die Schuld
abgenommen. Da sind wir nicht immer wieder die Dummen oder wieder mal die
Dummen, sondern wir lernen die unfassbare Klugheit der Liebe kennen.
Da sind wir nicht die, die übersehen werden, sondern die auf die in großer Güte geschaut
wird. Und das dürfen wir glauben und aus diesem Glauben dürfen wir leben.

Das ist der Heilandsruf. Das ist die unfassbare Einladung, die Jesus seinen Freundinnen
und Freunden zukommen lässt. Schöner und besser geht es doch nicht.
Alleine eines ist zu bedenken: Das geht nicht automatisch. Das geht nicht einfach so.
Dieses Heilsame fällt uns nicht einfach so zu. „Kommt her zu mir!“, sagt Jesus. Ja, wir
müssen uns auf diesen Weg machen. Aktiv und ganz bewusst müssen wir uns auf diesen
Weg machen.

Wie das geht. Der und die hat sich auf den Weg gemacht, die es mit dem Beten immer
wieder schafft, sich Gott anzuvertrauen. Der hat sich auf den Weg gemacht, der in der
Bibel Gottes lebendiges Wort sucht und findet. Die hat sich auf den Weg gemacht, die
Ausschau hält nach Zeichen der Liebe in dieser Welt. Der hat sich auf den Weg gemacht,
der in Gottesdiensten Kraft tanken kann. So einfach ist das. Überall dort, auf dem Weg,
über all dort, wo wir die Einladung des Heilandsrufes ernst nehmen, da werden wir es
immer wieder erleben können. Wie heilsam das sein kann.

Wir wollen beten:
Du freundlicher Gott. Deine Einladung steht. Mögen wir noch Abstand untereinander
halten müssen. Zu Dir können wir kommen. Dir können wir ganz nah sein. Im Gebet und
in Gedanken. Schenke uns immer wieder den Glauben, aus dem das Vertrauen wächst,
dieser Einladung von Dir auch zu folgen. Und lass uns da, wo wir Dir folgen, immer
wieder spüren, dass Du in Jesus Christus wirklich Heiland bist. Retter und Erlöser.

Unsere Welt braucht das. Sie braucht Dich. Manch einer schwingt sich zum
selbsternannten Erretter und Erlöser auf und hat doch nicht von der einzigen Kraft, die
diese Welt retten kann: von der Liebe.

Sei bei allen, die nach dieser Liebe Sehnsucht haben. Sei bei allen, die in Not sind. Hier
bei uns und anderswo. Sei bei den Kranken und Schwachen, den Verzweifelten und
Suchenden. Sei bei denen, die Übersehen oder Verachtet werden. Sei bei denen, die
Enttäuscht sind oder längst schon resigniert haben.
Sei auch bei denen, die lehren und regieren, helfen und heilen, dienen und in Deinem
Namen Gutes tun.

Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. …
Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

EG 168. Du hast uns, Herr, gerufen

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für den Ersten Sonntag nach Trinitatis den 14.06.2020

Auch weiterhin stellen wir Ihnen und Euch unsere Gottesdienste auch auf unsere Homepage.
Nun geht sie also los, die Trinitatiszeit. Viele Sonntage, der Namen nur darin besteht, dass nach dem ersten der zweite, der dritte, der vierte Sonntag nach Trinitatis kommt. Die „festarme Zeit“ wird diese Zeit des Kirchenjahres deshalb auch genannt. Und doch soll auch dieser Gottesdienst ein Fest sein!
Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: EG 331 Großer Gott wir loben dich

Der 2te bis 11te Vers aus dem 34sten Psalm schenkt uns heute das Eingangswort:
Ich will den HERRN loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Meine Seele soll sich rühmen des HERRN
dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
Als einer im Elend rief, hörte der HERR
und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Wohl dem, der auf ihn trauet!
Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen!
Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.
Reiche müssen darben und hungern;
aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

So wollen wir beten:
Gütiger Gott. Schenke uns Deinen Geist auch in diesen Gottesdienst. Wir brauchen Dich und Deine Kraft. Mache dein Versprechen und deine Verheißung immer wieder wahr. Lass uns Deine Güte spüren. Schenke uns Mut für die immer noch schwierigen Alltage des Lebens. Lass uns Dein Wort so hören, dass wir gute Wege durch das Leben finden. Amen

Und als Schriftlesung hören wir heute das Wort steht im Ersten Johannesbrief im 4ten Kapitel in den Versen 13 bis 21: 
Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.
Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt.
Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott.
Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
Darin ist die Liebe bei uns vollendet, auf dass wir die Freiheit haben, zu reden am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.
Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht
rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.
Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
'am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen Sonntag klingt zu schön um eigentlich wahr zu sein. Es ist die Beschreibung der ersten Gemeinde, wie wir sie im 4ten Kapitel der Apostelgeschichte in den Versen 32 bis 37 nachlesen können.
Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern,
dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.
Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.
Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte
und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.
Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig,
der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Liebe Gemeinde, so vieles ist schon gesagt worden gegen dieses Wort aus der Bibel. So vieles ist schon gegen diesen Bericht ins Feld geführt worden. Spinnerei hat man es genannt und Träumerei. Ja, nicht nur Träumerei sondern gefährliche Träumerei. Ganz selten nur hört man. „So, genau so ist es richtig!“ Viel öfter hört man: „Also so, also so geht das ja überhaupt nicht!“

Und natürlich gibt es für dieses negative Urteil über dieses Bibelwort schon auch seine Gründe. Zumindest zwei Gründe könnte man ins Feld führen.
Der eine Grund: Die Freunde und Freundinnen Jesu hatten wohl damit gerechnet, dass Jesus, nachdem er sie verlassen hatte, sehr bald wiederkommen würde. „Naherwartung“ nennt man das. Sie hatten die große Hoffnung, dass Jesus noch zu ihren Lebzeiten wieder zurückkommen würde. Das könnte dann eben auch ein guter Grund dafür gewesen sein, dass sie alles geteilt haben. Was brauchten sie schon noch, wenn Jesus doch in ein paar Tagen oder Wochen oder Monaten oder Jahren wiederkommen würde. Sie konnten fröhlich alles teilen, was sie hatten. Sie mussten sich eben nicht um die Vorsorge kümmern.
Der zweite Grund bei diesem Wort aus der Bibel skeptisch zu sein: Das wird einfach übertrieben sein, was Lukas da in seiner Apostelgeschichte schreibt. Das haben vielleicht ein paar Leute wie dieser Barnabas gemacht, aber nur ein paar wenige. Das ist Reklame für die junge Kirche, aber nicht die ganze Wahrheit.

Zu beiden Argumenten gegen dieses Bibelwort will ich heute in der Predigt etwas sagen. Und gegen beide Argumente will ich dieses wunderschöne Wort aus der Bibel verteidigen.

Argument 1 war: „Die Freunde und Freundinnen rechneten damit, dass Jesus bald wiederkommen würde, deswegen konnten sie so freigiebig mit dem umgehen, was sie hatten.“
Jas, sie haben sich geirrt. Jesus ist nicht so schnell wiedergekommen. Seit fast 2000 Jahren warten die Christinnen und Christen darauf! Und immer noch warte sie. Und deswegen sagen so viele: „Was die damals gemacht haben, das geht eben nicht! Wir müssen vorsorgen! Wir müssen genug für unser Leben haben! Für uns muss es reichen. Und dann beschweren sich manchen über „America first“, doch nicht wenige leben nach dem Motto: „Zuerst ich“.

Natürlich, es stimmt. Jesus ist noch nicht wiedergekommen. Aber – denken wir doch mal andersrum: Was ist wenn uns Jesus morgen nicht begegnet, weil er zu uns kommt, sondern wenn er uns begegnet, weil wir zu ihm kommen? Das wird, so dürfen wir doch zurecht hoffen, gewiss geschehen. Und das dauert keine 2000 Jahre mehr, sondern das geschieht, wenn unser Leben hier auf Erden ein Ende nimmt.
Was brauchen wir dann noch von dem, was wir um uns herum gesammelt haben?
Genau! Wir brauchen dann genauso viel, beziehungsweise genauso wenig, wie die Freunde und Freundinnen Jesu, die damals dachten, er würde schnell wiederkommen. Wir brauchen dann nichts mehr von all den materiellen Gütern, die wir um uns versammelt haben. Und demnach hindert uns eigentlich nichts daran, es so zu machen, wie es die Jünger damals gemacht haben. Nichts hindert uns daran, zu teilen. Möglichst großzügig.
Es muss ja nicht alles sein! Wir sind Menschen und es ist menschlich, dass man auch Sorge hat um das, was kommen mag. Und die Menschen damals, die mögen in großer Euphorie gelebt haben. Aber zumindest von der Idee und von der Grundeinstellung her haben sie recht: Christsein zeigt sich daran und erweist sich darin, dass man freigiebig ist und großzügig. Dass man an die anderen denkt. Dass man niemanden hungernd zurücklassen will.

Bleibt noch das zweite Argument gegen dieses Bibelwort. Es wäre doch übertrieben geschildert, was da in den ersten Jahren der jungen Christenheit geschehen wäre. Ganz so sei es nun auch nicht gewesen!
Dass stimmt, gewiss haben nicht alle, die auf baldige Wiederkunft Christi warteten ihr Hab und Gut verkauft und unter den Armen verschenkt. Aber offensichtlich gab es damals beeindruckende Menschen, die für andere zu Vorbildern geworden sind und beispielhaft gehandelt haben. Da ist in unserem Predigtwort von einem Barnabas die Rede, offensichtlich so ein Mann, dessen Namen man sich gemerkt hat. Und man merkte sich nicht nur seinen Namen, man gab ihm sogar einen Ehrennamen. Josef war sein Name, Barnabas nannten sie ihn nun, den Sohn des Trostes!
Es mag sein, es waren gar nicht so viele, die sich auf die Fahnen geschrieben hatten, ihr Leben im Namen Jesu nicht mehr nur an sich selbst auszurichten sondern eben auch an den anderen. Aber sagen wir nicht schon den kleinen Kindern oft genug: Richtet euch nicht nach dem, was die Menge der Leute machen, sondern nach dem, was gut ist und richtig? Schließlich zählt nicht das, was die meisten machen! Vielmehr zählt das, was man als richtig und gut erkannt hat. Und für uns als Christinnen und Christen heißt das: Es zählt eben das, was Jesus uns ans Herz gelegt hat. Ich selbst glaube, dass wir auch in der heutigen Zeit Männer brauchen wie Barnabas. Dass jeder von uns ein Barnabas sein kann, ein Sohn des Trostes oder eine Batnaba, einer Tochter des Trostes. Dass wir da sein können für die anderen. Dazu will uns dieses Predigtwort Mut machen. Und es gibt so viele Wege, anderen Trost zu spenden.

Also lassen sie uns das herrliche Wort aus der Apostelgeschichte nicht einfach abtun. Es ist nicht nur Spinnerei und Träumerei. Es will uns helfen, im Leben eine Spur zu finden, auf der wir gut und zufrieden leben können. Und es will uns helfen, einen Weg und eine Lebensweise zu finden, bei der viele Menschen froh und zufrieden sein können. AMEN

Wir wollen beten:
Du freundlicher Gott. Wir wollen dir Danke sagen für das Gute, dass Du in dieser Welt immer wieder geschehen lässt. Und wir wollen Dich bitten, lass uns dazu beitragen.
Herr, Du freundlicher Gott, wir bitten Dich, dass Du das Böse nicht einfach so geschehen lässt. Und lass uns auch dazu beitragen.
Wir bitten Dich für die Menschen in der Not, dass Du sie nicht alleine lässt, dass sie Deine Kraft spüren können. Und lass uns dazu beitragen.
Wir bitten Dich für die Menschen, die traurig sind und verzweifelt, dass Du ihnen neue Wege zeigst. Und
lass uns dazu beitragen.
So schenke Deine Kraft der Liebe hinein in dieser Welt. Hinein in die Corona-Not, die in vielen Ländern
noch so schlimm ist. Hinein in die Sorgen, die damit weltweit verbunden sind.

Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. …
Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Herr, wir bitten komm und segne uns

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen. Wir haben ihn schon als Predigtwort gehört.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für Sonntag Trinitatis den 07.06.2020

Auch weiterhin stellen wir Ihnen und Euch unsere Gottesdienste auch auf unsere Homepage.
So können Sie, so könnt Ihr auch auf diese Art und Weise den Sonntag Trinitatis mitfeiern.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Worte aus dem Psalm 113 bilden heute das Eingangswort:

Gottes Hoheit und Huld
Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN,
lobet den Namen des HERRN!
Gelobt sei der Name des HERRN
von nun an bis in Ewigkeit!
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
sei gelobet der Name des HERRN! 
Der HERR ist hoch über alle Völker;
seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.
Wer ist wie der HERR, unser Gott,
der oben thront in der Höhe,
der niederschaut in die Tiefe,
auf Himmel und Erde;
der den Geringen aufrichtet aus dem Staube
und erhöht den Armen aus dem Schmutz,
dass er ihn setze neben die Fürsten,
neben die Fürsten seines Volkes;
der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt,
dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

So wollen wir beten:
Großer Gott. Allmächtig bist Du und ewig. Allgegenwärtig und voller Liebe. Hilf uns, dass wir Dir
vertrauen. Hilf uns, dass wir immer wieder begreifen, dass es Deine Liebe ist, die uns leben lässt. Lass uns staunen über Deine Güte und hilf uns, Deine Freundlichkeit in unserem Leben zu erkennen. Dazu lass auch diesen Gottesdienst erfüllt sein von Deinem Heiligen Geist! Amen

Und als Schriftlesung hören wir heute das Wort steht im Römerbrief im 11ten Kapitel in den Versen 33 bis 36:
Lob der unerforschlichen Wege Gottes
O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich
sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!
Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13)
Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm zurückgeben müsste?« (Hiob 41,3)
Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.


Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen


Die Predigt
Das Predigtwort für diesen Sonntag ist das wunderbare Segenswort, das wir jeden Sonntag am Ende des Gottesdienstes hören. Es findet sich im 6ten Kapitel des 4ten Buches Mose:

Dieser Teil hat die Überschrift: Der priesterliche Segen
Und der HERR redete mit Mose und sprach:
Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Ich erinnere mich noch an meine erste Schulstunde, die ich zu halten hatte. Es war während meines Studiums. 3te Klasse in der Grundschule in Alsfeld. Lustigerweise die Grundschule, in die ich schon als Schüler gegangen war. Das Unterrichtsfach: Sachkunde! Das Thema der Unterrichtsstunde: Die Kläranlage! Was ist eine Kläranlage und wie funktioniert sie? Hatte ich eine Ahnung von Kläranlagen? Nein! Und für
die Jüngeren: Es gab auch noch kein Wikipedia damals. Nicht so einfach die Möglichkeit, mal im Internet nachzuschauen und es sich erklären zu lassen. Und was soll ich sagen, ich bin froh, dass ich heute nicht zu erklären habe, wie eine Kläranlage funktioniert.
Und doch ist das noch harmlos gegenüber dem, was es heute eigentlich zu erklären gibt. Trinitatis heißt der Sonntag und es geht um die Trinität. Und die Trinität, das ist, soweit ist es noch irgendwie einfach: Trinität, das ist die Dreieinigkeit Gottes, oder die Dreifaltigkeit Gottes. Und das bedeutet wiederum: Es ist die Lehre von den unterschiedlichen Wesensarten Gottes. Nämlich davon, dass uns Gott in der Bibel in drei unterschiedlichen Wesensarten begegnet. Er begegnet als Gott, der Vater. Er begegnet als Gott, der Sohn. Und er begegnet als Gott, der Heilige Geist. Deswegen auch dieses Predigtwort, wo Gott, der Herr, in dreifacher Weise segnet. Weil er behütet, weil er gnädig ist und weil der den Frieden schenkt. Weil er behütet wie ein Vater und als ein Vater. Weil er gnädig ist, so wie Jesus Christus uns die Gnade Gottes gezeigt hat, weil durch ihn unsere Sünden vergeben sind. Weil er Frieden schenkt, eine der Gnadengaben des Heiligen Geistes.

Soweit ist es noch irgendwie einfach. Das ist wie mit der Kläranlage. Am Anfang ist es auch einfach erklärt: Schlechtes rein und gutes kommt raus.
Dann bleiben immer noch zwei Fragen. Wie und warum?

Die Wie-Frage, also die Frage, wie das denn nun genau zu verstehen ist, wie man sich das vorzustellen hat, dass Gott Vater ist und Sohn und Heiliger Geist und alles in einem und doch unterschiedlich. Diese Wie-Frage, die ist nicht zu beantworten. Das heißt: Man kann sie schon beantworten. Aber nie ganz und gar und nie vollständig und nie wirklich richtig. Nicht umsonst redet man von Geheimnis der Trinität. Dieses Geheimnis können wir nicht beantworten, weil wir nur Dinge erforschen können, die von dieser Welt sind. Zum Beispiel eben Kläranlagen. Die kann man erklären, denn es sind Menschen, die sie geplant haben, es sind Menschenhände, die sie gebaut haben. Es sind Menschensachen, die da geschehen. Alles, was von dieser Welt ist, das können wir irgendwie erklären, auch wenn es manchmal lange dauert und manchmal schwerfällt. Alles, was von dieser Welt ist, können wir erklären. Aber nicht alles, was in dieser Welt ist, können wir erklären. Zum Beispiel die Dinge, die Gott einfach so in diese Welt hineingeschenkt hat. Wir können die Liebe nicht erklären. Sie ist ein Geheimnis, denn sie ist von Gott. Johannes sagt sogar, dass sie Gott ist. Wir können manches nicht erklären, was von Gott geschenkt wird, denn es ist eben Gott, der es schenkt und der ist nicht Teil dieser Welt. Er ist eben nicht von dieser Welt, aber Gott sei Dank, in dieser Welt. In der Liebe, in der Barmherzigkeit, im tiefen Frieden.
Und weil Gott eben nicht von dieser Welt ist, können ihn unsere Gedanken nicht erfassen. Was er tut, bleibt für uns oft genug ein Geheimnis. Noch viel mehr aber ist ein Geheimnis, was er ist und wie er ist.

Ja, das ist die traurige oder auch enttäuschende Nachricht. Das Geheimnis der Trinität Gottes, seines Wesens als Vater und Sohn und Heiliger Geist, ist nicht zu erklären und nicht zu durchdringen. Aber das, was wir mit diesem Bild, mit diesen Geheimnis der Trinität Gottes, ausdrücken wollen, das kann man glasklar sagen. Denn wir bekennen damit: Gott ist MEHR.
Gott ist mehr als das, was wir erkennen, erahnen, nachlesen können. Gott ist mehr als das, was wir wissen können oder erfahren können. Gott ist mehr als das, was wir sehen oder glauben können. Gott ist mehr als das, was in der Bibel steht. Gott ist mehr als das, was in einer Predigt gesagt werden kann. Gott ist mehr als das, was wir in dieser Welt erkennen und sehen und erleben können. Gott ist mehr. Gott ist mehr als das, was wir Liebe nennen und Gott ist mehr als das, was wir Barmherzigkeit nennen. Gott ist mehr als das, was wir meinen, wenn wir von Frieden und Vergebung reden. Gott ist mehr.

Früher sagte man: deshalb müsst ihr vor Gott Angst haben. Und das hatten die Menschen auch. Vor einem Gott, der so viel mehr und höher und größer ist als alles, was uns vor Augen und in den Sinn kommt, muss man Angst haben, sagten die Menschen.

Aber, liebe Gemeinde, Angst ist doch das ganz Falsche. Angst ist doch ganz und gar unangemessen. Angst nicht! Ehrfurcht – ja! Ehrfurcht werde ich haben vor diesem Gott. Ehrfurcht und Achtung. Respekt werden ich haben vor diesem Gott. Aber keine Angst. Wenn ich zu ihm bete, dann werde ich es tun mit dem Wissen, dass er viel mehr ist als das, was ich auch nur erahnen kann. Ehrfürchtig und achtsam werde ich dann zu ihm beten. Aber eben doch auch voller Hoffnung. Denn das, was an diesem Gott so viel mehr ist als alles, was wir erahnen können, das, was das Geheimnis der Trinität ausdrücken will, das ist doch: Er ist wie ein guter Vater. Er weiß, was gut für uns ist und richtig. Er achtet auf uns und lässt uns nicht aus den Augen. Und er kann das.
Und er ist dieser Jesus Christus, der alles gegeben hat, was er hatte, seine Liebe und sein Leben, um uns zu retten. Und er ist der Heilige Geist, der uns ein Kraft schenken kann, die größer und mächtiger ist als jede Armee es sein kann.

Wieso also sollte ich Angst haben vor ihm? Amen!

Wir wollen beten:
Allmächtiger, großer Gott. Deine Größe können wir nicht erfassen, Deine Macht nicht begreifen, Deine
Weite nicht sehen. Für uns bleibst Du ein Geheimnis. Aber in Jesus Christus lässt Du uns immer wieder erkennen, wie sehr wir Dir am Herzen liegen. Wie groß Deine Liebe zu uns ist. Dafür danken wir Dir. Und
wir danken Dir auch für die Kraft des Heiligen Geistes, die uns selbst die Kraft gibt, zu hoffen, zu lieben und zu beten. So stehen wir auch heute vor Dir und bringen vor Dich, was in dieser Welt, in Deiner Welt und in unserer Welt, alles im Argen liegt. Die schlimmen Folgen der Corona-Pandemie bei uns und anderswo. Die Not der Menschen, die dieser Pandemie in Armut und ohne Schutz ausgeliefert sind. Die Menschen, die sich trotz allem und immer wieder stark machen für ein gutes Leben miteinander.
Wir bringen vor Dich die Ungerechtigkeiten dieser Welt. Die Spannungen, die es in diesen Tagen in den Vereinigten Staaten gibt. Lass Deine Gerechtigkeit siegen.
Und in der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns noch auf dem Herzen liegt. …
Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen. Wir haben ihn schon als Predigtwort gehört. Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für Pfingstsonntag den 31.05.2020

Ostern konnten wir nicht in den Kirchen feiern. Dieses Pfingstfest schon. Aber auch
heute soll der Gottesdienst auch auf unserer Homepage stehen. Auf diesem Weg
wollen wir die Freude des Pfingstfestes mit vielen teilen.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes. Amen.

Worte aus dem Psalm 118 bilden heute das Eingangswort:

Dies ist der Tag, den der Herr macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
O Herr, hilf!
O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch vom Haus des HERRN.
Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott, und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.
Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

So wollen wir beten:
Guter Gott, du Geist des Lebens und der Liebe! Lass Dich spüren. Bewege uns.
Belebe uns. Schließ uns die Augen auf und die Herzen, die Ohren und den Mund.
Lass uns erkennen, dass Deine Kraft nicht nur in der Bibel beschrieben wird, sondern
dass sie in unserem Leben ihre Spuren hinterlässt. Hilf uns, auf Deine Kraft des
Heiligen Geistes zu vertrauen. Amen

Und als Schriftlesung hören wir heute das Wort steht im Johannesevangelium im
15ten Kapitel in den Versen 5 bis 15:
Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.
Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er
bei euch sei in Ewigkeit:
den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn
nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.
Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.
Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht
mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.
Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und
wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört,
ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.
Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem
Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch
gesagt habe.

Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie
die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir
es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der
Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen Sonntag ist die Pfingstgeschichte, wie sie im 2. Kapitel der
Apostelgeschichte beschrieben wird:

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.
Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen
Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf
einen jeden von ihnen,
und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in
andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.
Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen
Völkern unter dem Himmel.
Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört,
denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.
Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese
alle, die da reden, Galiläer?
Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?
Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und
Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia,
Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und
Römer, die bei uns wohnen,
Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen
Taten Gottes verkünden.
Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern:
Was will das werden?
Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden,
und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!
Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde
des Tages;
sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):
»Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen
von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen
weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume
haben;
und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem
Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.
Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und
Feuer und Rauchdampf;
die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der
große und herrliche Tag des Herrn kommt.
Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet
werden.«

Unsere Pfingstfeste sind in der Regel ganz anders, als dieses erste Pfingstfest,das hier
beschrieben wird. Aber in diesem Jahr ist das noch einmal deutlicher. Dass der
Heilige Geist dafür sorgt, dass die Jünger voller Freude das Haus verlassen, in dem sie
sich aus Angst vor den Menschen und aus Angst vor der Zukunft versammelt hatten,
das ist so ein schönes Bild. Wir würden es wahrscheinlich alle gerne genauso machen.
Die Häuser wieder verlassen, auf die Straßen rennen oder gehen. Die Menschen
umarmen und mit ihnen die Freude teilen. Ja, dass der Heilige Geist damals dafür
gesorgt hat, das ist ein großes Zeichen. Eines, das wir so einfach im Moment nicht
erleben können. Wir können nicht so einfach alle Angst und alle Sorge und vor allem
auch nicht so einfach alle Vorsorge hinter uns lassen. Wer in seiner Begeisterung so
weit gehen würde, ist sehr wahrscheinlich nicht vom Heiligen Geist bewegt in diesen
Zeiten.
Wir sind auch in diesem Pfingstfest noch gut beraten, wenn wir achtsam miteinander
und mit uns selbst umgehen. Und wenn wir unser Pfingstfest anders aussehen lassen
in diesem Jahr. Aber wir dürfen ja feiern. Wir dürfen ja in den Kirchen
zusammenkommen. Und das ist ja auch schon wundervoll. Aber sie merken daran
eben das, was wir an vielen anderen Punkten auch merken. Uns sehr gewohnte Dinge
haben seitdem wir in diesen Coronazeiten leben, plötzlich eine andere Bedeutung oder
eine andere Wichtigkeit. Klar haben wir uns in den Jahren zuvor keine Gedanken
darüber gemacht, dass man es nicht so einfach machen kann, wie es die Jünger damals
gemacht haben. Türen auf, aus dem Haus, hinein in die Menge, singen, rufen, jubeln.
Wir merken es ja auch daran, dass manche Lieder aus dem Gesangbuch oder manch
andere Worte der Psalmen plötzlich eine andere Bedeutung haben. Und – was soll ich
sagen, manche modernen Lieder kann man in diesen Wochen nicht singen, weil vom
Händereichen und Umarmen die Rede ist.

Aber – bei unserem Predigtwort kann auch eine andere Beschreibung für uns eine
ganz neue Bedeutung bekommen oder kann uns so manches deutlich machen. Es
kommt ein großes Brausen. So heißt es in diesem Bericht. Und mit dem großen
Brausen kommt der Geist Gottes. Der Ruach Gottes, wie es im Hebräischen heißt, der
Atem Gottes. Er kommt wie ein Wind. Und plötzlich sind alle angesteckt von diesem
Geist!

Oh, dieses Wort – das braucht es im Moment ja gar nicht. Von Ansteckung haben wir
genug gehört und dass das Ganze durch die Luft übertragen wird, dass ein Anhauchen
genügen kann. All das verbinden wir in diesen Tagen mit ganz viel Negativem.

Hier aber bekommen wir mit dem gleichen Bild, mit einem ähnlichen Sachverhalt,
etwas wunderbar Positives beschrieben und dargestellt. Der große Kabarettist Hans
Dieter Hüsch hat einmal in einer Psalmübertragung davon gesprochen, dass es auch so
etwas wie eine ansteckende Gesundheit gibt. Und er meinte damit den Glauben an den
gütigen Gott. Er meinte damit den Glauben, der auf der Liebe Gottes und auf dem
Frieden aufgebaut ist, den Gott schenken kann und schenken will.
Und genau das ist es, was wir hier in dieser Pfingstgeschichte hören. Hier werden
Menschen auch angesteckt. Und es ist eine unfassbare Kraft, die sie packt und die sie
brennen lässt vor Liebe. Und die sie jubeln lässt vor Freude und die sie beben lässt vor
Zuversicht. Es ist die Kraft des Heiligen Geistes, die Kraft, die Jesus seinen Freunden
versprochen hatte. Sie fährt und rauscht hinein in das Leben der Jünger. Unversehens,
unerwartet aber erhofft. Und diese Kraft macht den Freunden Jesu das Leben weit.
Und sie nutzen das, um gleich nichts anderes zu machen, als davon zu erzählen. Und
sie spüren, wo sie den anderen davon erzählen: Ja, diese Freude ist ansteckend. Sie
breitet sich aus. Auf vielen Gesichtern wird aus dem ratlosen Staunen ein staunendes
Lächeln. Und aus dem staunenden Lächeln wird ein ansteckendes Lachen. Ja, davon
redet man. Das machen im Übrigen sogar manche Tierarten, wie man festgestellt hat.
Man steckt sich gegenseitig mit der Freude an.

Gott geht weiter mit uns. Er hat einen Weg gefunden, uns zu begleiten und uns nahe
zu sein! Deswegen ist Pfingsten geworden und wird es Pfingsten bleiben. Gott geht
weiter mit uns mit der Kraft des Heiligen Geistes! Wie froh dürfen wir darüber sein.
Wir können es machen, wie sie es damals gemacht haben. Wir können darüber
staunen und davon reden. Ja, ich spüre das immer wieder, können wir sagen. Gott geht
weiter mit uns. Ich kann seinen Trost spüren und keine seine Kraft in meinem Alltag
spüren. Wenn ich mich an Aufgaben mache, wenn ich in schwierigen Situationen
stecke. Er geht mit uns. In mancher durchwachten Nacht bringt er dann doch plötzlich
eine kleine Ruhe. In manchen schwierigen Situationen bringt er dann doch manchmal
ganz überraschende Lösungen. Gott geht weiter mit uns. Das heißt Pfingsten. Und
wenn wir aus diesem Vertrauen leben, dann kann das eine ansteckende Gesundheit
sein.

Wir wollen beten:
Guter Gott, Geist der Wahrheit und Geist der Liebe. Du kommst hinein in unser
Leben. Immer wieder findest Du Wege, dass wir getröstet sind. Immer wieder findest
Du Wege, dass wir ermutigt sind. Immer wieder findest Du Wege, dass Ruhe in unser
Leben kommt und Sicherheit. Immer wieder findest Du Weg, uns Menschen begegnen
zu lassen, die es gut mit uns meinen. Dafür danken wir Dir.
Komm, du Geist der Wahrheit, kommt du Geist der Liebe, hinein in diese Welt und
bleibe. Bewege die Menschen zum Guten. Bewege sie zum Frieden. Schließe den
Menschen das Herz aus, dass sie teilen, was gut ist. Dass sie Brot teilen und Liebe,
Trost und Hoffnung, Glaube und Zeit.
Schenke uns diese Zuversicht und der Welt und uns Deinen Frieden.
In der Stille bringen wir vor Dich, was uns im Besonderen nach auf dem Herzen liegt.
… Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir
gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.
AMEN

Gottesdienst für Sonntag Exaudi den 24.5.2020

Eigentlich wollten wir an diesem Sonntag unsere Konfirmandinnen und unseren Konfirmanden einsegnen und konfirmieren. Das werden wir in den Herbst verschieben. Einen Gottesdienst wollen wir aber dennoch feiern und dabei auch an die 4 denken, die nun noch einige Wochen auf ihre Konfirmation warten müssen.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Worte aus dem Psalm 27 bilden heute das Eingangswort:.

Der HERR ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!
Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der HERR nimmt mich auf.
HERR, weise mir deinen Weg
und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen!
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.
Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

So wollen wir beten:
Guter Gott. Das Fest der Himmelfahrt liegt hinter uns. Wir dürfen uns erinnern an das Versprechen Jesu, dass Du bei uns sein willst mit der Kraft des Heiligen Geistes. So haben sich die Freunde Jesu von seiner leiblichen Gegenwart verabschiedet. Aber sie durften spüren, dass ihr Herr mit seiner Liebe mit ihnen geht. Lass uns das auch spüren in diesem Gottesdienst. Lass uns spüren, wie die Kraft des Heiligen Geistes und die Kraft der Liebe wirken und helfen und heilen. Amen

Und als Schriftlesung hören wir heute das Wort steht im Johannesevangelium im 15ten Kapitel in den Versen 5 bis 15:
Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? 6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer.
Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.
Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und
über das Gericht;
über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben;
über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht;
über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.
Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.
Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen.
Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.
Selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.


Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen Sonntag findet sich im Alten Testament. Es ist eine wundervolle Verheißung. Sie können es nachlesen bei Jeremia Kapitel 31 in den Versen 31 bis 34:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,
nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand
nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr
Herr war, spricht der HERR;
sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.


Was für eine unglaubliche, unfassbare Prophezeiung. Und sie ist schon wahr geworden. Und doch ist sie noch nicht ganz erfüllt. Wieder mal so zwei Sätze, die sich scheinbar widersprechen. Wie kann etwas schon wahr geworden sein und sich doch noch nicht ganz erfüllt haben?

Fangen wir mit dem ersten Satz an. Diese Prophezeiung ist schon wahr geworden. Gott hat einen neuen Bund geschlossen mit seinen Menschen. Wir Christinnen und Christen glauben ganz fest daran, dass Gott diesen Bund in dem Moment mit uns geschlossen hat, als er seinen Sohn in die Welt geschickt hat. In diesem Jesus aus Nazareth, in Jesus Christus hat sich diese Prophezeiung des Jeremia erfüllt. Eigentlich, wenn man es genau nehmen will, allerdings nicht schon an Weihnachten, sondern an Ostern. In dem Moment, als dieser Jesus unsere Schuld mit ans Kreuz nimmt und dann wieder aufersteht, ist wahr geworden, was Jeremia gesagt hat: „Er wird ihrer Sünde nimmermehr gedenken!“ In diesem Augenblick steht dieser neue Bund ein für alle Mal.
Insofern ist dieses Predigtwort auch ein herrlicher Abschluss der Osterzeit. Noch einmal macht es uns deutlich, dass wir befreite Menschen sein dürfen. Befreit von dem, was wir an Schuld auf uns laden.
An der Stelle sei gesagt, dass es also durchaus eher Unsinn ist, zu meinen, dass Corona eine Strafe Gottes sei. Nein, die jetzige notvolle Situation mag eine Konsequenz aus manchem sein, was wir Menschen an Gottes Willen vorbei tun und machen. Aber Gott hat diesen Virus nicht geschickt um uns zu strafen. So etwas tut Gott nicht, weil er der ist, der in Christus ein vergebender Gott ist.
Es bleibt also dabei: Was für eine herrliche und befreiende Botschaft dürfen wir da heute hören. Gott befreit uns zum Leben. Und immer wieder dürfen wir uns an diese besondere Aufgabe machen und für uns und unser Leben durchbuchstabieren, was es heißt, dass Gott uns zum Leben befreit.
Dass auch ich gnädig umgehen darf mit meiner Schuld. Dass auch ich mich immer wieder neu auf Gott und auf das Leben einlassen darf. Dass ich immer wieder mutig Neuanfänge wagen darf. Dass ich großzügig sein kann mit mir und natürlich auch mit den anderen. Dass ich mutig das Leben in Angriff nehmen kann. Dass ich mich auch den Herausforderungen des Lebens immer wieder mutig stellen darf.
All das dürfen und können Folgen dieses neuen Bundes Gottes mit uns Menschen sein! Ist das nicht wunderbar. Diese Freude, die da an Ostern in die Welt gekommen ist, die will nun weiter mein Leben durchziehen. Und wenn dieses Osterfest auch gewiss anders, stiller und ruhiger war. Die Freude ist da. Und – sie ist ja manchmal auch eine stille Freude. Und doch lebt sie aus der Gewissheit, die aus diesem herrlichen Prophetenwort zu hören ist: Wir leben aus dem Versprechen des freundlichen Gottes, dass er es gut mit uns meint.

Und doch hat sich diese Botschaft noch nicht ganz erfüllt. Denn es heißt in ihr auch, dass alle diesen Gott der Gnade erkennen werden. Dass es den Menschen ins Herz geschrieben ist, was das für ein neuer Bund und was das für ein gnädiger Gott ist. Ja, eigentlich bedeutet das, dass diese ganze Predigt eigentlich völlig unnötig ist, weil es doch alle schon wissen, wie freundlich Gott ist. Eigentlich müsste ich mir jedes Wort
über diesen Gott der Gnade sparen können, denn seine Wahrheit lebt in allen Menschen. So sagt es die Verheißung. Und – so weit ist es eben noch nicht.
Und nun könnte man darüber reden, dass in dieser Welt so viele Menschen noch nichts von unserem Gott gehört haben. Man könnte darüber reden, dass auch in unserem Land viele Menschen noch nicht verstanden haben, was es bedeutet, aus dem neuen Bund Gottes heraus zu leben. Das alles könnte man machen. Schade könnte man sagen, dass so viele es noch nicht gehört oder noch nicht verstanden haben.

Doch lassen Sie uns bei uns selbst bleiben! Und damit wenden wir uns von dem Osterfest zum Pfingstfest, das wir am kommenden Sonntag feiern: Bleiben wir bei uns selbst und bitten Gott immer wieder: Guter Gott, lass bei uns nun auch diesen Teil der herrlichen Prophezeiung wahr werden. Schenke deinen Geist, dass wir diese herrliche Wahrheit in unseren Herzen spüren. Und bis dahin gib und schenke, dass wir uns doch gegenseitig immer wieder daran erinnern, dass wir uns doch gegenseitig immer wieder versichern und darüber staunen, was wir für einen Gott haben. Dass wir uns gegenseitig daran erinnern, was es heißt, zum Leben befreit zu sein. Dass wir uns immer wieder Mut zusprechen. Dass wir uns immer wieder Trost zusprechen in Namen dieses Gottes. Dass wir uns immer wieder begegnen – auch wenn das im Moment nicht einfach ist – dass wir uns immer wieder begegnen und in jeder Begegnung etwas von der Freundlichkeit Gottes deutlich wird.

Wir wollen beten:
Menschenfreundlicher Gott! Hilf uns, aus der wunderbaren Verheißung zu leben, die wir heute wieder hören durften. Und vergib uns, wo uns das noch nicht gelingt und wo es uns nicht immer gelingt.
Hilf uns, dass wir großzügig und menschenfreundlich mit anderen und mit uns selbst umgehen. Hilf uns, Nachsicht üben, wenn wir den Schwächen anderer begegnen oder auch unseren eigenen. Hilf uns, Geduld zu üben, wenn wir mit anderen oder mit uns selbst wieder einmal unzufrieden sind. Schenke Neuanfänge dort, wo ein Streit gute Beziehungen getrübt hat. Hilf uns, ganz neu zu lernen, was es bedeutet, auf andere Rücksicht zu nehmen. Weite unseren Blick für die Sorgen der anderen. Weite unser Herz für die Nöte der anderen.
Wir danken wir für all das Gute, das wir auch in diesen Wochen erleben können. Lass es uns sehen. Wie gut ist es, dass Menschen sich füreinander einsetzen. Wie gut ist es, dass nach verantwortungsvollen Wegen in und aus der Krise gesucht wird und dass darum in gegenseitiger Achtung auch diskutiert und gestritten werden kann. Wie gut ist es, dass wir in diesen Wochen auch wieder lernen, was wirklich wichtig ist für uns und unser Leben und wie wichtig das gute Miteinander ist.
Besonders bitten wir Dich heute für die Jugendlichen, die wir eigentlich heute konfirmieren und einsegnen wollten. Lass sie Deine Liebe spüren. Lass sie Deinen Segen spüren.

In der Stille bringen wir vor Dich, was uns im Besonderen nach auf dem Herzen liegt. … Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen. Und es sind Worte eines alten irischen Segens, die uns durch die Osterzeit begleiten wollen. Heute zum letzten Mal für dieses Jahr.
Ich erhebe mich heute durch die Kraft des Himmels, Licht der aufgehenden Sonne,
Glanz des Mondes, Leuchten des Feuers, Eilen des Blitzes, Tiefe des Meeres,
Beständigkeit der Erde, Festigkeit der Felsen.
Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.
Gottes Macht halte mich aufrecht.
Gottes Weisheit führe mich.
Gottes Auge schaue für mich—Gottes Ohr höre für mich.
Gottes Wort spreche für mich --- Gottes Hand schütze mich.
Gottes Weg liege vor mir --- Gottes Schild schirme mich.


Christus sei mir zur Rechten, Christus sein mir zu Linken.
Er die Kraft - er der Friede.
Christus sei, wo ich liege. Christus sei wo ich sitze.
Christus sei, wo ich stehe. Christus sei in der Tiefe.
Christus sei in der Höhe. Christus sei in der Weite.

Christus sei im Herzen eines jeden, der meiner gedenkt.
Christus sei im Munde eines jeden, der von mir spricht.
Christus sei in jedem Auge, das mich sieht.
Christus in jedem Ohr, das mich hört.
Er mein Herr. Er mein Erlöser.

Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft -
die Anrufung des dreieinigen Gottes. AMEN
(Irische Segenswünsche)

Gottesdienst für Sonntag Rogate den 17.05.2020

Rogate heißt dieser Sonntag. Auch dieser Name ist wieder eine Aufforderung. BETET! Eine Aufforderung,
der wir gerne nachkommen wollen. Dabei bin ich mir sicher, dass viele von uns gerade in den letzten Wochen viel, viel gebetet haben. Die Gebetsanliegen waren so vielfältig. Wir hatten so viel Grund zum Beten.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Worte aus dem Psalm 95 bilden heute das Eingangswort:
Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken
und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen
und mit Psalmen ihm jauchzen!
Denn der HERR ist ein großer Gott
und ein großer König über alle Götter.
Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,
und die Höhen der Berge sind auch sein.
Denn sein ist das Meer, und er hat's gemacht,
und seine Hände haben das Trockene bereitet.
Kommt, lasst uns anbeten und knien
und niederfallen vor dem HERRN der uns gemacht hat.
Denn er ist unser Gott
und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

So wollen wir beten:
Guter Gott. Rogate, „Betet!“ heißt der Sonntag und so wollen wir es tun. Wir rufen dich an, guter Gott, und wir bitten Dich, dass Du uns immer wieder die Kraft zum Beten schenkst. Und mit der Kraft zum Beten schenke uns auch das Vertrauen in Dich, dass unsere Worte, unsere Bitten und unser Dank, unser Flehen und unser Fragen, nicht ungehört bleiben. Stärke unser Vertrauen darin, dass unser Gebet immer vor Dich kommt und dass es bei Dir gut aufgehoben ist. Und schenke uns die Gnade, dass wir Deine vielfältigen Antworten auf unsere Gebet hören, sehen und verstehen lernen. Amen

Und als Schriftlesung hören wir heute das Wort, das dann auch das Predigtwort sein wird. Es steht im 1. Timotheus zu Beginn des zweiten Kapitels:
So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen,

für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit.
Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland,
welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus,
der sich selbst gegeben hat als Lösegeld für alle,
als sein Zeugnis zur rechten Zeit.
Dazu bin ich eingesetzt als Prediger und Apostel – ich sage die Wahrheit und lüge nicht –, als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit.
Selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Das Predigtwort für diesen Sonntag ist aus der Bergpredigt Jesu. Sie können es nachlesen bei Matthäus Kapitel 6 in den Versen 5 bis 15:
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
Darum sollt ihr so beten:
Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.
Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Das Vater Unser, das heute den Kern des Predigtwortes bildet, ist das bekannteste und am meisten verbreitete Gebet der Christenheit. Es wird von allen Konfessionen gebetet. Meistens kommt es, so wie auch bei uns Protestanten auch in den Gottesdiensten vor. Allein in den evangelischen Kirchen Deutschlands beten jeden Sonntag etwa 700000 Christinnen und Christen dieses Gebet miteinander. Dann erahnen sie vielleicht, in wie vieler Munde und in wie vielen Herzen dieses Gebet auch heute wieder ist, wenn wir in die ganze Welt hinein schauen. Ja, ich weiß, in diesen Wochen sind es nicht so viele, die es in den Gottesdiensten beten, denn viele Gottesdienste fallen immer noch aus, können immer noch nicht gefeiert werden. Aber ich bin mir sicher, dass das Gebet heute nicht weniger gebetet wird.
Aber nicht nur das macht dieses Gebet so einzigartig. Es ist auch das einzige Gebet, dass Jesus selbst seinen Freundinnen und Freunden mit auf den Weg gegeben hat. Und es ist somit das älteste Gebet der Christenheit. Wir beten wohl auch ältere Gebete, aber die teilen wir uns dann mit unseren jüdischen Brüdern und Schwestern, weil es Gebete des Alten Testamentes sind.

Und noch etwas ist ganz besonders daran. Es kommt kein „Ich“ in diesem Gebet vor. Kein „Ich“ und kein „Mein“ und kein „Mir“. Nur das „Wir“ und das „Uns“ und das „Du“ und das „Dein“. Keine Spur vom „Ich“. Jesus legt denen, die ihm zuhören auch das andere Gebet ans Herz. Er sagt in Vers 6: Wenn du betest …
Er kennt auch das Gebet im Stillen. Das Gebet, in dem ich all meine Sorge und meine Not und mein Leid
vor Gott bringt. Wo ich ihm ganz persönlich mein Herz öffne. Im stillen Kämmerlein soll das geschehen.
Das Gebet zwischen mir und Gott. Mit meinen ganz persönlichen Worten. Und ich darf daran glauben, dass er es hören wird. Ja, Jesus kennt dieses Gebet auch, dieses „Herz-auschütten“. Da gibt es dann ein „Ich“ und ein „Mein“ und ein „Mich“ und ein „Mir“. Und dafür müssen wir uns auch nicht schämen. Dieser große Gott will eben auch mir persönlich ganz nahe kommen und ganz nahe sein.

Aber dann sagt Jesus eben: „Und wenn ihr betet …“, dann redet er davon, dass es neben dem persönlichen Gebet immer auch das andere gibt. Das Gebet, in dem wir als „Wir“ vor Gott kommen. Und in dem wir „unsere“ Sorgen vor ihn bringen. Gott bleibt dabei das „Du“, er bleibt dabei der ganz Nahe. Er bleibt der Gott, der unsere Sorgen hört und unsere Bitten. Aber wir stehen vor diesem Gott in diesem Gebet als Gemeinschaft. Und das Wunderbare: Wir stehen nicht als die Gemeinschaft vor Gott, die da in dem Gottesdienst versammelt ist. Wir stehen als die viel größere Gemeinschaft aller Christinnen und Christen vor ihm.
„Unser tägliches Brot gib uns heute!“ bete wir. “Give us today our daily bread” beten sie in England und Amerika, “Donne-nous aujourd’hui notre pain de ce jour” in Frankreich und Algerien, “Danos hoy nuestro pan de cada día“ in Spanien und in Argentinien, „Dacci oggi il nostro pane quotidiano“ in Italien, “O pão nosso de cada dia nos dá hoje” in Portugal und Brasilien, „khubz-a-nā kafāf-a-nā’a-ʽṭi-nā  al-yawm-a!” in vielen koptischen Kirchen im arabischen Raum. Und alle bitten sie um das tägliche Brot. Dass überall genug sein soll für die Menschen, genug zum Leben. Menschen beten es, die dann nach Hause kommen und einen mehr als gut gedeckten Tisch haben. Menschen, die auf der Flucht sind. Menschen, die nicht wissen, woher sie genug zu Essen für ihre Kinder bekommen oder für die Alten.
Und so legen wir dem großen Gott alle ans Herz. Alle Menschen, die ganze Welt, jeden Winkel und jede Ecke. Mögen alle das bekommen, was sie dringend brauchen. Mögen alle das bekommen, was ihre Not lindert. In den Krankenhäusern in New York, in den Altenheimen in Berlin, in den Waisenheimen in Neu Delhi – wo auch immer.

Ich schreibe das, damit wir spüren, was das für ein mächtiges Gebet ist, das wir da sprechen. Weltumspannend! Und wie wichtig ist das gerade in dieser Zeit! Was für ein mächtiges Gebet! Und ich
stelle mich, wenn ich es bete, mitten hinein in dieses weltumspannende Geschehen. Und wenn ich mir das bewusst machen kann, dann ist das Gebet allein schon eine unglaubliche Kraftquelle. Weil ich wissen darf, dass diese Worte tausend- und millionenfach an Gott gerichtet sind. Und dass sie es sind, weil Jesus es seinen Freunden so ans Herz gelegt hat. Dann kann jedes Wort ein ganz besonderes Gewicht bekommen. Nicht nur „unser tägliches Brot gib uns heute“. Wie viele Menschen werden in diesen Wochen auch diese andere Bitte immer wieder beten und dabei an die Not denken, in der so viele Menschen in diesen Wochen leben: „erlöse uns von dem Bösen!“

Wir wollen beten:
Gütiger und barmherziger Gott. Vater dürfen wir Dich nennen. Unseren Vater. Und wir dürfen unser Gebet immer wieder an Dich richten. Und wir dürfen dabei darauf vertrauen, dass Du es hören wirst und dass Du uns Deine Antworten darauf gibst und dass es gute Antworten sind.
Hilfe uns beten! Gib uns die Glaubenskraft, dass wir Dir immer wieder in den Ohren liegen in dieser Zeit. Dass wir darauf vertrauen, dass du unser Rufen und Bitten hörst. So bitten wir Dich für die vielen Kranken in dieser Welt, in unserem Land und in den anderen Ländern. Sei Du ihnen nahe. Lass es bald Medikamente geben, die lindern und helfen. Wir bitten Dich für die Menschen, die sich für andere einsetzen. Schenke ihnen Kraft und Geduld. Lass sie nicht aufgeben. Und lass auch uns Menschen sein, die da sind für andere, wo immer wir können.
Lass uns alle nicht zu ungeduldig sein in dieser Zeit. Lass uns nicht vorschnell auf´s Spiel setzen, was wir in den vergangenen Wochen erreicht haben. Lass uns mutig nach vorne schauen. Und sei Du besonders auch den Menschen nahe, die es schwer haben in diesen Wochen, die nicht zurecht kommen mit dieser außergewöhnlichen Situation. Schenke auch ihnen Kraft und gute Begleitung.
Wir dürfen ab heute wieder Gottesdienste in den Kirchen feiern in unserem Kirchspiel. Sei Du auch in
diesen Gottesdiensten. Bewahre die, die kommen. Lass uns Stück für Stück ganz neu lernen, mit der neuen Situation umzugehen und darüber lernen, was für uns wichtig ist und wie wir es in diese Zeit hinein umsetzen können. Gib uns dazu die nötige Phantasie.
In der Stille bringen wir vor Dich, was uns im Besonderen nach auf dem Herzen liegt. …
Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Und es sind Worte eines alten irischen Segens, die uns durch die Osterzeit begleiten wollen. Und auch
da kommt das Herz noch einmal vor, das für uns schlägt:
Ich erhebe mich heute durch die Kraft des Himmels, Licht der aufgehenden Sonne,

Glanz des Mondes, Leuchten des Feuers, Eilen des Blitzes, Tiefe des Meeres,
Beständigkeit der Erde, Festigkeit der Felsen.
Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.
Gottes Macht halte mich aufrecht.
Gottes Weisheit führe mich.
Gottes Auge schaue für mich—Gottes Ohr höre für mich.
Gottes Wort spreche für mich --- Gottes Hand schütze mich.
Gottes Weg liege vor mir --- Gottes Schild schirme mich.

Christus sei mir zur Rechten, Christus sein mir zu Linken.
Er die Kraft - er der Friede.
Christus sei, wo ich liege. Christus sei wo ich sitze.
Christus sei, wo ich stehe. Christus sei in der Tiefe.
Christus sei in der Höhe. Christus sei in der Weite.

Christus sei im Herzen eines jeden, der meiner gedenkt.
Christus sei im Munde eines jeden, der von mir spricht.
Christus sei in jedem Auge, das mich sieht.
Christus in jedem Ohr, das mich hört.
Er mein Herr. Er mein Erlöser.

Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft -
die Anrufung des dreieinigen Gottes. AMEN
(Irische Segenswünsche)

Gottesdienst für Sonntag Kantate den 10.05.2020

Das geht eigentlich gar nicht, was wir diesen Sonntag zu tun haben. Kantate heißt der Sonntag. Und das heißt übersetzt: Singt! Uhttps://kirchspiel-muenster.ekhn.de/typo3/backend.php#nd gerade das, das gemeinsame Singen, das ist in diesen Corona-Tagen nicht erlaubt. Für manche ist das einfach nur Schade, für andere eine kleine oder gar mittlere Katastrophe.
So mag es ganz gut sein, dass wie diesen Sonntag noch nicht in der Kirche feiern. Denn was wäre dieser Sonntag ohne das Singen. Doch lade ich Sie ein, wie es ihnen möglich ist, zumindest für sich: zu singen, denn das dürfen wir ja.

Und wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

Und natürlich hat der Eingangspsalm auch das Singen zum Thema: Psalm 98
Singet dem HERRN ein neues Lied,
denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.
Der HERR lässt sein Heil verkündigen;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem HERRN, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen in die Hände klatschen,
und alle Berge seien fröhlich
vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.
(Lutherbibel)

Gebet:
Guter Gott, mit der Sehnsucht nach dem Singen verbinden wir die Sehnsucht nach dem gemeinsamen Feiern, nach dem gemeinsamen Treffen, dem gemeinsamen Teilen von unserem Leben. Schenke uns Geduld. Lass uns über all dem, was in diesen Tagen noch nicht geht nicht undankbar werde für das, was
wir auch ab Bewahrung erfahren durften in den letzten Wochen. Und lass unsre Vorfreude wachsen auf das, was nach diesen Tagen auch wieder kommen wird. So feiern wir diesen Gottesdienst in der Zuversicht, dass Du uns wieder hineinführen wirst in das normale Leben – Stück für Stück. Lass uns Deine Nähe auch in diesem Gottesdienst spüren. AMEN

Und von Dankbarkeit und der Freude auf ein Miteinander ist auch in der Schriftlesung für heute so viel zu spüren: Wir finden sie im Kolosserbrief im dritten Kapitel in den Versen 12 bis 17

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;
13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.
Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid
dankbar.
Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. (Lutherbibel)

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Gemeinde.
Das Predigtwort für diesen Sonntag findet sich im Alten Testament. 2. Chronik 5,2-5,12-14 können Sie es nachlesen:

Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des Herrn hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist.
Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf
und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.
und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder,
angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen
hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.
Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken
dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den
Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN,
sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des
HERRN erfüllte das Haus Gottes.

120 Trompeten! Viele, viele Singende! Und das alles: wie EINE Stimme. Ja, hier geht es nicht um das eine
Lied, hier geht es nicht um den einen Trompeter oder die eine Sängerin. Hier geht es auch nicht darum,
wer gut umgehen kann mit seiner Trompete oder nicht ganz so gut singen kann. Hier geht es um das Wunder, dass sie alle singen und spielen UND ES KLINGT. Es klingt, als wäre es einer oder eine. Es klingt nicht durcheinander. Und es klingt nicht schief und schlecht. Es klingt wundervoll. Wie das bei Wundern so ist! 120 Trompeten und viele, viele Singende und es klingt wie eine Stimme!


Liebe Gemeinde, aus eigener Erfahrung weiß ich: Wo Menschen das erleben, was hier beschrieben wird, da geschieht etwas mit den Menschen. Das macht etwas mit denen, die es hören und das macht etwas mit denen, die musizieren und die singen.
Wenn du es hörst und das Wunder spürst, dann bekommst du tief in dir drin die Gewissheit: Ja, so muss das sein! Das stimmt, was wir hier hören. Das stimmt! Das ist so! Kein Zweifel! Das ist wahr! Man sagt ja nicht umsonst zu etwas, das wahr ist: Das stimmt. Und bei einem Instrument, dass man es stimmt, damit es stimmt.

Du merkst, das stimmt! So, wie sie damals alle miteinander gesungen und gespielt und gehört haben: „Er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig!“ Wie mit einer Stimme singen sie es. Und es klingt so sicher und wahr, dass es die Menschen erfüllt. Sie hören: Gott ist freundlich! Und wie sie es hören, spüren sie es. Weil sie es auf diese besondere Weise hören: wunderbar – wie mit einer Stimme. Und ich merke – während ich es beschreibe – dass ich gar nicht genug Worte finde, weil ich es immer und immer wieder sagen will. Da ist eine unglaubliche Kraft, eine besondere Macht zu spüren. Die Macht und die Kraft, die da besungen wird, die Güte Gottes, die wird eben nicht nur besungen, sondern in diesem Moment auch spürbar.

Und ich lade sie an dieser Stelle ein, einfach im Gesangbuch nach einem ihrer Lieblingslieder zu suchen und mal für sich zu singen oder zu sprechen oder zu summen. Oder nehmen sie das Lied 286 „Singt, singt dem Herren neue Lieder“, denn das ist nach unserem Eingangspsalm geschrieben. „Wo sind nun alle unsre Leiden, der Herr schafft Ruh und Sicherheit“, heißt es da. Wie schön wäre es, wenn wir das heute aus vielen Kehlen und mit der Orgel wie eine Stimme hören könnten: Der Herr schafft Ruh und Sicherheit! Ja, das stimmt!

Aber, liebe Leserin, lieber Leser, liebe Gemeinde! Die Botschaft, die da in Worten gesungen wird, die ist nur das eine. Das andere ist die Botschaft, die alleine dadurch verkündigt wird, DASS da alle miteinander singen. Diese Botschaft sagt: Wir sind gemeinsam wirklich eine Macht. Wir sind gemeinsam stark. Wir können so vieles tun, so viel Gutes. Wenn wir erkennen, dass wir mit einer Stimme reden können wie wir mit einer Stimme singen können. So kann das gemeinsame Singen selbst zu einem Zeichen werden.

„One Voice“ ist der Titel eines Liedes von Ruth Moody. „One voice“ heißt: Eine Stimme!
In diesem Lied, das auch der Gospelchor singt und irgendwann bald hoffentlich auch mal wieder
miteinander singen kann heißt es im übertragenen Sinne
in der ersten Strophe: So klingt eine Stimme, eine Stimme, die erfüllt ist vom Geist und die eine Entscheidung getroffen hat.
In der zweiten Strophe kommt eine Stimme dazu: So klingen zwei Stimmen, so klingt es, wenn wir zwei miteinander singen. Wenn wir uns gegenseitig aushelfen damit wir durchhalten.
In der dritten Strophe kommt eine dritte Stimme dazu: So klingen drei Stimmen, die im Wohlklang singen und die sich auf dieses Wunder des Klangs einlassen.
In der vierten Strophe heißt es dann: So klingt es, wenn wir alle miteinander singen – voller Liebe und dem festen Entschluss zu vertrauen. Lasst das Arge und Traurige hinter euch, es wird vergehen.
Und in der letzten Strophe dann das größte Geheimnis, wenn alle zusammen singen: So klingt es, wenn alle zusammen mit einer Stimme singen. Alle zusammen mit einer Stimme. Dieses Lied, das uns allen gilt und uns allen Kraft schenken will!

Ich weiß, wir können ein solches Lied heute nicht miteinander singen. Und Lieder wollen eigentlich gesungen werden. Aber wir können uns darüber an etwas anderes erinnern lassen:

WIR SIND SO VIELE! Wie sind so viele, die heute dieses Lied hören, was dort im Buch der Chroniken beschrieben und besungen wird. Wir sind so viele, die hören dürfen, dass Gott ein barmherziger, gütiger und freundlicher Gott ist. Und wir sind so viele, die diesem Gott ihre Nöte und ihre Sorgen anvertrauen. Und wir sind so viele, die schon erfahren haben, dass dieser Gott durch persönliche Nöte und Tiefen mitgegangen ist. Und wir sind so viele, die diesen Gott auch in diesen Tagen um Hilfe und Geleit bitten. Und wir sind so viele, die diesem Gott vertrauen, dass er auch dieses Mal mitgehen wird. Wie sind so viele, die Gott im Sinn und in den Herzen tragen. Wie mutmachend ist das!!!!!!!! Auch ohne dass wir heute miteinander singen können. Auch diese Zeit wird wieder kommen. Nächste Woche fangen wir erst einmal ganz sacht ohne den Gemeindegesang wieder an mit den Gottesdiensten. Dennoch werden auch in den kommenden Wochen die Gottesdienste bei uns auf der Homepage stehen. Amen

Fürbittgebet
Gütiger Gott, wir können heute nicht miteinander singen. Aber wir können miteinander beten. Auch wenn es ein jeder und eine jede für sich tut. Wir können miteinander beten und wir können dir vertrauen – miteinander. Auf dein Wort miteinander bauen und die Hoffnung auf Dich miteinander teilen.
Lass das immer wieder geschehen. Sei Du uns dabei nahe mit Deiner Liebe und Freundlichkeit.
Schenke uns die nötige Zuversicht und die nötige Geduld, die wir immer noch brauchen. Sei Du denen nahe, die heute traurig sind, weil sie nicht besucht werden können. Sei Du bei den Müttern, die heute den Muttertag alleine feiern müssen. Sei Du bei den Kranken und Traurigen, den Einsamen und den Verzweifelten, den zu Ungeduldigen. Lass uns in aller Unsicherheit in Dir und im Glauben sicher sein.
Sei Du bei den Helfenden und denen, die die Hilfe brauchen. Sei Du bei denen, die entscheiden müssen und bei denen, die zu diesen Entscheidungen beitragen.
Sei Du bei den Menschen in unseren Dörfern und in unserem Land. Bei den Menschen, die Dir vertrauen überall in der Welt. Sei Du da in unseren Kirchen. Begleite auch sie gut durch diese Krisenzeit und lass sie selbst gute Begleiter sein für die Menschen.
In der Stille bringen wir all das vor Dich, was uns im Besonderen noch bedrückt und auf dem Herzen liegt:

…. Lass uns Deine Nähe spüren, so dass wir einstimmen können in den Gesang »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Und es sind Worte eines alten irischen Segens, die uns durch die Osterzeit begleiten wollen. Und auch da kommt das Herz noch einmal vor, das für uns schlägt:

Ich erhebe mich heute durch die Kraft des Himmels, Licht der aufgehenden Sonne,

Glanz des Mondes, Leuchten des Feuers, Eilen des Blitzes, Tiefe des Meeres,
Beständigkeit der Erde, Festigkeit der Felsen.
Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.
Gottes Macht halte mich aufrecht.
Gottes Weisheit führe mich.
Gottes Auge schaue für mich—Gottes Ohr höre für mich.
Gottes Wort spreche für mich --- Gottes Hand schütze mich.
Gottes Weg liege vor mir --- Gottes Schild schirme mich.

Christus sei mir zur Rechten, Christus sein mir zu Linken.
Er die Kraft - er der Friede.
Christus sei, wo ich liege. Christus sei wo ich sitze.
Christus sei, wo ich stehe. Christus sei in der Tiefe.
Christus sei in der Höhe. Christus sei in der Weite.

Christus sei im Herzen eines jeden, der meiner gedenkt.
Christus sei im Munde eines jeden, der von mir spricht.
Christus sei in jedem Auge, das mich sieht.
Christus in jedem Ohr, das mich hört.
Er mein Herr. Er mein Erlöser.


Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft -
die Anrufung des dreieinigen Gottes. AMEN
(Irische Segenswünsche)

Gottesdienst für Sonntag Jubilate den 03.05.2020

Gottesdienst für den Sonntag Jubilate
Jubilate heißt dieser Sonntag. Das Wort Jubel hat genau mit diesem Namen zu tun.
Jubilate bedeutet: Jubelt!
Und da werden manche sagen: Das passt gut! Und andere, die werden sagen: Oh, zumJubeln ist mir nun gar nicht zumute! Schauen wir also mal, was dieser Gottesdienst mit uns macht.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Worte aus dem 66sten Psalm bilden heute das Eingangswort:
Jubelt alle Gott zu, jubelt ihm überall zu.
Singt ihm zur Ehre. Lobt ihn und sagt: Deine Werke sind so groß und wunderbar.
Da können wir nur staunen! Und alle wollen wir einladen und sagen:
Kommt und seht euch diese Wunder Gottes an. Seht euch an, wie er uns Menschen
behandelt.
Wie er da ist für die, die ihn anrufen und ihn brauchen. Er, der unsere Seelen am Leben
erhält und unseren Fuß nicht gleiten lässt! Amen

So wollen wir beten:
Guter Gott. Die Zeit wird kommen, da können wir uns in den Kirchen wieder begegnen.
Dankbar sind wir dir dafür, wenn es wieder so weit ist. Dankbar sind wir aber auch, dass
wir heute Dein Wort hören können und darüber staunen können. Lass uns aus Deinem
Wort Kraft schöpfen für die Herausforderungen, die uns das Leben in dieser
Ausnahmesituation immer wieder abfordert. Amen

Und als Schriftlesung hören wir heute das Wort, das dann auch das Predigtwort sein
wird. Es steht bei Johannes zu Beginn des 15ten Kapitels:
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die
Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst,
wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm,
der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man
sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt,
und es wird euch widerfahren.
Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
Selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der
Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen
Die Predigt
Das Predigtwort haben Sie schon gelesen. Und damit auch den einen Vers, der so heraussticht aus diesen Worten: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Jesus sagt das zu seinen Freunden. Und das ist erst einmal, das kann man zuerst
feststellen, ein sehr einladendes und auch ein sehr freundliches Bild. Weinstock und
Reben, das kann man sich so richtig vorstellen. Weinstock und Reben, da kommt Gutes
raus. Da kommt gesunder Traubensaft raus oder herrlicher Wein.
Das scheint eine wunderbare Sache zu sein, wenn das zusammenpasst zwischen mir und
diesem Jesus. Wenn das ist wie Weinstock und Reben, das ist das doch wundervoll. Das
mag und kann man sich doch gut wünschen.
Jesus und ich – Weinstock und Rebe.

Wie sieht diese Verbindung aus zwischen Ihm und Ihnen, zwischen Ihm und Dir,
zwischen Ihm und mir.
Es muss und soll, so sagt es die Bibel an dieser Stelle eine sehr innige Verbindung sein.
Innig im wahrsten Sinne des Wortes, denn Jesus sagt: Wer IN mir bleibt und ich IN ihm.

IN-nig!Was heißt das?
Sehr nah ist man sich da. Sehr vertraut ist man sich. Und man ist vertraut miteinander.
Man braucht nicht viele Worte. Man kennt sich. Man ist offen füreinander. Man hat eine
tiefe Zuneigung zueinander. Man ist wohl bekannt.
Und wer jetzt erst einmal schluckt und sich fragt, ob man denn selbst so eine Verbindung
zu diesem Jesus hat, der staune doch erst einmal darüber, dass es Jesus ist, der so eine
Beziehung zu uns hat – zu jedem und jeder von uns. Jesus will ein solch inniges
Verhältnis zu jedem und jeder von uns haben. Und ich kann das, was das bedeutet, gerne
noch einmal durchbuchstabieren, dass wir nochmal drüber staunen können.

Jesus will uns sehr nahe sein. Das bedeutet es zuerst. Und das ist für mich in dieser Zeit
ein großer Trost. In der Zeit, in der wir einander leider nicht nahe sein können, ist er uns
doch nahe. In der Zeit, in der viele von uns die Nähe zueinander sehr vermissen und in
der wir wissen, dass „die Sache mit den 1 Meter fünfzig“ uns wahrscheinlich noch viele
Wochen begleiten wird, da tut das doch gut. Jesus hält keinen Sicherheitsabstand, den wir
doch einhalten müssen – dem und der anderen zuliebe – auch wenn es schwer ist. Jesus
braucht das nicht. Er hat immer die Nähe gesucht zu denen, die die Nähe brauchten. Das
macht die Bibel deutlich.

Jesus hat eine tiefe Zuneigung zu uns. Ich selbst sehe, wenn ich das sage, immer ein
Bild des venezianischen Malers Tintoretto vor mir. Es beschreibt einen Teil der biblischen
Geschichte. Jesus hilft dem Mann, der seit vielen Jahren an einem Teich darauf wartet,
dass jemand ihn gesund macht, indem er ihn zum Wasser trägt. Und der Mann wartet
über Jahre vergeblich. Und dann kommt Jesus. Und – so kann man es auf dem Bild von
Tintoretto sehen – der beugt sich ganz tief runter zu dem am Boden liegenden Mann. Es
ist fast schon eine Verneigung vor diesem armen, einsamen Mann. Tiefe Zuneigung. Mit
jeder Faser seines Körpers wendet sich Jesus diesem Mann zu, den die anderen vergessen
haben, den die anderen übersehen.

Wir sind Jesus sehr vertraut. Auch das macht er immer wieder deutlich. Er sieht den
Menschen tief in ihr Herz. Und damit sieht er den Menschen tief in ihre Not und tief in
ihre Angst. Und das lässt er die Menschen spüren. Aber nicht, ohne ihnen deutlich zu
machen: Ich sehe deine Not. Und weil ich weiß, was Du brauchst, will ich es Dir geben.

Und damit kommen wir zu dem zweiten Teil, der erst einmal viel schwieriger scheint.
Dass Jesus zu den Menschen ein inniges Verhältnis hat, das macht die Bibel in so vielen
Versen und Geschichten deutlich. Aber - Wie können wir Jesus so nahe sein? Wie kann
das ein inniges Verhältnis sein?

Und damit sind die Fragen verbunden: Wie kann man sich Jesus nahe fühlen? Wie kann man sich diesem Jesus anvertrauen?

Das hat etwas mit dem Gefühl zu tun besser gesagt: mit Gefühlen. Wie das Bild vom Weinstock und den Reben ein schönes Bild ist, weil es ein schönes Gefühl in uns wachruft, so will unser Glaube und unser Vertrauen auf Jesus ein gutes Gefühl in uns wachrufen. Seine tiefe Zuneigung zu mir, die macht mich sicher. Die schenkt mir Hoffnung. Die macht mir Mut.
Wenn ich das für mich beschreiben sollte, dann hätte das natürlich auch wieder etwas mit
der Musik zu tun. Sie kennen ihn vielleicht: den Ohrwurm. Der Ohrwurm, das ist ein
Lied, diese Melodie, die einfach durch den Kopf summt und klingt. Dieses Lied oder
diese Melodie, die man nicht los wird, die einen oder eine einfach für eine Weile
begleitet. Nun weiß ich, dass dieser Vergleich seine Schwäche hat. Denn es gibt gewiss
Ohrwürmer, die nicht so besonders schön sind. Manchmal, da begleiten einen dann eben
auch Lieder, die irgendwo herkommen und die gar nicht zu den Lieblingsliedern gehören
und die dann irgendwann mal zu nerven anfangen. Insofern hinkt der Vergleich mit dem
Ohrwurm natürlich.

Aber – Jesus kann so etwas wie eine Melodie sein, die mein Leben begleitet. Wie eine –
eben sehr schöne und sehr wohltuende – Melodie, die in meinem Kopf und in meinem
Herzen zuhause ist. Jesus IN mir! Wie eine Melodie, die tröstet und gut tut. Wie eine
Melodie, die Ruhe bringt und Sicherheit. Weil es eine Melodie ist, die tief in mir ist, die
mir bekannt ist, mit deren Klang ich vertraut bin. So, wie Eltern ihre kleinen Kinder
manchmal ganz sanft mit einer gesummten Melodie beruhigen können.

Menschen, die damit ein wenig geübter sind, die werden mit diesem In-nigen Gefühl
noch mehr anfangen können. Die können wirklich in sich gehen und diesem Gefühl
nachspüren. Man nennt das dann Meditation.
In den orthodoxen Kirchen gibt es ein besonderes Gebet, das Herzensgebet. Es besteht oft
nur aus dem Namen Jesus Christus. Die Betenden bewegen diesen Namen dann in ihrem
Herzen. Sie hören so immer wieder diese Melodie und tragen, das ist ihr Glaube, Jesus
ein Stück weit in sich.

Das klingt natürlich für unsere Alltage ziemlich weit hergeholt. Aber sie können es ja mal
versuchen. Sie können ja mal versuchen, sich erst einmal bewusst zu machen, wie nahe
ihnen Jesus kommen will und kann. Und dann können sie ja in ruhigen Momenten mal
versuchen, einfach dieser Wahrheit, auch wenn es für sie vielleicht eine ziemliche
Unmöglichkeit zu sein scheint, dieser Wahrheit nachzugehen. Einfach mal den Namen
aussprechen. Jesus. Und dem dann mal nachspüren, was das macht.

Zuallererst ist es aber doch das Große, dass wir uns klar machen dürfen nach diesem
Predigtwort, dass uns Jesus so nahe kommen will, dass er in uns zuhause sein will, ganz
innig. Amen

Wir wollen beten:
Guter Gott, sei Du da für uns. Da sind so viele unterschiedliche Gefühle in uns. Da ist
Angst und da ist Sorge. Wie wird es weitergehen in den nächsten Tagen und Wochen und
Monaten? Da ist die Unsicherheit. Wie entwickelt sich unser Leben weiter. Wie schnell
oder wie langsam geht es nun voran? Wie geht es uns persönlich weiterhin? Wie geht es
unseren Liebsten? Wie geht es diesem Land? Was macht die Wirtschaft? Wie geht es mit
der Kirche weiter und den Gottesdiensten? Wann können wir uns wieder ganz normal
begegnen? Wann können wir wieder miteinander feiern? Wann können wir uns wieder
besuchen? So viele Fragen und so viele Unsicherheiten, die jetzt mit den Lockerungen
nicht weniger werden sondern erst einmal mehr.
Dass Du uns nahe bist, das haben wir gehört. Wir bitten Dich: Lass uns das auch spüren.
Lass uns das auch spüren und mache unsere Geduld groß und unsere Hoffnung. Sei Du
da bei den Menschen, die sich einsetzen für das Leben. Im gesamten Gesundheitssystem
aber auch sonst in unserer Gesellschaft. Sei Du da, wo die Entscheidungsträger in diesen
Tagen so schwere Entscheidungen zu treffen haben. Sei Du da auch in der Not, die die
Menschen in anderen Ländern haben, wo sie oft noch viel größeren Belastungen
ausgesetzt sind.
In der Stille bringen wir das vor Gott, was uns im Besonderen noch wichtig ist:….
Guter Gott, nimm Dich unserer Not an. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Und es sind Worte eines alten irischen Segens, die uns durch die Osterzeit begleiten
wollen. Und auch da kommt das Herz noch einmal vor, das für uns schlägt:

Ich erhebe mich heute durch die Kraft des Himmels, Licht der aufgehenden Sonne,

Glanz des Mondes, Leuchten des Feuers, Eilen des Blitzes, Tiefe des Meeres
, Beständigkeit der Erde, Festigkeit der Felsen
. Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.
Gottes Macht halte mich aufrecht.
Gottes Weisheit führe mich.
Gottes Auge schaue für mich—Gottes Ohr höre für mich.
Gottes Wort spreche für mich --- Gottes Hand schütze mich.
Gottes Weg liege vor mir --- Gottes Schild schirme mich.

Christus sei mir zur Rechten, Christus sein mir zu Linken.
Er die Kraft - er der Friede.
Christus sei, wo ich liege. Christus sei wo ich sitze.
Christus sei, wo ich stehe. Christus sei in der Tiefe.
Christus sei in der Höhe. Christus sei in der Weite.

Christus sei im Herzen eines jeden, der meiner gedenkt.
Christus sei im Munde eines jeden, der von mir spricht.
Christus sei in jedem Auge, das mich sieht.
Christus in jedem Ohr, das mich hört.
Er mein Herr. Er mein Erlöser.

Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft -
die Anrufung des dreieinigen Gottes. AMEN
(Irische Segenswünsche)

Gottesdienst für Sonntag Misericordias Domini den 26.04.2020

Die Sonntage in dieser Zeit des Kirchenjahres haben schon ihre besonderen Namen. Manche klingen in unseren Ohren sehr fremd. Misericordias Domini, die Barmherzigkeit und Freundlichkeit Gottes! Das Bild für diese Barmherzigkeit Gottes ist das Bild des „guten Hirten“. Gott als der Hirte, der Acht gibt auf „seine Schäfchen“.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Und das Eingangswort ist an diesem Sonntag dann auch DAS Wort vom guten Hirten. Es ist der Psalm 23.

Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Amen (Luther Bibel)

So wollen wir beten:
Guter Gott, deine Herde ist in diesen Wochen nicht gemeinsam in der Kirche versammelt. Wir bitten Dich, lass uns dennoch spüren, dass wir nicht alleine sind. Auch nicht an diesem Sonntag, auch nicht bei diesem Gottesdienst, den wir getrennt voneinander erleben und feiern. Lass uns spüren, dass uns vieles verbindet miteinander. Und sei Du da mit deinem Geist und Deiner Freundlichkeit. Amen

Und als Schriftlesung lesen wir heute das Wort Jesu aus dem Johannesevangelium. Es steht im 10ten Kapitel in den Versen 11 bis 16 und 27 bis 30. Jesus sagt in dieser Stelle:

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.
Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen.
Ich und der Vater sind eins.

Selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja.

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.


Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.  Amen


Die Predigt
Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im Ersten Petrusbrief in den Versen 21 bis 25.
Auch da geht es um Hirten und Schafe. Und ich gestehe es gerne: Ich kann mit dem Bild von der Gemeinde als einer Herde von Schafen nicht so viel anfangen. Ich verstehe, was dahinter steckt. Ich begreife, was damit gemeint ist: dass wir gut behütet sind in Gottes Liebe. Aber das Bild vom Schäfchen ist für mich doch weiter weg.

Aber hören wir erst einmal auf das Predigtwort:
Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. (Lutherbibel 2017)

Puh. Wenn man dieses Wort erst einmal gelesen hat, dann liest man es vielleicht ein zweites Mal. Und dann hat man es vielleicht immer noch nicht verstanden. Kurzum: Einladend ist dieses Wort beim ersten Lesen gewiss noch nicht. Vielleicht sogar ein wenig abschreckend. Sehr schwer – nicht nur zu verstehen, sondern auch in der Gewichtigkeit seiner Sprache. „der unsere Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leib auf das Holz“, das klingt in unseren Ohren sehr, sehr fremd.

In Gottesdiensten, in denen wir solche Worte hören, heißt das, dass wir kurz stutzen und dass wir dann mit unseren Gedanken weitergehen. In Predigten, in denen man solche Worte liest, da besteht die Gefahr, dass man sagt: Nee, damit kann ich nichts anfangen. Und dann stolpert man nicht nur über solche Sätze, sondern sie werden zu Bremsklötzen, die uns daran hindern, uns auf die Botschaft, auf die Nachricht einzulassen. Und dann würde das bedeuten, dass der lesende Mensch sich denkt: „der unsere Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leib auf das Holz“ – nein, das verstehe ich nicht, damit kann ich nichts anfangen, das ist mir so fremd, da bin ich draußen.

Wie schlimm wäre das! Denn sowohl das Bild vom Schaf, das behütet ist und auch dieses Bibelwort, wollen ja keine Bremsklötze sein für uns, sondern sie wollen uns trösten und Mut machen: Da ist eine Macht, eine Kraft, eine Liebe. Da ist Gott, der sorgt sich um uns. Der gibt Acht auf uns. Der hat ein Herz für uns. Der hat ein Ohr für uns und Augen auf uns und einen Mund, mit der er zu uns spricht. Nicht nur im übertragenen Sinne ist das gemeint.

Dieser Gott hat ein Herz für uns – und das schlägt manchmal in einem Menschen, der uns liebt. Dem hat Gott das Herz groß gemacht, damit dieser liebende Mensch uns Trost schenken kann. Und dieser Gott hat Ohre für uns. Und das sind dann vielleicht die Ohren des Menschen, mit dem wir gerade telefoniert haben. Und der unsere Not gehört hat, der ein Ohr hatte, das Gott ihm für meine Not geöffnet hatte. Und dann hat Gott auch einen Mund. Und das ist dann vielleicht die Freundin, die mir gestern genau das richtige gesagt hat, als ich mir ihr geredet habe. Weil Gott dieser Freundin diese richtigen Worte für mich geschenkt hat. Und dann hat Gott auch ein Auge auf uns. Und das sind dann die Augen des Freundes, der mich gestern auf zwei Meter Entfernung gesehen hat und dabei trotzdem gemerkt hat, dass da was nicht stimmt. Und Gott hat ihn so aufmerksam gemacht, dass er genau das sehen konnte.

Sie merken, was das für eine umfassende und wunderbare Botschaft ist, die wir da heute hören dürfen. Dass Gott uns mit seiner Liebe ganz und gar umgibt und umfängt. Das ist eben keine Theorie. Das sind keine abstrakten Ideen. Das sind keine rein bildlich gesprochenen Trostworte. Und das ist schon gar kein naives Denken und Reden. Das ist vielmehr Realität, die wir erleben dürfen. In Telefonaten, in Gesprächen, in den spärlichen Begegnungen, die wir in diesen Zeiten haben. In Mails und in Gedanken, die wir uns umeinander machen. Das Herz, das Gott für uns hat, das schlägt eben oft genug in Menschen, die da sind für uns. Es ist das Herz, das Gott stark macht für uns.

Nun mag es nicht wenige Menschen unter uns geben, die traurig sagen: Ja, so etwas bräuchte ich jetzt. So ein Herz, das sich kümmert, solche Ohren, die hören, solche Augen, die auf mich sehen. Und damit sind wir dann wieder bei dem Predigtwort angekommen. Seine Botschaft will uns Mut machen. Jesus Christus, das ist das Versprechen Gottes an uns. Dieser Christus hat unsere Not mit ans Kreuz genommen und er hat uns damit neu gemacht, „wieder zu Schafen seiner Herde“, wenn Sie so wollen. Ich weiß, das klingt auch theoretisch. Ist aber auch wieder ganz praktisch. Denn das heißt, dass wir ermutigt sein dürfen im Beten und im Handeln.

Ermutigt sein können im Beten, das bedeutet, dass wir, wenn wir traurig feststellen, dass wir jetzt gerade ein Herz bräuchten, das sich kümmert, dass wir dann gerade darum beten. „Jesus, du hast für uns dein Leben gegeben. Lass mich in meinem kleinen Leben spüren, dass du da bist. Dass du auch mich dabei im Sinne hattest, als du das gemacht hast, was du gemacht hast.“

Ermutigt sein im Handeln, das bedeutet, dass wir uns erkennen als die, die wir in Gottes Namen sind: Menschen, die berufen sind, ein Herz zu haben für den Nächsten, Ohren zu haben für die Nächste, Worte zu finden für den Fragenden und Augen zu haben für die Unsichere. So funktioniert Kirche. Amen

Wir wollen beten:
Guter Gott, sei Du da für uns. Und lass uns da sein für einander. Ja, das ist schwer in diesen Tagen, in denen „da sein für die anderen“ oft genug heißt, „ihnen nicht zu nahe zu kommen“. Wir bitten Dich: Lass uns dennoch Wege finden, einander Mut zu machen und Kraft zu schenken.
Alle Fachleute sagen, dass wir uns noch auf eine lange Zeit mit vielerlei außergewöhnlichen Maßnahmen einstellen müssen. So mache uns stark im Beten füreinander und im Denken aneinander.
Mache unsere Herzen weit für Dein Wort. Und mache unsere Herzen weit füreinander. Denn das Denken aneinander und das Beten füreinander, das kennt keine Abstandsregeln.
Sei Du bei allen, die sich in diesen Zeiten einsetzen für andere. In den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. In den Seniorenheimen und in den Ämtern. In der Politik und in der Wissenschaft.
Schenke auch unserer Kirche die Kraft, da zu sein für die Menschen - in dem beschränken Rahmen, der in diesen Tagen zur Verfügung stehen.
Und wir wollen auch die Not nicht vergessen, die an so vielen anderen Orten in dieser Welt herrscht. Sei du auch dort.
Wir bringen auch die vor Dich, die für diese Wochen und Monate schöne Feste geplant hatten. Die Konfirmation oder Taufen oder Hochzeiten. Schenke ihnen und uns die Geduld und erhalte ihnen und uns neben der Traurigkeit, dass die Feste verschoben werden mussten, die Vorfreude, dass wir sie gemeinsam feiern werden, wenn es dann wieder möglich ist.
In der Stille bringen wir das vor Gott, was uns im Besonderen noch wichtig ist:….

Guter Gott, nimm Dich unserer Not an. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Und es sind Worte eines alten irischen Segens, die uns durch die Osterzeit begleiten wollen.
Und auch da kommt das Herz noch einmal vor, das für uns schlägt:

Ich erhebe mich heute durch die Kraft des Himmels, Licht der aufgehenden Sonne,

Glanz des Mondes, Leuchten des Feuers, Eilen des Blitzes, Tiefe des Meeres,
Beständigkeit der Erde, Festigkeit der Felsen.
Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.


Gottes Macht halte mich aufrecht.
Gottes Weisheit führe mich.
Gottes Auge schaue für mich -- Gottes Ohr höre für mich.
Gottes Wort spreche für mich --- Gottes Hand schütze mich.
Gottes Weg liege vor mir --- Gottes Schild schirme mich.

Christus sei mir zur Rechten, Christus sein mir zu Linken.
Er die Kraft - er der Friede.
Christus sei, wo ich liege. Christus sei wo ich sitze.
Christus sei, wo ich stehe. Christus sei in der Tiefe.
Christus sei in der Höhe. Christus sei in der Weite.

Christus sei im Herzen eines jeden, der meiner gedenkt.
Christus sei im Munde eines jeden, der von mir spricht.
Christus sei in jedem Auge, das mich sieht.
Christus in jedem Ohr, das mich hört.
Er mein Herr. Er mein Erlöser.

Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft -
die Anrufung des dreieinigen Gottes. AMEN
(Irische Segenswünsche)

Gottesdienst zum Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti) dem 19.04.2020

Gerne wünsche ich euch und Ihnen noch einmal ein gesegnetes Osterfest. Denn wir sind mit dem Blick auf das Kirchenjahr noch ganz und gar in der Osterzeit. Und sich das klar zu machen tut ganz gut. Es ist Ostern geworden und diese Kraft des Neuanfangs wollen wir spüren.

So feiern wir diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Im Namen des Auferstandenen! AMEN

Nach dem Psalm 116 lädt uns das Eingangswort zum Mitbeten ein.
Ich freue mich, dass der gütige Gott mein Rufen und Beten hört.
Das macht mir Mut, ihn weiter anzurufen und weiterzumachen mit dem Beten.
Der Kummer war groß. Ich kam in große Not.
Und dann habe ich gebetet. „Herr, errette mich!“
Und Gott ist gnädig und er ist barmherzig.
Der Herr behütet die, die schwach sind und ohnmächtig. Das habe ich gemerkt.
Wenn ich schwach bin, dann hilft er mir. So hat er es getan.
So sei nun wieder zufrieden meine Seele.
Gott ist für dich da.
Aus diesem Glauben will ich leben.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten! Amen

So wollen wir beten.
Lebendiger, liebender Gott. Ja, lebendig bist Du und voller Liebe. Und Deine Liebe hat ein Ziel: Sie will uns erreichen. Sie will uns Kraft geben, Mut machen und Hoffnung schenken. So lass uns Deine Liebe spüren. Gut, dass wir heute wieder Dein Wort hören. Wir können es in diesen Zeiten gut gebrauchen. So schenke uns Deinen guten Geist, dass wir es gut hören und lesen können. AMEN

Und so lesen wir die Schriftlesung, wie sie heute im Ersten Petrusbrief im ersten Kapitel in den Versen 3 bis 9 steht:
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit. (Lutherbibel 2017)
Und selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort Gottes hört und in euren Herzen bewahrt. AMEN

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen

Die Predigt
Der Sonntag nach Ostern hat schon einen sehr merkwürdigen Namen. Quasimodogeniti. Manch einer mag da erst einmal an den Glöckner von Notre-Dame denken. Den hat Victor Hugo Quasimodo genannt. Aber damit hat dieser Sonntag natürlich nichts zu tun. Vielmehr nimmt der Name Bezug auf eine Bibelstelle im Ersten Petrusbrief im zweiten Kapitel im zweiten Vers. Dort heißt es: „Wie die neugeborenen Kindlein seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch.“ Und Quasimodo geniti heißt eben: Wie die kleinen Kinder.

Der Sonntag lädt uns also dazu ein, dass wir mal nicht als die Erwachsenen Vorbilder sind für die Kinder, sondern dass die Kinder manchmal auch Vorbilder sein können für uns.

Ich gestehe es. In unserer momentanen Situation habe ich beim Namen dieses Sonntags erst einmal an etwas anderes gedacht. Mir selbst geht es ab und an auch mal wie kleinen Kindern: Viele von ihnen und euch werden das kennen. Da ist man im Auto unterwegs nach irgendwo. Und kaum ist das Auto auf der Straße, da kommt auch schon das erste Mal die Frage: „Wann sind wir denn da?“ Das kenne ich im Moment. Nicht, dass ich ständig mit dem Auto unterwegs wäre. Aber die Frage: „Wann sind wir denn da?“ die finde ich im Moment in vielen anderen Fragen wieder: „Wann können wir endlich wieder Gottesdienste in der Kirche feiern?“ „Wann können wir wieder miteinander singen?“ „Wann können wir wieder miteinander etwas gemeinsam erleben?“ Ja, die Ungeduld ist manchmal wie die der kleinen Kinder. Auch wenn der Verstand natürlich weiß, dass es gut ist, wenn wir uns noch eine Weile gedulden und uns noch einige Zeit zurückhalten.

Vielleicht hilft uns in dieser merkwürdigen Situation auch das Predigtwort weiter:

Das Bibelwort, das an diesem Sonntag unser Predigtwort ist, steht im Buch des Propheten Jesaja. Sie finden es im 40sten Kapitel in den Versen 26 bis 31.
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Das ist mal ein wahres Kraftwort. Sozusagen ein Proteinriegel für die Seele. Proteinriegel oder Proteindrinks, die sollen ja gut sein für Menschen, die viel Sport treiben. Und da Protein umgangssprachlich Eiweiß genannt wird, könnten ja Scherzkekse meinen, dann wir damit an Ostern dann genau richtig sind. Aber darum geht es nicht. Es geht eben um dieses wunderbare Kraftwort aus dem Jesajabuch.

„Die auf den Herren harren, kriegen NEUE KRAFT“, heißt es da. Und harren bedeutet: Warten. Und kurz vorher wird dann auch gesagt, wer denn diejenigen sind, die auf den Herren warten. Das muss man sich dann aber ein wenig genauer anschauen, dass man und frau es auch richtig verstehen kann:

Die Unvermögenden, so heißt es da, die Unvermögenden, die bekommen ganz neue Stärke. Und die Unvermögenden, das sind nicht die, die zu wenig Geld haben, sondern die, die spüren, dass sie mit ihrer eigenen Kraft da nicht mehr durch kommen, dass ihre eigene Kraft nicht mehr ausreicht um das Leben zu meistern mit all seinen Anforderungen und Problemen.

Und wenn wir in diesen Zeiten etwas lernen, dann wohl das, dass diese Gruppe der Unvermögenden ganz schön groß ist. Denn wir alle gehören zu dieser Gruppe. Das Predigtwort sagt das ja ebenso: Auch Jünglinge und Starke straucheln und fallen. Zumindest da, wo sie meine, dann doch alleine und aus eigener Kraft das Leben mit all seinen Herausforderungen meistern zu können. Ich denke, der Virus macht uns allen wieder einmal deutlich, dass das eine große Illusion ist und auch eine gefährliche Illusion, weil sie uns manchmal ins Unglück stolpern lässt.

Nein, wir alle gehören zu den Unvermögenden, zu denen, denen oft genug die Kraft fehlt. Und begreifen müssten und müssen wir – wie die kleinen Kinder – dass wir vieles alleine schaffen können. Dass wir manchmal sogar ganz großartiges alleine vollbringen können. Dass wir aber dann, wenn mal was schrecklich danebengegangen ist, wenn wir wieder mal krachend gescheitert sind, dass wir dann jemanden brauchen, zu dem wir hinrennen können und der uns trösten kann.

Ja, und wenn die Kinder dann von der Mama oder vom Papa getröstet worden sind, dann sind die Tränen manchmal ganz schnell getrocknet und sie fangen wieder an, die Welt zu erobern. Und der Bauklotzturm, der eben noch zusammengebrochen ist, der wird wiederaufgebaut.

So will Gott sein für uns! Dieser Ort kann der Glaube sein für uns. Der Glaube an Gott als den Ort, zu dem wir immer wieder kommen können, wenn wir spüren, dass wir mit der eigenen Kraft nicht mehr weiterkommen. Im Gebet und im Lesen der Bibel können wir das dann erfahren. Tief im Herzen können wir es dann vielleicht und hoffentlich spüren. Im Miteinander können wir uns dessen immer wieder versichern: „Gott sei Dank – es ist nicht das Ende, wenn ich mal am Ende meiner Kräfte (oder meiner Geduld) bin!“ Das ist vielleicht sogar nicht nur nicht das Ende, sondern ein ganz neuer Anfang. Mit neuer Kraft und ganz neuer Hoffnung. Das wünsche ich uns. Amen

So wollen wir beten:
Lebendiger Gott. Wie gut, Kraftworte zu hören. Lass sie in unseren Ohren und Herzen mehr sein als Vertröstungen.
Lass sie Trost sein. Du bist da. Mit Leben bist du da. Und mit deiner Kraft und deinem Leben willst du unser Leben beleben. Mit deiner Kraft uns neue Kraft schenken.
Und die haben wir nötig in diesen Wochen. Da zerrt viel an unserer eigenen Kraft. Die ungewohnte Situation macht uns zu schaffen. Die Unsicherheit macht uns zu schaffen. Die Sorge, wie es weitergehen wird. Manche sind körperlich an ihre Grenzen gekommen. In den Krankenhäusern und Pflegeheimen. Aber nicht nur dort.

Schenke Du Kraft. Denen, die pflegen und betreuen. Denen, die begleiten und beraten. Denen, die planen und entscheiden. Denen, die leiden und krank sind. Denen die im Sterben liegen. Denen, die an der und in der Einsamkeit leiden. Denen, denen es zu eng wird zuhause. Denen, die sich einsetzen für das Wohl der anderen. Denen, die ihren Dienst tun. Denen, die ihre Hoffnung auf Dich setzen.
Das bitten wir Dich im Besonderen: …
Lebendiger Gott, lass uns Deine Kraftworte hören, lass uns Deine Kraft spüren. Sei du da. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN


Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen.
Und es sind Worte eines alten irischen Segens, die uns durch die Osterzeit begleiten wollen.
Ich erhebe mich heute durch die Kraft des Himmels, Licht der aufgehenden Sonne,
Glanz des Mondes, Leuchten des Feuers, Eilen des Blitzes, Tiefe des Meeres,
Beständigkeit der Erde, Festigkeit der Felsen.
Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.

Gottes Macht halte mich aufrecht.
Gottes Weisheit führe mich.
Gottes Auge schaue für mich -- Gottes Ohr höre für mich.
Gottes Wort spreche für mich --- Gottes Hand schütze mich.
Gottes Weg liege vor mir --- Gottes Schild schirme mich.

Christus sei mir zur Rechten, Christus sein mir zu Linken.
Er die Kraft - er der Friede.
Christus sei, wo ich liege. Christus sei wo ich sitze.
Christus sei, wo ich stehe. Christus sei in der Tiefe.
Christus sei in der Höhe. Christus sei in der Weite.

Christus sei im Herzen eines jeden, der meiner gedenkt.
Christus sei im Munde eines jeden, der von mir spricht.
Christus sei in jedem Auge, das mich sieht.
Christus in jedem Ohr, das mich hört.
Er mein Herr. Er mein Erlöser.

Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft -
die Anrufung des dreieinigen Gottes. AMEN
(Irische Segenswünsche)

Ostermontag den 13.04.2020


 Die Gottesdienste am Ostermontag sind bei uns im Kirchspiel immer ein wenig anders. So auch heute. Normalerweise spiele ich an den Tagen Lieder mit der Gitarre. Die Texte sind etwas moderner. Das mit der Gitarre funktionier auf diesem Wege leider nicht. Aber – auch dieser Gottesdienst soll ein wenig moderner werden in seiner Sprache und mit seinen Texten. Aber dennoch – keine Angst – es ist ganz und gar ein Ostergottesdienst.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Eingangswort (nach Psalm 118)

Der Herr ist meine Kraft und mein Lied.
Und das Lied klingt nach Leben und nach Freiheit.
Das Lied klingt nach Neuanfang und Glück.
Das Lied klingt nach Zukunft und Hoffnung.
Der Herr ist meine Kraft und mein Lied.
Dieses Lied will ich hören und singen.
Dass es mich und andere froh macht.
Dass es uns Kraft schenkt und Leben.

Der Herr ist meine Kraft und mein Lied.
Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten!

 

Gebet
Lebendiger Gott, auferstandener Christus.
Wir haben Sehnsucht nach dem Leben.
Erfülle uns damit. Lass es uns spüren.
Erfülle uns mit dem Leben, das nur Du schenken kannst.
Amen

Schriftlesung
Die Lesung aus dem Evangelium steht bei Lukas im 24sten Kapitel in den Versen 13 bis 35.
Es ist die Geschichte von den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus.

Und siehe, zwei von Jesu Jüngern gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus. Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.

Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk; wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war. Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach. (Luther-Bibel 2017)

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria
gelitten unter Pontius Pilatus
gekreuzigt, gestorben und begraben
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.Amen

Predigt
Emeli Sandè ist eine besondere Sängerin. Sie hat etwas zu sagen und zu singen. Die Sängerin aus Schottland wollte sich eigentlich nach ihrem ersten Vornamen Adele nennen. Aber sie musste sich umentscheiden, nachdem eine andere junge Sängerin mit Namen Adele schon Erfolge gesammelt hatte. Adele Emeli Sandè hat sich erst ihrem Medizinstudium gewidmet, bis sie dann schließlich doch in der Musik gelandet ist. Und das ist gut so. Auch wenn in diesen Tagen die Medizin gewiss noch einmal eine viel elementarere Bedeutung hat für uns. Doch auch die Musik kann Medizin sein, wenn es denn die richtige Musik ist, die wir hören und die wir singen.

Eines ihrer Lieder ist „Breathing underwater“ – unter Wasser atmen! Es ist aus dem Jahre 2016. Es ist von ihr und Chris Loco geschrieben und auf der CD „Long live the angels“ – „lange leben die Engel“ – veröffentlicht.

Unter Wasser atmen. Das geht nicht. Das können wir nicht. Deswegen haben wir ja auch Angst, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht. Wenn wir das Gefühl haben, dass die Wogen des Lebens uns überrollen. Wenn wir weggespült werden, weil wie in irgend einen Sog geraten sind, gegen den wir uns kaum noch stemmen können. Unter Wasser atmen, das geht nicht.

Aber Emeli Sandè singt hier über ein Gefühl. Und es ist ganz gewiss ein Gefühl und damit auch ein Lied, mit dem sich das Osterwunder wunderbar beschreiben lässt.

Es ist wie fliegen, singt sie, „something like flying“. Es ist wie fliegen, aber es ist nur ganz schwer zu beschreiben. Mein Gott! Es ist, als könnte ich auch unter Wasser atmen. „My God, I´m breathing underwater“.
Es ist das Gefühl von Freisein und Freiheit. Mein Gott, als könnte ich auch unter Wasser atmen.

Ostern – plötzlich wieder Luft zum Atmen! Ostern – ein ganz neuer Anfang. Und dieser neue Anfang der riecht und schmeckt nach Freisein und Freiheit. Und dieser neue Anfang schenkt mir eine Kraft, die mich ermutigt zu ganz neuer Hoffnung und ganz neuem Leben. Und dieser Anfang verspricht, dass da auch in meinem Leben Dinge möglich sein können und wollen, die mehr sind und besser als das, was ich noch gestern dachte. Es ist wie fliegen, als könnte ich unter Wasser atmen! Als wäre viel mehr möglich als das Mögliche.

Schwer zu beschreiben, so singt sie. Und das ist auch so. Denn es ist ein Gefühl.

Nein, Ostern ist mehr als ein Gefühl. Ostern ist – wenn ich es glauben kann – eine Wirklichkeit, eine ganz neue Wirklichkeit: Leben da, wo vorher noch der Tod war. Möglichkeiten dort, wo vorher nur Unmöglichkeiten waren Wege, wo vorher nur Mauern waren.

Aber – wenn ich daran glauben kann – dann macht dieses Osterfest auch etwas mit mir. Dann weckt das ein Gefühl. Schwer zu beschreiben. Wie fliegen, wie atmen unter Wasser. Freisein und Freiheit. Das wünsche ich uns und das können wir so gut gebrauchen in diesem Jahr. Dass zumindest schon mal in unseren Herzen und Gedanken dieses Freisein und diese Freiheit da ist. Das wird etwas mit uns machen. Mit unserer Einstellung zu uns selbst und mit unserer Hoffnung. Denn Ostern heißt eben, dass wir wieder anfangen, an Wunder zu glauben. In der ersten Strophe heißt es in dem wunderbaren Lied: Ich glaube an Wunder, denn es ist ein Wunder, dass ich hier bin. Und ich spüre, dass sich der Sturm verzieht. Und ich sehe mich schon, dass ich morgen wieder tanzen kann.

Ostern, das ist eben auch die Verheißung, dass wir das Schlimme immer wieder mit Gottes Hilfe überstehen können. Wunderbar poetisch klingt das bei Emelie Sandè in der zweiten Strophe: “And hope, that I had survived yesterday – and today is jealous of tomorrow.” Gestern, das war gestern und das Gestern, das habe ich überlebt. Und heute ist heute. Aber ich bin mich sicher, das „Heute“ wird neidisch sein auf das „Morgen“. Denn das „Morgen“, das wird um so vieles besser sein als das, was heute ist!

Was für eine Botschaft steckt da in dem Lied. Ja – das ist wie die Osterbotschaft.

Und was machen wir damit. Mit dieser neuen Freiheit, mit diesem Gefühl des Freiseins? „Pay back all the love you borrowed“ – zahle all die Liebe wieder zurück, die du dir geliehen hast. Manchmal, gibt es Zeiten, da leben wir auf Pump. Da reicht unsere eigene Liebe und unsere eigene Kraft nicht um durch das Leben zu kommen. Dann haben wir nicht die Kraft, uns zu lieben oder die anderen, die Welt und das Leben. Da sind wir platt und fertig und geschafft. Dann mögen da andere da sein, aus deren Kraft und aus deren Liebe wir leben können. Dann darf uns immer noch auch klar sein, dass Gott uns liebhat. Und dann wir bei ihm gut aufgehoben sind.

Aber dann kommt auch die Zeit und mit der Zeit die Kraft, dass wir selbst wieder lieben können. Uns selbst, die anderen und auch Gott. Wie fliegen ist das, wie atmen unter Wasser, wie Freisein und wie Freiheit. Ostern eben!

Und so wünsche ich Euch und Ihnen und Dir und mir auch heute noch einmal: Frohe Ostern. „Something like flying“. Und ich denke mit diesem Lied natürlich auch daran, dass es dann irgendwann auch in der Gemeinde wieder so ist, dass wir über das gestern nur noch staunen und uns und wundern und uns freuen, dass wir da durch gekommen sind. Und dass wir wieder zusammenkommen und Gottesdienste feiern und singen. Denn dieses Lied von Emeli Sandè singen wir auch mit unserem Gospelchor und ebenso mit den Fishermens Friends. Und auch in einigen Gitarrengruppen haben wir es schon gespielt. Und wie gut wird es sein, wenn wir es wieder miteinander singen. Und ich träume davon, dass wir es in einem unserer ersten Gottesdienste miteinander singen. Auch wenn es englisch ist. Ihr wisst ja jetzt alle, um was es geht. Es geht um „neu anfangen“, fliegen und tanzen. Es geht um Ostern. Und natürlich um den Mut, sich darauf einzulassen. Vielleicht hilft es ja, sich das Lied einfach anzuhören und oder einfach mitzusingen. AMEN

Gebet
Guter Gott, lebendig bist Du und voller Kraft und Liebe.
Und Du willst die Kraft nicht für Dich behalten und die Liebe auch nicht.
Du hast sie auch für uns. Lass uns aus diesem Wissen leben.
Wie fliegen ist es, wenn man sich auf Dein Wort einlassen kann.
Wie Freisein ist es, wenn wir aus Deinem Wort und Deiner Verheißung leben.
Lass uns das spüren in diesen Ostertagen.
Noch ist die Not groß bei uns und in anderen Ländern.
Noch können wir nicht so einfach sagen: Wir sind drüber weg.
Aber dieses Fest lässt uns hoffen. Und so mache unsere Hoffnung stark.
Sei bei denen, die Dich in diesen Tagen besonders brauchen.
In den Krankenhäusern oder den Heimen. Sei du bei denen, die helfen und bei denen, die Hilfe brauchen.
In den Konferenzen und in den Häusern. In den Dörfern und in den Städten.
Sei bei denen, die sich in dieser Zeit verlassen und einsam fühlen.

Ach, so viel erbitten wir von Dir in dieser Corona-Zeit.
In der Stille bringen wir es vor Dich ….
Lass es Ostern werden und sein. Lass uns die neue Kraft des Anfangs spüren.
AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen. Und es sind Worte eines alten irischen Segens, die uns durch die Osterzeit begleiten wollen.
Ich erhebe mich heute durch die Kraft des Himmels, Licht der aufgehenden Sonne,
Glanz des Mondes, Leuchten des Feuers, Eilen des Blitzes, Tiefe des Meeres
Beständigkeit der Erde,Festigkeit der Felsen.Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.

Gottes Macht halte mich aufrecht.
Gottes Weisheit führe mich.
Gottes Auge schaue für mich -- Gottes Ohr höre für mich.
Gottes Wort spreche für mich --- Gottes Hand schütze mich.
Gottes Weg liege vor mir --- Gottes Schild schirme mich.

Christus sei mir zur Rechten, Christus sein mir zu Linken.
Er die Kraft - er der Friede.
Christus sei, wo ich liege. Christus sei wo ich sitze.
Christus sei, wo ich stehe. Christus sei in der Tiefe.
Christus sei in der Höhe. Christus sei in der Weite.

Christus sei im Herzen eines jeden, der meiner gedenkt.
Christus sei im Munde eines jeden, der von mir spricht.
Christus sei in jedem Auge, das mich sieht.
Christus in jedem Ohr, das mich hört
Er mein Herr. Er mein Erlöser.

Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft -
die Anrufung des dreieinigen Gottes. AMEN
(aus: Irische Segenswünsche)

Gottesdienst zum Ostersonntag

Ich wünsche Ihnen und Euch ein gesegnetes Osterfest.„Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ So sagt es der russische Ostergruß. Und vielleicht können wir ja sogar sagen: Frohe Ostern!

Wie kann man das schaffen? Die ganze Osterfreude in einen geschriebenen Gottesdienst zu packen? Wie kann man das schaffen? Die ganze Osterfreude an einem Osterfest zu feiern, wo wir immer noch in unseren Häusern und Wohnungen sind? Wie kann man das schaffen? Das neue Leben zu feiern in den Mühen des alten Lebens in dieser Zeit? Lassen Sie uns den Versuch machen.

So feiern wir diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Im Namen des Auferstandenen! AMEN

Der Herr ist meine Macht und meine Hoffnung.

Der Auferstandene ist der Grund, der mich singen lässt vor Freude.

Er ist mein Heil. Denn seinen Sieg feiern wir.

Deinen Sieg der Liebe über den Tod.

Ich werde nicht sterben, sondern leben.

Und so danke ich Dir, dass Du mich erhört hast.

Und wie Du mich erhört hast, so hast Du mir geholfen.

Du bist der Anfang und bringst das neue Leben.

Der Stein, den die Bauleute verworfen hatten,

der ist zum Eckstein geworden.

Das ist das Wunder, das an Ostern geschehen ist.

Und es ist vor unseren Augen geschehen.

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat.

Lasst uns an ihm freuen und froh sein.

Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

 

So wollen wir beten:

Lebendiger Gott, Dich beten wir heute an. Lass uns das Leben spüren, das Du an Ostern hast in die Welt kommen lassen. Lass es in uns aufblühen. Lass es in uns aufleuchten. Dass unsere Herzen weit werden. Dass unsere Gedanken klar werden. Dass unsere Gefühle offen werden. Schenke uns den Mut, Dich, den Lebendigen, in dieser Welt zu suchen und zu verkündigen. So lass uns heute Deine Osterkraft spüren.

AMEN

Und so lesen wir die Schriftlesung, wie sie heute im Markus-Evangelium im 16ten Kapitel steht: Und da der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, des Jakobus Mutter, und Salome Spezerei, auf dass sie kämen und salbten ihn. Und sie kamen zum Grabe am ersten Tag der Woche sehr früh, da die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen dahin und wurden gewahr, dass der Stein abgewälzt war; denn er war sehr groß.  Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Kleid an; und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten! Gehet aber hin und sagt's seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa, da werdet ihr ihn sehen, wie er gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen angekommen. Und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich. Und selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort Gottes hört und in euren Herzen bewahrt. AMEN

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben. Amen

 

Die Predigt

Wir kommen in diesem Jahr auf eine für die meisten von uns völlig einzigartige Weise in das Osterfest hinein. Die letzten Wochen waren auf eine besondere Art und Weise eine Fastenzeit. Denn der Verzicht, den wir üben mussten war ein ganz anderer, als sich manche vielleicht für die 7 Wochen Fastenzeit vorgenommen hatten. Da wollte man auf Schokolade und Süßes verzichten oder auf Alkohol. Und plötzlich stand das Leben still und der Verzicht wurde überall spürbar. Am schlimmsten für die meisten sicherlich da, wo wir auf den persönlichen Kontakt an so vielen Orten verzichten mussten.

Auf diesem besonderen Weg in das Osterfest können wir uns Hilfe holen von den Frauen, die sich tief in der Nacht auf den Weg zum Grab gemacht haben. Sie sind vor dem Osterfest ebenfalls durch ein ganz tiefes dunkles Tal gegangen. Was für einen Weg haben diese Frauen da auf sich genommen und – was für ein Weg liegt schon hinter diesen Frauen. Ganz viel Not ist ihnen auf diesem Weg begegnet. Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome.

Sie hatten gelebt aus den Worten und den Taten dieses Jesus aus Nazareth. Auf ihn hatten sie ihre Hoffnungen gesetzt. Er hat ihnen das Leben ganz neu geschenkt. Hat ihnen Sinn gegeben. Hat ihnen gezeigt, dass sie wertvolle, geliebte Menschen sind. Er hatte ihnen Mut gemacht. Sie waren die stillen Begleiterinnen über all die Monate, die Jesus durch das Land gezogen ist und Menschen getröstet und geheilt hat. Sie hatten viele Wunder gesehen.

Und dann der tiefe Absturz. Sie verhaften ihn. Aber, das kann es doch nicht gewesen sein, denken sich die Frauen, das muss doch weitergehen. Die können ihn doch nicht einfach so hinrichten. Und doch geht er weiter, dieser Schreckensweg. Sie verspotten ihn. Sie quälen ihn und schließlich töten sie ihn.

Und er stirbt. Und mit ihm sterben all die Hoffnungen der Frauen. Mit ihm verlieren sie das, was ihr Leben ausgemacht hat. Die Richtung, das Ziel, den Mut, die Zukunft. Alles fällt in sich zusammen. Und mit dem, was nun gegangen ist und fort ist an Hoffnung und Mut und Glück und Freude, mit dem was nun gegangen ist kommen neue Begleiter. Begleiter auf dem Weg, die niemand braucht. Der Zweifel kommt, der Zweifel, ob das auch alles richtig war, wenn es jetzt so schnell vorbei ist. Der Zweifel kommt und der Frust und der Kummer. Die Trauer kommt und die fürchterliche Hilflosigkeit angesichts dieser Situation.

Nichts mehr können sie tun, als trauern und in ihrer Trauer zum Grab aufbrechen und ihm den letzten Dienst erweisen und ihn salben. Und sie gehen mit all diesen dunklen Begleitern diesen Weg. Mit dem Zweifel, mit der Hilflosigkeit, mit der Trauer, mit der Hoffnungslosigkeit. Mit der Wut und mit der Ohnmacht, die sie kaum einen Schritt vor den anderen gehen lässt. Über allem diese unendliche Enttäuschung: Wir hatten unser Glück, unseren Weg, unsere Hoffnung, und nun ist sie weg.

Und dann geschieht dieses Unmögliche. Dann ist Jesus nicht im Grab. Dann ist er nicht mehr, wo sie ihn hingelegt hatten. Können Sie verstehen, warum die Frauen sich erst einmal nicht freuen können? Können wir verstehen, warum die Frauen erst einmal weglaufen vor ihrem neuen Glück? Können wir verstehen, warum die Frauen erst einmal zittern und entsetzt sind?

Sie kennen vielleicht den Spruch, dass man „dem Frieden nicht traut“. Es ist ein Spruch aus dem Mittelalter. Da kam es vor, dass der Kaiser bei Streitigkeiten einen allgemeinen Landfrieden ausrief. Weil der aber nicht kontrolliert wurde, hielten sich die verfeindeten Parteien meistens nicht an den Aufruf des Kaisers und führten ihre Streitigkeiten weiter. „Dem Frieden nicht trauen!“ So ging es auch den Frauen an diesem ersten Ostermorgen.

Sie trauten sich nach dem, was sie in den letzten Wochen erlebt hatten nicht mehr, neu zu hoffen. Sie trauten sich nicht, zu glauben, was ihnen da erzählt wurde von dem Jüngling im Grab. Die neuen Begleiter auf ihrem Weg zum Grab, durch die Dunkelheit, die neuen Begleiter, der Zweifel, die Enttäuschung, die Trauer, die Ohnmacht und die Wut, die hinderten sie daran, neu zu hoffen. Sie trauten diesem Frieden nicht. Da war zu viel Schlimmes geschehen. Da war der Tod mitten in ihr Leben getreten und hatten ihnen genommen, was ihnen das wichtigste war. Ja, wenn man ganz tief unten ist, dann traut man sich manchmal nicht mal mehr zu hoffen. Man könnte ja wieder enttäuscht werden.

Sie werden eine Weile brauchen, die drei Frauen. Der Weg in die Not ging ganz schnell. Der Weg zur neuen Hoffnung dauert eine Weile. Dann werden sie es weitererzählen und die ersten sein, die zu Ostern das verkündigen, was ich Euch und Ihnen heute auch wieder verkündigen darf: Das Leben hat gesiegt. Es hat sich durch die Not, durch das Dunkel gekämpft und ist ganz neu und ist ganz stark ans Licht gekommen. Auferstehung – das Leben hat gesiegt.

Und das Leben, das den Frauen da nun begegnet, das ist ein neues Leben, eines, das sie zurecht erst einmal nur erschrecken kann. Es ist ein tiefes Leben, denn es ist durch die tiefsten Tiefen gegangen. Es ist ein Leben, das jedes Dunkel kennt. Und dann doch auch jedes Dunkel hinter sich gelassen hat. Ein blühendes Leben, das den Winter nicht vor sich, sondern hinter sich hat. Ein Leben mit einer unbändigen Kraft. Ein Leben, das nichts mit dem oberflächlichen Leben zu tun hat, was die Welt manchmal aus Versehen oder Nichtwissen Leben nennt.

Die Frauen brauchen Zeit. Sie werden sich in den nächsten Stunden und Tagen daran erinnern, dass Jesus davon geredet hatte. Dass sie es damals noch nicht richtig verstehen konnten. Dass er ihnen erzählt hat von dem neuen Leben aus seiner Hand, aus erster Hand. Von dem neuen Leben, das stärker ist als der Tod, das mächtiger ist als das Dunkel. Sie werden Zeit brauchen. Nach und nach werden sich die dunklen Begleiter von ihnen wieder verabschieden. Der Zweifel und der Zorn, die Hilflosigkeit und die Enttäuschung. Sie werden sich wieder verziehen. Und neue Begleiter kommen wieder. Der tiefe Glaube, der Mut, das Glück, die Zufriedenheit und die Hoffnung und die Liebe.

Und denn werden sie dem Frieden trauen.

Und genau dazu sind wir auch eingeladen. Dass wir diesem Frieden des Ostermorgens trauen. Dass wir in den dunklen Zeiten nur ja nicht das Hoffen aufgeben und den Glauben. Dass wir uns trauen, an diesem Ostersonntag auch zu sagen: „Ja, Gott, wir legen es in Deine Hand, was in diesen Wochen das Leben und die Welt bedroht. Wir hoffen auch Dich.“ Und so bitten wir darum, dass es uns gehen mag wie den Frauen nach dem dunklen Weg. Dass sich die dunklen Begleiter langsam verabschieden. Und dass es die Engel Gottes sind, die uns weiterführen auf diesem neuen Oster-Weg. Dass sie uns zu Begleitern werden. Dass wir Mut schöpfen aus Ostern und Hoffnung.

So wollen wir beten:
Lebendiger Gott. Lass uns dem Frieden trauen.

Lass in uns nicht Zweifel herrschen oder Frust.

Verbanne die Hoffnungslosigkeit aus unserem Denken.

Lass in unseren Herzen keinen Platz für die Resignation.

Hilf uns, die dunklen Gedanken abzuschütteln und Dir zu trauen.

Dir und diesem neuen blühenden Leben, das Du da an Ostern ans Licht gebracht hast.

In diesem Licht kann das blühen, was wir brauchen:

Hoffnung und Glaube und Liebe.

Vertrauen in deine Kraft, Mut zum Leben.

Phantasie und Durchhaltevermögen.

Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit.

Barmherzigkeit und Freundlichkeit.

Großzügigkeit und Einsicht.

Guter Gott. Hilf dieser Welt und hilf uns in der Not.

Schenke Dein neues Leben hinein. Und lass die Welt bereit sein, daraus zu leben.

So bringen wir heute die ganze Welt vor Dich.

Bescheine sie mit Deinem Osterlicht. Amen

 

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,

Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so lassen wir uns den Segen Gottes zusagen. Und es sind Worte eines alten irischen Segens, die uns durch die Osterzeit begleiten wollen.

Ich erhebe mich heute durch die Kraft des Himmels, Licht der aufgehenden Sonne,

Glanz des Mondes, Leuchten des Feuers, Eilen des Blitzes, Tiefe des Meeres,

Beständigkeit der Erde, Festigkeit der Felsen.

Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.

 

Gottes Macht halte mich aufrecht.

Gottes Weisheit führe mich.

Gottes Auge schaue für mich -- Gottes Ohr höre für mich.

Gottes Wort spreche für mich --- Gottes Hand schütze mich.

Gottes Weg liege vor mir --- Gottes Schild schirme mich.

 

Christus sei mir zur Rechten, Christus sein mir zu Linken.

Er die Kraft - er der Friede.

Christus sei, wo ich liege. Christus sei wo ich sitze.

Christus sei, wo ich stehe. Christus sei in der Tiefe.

Christus sei in der Höhe. Christus sei in der Weite.

 

Christus sei im Herzen eines jeden, der meiner gedenkt.

Christus sei im Munde eines jeden, der von mir spricht.

Christus sei in jedem Auge, das mich sieht.

Christus in jedem Ohr, das mich hört.

Er mein Herr. Er mein Erlöser.

Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft -

die Anrufung des dreieinigen Gottes. AMEN

(Irische Segenswünsche)

Eine kleine Osternacht am 12.04.2020

Leider können wir in diesem Jahr morgens um 6 Uhr nicht gemeinsam im Chorraum der Kirche in Münster sein. Die Lieder fehlen gewiss nicht nur mir. Die Atmosphäre genauso und gewiss auch das gemeinsame Frühstück nach der Feier.

Und doch möchten wir ihnen in unserer Kirchengemeinde die Möglichkeit geben, eine kleine Osternachtfeier für sich zuhause zu feiern. Hier unser Vorschlag und unsere kleine Osternacht:

Guter Gott, es ist noch früh heute Morgen. Ich habe mich aus dem Bett aufgemacht. Ich will diesen Moment zwischen Nacht und Tag nutzen. Denn es ist eine besondere Nacht der ein besonderer Tag folgt. In dieser Nacht erinnern wir uns an die Nacht, in der sich die Frauen auf den Weg zum Grab Jesu gemacht haben. Um sie herum war es dunkel. Und in ihnen auch.

Aber ich zünde eine Kerze an. Ihr Licht lässt mich den Weg finden. Heraus aus dieser Nacht.

Kerze anzünden

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr ist meine Kraft und meine Stärke.

Man singt mit Freuden von seinem Sieg.

Gottes Liebe führt mich durch die Nacht.

Ich werde nicht sterben, sondern leben.

Ich danke Dir, dass ich das glauben und wissen darf.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

Gott hat das geschehen lassen und es ist ein Wunder vor unseren Augen.

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat,

lasst uns freuen und fröhlich sein an ihm. (nach Psalm 118)

Guter Gott. Wie die Frauen damals haben wir das Dunkel vor Augen und manchmal auch in unseren Gedanken und Herzen. Dann sehen wir das Leben nicht und dann ist die Hoffnung fern. Aber das ist es nicht, was Du willst. Du willst nicht, dass das Dunkel siegt. Du willst nicht, dass die Angst siegt. Du willst nicht, dass der Tod siegt. Und mit dieser Hoffnung sitze ich nun hier und warte, dass es Ostern wird, dass es licht wird.

So mache es hell. Amen

Hören auf die Verheißungen

Ich staune, wie in den Osternächten zuvor über all die Bewahrung, die Menschen immer wieder erfahren haben. Über all die Wunder, die schon geschehen sind. Dass Du alles so wundervoll geschaffen hast. Dass Du die Menschen durch die Sintflut bewahrt hast. Dass Du dein Volk aus der Sklaverei befreit hast. Dass Du den Menschen immer wieder große Propheten geschickt hast, die mit deinem Wort trösten und mahnen konnten.

Und ich höre auf die wunderbare Einladung des Propheten Jesaja, die so im 55sten Kapitel seines Prophetenbuches steht:

»Her, wer Durst hat! Hier gibt es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen!

Kauft euch zu essen! Es kostet nichts!

Kommt, Leute, kauft Wein und Milch! Zahlen braucht ihr nicht!

Warum gebt ihr euer Geld aus für Brot, das nichts taugt, und euren sauer verdienten Lohn für Nahrung, die nicht satt macht? Hört doch auf mich,

dann habt ihr es gut und könnt euch an den erlesensten Speisen satt essen!

Hört doch, kommt zu mir! Hört auf mich, dann werdet ihr leben!

Ich will mit euch einen unauflöslichen Bund schließen.

Die Zusagen, die ich David gegeben habe, sind nicht ungültig geworden:

An euch werde ich sie erfüllen.

Ihn habe ich einst zum Herrscher über viele Völker gemacht,

damit sie durch ihn meine Macht erkennen.

Auch durch euch sollen jetzt fremde Völker mich kennen lernen: Ihr werdet Völker rufen, die ihr nicht kennt; und Völker, die euch nicht kennen, werden begierig zu euch kommen, wenn sie sehen, was ich an euch tue.

Denn ich, der heilige Gott Israels, euer Gott, bringe euch zu hohen Ehren.«

Sucht den HERRN, jetzt ist er zu finden! Ruft ihn, jetzt ist er nahe!

Wer seine eigenen Wege gegangen ist und sich gegen den HERRN aufgelehnt hat, der lasse von seinen

bösen Gedanken und kehre um zum HERRN, damit er ihm vergibt!

Denn unser Gott ist reich an Güte und Erbarmen.

»Meine Gedanken – sagt der HERR – sind nicht zu messen an euren Gedanken

und meine Möglichkeiten nicht an euren Möglichkeiten.

So hoch der Himmel über der Erde ist, so weit reichen meine Gedanken hinaus über alles, was ihr euchausdenkt, und so weit übertreffen meine Möglichkeiten alles,

was ihr für möglich haltet.

Wenn Regen oder Schnee vom Himmel fällt, kehrt er nicht wieder dorthin zurück,

ohne dass er etwas bewirkt:

Er durchfeuchtet die Erde und macht sie fruchtbar,

sodass sie Korn für das tägliche Brot hervorbringt und Saatgut für eine neue Ernte.

Genauso ist es mit dem Wort, das ich spreche:

Es kehrt nicht unverrichteter Dinge zu mir zurück,

sondern bewirkt, was ich will, und führt aus, was ich ihm auftrage.«

Erinnern an die Taufe
„Die ihr auf Christus seid getauft, habt Christus angezogen!“ So singen wir immer in der Osternacht nach dem alten orthodoxen Kirchenlied. Die Tauferinnerung ist ganz wichtig in der Osternacht. Sich daran erinnern, dass die wunderbare Osterbotschaft, die es gleich zu hören gibt, dass die uns ganz persönlich zugesagt werden will. In unseren Sorgen, in unsere Fragen, in unser Suchen und Hoffen, Singen und Beten.

Abendmahl
Es war in der Feier der Osternacht DIE Tradition, dass die Gemeinde zu Sonnenaufgang das Brot brach und den Wein trank. Erinnern Sie sich daran. Oder nehmen sie ein Stück Brot. Mit diesem Morgen beginnt etwas Neues. Schuld ist vergeben. Ein Neuanfang kann für uns alle werden.

Die Osterverkündigung
Und dann dürfen wir es hören:

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Der Osterruf.

„Christ ist erstanden von den Toten, im Tode bezwang er den Tod und hat allen in den Gräbern das Leben gebracht!“

Und so hören wir aus dem Brief des Paulus an die Kolosser sein Oster-Ruf aus dem dritten Kapitel:

Der alte und der neue Mensch.

Seid ihr nun mit Christus auferstanden,

so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.

Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.

Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.

Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird,

dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.

Und dann dürfen wir lesen, was sich an diesem Morgen zugetragen hat, als es hell wurde:

Jesu Auferstehung, überliefert nach dem Matthäusevangelium im 28. Kapitel:

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach,

kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben.

Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab,

trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.

Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht!

Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.

Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;

und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten.

Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa;

dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude

und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach:

Seid gegrüßt!

Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.

Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht!

Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern,

dass sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen.

Gebet
Guter Gott, so lass nun Ostern werden. Lass uns spüren, wie das neue Leben sich Raum bricht in dieser geplagten Welt. Lass Hoffnung neu werden und Kraft wachsen. Lass uns leben aus dem Wissen und dem Glauben, dass Du die Kraft hast, neues Leben ans Licht zu bringen – für uns, für unsere Liebsten, für die Menschen in unseren Dörfern, für die Menschen in der Welt und für deine ganze Schöpfung. AMEN

Vater unser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Amen.

Segen

So wollen wir uns nun den Segen Gottes zusagen lassen. Er möge uns an diesem Tage begleiten und uns Kraft geben für die Zeit, die vor uns liegt.

Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft,

die Anrufung des auferstandenen Herren, des Siegers über den Tod.

Ich erhebe mich heute durch die Kraft des Himmels, Licht der aufgehenden Sonne,

Glanz des Mondes, Leuchten des Feuers, Eilen des Blitzes, Tiefe des Meeres,

Beständigkeit der Erde, Festigkeit der Felsen.

Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.

 

Gottes Macht halte mich aufrecht.

Gottes Weisheit führe mich.

Gottes Auge schaue für mich -- Gottes Ohr höre für mich.

Gottes Wort spreche für mich --- Gottes Hand schütze mich.

Gottes Weg liege vor mir --- Gottes Schild schirme mich.

 

Christus sei mir zur Rechten, Christus sein mir zu Linken.

Er die Kraft - er der Friede.

Christus sei, wo ich liege. Christus sei wo ich sitze.

Christus sei, wo ich stehe. Christus sei in der Tiefe.

Christus sei in der Höhe. Christus sei in der Weite.

Christus sei im Herzen eines jeden, der meiner gedenkt.

Christus sei im Munde eines jeden, der von mir spricht.

Christus sei in jedem Auge, das mich sieht.

Christus in jedem Ohr, das mich hört.

Er mein Herr. Er mein Erlöser.

 

Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft -

die Anrufung des dreieinigen Gottes. AMEN

(Irische Segenswünsche)

Gottesdienst an Karfreitag dem 10.04.2020

Wären wir heute in der Kirche, dann würden wir einen sehr stillen Gottesdienst feiern. Die Glocken hätten nicht geläutet, die Kerzen wären nicht angezündet worden. Ein wirklich besonderer Gottesdienst. Vielleicht sogar der bedeutendste Gottesdienst im ganzen Kirchenjahr für uns in der Evangelischen Kirche. Denn der Karfreitag ist der Tag, an dem wir den Tod des Jesus von Nazareth am Kreuz bedenken.

In diesem Bewusstsein wollen wir heute diesen Gottesdienst feiern im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Als Eingangswort hören wir Verse aus dem 22sten Psalm. Den ersten Vers dieses Psalms hat Jesus selbst verwendet, als er sterbend am Kreuz hing. Deshalb ist dieser Psalm heute so passend:

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, am Tage rufe ich zu Dir, doch du antwortest nicht. Und nachts finde ich keine Ruhe.

Aber du bist heilig. Unsere Vorfahren hofften auf Dich und Du hast sie nicht alleine gelassen. Sie schrien zu Dir und sie wurden errettet. Sie hofften auf Dich und wurden nicht enttäuscht.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch. Ein Spott der Leute und verachtet vom Volk. Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf. „Er klage es dem Herren, der soll ihm heraushelfen aus der Not, der soll ihn retten, wenn er Gefallen an ihm hat.“

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist mir nahe; und es ist kein Helfer da.

Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.

Aber Du, Herr, sei mir nicht ferne. DU bist meine Kraft, beeile Dich und helfe mir aus meiner Not. Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

So wollen wir beten:

Guter Gott, wir beten Dich heute an als den, der in Jesus Christus in die tiefsten Tiefen gegangen ist um für uns da zu sein. Du hast dabei dem Tod seine alles zerstörende Macht genommen. Und Du hast das für uns gemacht. Lass uns die Botschaft des Karfreitags heute so hören, dass sie uns trifft und bewegt. Wir können sie gut gebrauchen. Lass Du auch uns nicht alleine in unseren Sorgen und mit unseren Fragen. Schenke uns die Kraft und den Mut, Dir zu vertrauen. Und mit dem Psalmbeter sagen wir: Du bist meine Kraft, beeile Dich und helfe mir aus meiner Not. AMEN

Schriftlesung

Das Evangelium für diesen Sonntag steht im Johannesevangelium im 19. Kapitel in den Versen 16 bis 30. Sie nahmen ihn aber,

und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 

Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. 

Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.

Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König.

Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück.

Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund.

Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Weil es aber Rüsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat über – denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag –, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden.

Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war.

Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht.sondern einer der Soldaten stieß mit einer Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt.

Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde: »Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.«

Und ein anderes Schriftwort sagt: »Sie werden auf den sehen, den sie durchbohrt haben.« (Lutherbibel)

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben. AMEN

Predigt

Karfreitag: Jesus geht durch den tiefsten Zweifel, den man sich vorstellen kann. Am Kreuz fragt er: „Warum hast du mich verlassen?“ Und das fragt er Gott.

Karfreitag: Jesus läuft einen Spießrutenlauf. Sie verspotten ihn noch in seiner größten Not. Noch dort haben sie kein Mitleid mit ihm und lachen ihn aus.

Karfreitag: Jesus geht durch die größte Einsamkeit, die man nicht nur denken kann. Nicht nur, dass seine Jünger weggelaufen sind bis auf ein paar. Keiner ist mehr da für ihn.

Karfreitag: Jesus geht in die tiefste Not, die nur vorstellbar ist. Er geht in den Tod. Er stirbt.

Ein tragisches Schicksal – so könnte man sagen. So könnte man sagen, wenn es einfach so geschehen wäre, wenn es ihm einfach so widerfahren wäre. Ein tragisches Schicksal. Aber so war es nicht. Es ist nicht einfach so geschehen, sondern er hat es geschehen lassen. Er, Jesus, er, der Christus, Gottes Sohn, ist diesen Weg ganz bewusst gegangen. Eine bewusste Entscheidung. So dürfen wir Christinnen und Christen das glauben. Kein tragisches Schicksal, kein Unfall, kein Unglück, kein grausames Spiel des Zufalls, keine menschliche Willkür. Bewusst ist es diesen Weg gegangen. Durch den Zweifel, der tiefer nicht sein konnte, durch die Schmähungen, durch die Einsamkeit hinein in die tiefste Not.

Und der, der diesen Weg gegangen ist, der ist nicht irgendwie nur ein besonderer Mensch. Er ist der Sohn Gottes. Er ist selbst Gott.

Das macht KEIN Gott, sagen da manche.

Das macht MEIN Gott, dürfen wir sagen. Und wir dürfen darüber immer wieder erstaunt sein, überrascht und überwältigt. Und wir dürfen darüber – so merkwürdig das klingt an einem solchen Tag – wir dürfen darüber froh sein.

Gott hat Karfreitag werden lassen, Gott ist in Jesus Christus in den Tod gegangen. Und er hat das für uns gemacht. Für Dich und für mich. Und er will uns damit zeigen, dass er bis hinein in die tiefste Not, bis hinein in den tiefsten Abgrund, dass er auch da noch unser Gott sein will. Dass er auch dort noch der Gott sein will, der mitgeht, der uns nicht alleine lässt.

Das dürfen wir heute hören und lesen. Das können wir heute erfahren, wenn wir auf das Kreuz Christi schauen an diesem Morgen. Das Kreuz ist das vielleicht tröstlichste Versprechen Gottes: Ich gehe mit euch. Ich lasse euch auch in den tiefsten Tiefen nicht alleine.

Ich schrieb am Anfang: Jesus geht durch den tiefsten Zweifel. Aber Gott ist da. Und so dürfen wir es auch für uns glauben und erhoffen und erbeten. Kein Glaube ist ohne Zweifel. Kein Glaube ist da ohne manche bange Frage. Gerade auch in dieser Karwoche geht das gewiss manchen so. Wir müssen uns nicht schämen deshalb. Gott geht mit. Er nimmt uns gerade mit unseren Zweifeln und mit unseren bangen Fragen nicht nur ernst, sondern er nimmt uns auch an damit. Auch das sagt der Karfreitag.

Und eben auch das. Jesus geht durch die tiefste Einsamkeit. Er hängt am Kreuz. Hängt da am Kreuz für die Schuld, die er gar nicht begangen hat. Und Gott ist da. Die anderen wenden sich ab, rennen weg, halten diese Not nicht aus. Gott ist da. Trägt die Schuld. Geht mit durch die Einsamkeit. Lässt ihn nicht allein. Lässt uns nicht allein. Nicht in unseren Sorgen, nicht in unserer Einsamkeit, die manche im Moment vielleicht als sehr bedrückend erfahren. Wenn wir zu ihm beten, in der Einsamkeit und in der Not, dann beten wir nicht ins Leere, sondern reden in sein offenes Ohr und in sein offenes Herz.

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Gemeinde!

Ich höre am Karfreitag immer wieder alte Spirituals. Sie wissen, das sind die Lieder, die die Sklaven damals gesungen haben. Ganz einfache Lieder. Einer hat sie vorgesungen und die anderen hinterher. Denn lesen konnte niemand von ihnen. Ganz einfache Lieder mit einer ganz einfachen Botschaft. Mit einer einfachen Botschaft, die aber umwerfend ist. Warum? Diese Menschen hatten in ihrer tiefsten Not den Gott entdeckt, den ihre Peiniger anbeteten. Den Gott, den die Sklavenhalter ihren Gott nannten. Die Sklaven hatten diesen Gott für sich entdeckt. Sie hatten entdeckt, dass das ein Gott war, der in die tiefste Not gegangen ist um bei ihnen in ihrer Not zu sein. So heißt es in einem der berührenden Spirituals. „Nobody knows the troubles I´ve seen!“ „Keiner hat die Sorgen und die Not gesehen, die ich erleben muss, die ich durchleben muss. Keiner hat die Not gesehen. Nur Jesus!

Aber was heißt dann „nur Jesus“! Jesus kennt meine Not genau. Und weil er sie kennt und weil ich ihn Bruder nennen darf, weil er mir seine Liebe angeboten hat, deswegen kann ich auch in meiner allergrößten Not darauf bauen, dass ich eben nicht alleine bin.

Genau das dürfen wir heute an diesem Tag wieder hören. Und wie notvoll wir die Situation auch in diesen Zeiten erfahren mögen, und wie groß die Sorgen auch sein mögen: Er kennt sie. Er trägt sie. Und er trägt die Sorgen, indem er uns trägt. AMEN

Gebet der Fürbitte

Barmherziger Gott, welch einen Weg bist Du da gegangen. Durch all das Leiden hindurch in den Tod. Und wir dürfen und wir wollen darauf vertrauen, dass Du diesen Weg immer wieder gehst. Mit jedem Menschen, der Dir vertraut gehst Du diesen Weg. Durch all das Leid und das Elend und die Not der Welt gehst Du mit denen, die sich Dir anvertrauen in all ihren Sorgen.

Und so wollen wir es heute dann auch machen. Wir legen Dir die Not der Welt vor.

Die Not der Sterbenden und der Trauernden. Die Not der Kranken und Schwachen.

Die Not der Einsamen und der Ratlosen. Die Not der Überforderten und der Müden.

Die Not derer, die in diesen Wochen der Krise entscheiden müssen.

Die Not derer in den Krankenhäusern, derer in den Betten und derer, die sie versorgen.

Die Not der Zweifelnden und Hoffnungslosen. Die Not der Heimatlosen und der Obdachlosen.

Die Not der Geschundenen und Schmerzgeplagten. Die Not der Enttäuschten und Verbitterten.

Die Not der Hilflosen und der Helfenden.

Die Not, die wir im Besonderen noch auf dem Herzen haben: …

Welch einen Weg bist Du gegangen durch all das Leiden und den Tod. So geh Du auch heute mit uns und mit dieser Welt. AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,

Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so wollen wir uns auch heute untern den Segen Gottes stellen:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch seinen Frieden.

AMEN

Gottesdienst für den Gründonnerstag am 09.04.2020

 Liebe Leserin, lieber Leser, lieber Bruder, liebe Schwester, liebe Gemeinde.

Eigentlich ist das heute der Tag, an dessen Abend wir in der Fauerbacher Kirche das Abendmahl miteinander feiern. Am Ende des Abendmahls halten wir einander an den Händen und lassen uns den Frieden Gottes mit auf unseren Weg und auf unsere Wege geben.

Heute ist es anders. Und das tut manchen sicherlich weh, weil das Miteinander fehlt. Weil das Lächeln und der sanfte Händedruck, weil das ermunternde Nicken fehlen. Aber so wie dasAbendmahl gefeiert wird, dass wir uns an das letzte Mahl von Jesus und seinen Freunden erinnern, dass wir es als Erinnerungsmahl feiern, so können wir es auch heute machen. Wir erinnern uns an das was war und freuen uns auf das, was kommt. Wenn wir das erste Mal wieder unser Abendmahl in der Kirche feiern.

So feiern wir diesen besonderen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN

Eingangspsalm

Ein ganz und gar positiver Psalm ist die Grundlage für unser heutiges Eingangswort. Und das tut auch mal sehr gut:

Halleluja! Ich danke dem Herren von ganzem Herzen.

Groß sind seine Werke. Wer sie erkennen kann, darf sich freuen.

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr.

Er gibt Speise denen, die zu ihm finden;

Er gedenkt ewig an seinen Bund.

Er sandte Erlösung seinem Volk und gebot, dass sein Bund ewig bleiben soll.

Heilig ist sein Name.

Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

Gebet

Guter Gott. Gerade heute fehlt uns die Gemeinschaft. Gerade heute fehlt uns das Miteinander, das wir sonst an diesem Tage im Abendmahl erleben und feiern dürfen. Umso mehr bitten wir Dich, dass Du uns Deine Nähe spüren lässt, wenn wir beten und auf dein Wort hören. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern aus Deinem Wort. So teilen wir heute nicht das Brot, sondern dein Wort. Wir teilen es im Lesen und im Hören. Sei Du bei uns. AMEN

Schriftlesung

Im ersten Korintherbrief im 11ten Kapitel lesen wir in den Versen 23 bis26:

Ich habe von dem Herren empfangen, was ich euch weitergegeben habe:

Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm der das Brot, dankte und brach´s und sprach:

Das ist mein Leib für euch, das tut zu meinem Gedächtnis.

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach:

Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das tut, so oft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt,

verkündigt ihr den Tod des Herren bis er kommt.

Und selig sein ihr, wenn ihr dieses Wort Gottes hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja!

Gerne können Sie an dieser Stelle wieder das Glaubensbekenntnis beten, wie wir es sonst in unseren Gottesdiensten in den Kirchen halten.

Ich glaube an Gott, den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.AMEN

Predigt

Manchmal, wenn etwas sehr schlecht gelaufen ist, dann sagt man: „Das war doch zum vergessen.“ „Vergiss es schnell!“ „Hak´ es ab!“ Manchmal ist das auch genau richtig. Manchmal, da lohnt es sich nicht, vergossenem Wein nachzutrauern. Aber manchmal ist es auch genau das Falsche. Manchmal ist es wichtig, eben gerade nicht zu vergessen, sondern sich gut daran zu erinnern. Sich gut daran zu erinnern an eine Sache, die ganz schlecht gelaufen ist. In diesen Tagen erleben wir, wie sehr uns die Gemeinschaft fehlt. Und ich denke, wir sollten uns daran möglichst lange erinnern. Auch dann, wenn die Gemeinschaft längst schon wieder das Alltägliche sein sollte. Auch dann sollten wir uns an diese Zeiten erinnern. Aber dazu am Ende der Predigt noch etwas mehr.

Heute feiern wir den Gründonnerstag. Es ist das kirchliche Fest, an dem wir daran denken, dass Jesus ein Tag vor seinem Tod am Kreuz noch einmal seine Jünger, seine Freunde, eingeladen hat. Sie haben an diesem Abend zusammen Brot gegessen und Wein getrunken. Und dann hat Jesus sie auf das vorbereitet, was kommen sollte am folgenden Tag. Jesus bereitet seine Freunde auf den Karfreitag vor. Aber er tut es, indem er sie in die Gemeinschaft eingeladen hat. Er sagt es ihnen beim gemeinsamen Essen. Man kann es so zum Beispiel bei Matthäus im 26sten Kapitel in den Versen 17 bis 30 nachlesen. Es war Jesus wichtig, dass seine Freunde gestärkt waren, durch Brot und Wein und durch die Gemeinschaft. Diese Stärkung brauchten sie, um das zu ertragen und zu überstehen was am nächsten Tage kommen sollte. Und diese Stärkung brauchten sie auch, um dann weiterzugehen auf ihrem Weg. „Ich lasse euch ja nicht alleine! Ich schenke euch meinen Heiligen Geist, so sagt er es an einer anderen Stelle. Und ich stelle euch hinein in diese besondere Gemeinschaft, die ihr heute hier spüren dürft beim Teilen von Brot und Wein.

Was ist denn nun aber das Besondere an dieser besonderen Gemeinschaft? Nun, das ist nicht einfach mit einem Satz zu sagen. Denn diese Gemeinschaft ist in vielerlei Hinsicht sehr besonders. Das ist es, was wir uns an jedem Gründonnerstag immer wieder sagen lassen dürfen. Nein, das ist nicht irgendeine Gemeinschaft, sondern eine ganz besondere!

Was macht die Gemeinschaft so besonders? Vor allem natürlich, dass die Einladung in diese Gemeinschaft von Jesus ausgeht. Wir sind in seinem Namen zusammen. Haben seinen Namen, sind Christinnen und Christen in der Gemeinschaft. Er, Jesus, ruft uns zusammen. Und er tut es, um uns seine Liebe spüren zu lassen. So wie er damals für seine Jünger das Brot gebrochen hat und den Wein ausgeschenkt hat, so will er es bis heute im Kreis dieser Gemeinschaft machen. Er will uns seine Liebe spüren lassen. Er will sich in dieser Gemeinschaft und mit dieser Gemeinschaft um uns kümmern.

Wie er das machen will? Sein Plan ist unfassbar. Er nimmt uns unsere Schuld. Er vergibt uns unsere Schuld und macht uns so auf eine ganz besondere Art und Weise frei. Und das, was erst einmal so theoretisch klingt, das will ganz praktische Auswirkungen in der Gemeinschaft haben.

In einer Gemeinschaft, in der sich die Einzelnen fragen müssen: „Können mich die anderen überhaupt gebrauchen? Habe ich da überhaupt einen Platz? Nehmen die mich auch wirklich so wie ich bin?“, in einer Gemeinschaft, in der Einzelne sich das fragen müssen, da fehlt die Offenheit und da fehlt die Freude. Da ist viel Vorsicht drin und auch etwas Schauspiel. „Ich weiß ja nicht, ob ich mich den anderen so zumuten kann, wie ich wirklich bin!“, überlegt dann der eine oder die andere.

In dieser besonderen Gemeinschaft, in die Jesus hineinruft ist das anders, kann das zumindest anders sein oder sollte es zumindest immer wieder anders werden. Wenn aus der Theorie der Sündenvergebung eine Lebenspraxis wird, dass bedeutet das: Ich darf aus dem Wissen leben, dass Gott mich so annimmt, wie ich bin. (Bedenken Sie nur, Jesus hatte selbst Judas in diese Gemeinschaft eingeladen, von dem er doch wusste, dass der ihn verraten würde!!!) Und wenn ich das ernst nehme, dann darf ich nicht nur aus dem Wissen leben, dass Gott mich annimmt, wie ich bin. Dann darf ich mich auch selbst annehmen. Dann darf ich mich auch auf diese Gemeinschaft einlassen und darauf vertrauen, dass ich gerade in dieser Gemeinschaft angenommen bin, so wie ich bin. Dann aber kann in dieser Gemeinschaft eine so große Offenheit sein, Ehrlichkeit auch und Barmherzigkeit. Dann dürfen wir uns aufeinander einlassen, weil wir uns miteinander einlassen auf Gott und seine Liebe.

Wirklich. Eine sehr besondere Gemeinschaft ist das. Damals wie heute. Nicht immer ist das spürbar. Aber vielleicht im Moment. Vielleicht ja gerade in dem Moment, wo man diese Gemeinschaft vermisst. Vielleicht ist sie gerade in diesen Momenten erkennbar. Denn das besingen sie nicht nur in vielen Liedern. Ich denke an das wunderschöne „Let her go“ von Passenger. Dort heißt es unter anderem: Du vermisst die Sonne erst, wenn der Schnee anfängt zu fallen. Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige bin, der in diesen Tagen gerade das vermisst: das Stehen um den Altar und das Empfangen von Brot und Wein oder Saft. Das hören der Sendungsworte und der Friedenswunsch und ganz besonders auch das Händereichen nach dem Abendmahl.

Aber auch das sagt viel aus über diese besondere Gemeinschaft. Wir sollen zusammenkommen, um uns immer wieder zu erinnern. Zu erinnern an das letzte Mahl Jesu mit seinen Freunden. Wir sollen uns aber auch immer wieder erinnern an die Freundlichkeit Gottes mit der er uns annimmt.

Und so sind wir hoffentlich auch eine große Lerngemeinschaft. So werden wir aus diesen Tagen mitnehmen, wie wertvoll die Gemeinschaft ist. Denn Erinnern heißt lernen. So werden wir hoffentlich aus diesen sehr merkwürdigen Zeiten etwas mitnehmen hinein in den Alltag. Dass die Gemeinschaft wichtig bleibt. Dass es sich lohnt, in die Gemeinschaft zu investieren.

Alle aus dem Gospelchor können in dem Moment einfach mal das „Breaking bread“ für sich singen. Es ist das Lied vom Brotbrechen, vom Teilen des Lebens, der Freude und der Sorgen. Und das Lied darüber, was aus diesem Teilen für Wunder geschehen können! AMEN

Fürbittgebet.

Guter Gott. Du erinnerst uns an diesem Tag an die Kraft der Erinnerung.

So lass uns nicht vergessen, wie groß deine Liebe ist. Lass uns nicht vergessen, wie viel Kraft Du hast. Du kannst uns Menschen trösten. Du kannst uns Mut machen. DU kannst unseren Glauben und unsere Hoffnung stark und groß machen. Du kannst uns auch die Geduld schenken, die wir in diesen Tagen so dringend brauchen.

Hilf uns, dass wir uns in diesen Tagen an deine Kraft und Deine Liebe erinnern. Und lass uns diese Liebe nun auch spüren. Sei Du bei uns allen. Sei Du bei den Menschen, die in dieser gefährlichen Zeit da sind für andere. In den Krankenhäusern und in de Pflegeheimen, in den Seniorenheimen und in den Arztpraxen. Sei Du bei den Menschen im Gesundheitsdienst. Sei Du da mit deinem Geist, wo die Menschen in diesen Tagen nach Wegen und Mitteln forschen, die aus dieser Krise führen. Sei du da, wo sich Menschen begegnen, dass sie Acht geben auf sich und die Anderen. In den Geschäften und auf den Straßen. Sei Du bei den Männern und Frauen, die in diesen Wochen so schwere Entscheidungen zu treffen haben in der Politik. Sei Du bei denen, die von finanziellen Sorgen gequält werden und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Sei Du auch dort mit deiner Liebe, wo in anderen Ländern in dieser Welt die Menschen leiden. Sei du überall auch bei den Kranken und den Sterbenden. Gehe auch die schwersten Wege mit den Menschen, dass sie nicht ganz und gar alleine und verlassen sein müssen.

In der Stille bringen wir noch das vor Dich, was uns selbst besonders belastet und bewegt: . …..

Sei Du da in unseren Dörfern, sei Du da in unserer Kirche. Sei Du da mit Deiner Liebe und Deinem Geist.

AMEN

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name,

Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. AMEN

Und so wollen wir uns auch heute unter den Segen Gottes stellen:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch seinen Frieden.

AMEN

Gottesdienst am Palmsonntag dem 05.04.2020

Liebe Gemeinde, liebe Brüder und Schwestern, liebe Leserin und lieber Leser.

Heute wollten wir eigentlich in unserem Kirchspiel die Jubelkonfirmationen feiern. Die Einladungen waren schon verschickt. Und dann ist es ganz anders gekommen.Gestern wollten wir unseren Gospelgottesdienst feiern. Die Lieder waren schon geprobt. Das Programm stand schon. Und dann ist es ganz anders gekommen.

Umso wichtiger, dass wir nicht aufhören mit dem Feiern der Gottesdienste. Auch wenn es auf diese – immer noch sehr ungewohnte Art und Weise ist. Es ist ein Gottesdienst.

Auch den feiern wir im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN

Und eine Übertragung von Psalm 69 ist unser Eingangswort:

Gott, hilf mir.

Das Wasser steht mir bis zum Hals.

Ich habe Angst, dass ich versinke. Da ist kein Grund unter meinen Füßen.

Ich habe mich müde geschrien. Bin heiser geworden dabei.

So lange schon warte ich auf meinen Gott.

Aber ich bete und bete weiter, Herr, zu dir.

Du bist doch gütig und barmherzig. Höre wieder auf mich.

Nimm dich meiner Not an. Lass mich nicht alleine.

Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten.

Gebet:

Das Miteinander von Angesicht zu Angesicht fehlt. Und das schmerzt uns sehr.

Das Miteinander von Herz zu Herz, das Miteinander im Gebet, das Miteinander im Hören auf dein Wort, das schenke uns auch heute Morgen. Lass uns beim Hören und Lesen von deinem Wort spüren, dass Du da bist. Lass es mehr sein als Worte, die durch das Internet geschickt worden sind. Lass Deine Botschaft unsere Herzen froh und sicher machen. AMEN

Die Schriftlesung steht bei Johannes im 12ten Kapitel in den Versen 12 bis 19. Es ist der Bericht über den Einzug Jesu in Jerusalem. Der Bericht, der unserem Sonntag heute seinen Namen gegeben hat.

Gerne können Sie an dieser Stelle auch das Glaubensbekenntnis beten:

Ich glaube an Gott, den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben. Amen

Das Predigtwort für diesen Sonntag findet sich bei Markus.

Es steht dort im 14ten Kapitel in den Versen 3 bis 9:

Und als Jesus in Bethanien war in Simons, des Aussätzigen, Hause und saß zu Tische, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und köstlichem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. Da waren etliche, die wurden unwillig und sprachen: Was soll doch diese Vergeudung? Man könnte das Öl um mehr denn dreihundert Groschen verkauft haben und es den Armen geben. Und murrten über sie.

Jesus aber sprach: Lasst sie mit Frieden! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie ist zuvorgekommen, meinen Leib zu salben zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Viele kluge Menschen sagen es immer und immer wieder: Hütet euch vor scheinbar einfachen Lösungen. Gebt Acht, wenn euch jemand sagt: „Das kann man ganz schnell hinkriegen. Die Lösung liegt doch auf der Hand!“ Hütet euch vor denen, die man Populisten nennt. Die haben oft scheinbar einfache Erfolgsrezepte. Aber – es gibt eben nur ganz selten einfache Lösungen. Schon gar nicht in komplizierten Zeiten. Schauen sie nur auf das, was Donald Trump so die letzten Wochen noch zum Thema „Corona“ meinte. Es schien alles ganz einfach. Ist es aber nicht.

Aber das ist kein Problem unserer modernen Zeit allein. Schon zu Jesu Zeiten gab es das. Das heutige Predigtwort macht es deutlich. Schon damals galt: Es gibt keine einfachen Lösungen. Für viele Probleme gilt doch die alte Weisheit, dass jede Medaille zwei Seiten hat. Mal mindestens zwei Seiten. Schauen Sie auf das Predigtwort. Die Freunde Jesu, die Jünger, sind sich einig. Das, was die Frau da gemacht hat, das ist eine Sünde. Ja mehr noch: das ist ein Skandal. Heute würde das für einen kräftigen Shit-Storm im Internet reichen. Wie kann sie nur das kostbare Öl vergeuden. Einfach so! 300 Groschen wäre es wert am freien Markt. 300 Groschen hätte man damit bekommen können. Und was hätte man mit 300 Groschen alles Gutes tun können unter den Armen. Und davon gab es schließlich – und gibt es auch heute noch – genug. Die Narde, aus der dieses Öl hergestellt wird, wächst nur ab einer Höhe um die 4000 Meter bis 5000 Meter im Himalaja. Der Preis damals wäre auf heute umgerechnet etwa 19000 Euro. Ja! Da ist keine Null zu viel dran. Da kann man schon mal schlucken. Und: Ja, da kann man die Jünger doch irgendwie verstehen. Wie kann man nur! Wie kann man nur dieses Salböl einfach so verschütten. Das ist der Arbeitslohn für ein ganzes Jahr! Einfach so weg. Damit hätte man – weiß Gott – mehr anstellen können. Recht haben sie, die Jünger!

Ja, sagt Jesus: Recht habt ihr. Den Armen Gutes tun! Das ist es, was ihr tun könnt. Achtet immer auf die, denen es schlechter geht als euch. Und wenn ihr das wollt, wenn ihr den Armen helfen wollt, dann tut es. Macht es euch nicht so verflixt einfach und erwartet es erst einmal von den Anderen! Das ist ziemlich einfach und billig. „Man hätte es für die Armen geben können! Das ist wahr. Aber seid ihr nicht frei, den Armen zu geben, was sie brauchen?“ „Man hätte …“, ist das nicht immer ziemlich schnell und leicht gesagt? Aber „man hätte …“ ist nur eine Theorie. Keinem Armen ist man „man hätte…“ geholfen. Ihr habt Recht, sagt Jesus, wenn ihr die Armen in den Blick nehmt, die Schwachen, die sich nicht helfen können. Tut für sie, was in eurer Macht steht.

Aber – Recht habt ihr nicht, wenn ihr nun diese Frau niedermacht.

Und da ist sie dann, die Wahrheit, die eben nicht so einfach ist. Da ist sie dann, die zweite Seite der Medaille.

Es gibt manche Menschen, die meinen: „Die Christen, die machen es sich leicht. An Gott glauben und an seine Liebe und alles ist gut. Die machen es sich leicht.“ Aber so ist es eben nicht. Im Namen Gottes und im Namen der Liebe sagt Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt Recht. Kümmert euch um die Armen und Schwachen. Mit dem Geld für dieses Öl könnte man vieles Gutes anfangen. Und im Namen Gottes und der Liebe sagt Jesus: Ihr habt nicht Recht. Macht diese Frau nicht nieder. Sie tut etwas Gutes. Sie tut es nicht für sich, sie tut es nicht, um sich irgendwelche Vorteile zu verschaffen. Sie tut es nicht um gut dazustehen. Sie tut es nicht, um zu zeigen, was sie sich alles leisten kann. Sie tut es nicht aus Leichtsinn. Sie tut es nicht, weil sie die Armen verachtet. Sie tut es aus Liebe zu mir. Und vielleicht ahnt sie dabei mehr als die Jünger, dass es für alles eine Zeit gibt. Dass es für alles seine Zeit gibt.

Manchmal ist es richtig, aus Liebe die Fehler eines anderen zuzudecken. Ein anderes Mal kann es richtig sein, jemanden auf seinen Fehler aufmerksam zu machen.  Manchmal ist es richtig, aus Liebe aus dem Haus zu gehen und jemanden anderen zu besuchen. Manchmal ist es richtig, aus Liebe im Haus zu bleiben und nicht den anderen zu besuchen. Aus dem Haus zu gehen – im Haus zu bleiben. Zwei gegensätzliche Lebensweisen. Und beide sind sie zu ihrer Zeit – der Liebe wegen – richtig. Für beides gibt es seine Zeit. Und im Moment ist es leider die Zeit, zu Hause zu bleiben.

So mag uns auch dieses Wort aus der Bibel in den und durch die besonderen Zeiten begleiten, in denen wir in diesen Wochen leben. Möge uns Gott ein gutes Gespür dafür geben, was gerade dran ist. Möge er uns ein gutes Gespür dafür geben, was gerade wichtig ist. Möge er uns ein gutes Gespür dafür geben, was in diesen Tagen zu tun ist und zu lassen. Möge er uns zeigen, wo wir aus Liebe heraus auch in diesen Tagen Gutes tun können. Viele warten in diesen Tagen auf Anrufe! Und möge er unseren Verstand und unsere Sinne dazu wach machen und wach halten.

Ich finde es wundervoll, dass wir in Jesus einen Gott erfahren, der es sich nicht leicht macht. Der genau hinschaut. Der mich schaut und auf Sie. Der uns wahrnimmt, wie wir sind. Der auf die Liebe baut. So wie Jesus hier die Sorge der Jünger genauso ernst nimmt wie die Liebe der Frau.

Ach ja! Palmsonntag! Das bedeutet: Jesus zieht ein in die Stadt Jerusalem. Und wie er damals in die Stadt eingezogen ist mit seiner Botschaft der Liebe, so will er heute einziehen in unsere Herzen. Und mit dieser Botschaft auf dem Weg in unsere Herzen hat er auch in dieser Zeit keine Reisebeschränkungen zu erwarten. Der Weg ist immer frei, wenn wir es wollen.

Gebet:

Schenke uns Geduld in dieser Zeit. Schenke uns die Klugheit, zu erkennen, was gut ist und was richtig in dieser Zeit. Schenke uns die Kraft, das Gute zu tun.

Denen, die in den Krankenhäusern arbeiten, in den Alten- und Pflegeheimen, schenke die Kraft für ihre schwere Arbeit. Sie müssen dort oft an ihre Grenzen gehen. Manchmal auch über ihre Grenzen. Bewahre und beschütze sie.

Denen, die sich um die Versorgung kümmern für dieses nicht alltägliche Leben, schenke Kraft für ihre schwere Arbeit. In den Läden und Ämtern. Auf der Straße und in den Fabriken.

Denen, die sich als Politiker und Politikerinnen in diesen Tagen zu schweren Entscheidungen entschließen müssen gibt die Kraft. Schenke ihnen die richtigen Berater und eine klare Vision.

Denen, die in der Wissenschaft auf der Suche sind nach Medizin und Impfstoffen schenke Kraft. Sei Du selbst bei ihnen in allem Tun und Versuchen.

Wir bitten Dich für uns alle. Für die Jungen und die Alten, für die Schwachen und die Starken. Wir bitten Dich für die Menschen in unserem Land und in der ganzen Welt. Für die allzu Ängstlichen und die allzu Sicheren. Für die Kranken und für die Gesunden. Sei uns allen nah. Lass uns deine Liebe spüren. Schenke uns allen die Kraft, die wir brauchen für uns und die Anderen.

In der Stille bringen wir die Menschen vor Dich, die uns heute Morgen besonders am Herzen liegen.

…. Wir denken heute auch an alle, mit denen wir heute in der Kirche eigentlich ihr Konfirmationsjubiläum feiern wollten. Lass sie heute im Besonderen Deinen Segen spüren.

Für uns alle bitten wir:

Sei da. Spürbar. Mach uns Mut. Gib uns Kraft. Hilf uns beim Beten. Lass uns achtsam sein. AMEN

Und so können Sie an dieser Stelle das Vaterunser beten.

Wir gehen hinein in die Karwoche. In diesem Jahr ist uns das Leiden dabei besonders vor Augen. Und so dürfen Sie sich gerade heute auch bewusst sein, dass Gottes Segen Sie durch die kommenden Tage begleiten will. Gott segne und behüte Dich! Er lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir Frieden. AMEN

Gottesdienst zum Sonntag Judika am 29. März 2020

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Leserin und lieber Leser, liebe Gemeinde!

Schön, dass Sie unsere Homepage wieder aufgerufen haben. Vielleicht ja sogar ganz bewusst, um diesen Gottesdienst mitzulesen und mitzufeiern. Natürlich fehlt vieles, was wir ansonsten in unseren Gottesdiensten gewohnt sind. Aber auch über diesen Gottesdienst können wir Gemeinschaft haben, denn wir hören auf das Wort Gottes und wir beten jeweils für uns doch auch miteinander.

Auch in den kommenden Wochen werden wir an jedem Sonntag und an jedem Fest- und Feiertag eine neue aktuelle Predigt von mir auf die Homepage stellen. Wer mag, kann sich an der Aktion beteiligen und um 19.30 Uhr eine Kerze in ein Fenster stellen und für einen Moment brennen lassen. Mögen die Kerzen ein Zeichen dafür sein, dass wir aneinander denken. In Münster und Fauerbach läuten um diese Zeit dann auch jeden Tag die Glocken für 5 Minuten. In Münster liegen auch Zettel mit kleinen Andachten für die Corona-Zeit und für die Zeit des Glockenläutens aus.

Auch in diesem Rahmen gilt, dass wir auf Gottes Wort hören im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN

Der Eingangspsalm für diesen Sonntag Judika ist der Psalm 43.

Ich will ihn als Vorlage nehmen für unseren Psalm heute: Du bist mein Gott. Lass mich nicht alleine in meiner Not. Vergiss mich nicht mit meinen Sorgen.

Sende dein Licht und deine Wahrheit. Lass mich deine Gegenwart spüren. Was betrübst du dich, meine Seele und bist so So wollen wir beten unruhig in mir, vertraue auf Gott, er wird dich nicht alleine lassen. Er will dir helfen in all deinen Sorgen. Diesen Gott wollen wir anbeten.

So wollen wir beten:
Gütiger Gott. Noch wissen wir nicht, wie es wirklich weitergehen wird. Noch wissen wir nicht, wann wieder so etwas wie Normalität in unser Leben und in unsere Gottesdienste kommen wird. Schenke uns Deinen Geist, dass wir diesen Gottesdienst auch in unserer jetzigen Situation feiern können. Schenke uns Deinen Geist, dass wir Deine Kraft spüren in dem, was wir lesen und hören. Schenke uns Deinen Geist, dass wir auch in diesem Gottesdienst die Gemeinschaft spüren können, die immer noch in unseren Herzen und Gedanken ist. Halte dieses Gefühl wach in uns. Lass uns Deine Liebe spüren. AMEN

Die Epistellesung für diesen Sonntag findet sich im Hebräerbrief.

Im fünften Kapitel heißt es da von Vers 7 an:

Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und Tränen vor den gebracht, der ihm aus dem Tod erlösen konnte; und er ist erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er der Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber der Seligkeit geworden. Und selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort Gottes hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja!

Gerne können Sie an dieser Stelle das Glaubensbekenntnis beten. Auch das ist tröstlich.

Predigt

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Leserin und lieber Leser, liebe Gemeinde!

Unfassbar, wie sich in den vergangenen Wochen unser Leben verändert hat. Unglaublich, in welcher Geschwindigkeit sich die Umstände unseres Lebens wandeln. Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir in Fauerbach den Weltgebetstag gefeiert und waren eine lebendige und fröhliche Gemeinschaft in der Kirche. Und nun sollen wir nicht einmal mehr in kleinen Gruppen zusammenstehen. Und ich sage das nicht, um mich darüber zu beklagen, selbst wenn mir – so wie vielen von Ihnen – die Gemeinschaft sehr fehlt. Es sind absolut notwendige Vorkehrungen, die hier getroffen werden mussten und getroffen worden sind.

Und doch ist es schon unglaublich, was der Virus mit unserem alltäglichen Leben gemacht hat. Man sieht im Fernsehen die leeren Plätze und Straßen und die Bilder wollen noch nicht in unseren Kopf. Man sieht aufgezeichnete Sendungen im Fernsehen mit klatschendem und jubelndem Publikum und es kommt mir und vielleicht auch Ihnen ebenso fremd vor. Auch das passt nicht mehr in diese so besondere Zeit.

So geht es mir auch mit einem Vers, der in dem Predigtwort für den heutigen Sonntag steht. Das Predigtwort findet sich im Hebräerbrief im 13ten Kapitel in den Versen 12 bis 14. Dort heißt es: Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.


Dieses Stückchen Bibel ist schon schwer genug zu verstehen. Es spricht erst einmal davon, dass Jesus am Hinrichtungsplatz Golgatha hingerichtet worden ist. Und dieser Platz liegt eben nicht mitten in der Stadt Jerusalem, sondern er liegt eben draußen vor dem Tor. Weit ab. Das Elend soll nicht auf das normale Leben abfärben, soll keinen Einfluss darauf haben. Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber darüber wird dann in ein paar Tagen am Karfreitag zu sprechen und zu lesen sein.

Und dann kommt ein Vers, der in der heutigen Zeit dann einen ganz neuen Klang bekommt. Und darum geht es heute in der Predigt zu allererst. Lassen sie es mich erst an diesem Vers deutlich machen. „So lasst uns nun hinausgehen vor das Lager um seine Schmach zu tragen!“ Gemeint ist damit, dass wir diesen Jesus nicht vergessen sollen, dass wir ihn nicht allein lassen sollen in seiner Not. Dass wir ihn mitten hinein holen sollen in unser Leben. Draußen vor der Stadt war es geschehen, vor den Augen der Menschen verborgen. Aber wir sollen darauf schauen, auf das, was da geschehen ist. Wir sollen auf die Not schauen.

Aber – natürlich – wenn man diesen Vers heute liest, dann klingt noch etwas anderes mit. „Lasst uns hinausgehen vor das Lager!“ Nein, eben nicht! Wir sollen eben nicht rausgehen aus unseren Häusern, wenn wir nicht unbedingt müssen!!!! „Lasst uns hinausgehen vor das Lager“, das ist eine Aufforderung, die heute, in unserer notvollen Zeit, plötzlich einen ganz anderen Sinn bekommt. Nicht, dass der Verfasser des Hebräerbriefes das auch nur ansatzweise gemeint hätte. Aber wir hören es heute so. WIR hören es heute so, weil wir mitten drinstecken in dieser absolut außergewöhnlichen Zeit.

Aber, liebe Gemeinde, man kann das Ganze auch positiv sehen. Denn es gilt nicht nur für diese Bibelstelle. Es gilt auch für viele andere Worte der Bibel und es gilt auch für viele Lieder, die wir im Kirchengesangbuch aufgeschrieben und überliefert finden. Etliche von diesen Liedern schienen uns noch vor 5 Wochen sehr, sehr alt und sehr, sehr überholt zu sein. Die Worte schienen überhaupt nicht mehr in unsere Zeit hinein zu sprechen. Und heute, nur fünf Wochen später, klingen die Liedverse und die Bibelverse plötzlich ganz anders. Sie sprechen uns plötzlich wieder an. Und ja – sie können uns plötzlich auch wieder trösten.

Natürlich bleiben manche dieser alten Lieder immer noch fremd, weil sie Worte verwenden, die es in unserem heutigen Alltag nicht mehr gibt. So wie ja auch das Predigtwort für diesen Sonntag erst einmal ein wenig sperrig rüberkommt, weil die Bilder fremd sind. Und doch: Viele der alten Lieder sind in Zeiten geschrieben worden, welche die Menschen als sehr notvoll erlebt haben. Viele der Männer und Frauen, die diese Lieder geschrieben haben, sind durch schwere Notzeiten gegangen. Und es war nicht immer Krieg, es war nicht immer bittere Armut, es war nicht selten auch die Not, die dort ausbrach, wo Menschen zum Beispiel unter Seuchen, unter um sich greifenden infektiösen Krankheiten zu leiden und mit ihnen zu kämpfen hatten. Und plötzlich kommen uns diese Lieder plötzlich wieder ganz nah!

Nicht wenige der Liederdichterinnen und Liederdichter haben ihre Lieder in Zeiten geschrieben, die dunkler kaum hätten sein können. Als Paul Gerhardt einmal von seinem Studium in Wittenberg zurück nach Hause kommt, es ist Ostern 1637, da haben die Schweden in diesen schlimmen Kriegszeiten seinen Heimatort in Flammen aufgehen lassen. Die Kirche, die elterliche Gastwirtschaft, alles in Trümmern und sein 31jähriger Bruder ist an der Pest gestorben. Und das ist nicht alles, was er an Not erlebt hat und er ist nicht der einzige Liederdichter, der aus dieser Not heraus seine Lieder geschrieben hat. Trostlieder, gerade doch deshalb, weil er die Not kannte, weil er wusste, wie wichtig wirklicher und ehrlich gemeinter Trost in der Not ist.

Blättern Sie einfach mal wieder einfach durch das Gesangbuch durch. Manche Lieder werden uns sehr fremd bleiben. Aber gehen Sie ruhig mal auf Entdeckungsreise! Gehen wir jetzt aber noch mal zu dem Bibelwort zurück und zur bekanntesten Stelle aus diesem Stückchen Bibel: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die Zukünftige suchen wir!

Das kann man sehr resigniert hören und lesen. Und gerade in Zeiten wie diesen könnte man sagen: Ja, so ist das, hier ist alles schlimm. Jetzt ist alles schlimm. Die Welt ist schlimm. Erst das, was dann kommt, erst das ist gut. Erst in Gottes Ewigkeit ist alles gut. Aber, das sagt der Verfasser des Hebräerbriefes so ja nicht.

Wir haben hier zwar keine bleibende Stadt, aber wir haben hier jetzt unseren Ort, unseren Lebensort, unseren Platz in dieser Welt. Und als die, die wissen, dass der zukünftige Ort ein Platz ist, in dem Liebe regiert, können wir auf dem Weg dahin zwar unsere Zeit mit Jammern verbringen und resignieren über das, was wir in dieser Welt in Zeiten der Not erleben müssen. Wir können aber auch ganz anders damit umgehen. Wir können dort, wo wir jetzt sind, auch auf Hoffnung bauen. Wir können ermutigende Zeichen setzen. Der Blick auf das Zukünftige kann uns phantasievoll sein lassen im Hier und Jetzt. Es gibt schon so viele gute Ideen. Zum Beispiel: Eine Pfarrerin, die mit Kreide vor ihre Kirche Bibelsprüche aufgeschrieben hat. Was für eine Idee. Vielleicht haben Sie ja auch noch Ideen, für diese besonders herausfordernde Zeit. Allemal muss uns die Hoffnung nicht ausgehen. Wir dürfen aus der Hoffnung leben, dass das Zukünftige, das wir suchen, geprägt ist und gefüllt ist mit all dem, was wir brauchen. Auch mit dem, was wir in diesen Tagen vielleicht alle vermissen. Das Miteinander, die Gespräche, die Umarmungen, der freundliche Blick.

Darauf dürfen wir vertrauen. Das was im Moment ist, das bleibt nicht. Wir haben hier keine bleibende Stadt, das bedeutet eben auch: Nichts, was uns ängstigt und was uns das Leben so schwer macht ist bleibend und beständig. Bleiben tut, das sagt die Bibel an einer anderen Stelle, bleiben tut nur die Liebe, die Hoffnung und der Glaube.

Und so soll auch an dieser Stelle ein Gebet kommen, wie wir es auch in unseren Gottesdiensten in den Kirchen hätten.

Guter Gott, hilf uns. DU kannst es.

Hilf uns, dass wir auch heute Morgen nicht nur an uns, sondern auch an die Anderen denken. Hilf uns, dass wir uns verbunden wissen mit denen, die zu unserer Gemeinde gehören. Dass wir diese wunderbare Gemeinschaft in unseren Herzen weitertragen.

Hilf uns, dass wir auch die Not der anderen sehen.

So wollen wir diese Not vor Dich, guter Gott, bringen und sie Dir ans Herz legen.

…. Bitte, guter Gott, schenke uns die Kraft, die wir in diesen Tagen brauchen.

Schenke denen die Kraft, die in dieser Zeit besonders gefordert sind. Den Politikern und Politikerinnen, die so weiterreichende Entscheidungen zu treffen haben. Den Menschen in unserem Gesundheitssystem, den Ärztinnen und Ärzten, den Pflegerinnen und Pflegern, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Männern und den Frauen in den Apotheken, den Forschenden in der Wissenschaft, die Männer und Frauen in den Krankenwagen.

Schenke denen Kraft, die sich immer noch bereiterklären, in dieser Gesellschaft ihren Dienst zu tun, indem sie in den Geschäften die Regale einräumen, an der Kasse sitzen.

Schenke denen Kraft, die für die öffentliche Ordnung sorgen, der Polizei und der Feuerwehr, den Menschen in den Hilfsdiensten und Beratungsstellen.

Schenke auch Kraft hinein in unsere Kirchen. Lass uns immer wieder Wege finden, Dein Wort hineinzusagen in diese Welt und für die Menschen da zu sein, die uns brauchen, auch wenn uns die Nähe fehlt.

Und was uns sonst noch wichtig ist, das sagen wir Dir jetzt: ….

Lass uns Deinen Segen spüren. AMEN

An dieser Stelle können Sie gerne das Vaterunser beten.

Und leider kann ich ihnen auch den Segen nur in dieser Form mit auf den Weg geben. Aber seien sie gewiss, dass dieser Segen auch wirksam sein will. Warum sollte Gott nicht auch auf diesem Wege zu uns und mit uns reden können?!

Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden. AMEN

Unser erster Gottesdienst auf unserer Homepage am 22. März 2020

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Leserin und lieber Leser, liebe Gemeinde! Nie hätte ich mir vorstellen können, auf diese Art und Weise meinen Dienst als Pfarrer in unserer Kirchengemeinde zu tun. Aber so ist es jetzt gekommen. Und so wählen wir nun als Kirchengemeinde diesen Weg, um miteinander Gottes Wort zu hören und zu beten. Sie können diesen Gottesdienst einfach lesen. Sie können ihn aber auch feiern und mitbeten. Auch in den kommenden Wochen werden wir an jedem Sonntag und an jedem Fest- und Feiertag eine neue aktuelle Predigt von mir auf die Homepage stellen. Wer mag, kann sich an der Aktion beteiligen und um 19.30 Uhr eine Kerze in ein Fenster stellen und für einen Moment brennen lassen. Mögen die Kerzen ein Zeichen dafür sein, dass wir aneinander denken.

Auch in diesem Rahmen gilt, dass wir auf Gottes Wort hören im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN

Der Eingangspsalm für diesen Sonntag Lätare ist der Psalm 84.

Ich will ihn als Vorlage nehmen für unseren Psalm heute: Alles in mir ist froh in dem lebendigen Gott. Alles in mir freut sich über Gott. Er ist meine Hoffnung. Und die Menschen können froh sein, die auf Gott hoffen. Froh können die Menschen sein, die aus dieser Hoffnung Kraft schöpfen und Mut bekommen. Froh können sie sein, denn wenn sie durch das dürre Tal ziehen, wird es für sie zum Quellgrund werden. Das, was verdorrt und verkümmert war, hüllt Gott ein mit seinem Segen wie ein sanfter Regen. Das lässt Mut wachsen und macht den Glauben stark. Gott, unsere Hoffnung, schaue auf uns. Sei Du unser Schutz in den Tagen der Not. Sei Du unsere Kraft in den Tagen der Anfechtung. Sei Du für uns da mit unseren Fragen und Ängsten. Denn bei Dir sind wir sicher. Diesen Gott wollen wir anbeten.

So wollen wir beten:

Gütiger Gott. Es geht kaum in unseren Kopf rein, was da gerade um uns geschieht in dieser Welt. Und weil wir es gar nicht verstehen können, macht es uns Angst. Niemand von uns hätte sich das vorstellen können, was wir in diesen Tagen erleben. Aber wir wollen nicht aufhören, Gottesdienst zu feiern. Auch, wenn wir uns heute nicht in der Kirche begegnen, so sind wir doch in unseren Herzen zusammen. Und deshalb bitten wir Dich: Lass uns auch auf diese Art und Weise einen Gottesdienst feiern, in dem wir Deinen Geist spüren. Mache uns Mut. Schenke uns Sicherheit und lass uns Deiner Liebe gewiss sein. AMEN

Die Epistellesung für diesen Sonntag findet sich im Zweiten Brief des Paulus an die Korinther. Im ersten Kapitel heißt es da von Vers 3 an: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herren Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. Und unsere Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil. Und selig seid ihr, wenn ihr dieses Wort Gottes hört und in euren Herzen bewahrt. Halleluja!

Gerne können Sie an dieser Stelle das Glaubensbekenntnis beten. Auch das ist tröstlich.

Predigt

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Leserin und lieber Leser, liebe Gemeinde! Der Sonntag heute hat den Namen „Lätare“. „Freuet euch“, heißt das. Und so beginnt auch das Predigtwort für diesen Sonntag. Es steht im Buch des Propheten Jesaja im 66sten Kapitel in den Versen 10-14.

Nun scheint das „Freuet euch“ schon in normalen Zeiten eher befremdlich, wenn es mitten in der Passionszeit auftaucht, wenn es mitten in der Zeit auftaucht, in der wir über das Leiden Christi nachdenken. Da ist das „Freuet euch“ – gelinde gesagt – fremd. Umso fremder ist es sicherlich in Zeiten wie diesen. In Zeiten von Corona, in Zeiten der Verunsicherung und der Einschränkung, in Zeiten der Angst und notwendiger Vereinzelung kommt einem viel in den Sinn – aber nicht: Freuet euch!

Aber – es gibt eine Art von Freude, die gerade in Zeiten wie diesen ein wirksames Mittel gegen die Not und die Angst sein kann. Deswegen will ich es Ihnen und Euch und Dir so sagen:

Stellt Euch vor wie groß unsere Freude sein wird, wenn wir uns wieder zu unserem ersten Gottesdienst in der Kirche treffen. Stellt euch vor, wie wir das genießen werden. Stellt euch vor, wie schön es klingen wird, wenn wir wieder die Orgel hören, wenn wir wieder gemeinsam das erste Lied singen. Stelle euch vor, wie schön es sein wird, wenn wir uns das erste Mal wieder begrüßt haben mit einem Handschlag oder einer Umarmung. Wenn wir aufstehen für das Glaubensbekenntnis. Wenn wir dann die erste Predigt hören. Wenn wir miteinander beten und füreinander. Wie schön wird es sein, wenn wir am Ende aufstehen und der Segen wieder durch die Kirche klingt. Wie schön wird es sein. Es wird ein Freudenfest werden, wenn wir diesen ersten Gottesdienst feiern werden. Dieser Gottesdienst wird eine Befreiung sein, wir werden es so sehr genießen. Der erste Gottesdienst wird nichts von einer Routine haben. Er wird reine Freude sein.

Und wenn Sie sich das und vieles mehr vorstellen, dann kann aus dieser Vorstellung über die Freude, die wir haben werden, schon heute eine Freude werden. Vor-Freude nennt man das. Und der Volksmund sagt nicht umsonst, dass die Vorfreude die schönste Freude ist. Sich darauf zu freuen, dass wieder gute Zeiten kommen werden, das ist eine wertvolle Sache. Sich darauf zu freuen, dass wir uns wieder freuen werden in unseren Kirchen, das ist eine Kraft. Und genau um diese freudige Erwartung der Freude, um die Vorfreude, geht es auch an diesem Sonntag in der Passionszeit.

Ihr werdet es sehen und euer Herz wird sich freuen! So heißt es in Vers 14. Vorfreude! Das ist doch Vertröstung, meinen da manche! Vertrösten auf eine Zeit, die kommen wird, vertrösten auf eine Zeit, die noch nicht da ist. Vertrösten auf eine Freude, von der jetzt noch gar nichts zu spüren ist.

Vertrösten ist besser als nichts! Aber, um das Vertrösten geht es nicht in dieser Predigt und in diesem Predigtwort. Nicht vertrösten will das Wort, sondern trösten! Mehr als ein Vertrösten könnte es nicht sein, wenn es ein Menschenwort wäre, auf das wir hier bauen müssten. Trost kann das Wort sein, weil wir auf ein Wort Gottes trauen können. Bei Menschenworten kannst Du immer fragen: „Ob das auch stimmt?“ Und gerade in Tagen wie diesen ist so manche Skepsis zu spüren, wenn es um Menschenworte geht. Aber es geht um Gottesworte. Und für die Worte Gottes haben wir einen Bürgen, dem wir ganz und gar vertrauen dürfen und können. Und dieser Bürge heißt Jesus Christus. Ja, er ist nicht nur der Bürge, er ist selbst dieses Wort Gottes. Denn so hat es Johannes gesagt: Das Wort Gottes ist in Jesus Christus in die Welt gekommen. Und er verbürgt sich mit seinem Leben dafür, dass seine Worte nicht hohl sind und Vertröstung, sondern lebendig und Trost!

Und dass das so ist, das wird eben gerade in dieser Kirchenjahreszeit deutlich, in der Passionszeit. Wir bedenken in dieser Zeit, dass Jesus in das und durch das Leiden gegangen ist. Und er ist in das und durch das Leiden gegangen – nicht um seinetwegen sondern um unseretwegen. Mit dem Leiden, das er auf sich genommen hat, gibt Jesus Christus uns sein Wort: „Ich lasse euch nicht allein. Ich bin nicht nur durch mein Leiden gegangen, ich gehe mit euch auch durch euer Leiden hindurch. Ich stehe gerade in der Not an eurer Seite.“ UND: „Ich führe euch durch, durch diese Not!“

So wissen wir nicht, wie lange diese unwirkliche Situation anhalten wird in der wir uns in diesen Wochen befinden. Wir wissen nicht, wie viele Sonntage ich mit Euch und Ihnen auf diese Art und Weise Gottesdienste feiern werde. Aber wir dürfen wissen, dass in jeder Minute dieser Zeit der Trost schon an unserer Seite steht und mit uns geht. Wir sollen und müssen in diesen Zeiten die Sozialkontakte einschränken. Aber der Kontakt zu Gott ist ganz und gar virenfrei. Er hält seinen Kontakt zu uns und wir können auf den Kontakt zu im ganz und gar bauen und können daraus leben.

So wünsche ich Ihnen und mir, dass wir aus dem Wort Gottes heraus, aus dem Gebet und dem Glauben, in diesen Wochen Trost und Hoffnung schöpfen können.

Und noch etwas: Im Gebet können wir nicht nur in Verbindung mit Gott bleiben. Im Gebet können wir auch umeinander wissen und füreinander eintreten. Lassen Sie uns das kräftig und ehrlich und offen tun. So segne uns Gott und lasse uns seinen Trost spüren. AMEN

Und so soll auch an dieser Stelle ein Gebet kommen, wie wir es auch in unseren Gottesdiensten in den Kirchen hätten.

Guter Gott, das ist eine schwere Zeit für uns und so viele Menschen in dieser Welt. Die Unsicherheit ist groß und die Angst bei vielen deutlich spürbar. Und so bitten wir Dich: Nimm Dich unserer Ängste und Sorgen an. Steh den Menschen bei in ihrer Not. Stehe auch uns zur Seite und lass uns deine Güte spüren. Besonders bitten wir Dich für die Menschen, die als Ärzte oder Ärztinnen, als Krankenschwestern und Krankenpfleger ihren Dienst tun, für alle Menschen in unseren so stark geforderten Gesundheitssystem. Schütze sie. Schütze auch die Menschen in den Alten- und Pflegeheimen. Sei Du bei den Kranken und Schwachen, den Alten und Müden. Sei Du bei unseren Politikerinnen und Politikern, aber auch bei allen, die sich dafür einsetzen, dass das öffentliche Leben weiter funktionieren kann: bei Polizei und Feuerwehr, Hilfsdiensten und Verwaltungen. Und natürlich bringen wir auch die vor Dich, die uns persönlich im Besonderen am Herzen liegen ……… .Aber nicht nur in unserem Land ist Corona spürbar. Wir denken auch an die Menschen in Italien, an die Menschen in Europa, in der Welt, die unter dieser schrecklichen Pandemie leiden. Mach uns mutig. Lass uns nicht aufhören zu beten. Lass uns achtsam umgehen mit unserem Leben. Lass uns die Zeit nutzen, nach deinem Willen zu fragen und ganz neu zu verstehen, was es heißen kann und muss, nach deinem Willen zu leben. Lass uns nicht allein in dieser Sorge und Not. AMEN

An dieser Stelle können Sie gerne das Vaterunser beten.

Und leider kann ich ihnen auch den Segen nur in dieser Form mit auf den Weg geben. Aber seien sie gewiss, dass dieser Segen auch wirksam sein will. Warum sollte Gott nicht auch auf diesem Wege zu uns und mit uns reden können?!

Der Herr segne Dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden. AMEN

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